Startseite » Aktuelles »

Schutzmaßnahmen gegen den Peitscheneffekt an Hubarbeitsbühnen

Eine unterschätzte Gefahr
Der Peitscheneffekt

Foto: © AvigatoR – stock.adobe.com

Hubar­beits­büh­nen sind in der Prax­is zwar die sich­er­ste Höhen­zu­gang­stech­nik. Durch den soge­nan­nten Peitschen- oder Kat­a­pul­t­ef­fekt ereignen sich jedoch immer wieder Unfälle. Doch diese lassen sich durch geeignete Schutz­maß­nah­men verhindern.

Ein Beispiel aus der Prax­is: Ein Mon­teur wird in 12 Metern Höhe aus ein­er Hubar­beits­bühne her­aus­geschleud­ert. Er über­lebt mit schw­eren Ver­let­zun­gen. Beim Ver­fahren der Bühne hat­te sich deren Gelän­der an ein­er Gebäudekon­struk­tion verklemmt. Um sich zu befreien, betätigte der Beschäftigte wieder­holt den Joy­stick und erzeugte so Korbbe­we­gun­gen. Der dabei entste­hende Peitsch­en­ef­fekt kat­a­pul­tierte den Mon­teur aus der Arbeits­bühne. Zwar trug er eine Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung gegen Absturz (PSAgA) – die notwendi­ge Sicherung am Anschlag­punkt der Bühne war jedoch nicht erfolgt.

Hubar­beits­büh­nen sind in der Prax­is zwar die sich­er­ste Höhen­zu­gang­stech­nik. Durch den soge­nan­nten Peitschen- oder Kat­a­pul­t­ef­fekt ereignen sich jedoch immer wieder Unfälle. Die DGUV-Vorschrift 1 „Grund­sätze der Präven­tion“ fordert grund­sät­zlich eine Gefährdungs­beurteilung. Das gilt auch für den Ein­satz von Hubar­beits­büh­nen.  Wird beispiel­sweise eine Auslegerbühne – auch Teleskopar­beits­bühne genan­nt – ver­wen­det, beste­ht generell die Gefahr, dass Beschäftigte her­aus­geschleud­ert wer­den. Dieser Gefahr ist mit den Maß­nah­men aus der Gefährdungs­beurteilung, die vor Tätigkeits­be­ginn fest­gelegt wer­den müssen, ent­ge­gen­zuwirken. Auch Her­steller kön­nen in Betrieb­san­leitun­gen fordern, dass Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung gegen Absturz (PSAgA) ver­wen­det wer­den muss.

Gemäß der Tech­nis­chen Regel für Betrieb­ssicher­heit TRBS 2111 Teil 1 „Mech­a­nis­che Gefährdun­gen – Maß­nah­men zum Schutz vor Gefährdun­gen beim Ver­wen­den von mobilen Arbeitsmit­teln“ kommt dem Arbeit­ge­ber die Pflicht zu, Fes­tle­gun­gen zu tre­f­fen, um die Gefahr zu reduzieren, dass Beschäftigte aus dem mobilen Arbeitsmit­tel her­aus­geschleud­ert wer­den. Zum Beispiel muss PSAgA als Rück­hal­tesys­tem bei Auslegerar­beits­büh­nen und ver­gle­ich­baren mobilen Arbeitsmit­teln ver­wen­det wer­den, wenn ein Peitsch­en­ef­fekt auftreten kann. So ste­ht es beispiel­sweise auch in der Arbeitss­chutz Kom­pakt Nr. 056 „Arbeit­en mit Hubar­beits­büh­nen“, ein­er Pub­lika­tion der BGHM.

Auswahl und Benutzung der PSA

„Für die Gefährdung, dass Per­so­n­en her­aus­geschleud­ert wer­den, reichen die gängi­gen tech­nis­chen Ein­rich­tun­gen wie Gelän­der nicht aus“, sagt BGHM-Exper­tin Kathrin Stock­er. „Diese Gefährdung ist auss­chließlich durch per­so­n­en­be­zo­gene Schutz­maß­nah­men und ein umsichtiges Ver­hal­ten zu ver­hin­dern.“ Die richtige Auswahl und Benutzung der PSA sind dabei entschei­dend. Fol­gen­des ist zu gewährleisten:

  • In der Hubar­beits­bühne sind geeignete Anschlagein­rich­tun­gen (≥ 3 kN) je nach Per­so­nen­zahl vorhan­den (zukün­ftig wer­den 6 kN angestrebt).
  • Auf­fang­gurt und Anschlagein­rich­tung wer­den über ein län­gen­ver­stell­bares Verbindungsmit­tel mit Falldämpfer, ein mit­laufend­es Auf­fang­gerät mit beweglich­er Führung oder einem Höhen­sicherungs­gerät ver­bun­den. Diese müssen speziell für den Ein­satz in Hubar­beits­büh­nen geprüft und zuge­lassen sein. Die Sys­tem­länge ist auf 1,80 Meter begrenzt.
  • Sowohl beim Bewe­gen des Fahrw­erks als auch beim Ver­fahren in der Höhe ist die kürzeste mögliche Verbindung zwis­chen Anschlag­punkt und der vorderen oder hin­teren Auf­fangöse des Auf­fang­gur­tes zu wählen. Die Benutzung von Höhen­sicherungs­geräten ist empfehlenswert.
  • Die Beschäftigten müssen min­destens ein­mal jährlich the­o­retisch und prak­tisch in der Benutzung der PSAgA unter­wiesen werden.

„Beim Ein­satz von Hubar­beits­büh­nen sollte grund­sät­zlich ein geeignetes Auf­fangsys­tem getra­gen wer­den, das aus einem Auf­fang­gurt in Verbindung mit einem län­gen­ver­stell­baren Verbindungsmit­tel mit Falldämpfer beste­ht“, so BGHM-Exper­tin Stock­er. „Damit kön­nen sich Beschäftigte an dem in der Bühne vorhan­de­nen Anschlag­punkt sichern.“

Weit­ere Infor­ma­tio­nen zu diesem The­ma find­en Sie unter bghm.de, Web­code 2483.

Webinar
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 5
Ausgabe
5.2022
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 5
Ausgabe
5.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de