Mehr als ein frisch gewischter Boden. Sauberkeit und Ordnung -
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Sauberkeit und Ordnung

Mehr als ein frisch gewisch­ter Boden

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Ein Sprich­wort lautet: „Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen“. Aber Ordnung und Sauber­keit am Arbeits­platz dienen dem Anse­hen des Betriebs, sorgen für ein gutes Betriebs­klima und tragen vor allem maßgeb­lich zur Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit bei.

Bettina Brucker

Klara S. kann es nicht fassen: Im Verkaufs­raum der Holz­hand­lung hat sie Holz für ein neues Regal ausge­sucht und bezahlt. Mit dem Auftrags­zet­tel geht sie über den Hof in Rich­tung Holz­zu­schnitt. An der Haus­wand steht eine über­quel­lende Müll­tonne. Dane­ben hat sich bereits weite­rer Abfall ange­sam­melt. Eine Krähe ist dabei, alles ausein­an­der­zu­fled­dern. Als sie die Halle betritt, in der sich der Zuschnitt befin­det, hört sie einen der Mitar­bei­ter laut schimp­fen. Er ist über eine Mate­ri­al­kiste gestürzt, die ein Kollege mitten im Raum abge­stellt hatte. Insge­samt macht die Halle einen chao­ti­schen Eindruck. Klara S. beschließt, das nächste Mal bei einem ande­ren Betrieb einzu­kau­fen.
Die einfa­che Formel Sauber­keit und Ordnung gleich Sicher­heit, kurz S+O=S, hat also, wie das Beispiel zeigt, Auswir­kun­gen sowohl auf die Unfall­ver­mei­dung als auch auf die Kunden­bin­dung. Zudem stei­gen durch Ordnung und Sauber­keit die Produkt­qua­li­tät und die Mitar­bei­ter­zu­frie­den­heit. Und ein ordent­li­cher und saube­rer Betrieb signa­li­siert Zuver­läs­sig­keit und Vertrauen. Der Aufwand für dieses Image ist rela­tiv gering, wenn Ordnung und Sauber­keit zur tägli­chen Routine gehö­ren.
Der erste Eindruck zählt
Kommt ein Kunde in den Betrieb, nimmt er schnell wahr, wie es um Ordnung und Sauber­keit bestellt ist. Mit einem Blick checkt er:
  • Sind die Außen­an­la­gen und Park­plätze des Betrie­bes sauber und gepflegt?
  • Sind die Verkehrs- und Trans­port­wege frei­ge­räumt und gerei­nigt?
  • Sind die Produk­ti­ons­stät­ten und Arbeits­flä­chen aufge­räumt und sauber?
  • Tragen die Mitar­bei­ter saubere und gepflegte (einheit­li­che) Arbeits­klei­dung?
Auch die Mitar­bei­ter regis­trie­ren, wie es im Betrieb aussieht und verhal­ten sich entspre­chend. In einem chao­ti­schen und verdreck­ten Umfeld auf Ordnung und Sauber­keit zu achten, fällt jedem schwer.
Typi­sch für eine mangelnde Arbeits­or­ga­ni­sa­tion und Unord­nung sind:
  • stän­di­ges Suchen nach Gegen­stän­den,
  • lange Warte­zei­ten,
  • blockierte Wege sowie
  • Arbeits­un­fälle und Sicher­heits­ri­si­ken.
Funk­tio­niert die Orga­ni­sa­tion im Betrieb, weiß jeder, was zu tun ist. Orga­ni­sa­tion, auch als unsicht­bare Ordnung bezeich­net, ist erkenn­bar an:
  • gere­gel­ten betrieb­li­chen Abläu­fen,
  • klarer Aufga­ben­ver­tei­lung,
  • klaren Struk­tu­ren bei den Verant­wort­lich­kei­ten,
  • trans­pa­ren­tem Führungs­stil der Vorge­setz­ten sowie
  • einer nach­voll­zieh­ba­ren schrift­li­chen Doku­men­ta­tion, aber auch an
  • regel­mä­ßi­ger Wartung und Instand­hal­tung,
  • regel­mä­ßi­gen Schu­lun­gen und Unter­wei­sun­gen und
  • verständ­li­chen Betriebs­an­wei­sun­gen.
  • Putzen und Reini­gen: am besten mit Plan
  • Sauber­keit trägt als weite­rer Faktor wesent­lich dazu bei, dass Arbeits­plätze gesund und sicher sind. Denn profes­sio­nelle Reini­gung und Hygie­ne­maß­nah­men schüt­zen vor
  • Stolper-, Sturz- und Rutsch­un­fäl­len sowie
  • vor Krank­hei­ten.
Montag­mor­gen öffnet Peter M. den Kühl­schrank. Ihm schlägt ein unan­ge­neh­mer Geruch entge­gen. Zwei offene Schüs­seln mit Kartoffel- und Kraut­sa­lat von der Geburts­tags­feier eines Kolle­gen am Frei­tag stehen darin und ein Teller mit beleg­ten Bröt­chen­hälf­ten. Der Kollege ist nach seiner Feier für zwei Wochen in Urlaub gefah­ren. Ärger­lich für Peter M., denn nun muss er die Lebens­mit­tel entsor­gen, kontrol­lie­ren, ob sich nicht noch andere verderb­li­che Waren im Kühl­schrank befin­den und das Geschirr in die Geschirr­spül­ma­schine räumen. Und dabei wollte er nur seine Milch für den Kaffee kühl stel­len …
„Wo geho­belt wird, da fallen Späne“ – das gilt für viele Arbei­ten. Zunächst einmal ist jeder für die Ordnung und Sauber­keit seines Arbeits­plat­zes, ob im Betrieb oder beim Kunden, selbst verant­wort­lich. Das bedeu­tet auch, dass der Abfall nach geta­ner Arbeit entsorgt und Schmutz zumin­dest abge­spritzt, abge­wischt, zusam­men­ge­fegt oder aufge­saugt wird.
Putz­per­so­nal oder Reini­gungs­firma sorgen dafür, dass alle Räume regel­mä­ßig und nach Plan gerei­nigt werden. Dazu zählen die Trep­pen, Böden und Abla­gen ebenso wie Fens­ter, alle Sani­tär­ein­rich­tun­gen, Küchen und Kanti­nen.
Doch auch andere Berei­che müssen regel­mä­ßig auf Sauber­keit kontrol­liert und gerei­nigt werden. Dazu gehö­ren zum Beispiel die Geschirr­spül­ma­schine in einer Teekü­che, der Kühl­schrank, die Kaffee­ma­schine, die Mikro­welle, aber auch Computer-Tastaturen, Mäuse und Displays. Wenn es um die Sauber­keit geht, lohnt es sich mindes­tens einmal im Jahr durch den Betrieb zu gehen und über­all zu erfas­sen, was in welchem Rhyth­mus zu reini­gen ist. Die Reini­gungs­pläne sind gut sicht­bar auszu­hän­gen oder in einem beschrif­te­ten Ordner aufzu­be­wah­ren. So lässt sich darauf eintra­gen, wer was wann erle­digt hat. Das erleich­tert die Kontrolle.
Sauber­keit und Ordnung: auch auf der Baustelle ein Thema
Dass auf der Baustelle das Werk­zeug wegge­räumt und die Arbeits­plätze regel­mä­ßig sauber gemacht werden, ist selbst­ver­ständ­lich. Doch damit ist es nicht getan. Ob Bauherr, Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit oder Archi­tekt – jeder kann und muss dazu beitra­gen, dass auf einer Baustelle unter ande­rem auch die Mindest­stan­dards für Hygiene und Gesund­heit einge­hal­ten werden.
Der Bautrupp von Willi K. hat klar gere­gelt: Nach der Frühstücks- und Mittags­pause räumt jeder seinen Essplatz im Pausen­raum auf. Die beiden Auszu­bil­den­den haben die Aufgabe, wenn alle Kolle­gen den Raum verlas­sen haben, noch einmal zu kontrol­lie­ren, dass kein Abfall rumliegt. Außer­dem wischen sie alle Tische feucht ab.
Aufräu­men: das A & O im Büro
Vorge­setzte, Kolle­gen und Kunden schlie­ßen aus dem Ausse­hen eines Arbeits­plat­zes auf die gesamte Arbeits­weise eines Unter­neh­mens. Deshalb sollte das äußere Erschei­nungs­bild aufge­räumt und anspre­chend sein.
Tipps für ein ordent­li­ches Büro:
  • Bündeln Sie Kabel und verle­gen Sie diese ordent­lich in einem Kabel­ka­nal oder unter der Schreib­tisch­platte.
  • Nur was Sie mehr­mals am Tag benö­ti­gen, sollte in direk­ter Reich­weite sein, wie Tele­fon, Kalen­der, Notiz­block, Kugel­schrei­ber und der momen­tan zu bear­bei­tende Vorgang.
  • Verwen­den Sie Eingangs-, Ausgangs- und „Laufende“-Körbe.
  • Verban­nen Sie alles, was Sie gerade nicht brau­chen, in den Schreib­ti­sch oder Schrank.
  • Beschrif­ten Sie Mappen und Daten­trä­ger gut lesbar.
  • Entrüm­peln und sortie­ren Sie regel­mä­ßig aus.
  • Beschrän­ken Sie Ihre Vorräte an Büro­ma­te­rial am Arbeits­platz.
  • Sorgen Sie dafür, dass Pflan­zen gepflegt und frisch ausse­hen.
  • Sorgen Sie für Ordnung in der Teekü­che.
  • Spülen Sie drecki­ges Geschirr sofort nach Gebrauch oder räumen Sie es in die Geschirr­spül­ma­schine.
  • Kontrol­lie­ren Sie regel­mä­ßig den Inhalt des Kühl­schran­kes, damit darin keine Lebens­mit­tel vergam­meln.
  • Räumen Sie Ihren Schreib­ti­sch am Ende des Arbeits­ta­ges auf, damit die Putz­frau ihn sauber machen kann.
  • Ordnung am Arbeits­platz mit der 5A-Methode
  • Die so genannte 5A-Methode (s.o.) soll helfen, Chaos am Arbeits­platz zu vermei­den. Mit ihr lassen sich Arbeits­plätze ordent­lich und sauber gestal­ten, Abläufe über­sicht­lich und sicher orga­ni­sie­ren, lästi­ges Suchen oder unnö­tige Warte­zei­ten verrin­gern oder ganz besei­ti­gen. So redu­ziert sich auch die Wahr­schein­lich­keit von Fehlern und Arbeits­un­fäl­len.
Die 5A-Methode wirkt, wenn sie konse­quent umge­setzt wird und alle Mitar­bei­ter und Vorge­setz­ten an einem Strang ziehen. Bei der Einfüh­rung müssen die Mitar­bei­ter bereits einbe­zo­gen werden. Dafür haben sich folgende Schritte bewährt:
  • Die Mitar­bei­ter darüber infor­mie­ren, dass ein neues Konzept einge­führt werden soll.
  • Den Mitar­bei­tern zeigen, was sich posi­tiv verän­dern kann.
  • Jeden Mitar­bei­ter zu den Grund­la­gen der 5A-Methode und deren Umset­zung im Betrieb schu­len.
  • Die Methode zunächst an einem Arbeits­platz umset­zen. Er dient als Stan­dard, nach dem alle ähnli­chen Arbeits­plätze einge­rich­tet werden.
  • Immer wieder auf die 5 A-Methode hinwei­sen.
  • Ordnung: ein wich­ti­ger Aspekt des Brand­schut­zes
  • Wenn es brennt, gibt es oft nur einen siche­ren Ausgang: den Notaus­gang. Deshalb muss dieser stets frei gehal­ten werden und unver­schlos­sen sein. Was sich selbst­ver­ständ­lich anhört, wird immer wieder über­se­hen. Achtet ein Arbeit­ge­ber aber nicht auf die Sicher­heit am Arbeits­platz, handelt er ordnungs­wid­rig. Und das kann teuer werden.
Was früher als Kava­liers­de­likt abge­tan wurde, wird seit 2010 als Ordnungs­wid­rig­keit einge­stuft. Wer eine Arbeits­stätte betreibt oder neu einrich­tet, muss auf die Grund­pflich­ten achten, damit Rettung im Notfall möglich ist. Verstöße dage­gen können nach dem Arbeits­schutz­ge­setz mit einer Geld­strafe bis zu 5.000 Euro geahn­det werden.
Zum Glück brennt es selten. Doch je selte­ner ein Ereig­nis, desto weni­ger Erfah­rung hat man damit und desto wich­ti­ger sind präven­tive Verhal­tens­wei­sen, wie sie unter ande­rem in der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung fest­ge­legt sind. Dazu zählen:
  • Notaus­gänge sind immer frei zu halten und dürfen auch nicht kurz­fris­tig – etwa durch Pakete – verstellt werden.
  • Auf Flucht- und Rettungs­we­gen dürfen keine Brand­las­ten wie Papier, Karton, Kopie­rer etc. stehen. Denn nur freie Flucht- und Rettungs­wege ermög­li­chen es, dass gefähr­dete Perso­nen vor dem Unglück entkom­men können und dass Feuer­wehr und Sani­tä­ter schnell zu Perso­nen vordrin­gen können, die Hilfe brau­chen.
  • Verkehrs­wege müssen breit genug sein und dürfen nicht – beispiels­weise durch Kopie­rer auf dem Flur – einge­engt sein.
  • Brenn­bare Mate­ria­lien wie Farben oder Reini­gungs­mit­tel müssen sicher gela­gert werden.
  • Flucht- und Rettungs­pläne sind auszu­hän­gen.
  • Im Brand­schutz­aus­hang muss das rich­tige Verhal­ten im Brand­fall beschrie­ben sein.
  • Unter ande­rem müssen Erst­hel­fer und Sammel­punkt genannt sein.
Hat ein Unter­neh­men nicht ausrei­chend für den Brand­schutz im Betrieb gesorgt, haftet der Inha­ber persön­lich bei einem Scha­den. Aber auch Beschäf­tigte können wegen unter­las­se­ner Hilfe­leis­tung recht­lich belangt werden.
Klare Spiel­re­geln für den Fein­schliff
Ein Bauschild ist eine gute Möglich­keit kosten­los Werbung für den Betrieb zu machen. Doch nur, wenn die Baustelle gut orga­ni­siert ist und ordent­lich wirkt. Auch ein Firmen­fahr­zeug in zwei­ter Reihe abge­stellt macht Werbung für den Betrieb, aller­dings keine gute, wenn dadurch der Verkehr behin­dert wird. Selbst im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr ist es ratsam sich an die Ordnung, in diesem Falle die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung, zu halten.
Wenn es um die Ordnung im Betrieb geht, dürfen Kontrol­len nicht fehlen. Mit einer betrieb­li­chen Arbeits­ord­nung lassen sich Verhal­tens­re­geln verein­ba­ren, kontrol­lie­ren und bei Verstö­ßen ahnden. Wer gegen die Betriebs­ord­nung verstößt, muss mit arbeits­recht­li­chen Sank­tio­nen, wie beispiels­weise Ermah­nung oder Abmah­nung bis hin zur Kündi­gung rech­nen. Auch diese Punkte müssen in der Betriebs­ver­ein­ba­rung fest­ge­legt werden.
Weitere Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie unter ande­rem …
… bei den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten, z. B. die Check­liste „Sauber­keit + Ordnung = Sicher­heit“ unter https://www.bghm.de/fileadmin/user_upload/Arbeitsschuetzer/
Praxishilfen/Schwerpunktthemen/252_
Sauberkeit_Ordnung_Sicherheit.pdf.
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