Startseite » Aktuelles » Besser hören durch Akus­tik­opti­mie­rung

Lärm am Arbeitsplatz – und wie man ihn vermeidet

Besser hören durch Akus­tik­opti­mie­rung

Die Lärmbelastung unterscheidet sich je nach Arbeitsbereich. (Foto: © Africa Studio – stock.adobe.com)
Anzeige

Groß­raum­büro, Werk­statt oder Stahl­bau­halle: In der heuti­gen Arbeits­welt trifft das Gehör auf eine viel­fäl­tige Geräusch­ku­lisse. Wie es gelin­gen kann, verschie­dene Arbeits­be­rei­che möglichst gehör­freund­lich zu gestal­ten, zeigen folgende Beispiele der Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall (BGHM).

Das Einzel­büro 

In einem Einzel­büro herrscht ein Schall­pe­gel von 40 bis 50 dB(A) vor, dies entspricht etwa der Laut­stärke eines Flüs­terns. Hier soll es möglichst ruhig sein, denn konzen­trier­tes Arbei­ten und Nach­den­ken über weit­rei­chende Entschei­dun­gen benö­ti­gen ein störungs­ar­mes Umfeld.

Akus­ti­sche Anfor­de­run­gen:

  • Im Büro soll­ten sich möglichst keine Schall­quel­len, wie zum Beispiel eine Klima­an­lage, eine laut tickende Uhr oder eine laute PC-Lüftung befin­den.
  • Die Schall­däm­mung sollte möglichst gut sein, damit kein Lärm über Fens­ter, Wände oder Türen ins Büro oder vertrau­li­che Gesprä­che nach drau­ßen gelan­gen.
  • Für Video­kon­fe­ren­zen oder Tele­fone mit Frei­sprech­an­la­gen ist eine möglichst geringe Nach­hall­zeit notwen­dig. Während sich Perso­nen in einem persön­li­chen Gespräch auf den Gesprächs­part­ner konzen­trie­ren und Stör­ge­räu­sche sehr erfolg­reich ausblen­den können, über­trägt ein Mikro­fon jedes Geräusch, auch das Echo des Raums. Der Raum sollte für diese Fälle mit absor­bie­ren­den Elemen­ten gedämpft werden, beispiels­weise durch eine Akus­tik­de­cke, even­tu­ell zusätz­lich mit schall­ab­sor­bie­ren­den Wand­ele­men­ten, falls das Büro rela­tiv klein ist.

Das Groß­raum­büro

Der Schall­pe­gel im Groß­raum­büro beträgt 50 bis 65 dB(A) – es ist dort unge­fähr so laut wie bei einem ange­dreh­ten Fern­se­her in Zimmer­laut­stärke. Im Groß­raum­büro soll Kommu­ni­ka­tion auf kürzes­tem Weg möglich sein. Wenn schnell Abspra­chen getrof­fen werden müssen, sollen das alle Betrof­fe­nen mitbe­kom­men. Im Gegen­zug müssen aber auch alle Beschäf­tig­ten die eige­nen Aufga­ben erle­di­gen können. Es ist daher schlicht unmög­lich, in Groß­raum­bü­ros eine opti­male Akus­tik für alle Fälle zu errei­chen. Es gilt, den besten Kompro­miss zu finden.

Akus­ti­sche Anfor­de­run­gen:

  • Der erste Schritt ist die Lärm­dämp­fung durch groß­zü­gige Absor­ber­flä­chen, die meist an der Decke ange­bracht werden.
  • Durch die Redu­zie­rung des Nach­halls über Absor­ber­flä­chen sinkt der Lärm­pe­gel, aber die Sprach­ver­ständ­lich­keit und damit die Ablen­kung von der Arbeits­auf­gabe steigt. Dem sollen Trenn­wände und eine nicht zu dichte Bele­gung des Groß­raum­bü­ros entge­gen­wir­ken.
  • Ebenso können Geräu­sche von gehen­den Perso­nen oder rollen­den Büro­stüh­len durch Teppich­bö­den redu­ziert werden.

Die Werk­statt

Ab der dort auftre­ten­den Lärm­be­las­tung von 80 bis 85 dB(A) wird es für das Gehör gefähr­lich. Dieser Schall­pe­gel entspricht unge­fähr dem Lärm einer Haupt­ver­kehrs­straße. Nach der Arbeit mit hoher Lärm­ex­po­si­tion sind die Ressour­cen des Gehörs – genauer gesagt des Innen­ohrs – aufge­braucht. Bei ausrei­chend langer Erho­lungs­zeit für das Gehör nach der Lärmein­wir­kung besteht nur ein gerin­ges Risiko für einen lebens­lan­gen Gehör­scha­den. Aller­dings ist die Geräusch­be­las­tung in einer Werk­statt nicht jeden Tag gleich. Manch­mal ist es leiser, manch­mal lauter – insbe­son­dere, wenn Maschi­nen einge­setzt werden.

Akus­ti­sche Anfor­de­run­gen:

  • Die Unter­neh­me­rin oder der Unter­neh­mer muss in der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung die Gefähr­dun­gen durch Lärm berück­sich­ti­gen. Dazu ist eine fach­kun­dige Ermitt­lung der Lärm­be­rei­che notwen­dig.
  • Um den Lärm zu begren­zen, darf der Schall von der Decke und den Wänden nicht komplett reflek­tiert werden, sondern muss zu mindes­tens 30 Prozent absor­biert werden.
  • Der Schall­pe­gel muss bei Verdopp­lung des Abstan­des zur Schall­quelle um mindes­tens 4 dB(A) abneh­men.
  • Die Beschäf­tig­ten müssen von der Unter­neh­mens­lei­tung über die Gefah­ren des Lärms unter­wie­sen werden.
  • Den Beschäf­tig­ten ist kosten­lo­ser Gehör­schutz bereit­zu­stel­len und eine Vorsor­ge­un­ter­su­chung anzu­bie­ten.

Die Stahl­bau­halle

In dieser akus­ti­schen Umge­bung mit einem Schall­pe­gel von 85 bis 100 dB(A) entspre­chend eines lauten Türen­knal­lens ist das Gehör nicht nur durch Dauer­lärm einem Risiko für eine Schä­di­gung ausge­setzt. Schon beispiels­weise ein einzel­ner Schlag mit einem zehn Kilo schwe­ren Hammer auf eine Stahl­platte kann zum sofor­ti­gen und lebens­lan­gen Gehör­scha­den führen. Man spricht in diesen Fällen von einem Knall­trauma. Wenn Dauer­lärm herrscht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Beschäf­tigte ohne Gehör­schutz einen Gehör­scha­den erlei­den. Folg­lich sind hier die gesetz­li­chen Vorga­ben am umfang­reichs­ten und strengs­ten.

Akus­ti­sche Anfor­de­run­gen:

  • Die Unter­neh­me­rin oder der Unter­neh­mer muss in der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung die Gefähr­dun­gen durch Lärm berück­sich­ti­gen. Dazu ist eine fach­kun­dige Ermitt­lung der Lärm­be­rei­che notwen­dig.
  • Der Arbeit­ge­ber muss ein Lärm­min­de­rungs­pro­gramm aufstel­len, um die Belas­tung seiner Beleg­schaft zu senken.
  • Auch hier dürfen Decken und Wände den Schall nicht komplett reflek­tie­ren, sondern müssen ihn zu mindes­tens 30 Prozent absor­bie­ren.
  • Der Schall­pe­gel muss bei Verdopp­lung des Abstan­des zur Schall­quelle um mindes­tens 4 dB(A) abneh­men.
  • Die Lärm­be­rei­che sind an den Zugän­gen zu kenn­zeich­nen.
  • Die Beschäf­tig­ten müssen vor Aufnahme der Tätig­keit eine Pflicht­vor­sor­ge­un­ter­su­chung absol­vie­ren. Diese ist nach zwölf Mona­ten und später im Abstand von höchs­tens 36 Mona­ten regel­mä­ßig zu wieder­ho­len.
  • Den Beschäf­tig­ten ist kosten­lo­ser Gehör­schutz bereit­zu­stel­len.
  • Für den Gehör­schutz besteht eine Trage­pflicht.
  • Die Unter­neh­me­rin oder der Unter­neh­mer muss die Beschäf­tig­ten über die Gefah­ren des Lärms unter­wei­sen. Sie müssen durch prak­ti­sche Übun­gen den rich­ti­gen Gebrauch der bereit­ge­stell­ten Gehör­schutz­mit­tel lernen.

Bei Fragen zur Lärm­min­de­rung und der recht­li­chen Einord­nung bera­ten die Präven­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin­nen und ‑mitar­bei­ter der BGHM Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer sowie Beschäf­tigte der Bran­chen Holz und Metall. Bei Bedarf können diese auch eine Lärm- und Akus­tik­mes­sung durch den Mess­tech­ni­schen Dienst der BGHM ausfüh­ren lassen.

Weitere Infor­ma­tio­nen zum Thema stellt die BGHM auf ihrer Website hier bereit.

 

Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 10
Ausgabe
10.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 10
Ausgabe
10.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de