Startseite » Aktuelles » Die Technische Regel für Arbeitsstoffe ASR V3 Gefährdungsbeurteilung - Übersichtlich erklärt

Arbeitsmittel und mehr

Die neue Tech­ni­sche Regel ASR V3 Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Anzeige
Als Bekannt­ma­chung der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin vom 30. Juni 2017 wurde im gemein­sa­men Minis­te­ri­al­blatt Nr. 22/2017 die neue Tech­ni­sche Regel ASR V3 „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“ veröf­fent­licht. Dieser Beitrag stellt die Regel ausführ­lich vor.

Mit Inkraft­tre­ten des Arbeits­schutz­ge­set­zes 1996 wird eine Beur­tei­lung der Arbeits­be­din­gun­gen verlangt. Die dies­be­züg­lich durch­zu­füh­rende Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist die Grund­lage, um fest­zu­stel­len, welche Maßnah­men des Arbeits­schut­zes erfor­der­lich sind. Wie eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch­zu­füh­ren ist und wie das Ergeb­nis sowie die Doku­men­ta­tion zu gestal­ten sind, ist nicht gere­gelt. Eine Tech­ni­sche Regel zum Arbeits­schutz­ge­setz gibt es nicht.

Seit 1996 werden aber immer wieder in verschie­de­nen Rechts­nor­men, über­wie­gend Verord­nun­gen, Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen verlangt. So sind in den entspre­chen­den Tech­ni­schen Regeln Anga­ben zur Durch­füh­rung und zum Umfang von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen aufge­führt. Beispiel­haft seien hier die TRBS 1111 zur Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung oder die TRGS 400 zur Gefahr­stoff­ver­ord­nung genannt. Nun also auch eine Tech­ni­sche Regel zur Durch­füh­rung von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen für Arbeits­stät­ten. Das ist nur konse­quent und logisch, denn die aller­meis­ten Tätig­kei­ten werden von Beschäf­tig­ten an Arbeits­stät­ten durch­ge­führt.

Während sich die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen nach der TRGS 400 um Gefahr­stoffe drehen und die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach der TRBS 1111 sich um den siche­ren Betrieb von Arbeits­mit­teln kümmert, fasst die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach der ASR V3 alle diese und zusätz­li­che Aspekte zusam­men. Sie ist quasi die umfas­sende Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung.

Arbeits­mit­tel, für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen nach der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung zu erstel­len sind, werden übli­cher­weise an Arbeits­stät­ten betrie­ben. Gefahr­stoffe, mit denen die Beschäf­tig­ten umge­hen und deren Gefah­ren sie ausge­setzt sind, sind eben­falls übli­cher­weise an Arbeits­stät­ten vorhan­den. Glei­ches gilt natür­lich auch für Biostoffe, deren Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung in der TRBA 400 gere­gelt ist.

Laut Anwen­dungs­be­reich gilt die ASR V3 für die Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für Einrich­ten und Betrei­ben von Arbeits­stät­ten inklu­sive der Arbeits­plätze. Es sind aber auch mögli­che Wech­sel­wir­kun­gen mit Arbeits­mit­teln, Arbeits­stof­fen, Arbeits­ab­läu­fen und der Arbeits­or­ga­ni­sa­tion zu berück­sich­ti­gen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, kann die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nur syste­ma­tisch und fach­kun­dig durch­ge­führt werden. Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist natür­lich vor Aufnahme des Betrei­bens der Arbeits­stätte durch­zu­füh­ren und zu doku­men­tie­ren sowie bei Bedarf zu aktua­li­sie­ren. Eine Regel­mä­ßig­keit mit Fris­ten ist nicht vorge­se­hen. Der Bedarf zur Anpas­sung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung kann sich aber auch aus neuen arbeits­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen oder Verän­de­run­gen des Stan­des der Tech­nik, Arbeits­me­di­zin und Hygiene erge­ben sowie dem Erken­nen kriti­scher Situa­tio­nen. Hier sind insbe­son­dere Beinahe-Unfälle, Fehl­zei­ten in Folge arbeits­be­ding­ter Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen sowie Erkennt­nisse aus der arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge zu nennen, das Bekannt­wer­den einer Behin­de­rung bei Beschäf­tig­ten oder Arbeits­un­fälle und Berufs­krank­hei­ten. Auch Ände­run­gen rele­van­ter Rechts­vor­schrif­ten oder Tech­ni­scher Regeln können eine Aktua­li­sie­rung veran­las­sen, ebenso die übli­chen Anlässe wie Umge­stal­tung der bestehen­den Arbeits­stätte, Fest­le­gung von Arbeits­plät­zen, Ände­rung von Arbeits­ver­fah­ren und so weiter.

Fach­kunde

Wie in Tech­ni­schen Regeln ande­rer Berei­che auch ist für die Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung eine bestimmte Fach­kunde gefor­dert. Sofern der Arbeit­ge­ber diese Fach­kunde nicht selbst besitzt, muss er sich fach­kun­di­ger Perso­nen bedie­nen. Fach­kun­dig in diesem Sinne ist, wer über die erfor­der­li­chen Fach­kennt­nisse verfügt, zum Beispiel eine entspre­chende Berufs­aus­bil­dung, Berufs­er­fah­rung oder zeit­nah ausge­übte entspre­chende beruf­li­che Tätig­keit. Die Fach­kennt­nisse sind durch Teil­nahme an Schu­lun­gen oder Unter­wei­sun­gen auf dem aktu­el­len Stand zu halten. Abhän­gig von den zu beur­tei­len­den Gefähr­dun­gen können die notwen­di­gen Kennt­nisse mehr oder weni­ger umfäng­lich und tief sein. Das gilt insbe­son­dere für das einschlä­gige Vorschriften- und Regel­werk, beson­ders die Tech­ni­schen Regeln (hier für Arbeits­stät­ten, aber natür­lich auch für die ande­ren Aspekte). Da die Anfor­de­run­gen an die Fach­kunde abhän­gig von den zu beur­tei­len­den Gefähr­dun­gen sind, müssen diese nicht zwin­gend in einer Person vereint sein. Für bestimmte Aspekte kann es erfor­der­lich sein, auch andere fach­kun­dige Perso­nen hinzu­zu­zie­hen.

Fach­kun­dig können insbe­son­dere die betrieb­li­chen Vorge­setz­ten oder Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit oder Betriebs­ärz­tin­nen bezie­hungs­weise Betriebs­ärzte sein.

Gegen­stand der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung umfasst nicht nur den störungs­freien „Normal­be­trieb“ der Arbeits­stätte, sondern geht deut­lich darüber hinaus. Abnut­zungs­er­schei­nun­gen müssen ebenso betrach­tet werden wie gege­be­nen­falls vorhan­dene Wirkungs­grad­ver­luste getrof­fe­ner Maßnah­men (zum Beispiel Beleuch­tung, Lüftung, Kenn­zeich­nung, Sonnen­schutz), damit die Schutz­ziele der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung zuver­läs­sig dauer­haft erreicht werden. Auf die Verän­de­run­gen der Leis­tungs­vor­aus­set­zun­gen von Beschäf­tig­ten im Verlauf der Nutzungs­dauer der Arbeits­stätte ist Rück­sicht zu nehmen. So kann es bei älte­ren Beschäf­tig­ten schon einmal vorkom­men, dass sie schlech­ter sehen, was mit einer höhe­ren Anfor­de­rung an die Beleuch­tungs­qua­li­tät verbun­den ist.

Auch Gefähr­dun­gen durch sons­tige in der Arbeits­stätte anwe­sende Perso­nen wie Beschäf­tigte von Fremd­fir­men, Beschäf­tigte im Rahmen von Dienst- und Werk­ver­trä­gen, aber auch Besu­cher und Kunden sind zu berück­sich­ti­gen. Ebenso trifft dies auf Beschäf­tigte oder Besu­cher ohne ausrei­chende Deutsch­kennt­nisse zu, Menschen mit Behin­de­run­gen, Prak­ti­kan­ten, Jugend­li­che, werdende oder stil­lende Mütter und Zeit­ar­beit­neh­mer. Sind in Arbeits­stät­ten Beschäf­tigte mehre­rer Arbeit­ge­ber tätig, haben sich diese Arbeit­ge­ber bei der Fest­le­gung von Maßnah­men zur Vermei­dung gegen­sei­ti­ger Gefähr­dun­gen wie auf Baustel­len abzu­stim­men. Das gilt aber beispiels­weise auch für Büro­ge­mein­schaf­ten. Handelt es sich bei der Arbeits­stätte um ein Miet­ob­jekt, sollte der Vermie­ter anhand einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung prüfen, ob die Vorga­ben der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung einge­hal­ten werden können, weil sonst keine oder nur eine einge­schränkte Nutzung möglich ist.

Es sind übri­gens auch die Infor­ma­tio­nen zu Sicher­heit und Gesund­heits­schutz aus der Baustel­len­ver­ord­nung zu berück­sich­ti­gen, wie sie in der Unter­lage für spätere Arbei­ten, zum Beispiel Reini­gung, Repa­ra­tur oder Instand­hal­tung und Wartung, gefor­dert sind.

Diese nicht abschlie­ßende Aufzäh­lung, deren Inhalte in der ASR V3 enthal­ten sind, zeigt schon, dass zur fach­kun­di­gen Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung viele rele­vante Quel­len heran­zu­zie­hen sind, zum Beispiel

  • Einschlä­gige Vorschrif­ten und Regeln
  • Tech­ni­sche Regeln für Arbeits­stät­ten und andere Tech­ni­sche Regeln
  • Bran­chen­spe­zi­fi­sche Regeln und Infor­ma­tio­nen der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger
  • Herstel­ler­in­for­ma­tio­nen wie Bedie­nungs­an­lei­tun­gen, Gebrauchs­an­lei­tun­gen
  • Verfahrens‑, Arbeits- und Betriebs­an­wei­sun­gen
  • Erkennt­nisse über Erste Hilfe, Erkran­kun­gen etc.
  • Bege­hungs­pro­to­kolle, ASA-Protokolle
  • Prüf­bü­cher, Unter­la­gen für Instand­hal­tung
  • Bauge­neh­mi­gung und mitgel­tende Unter­la­gen, insbe­son­dere Brand­schutz­kon­zepte
  • Unter­lage für spätere Arbei­ten
    (nach BauStellV)
  • Behörd­li­che Anord­nun­gen
  • Mess­pro­to­kolle
  • Erfah­rungs­werte vergleich­ba­rer Arbeits­plätze

und so weiter …

Prozess­schritte der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Die bishe­ri­gen Ausfüh­run­gen zeigen, dass – wie gefor­dert – nur ein syste­ma­ti­sches Vorge­hen zum Erfolg führt. Nach dem Vorbe­rei­ten sind entspre­chend dem Hand­lungs­zy­klus die Gefähr­dun­gen zu ermit­teln und zu beur­tei­len, Maßnah­men fest­zu­le­gen, deren Umset­zung zu veran­las­sen, ihre Wirk­sam­keit zu über­prü­fen und fort­zu­schrei­ben. Sofern erfor­der­lich, sind neue Gefähr­dun­gen zu ermit­teln und so weiter.

Dabei ist zu beach­ten, dass in aller Regel nicht nur eine einzige Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für die Arbeits­stätte zu erstel­len ist, sondern mehrere. Denn wenn beispiels­weise Beschäf­tigte arbeits­be­reichs­über­grei­fend tätig sind wie Haus­meis­ter oder Instand­hal­ter sind diese Tätig­kei­ten sicher­lich geson­dert zu betrach­ten. Ande­rer­seits können natür­lich gleich­ar­tige Arbeits­be­din­gun­gen an Arbeits­plät­zen oder Tätig­kei­ten inner­halb einer Arbeits­stätte zusam­men­ge­fasst betrach­tet werden. Aller­dings sind bei Bedarf auch solche Tätig­kei­ten zu erfas­sen, die tempo­rär wie beispiels­weise täglich, quar­tals­weise oder jähr­lich durch­ge­führt werden.

Nach dem Vorbe­rei­ten werden bei der Ermitt­lung mögli­cher Gefähr­dun­gen keine bestimm­ten Anfor­de­run­gen an das Ausmaß (Scha­dens­schwere) oder die Eintritts­wahr­schein­lich­keit eines Gesund­heits­scha­dens oder einer gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gung gestellt. Als Gefähr­dungs­fak­to­ren kommt die übli­che Zusam­men­stel­lung zum Einsatz, die auch als Anhang zur ASR V3 darge­stellt ist:

  1. Mecha­ni­sche Gefähr­dun­gen
  2. Elek­tri­sche Gefähr­dun­gen
  3. Gefahr­stoffe
  4. Biostoffe
  5. Brand- und Explo­si­ons­ge­fähr­dun­gen
  6. Ther­mi­sche Gefähr­dun­gen
  7. Gefähr­dun­gen durch spezi­elle physi­ka­li­sche Einwir­kun­gen
  8. Gefähr­dun­gen durch Arbeits­um­ge­bungs­be­din­gun­gen
  9. Gefähr­dun­gen durch physi­sche Belastungen/Arbeitsschwere
  10. Gefähr­dun­gen psychi­sche Fakto­ren
  11. Gefähr­dun­gen durch sons­tige Einwir­kun­gen

Die übli­chen Unter­set­zun­gen sind im Anhang zur ASR V3 zum Teil mit typi­schen Beispie­len verdeut­licht.

Beur­tei­len von Gefähr­dun­gen

Zur Beur­tei­lung der Gefähr­dun­gen, ob Maßnah­men des Arbeits­schut­zes erfor­der­lich sind, sind zunächst Beur­tei­lungs­maß­stäbe erfor­der­lich, die in der Regel aus dem einschlä­gi­gen Vorschriften- und Regel­werk so wie der Fach­li­te­ra­tur abzu­lei­ten sind. Es ist also tatsäch­lich zuerst zu prüfen, ob die in der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung aufge­führ­ten Schutz­ziele durch Tech­ni­sche Regeln für Arbeits­stät­ten konkre­ti­siert sind. Die in diesen Regeln gestell­ten Anfor­de­run­gen, Maße und Werte bilden einen konkre­ten Maßstab für das Beur­tei­len der Gefähr­dung. Bei Einhal­tung dieser konkre­ten Maßstäbe ist zu vermu­ten, dass die Anfor­de­run­gen erfüllt sind (Vermu­tungs­wir­kung der Tech­ni­schen Regeln). Das gilt übli­cher­weise auch für andere Tech­ni­sche Regeln, muss aber im Einzel­fall sorg­fäl­tig geprüft werden.

Sind in den Tech­ni­schen Regeln keine Anfor­de­run­gen zu finden, muss unter­sucht werden, ob andere gesi­cherte arbeits­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse vorhan­den sind, die zu der betrach­te­ten Gefähr­dung passen. Das sind insbe­son­dere Anga­ben zu Grenz‑, Schwellen- oder Richt­wer­ten. Veröf­fent­li­chun­gen der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger, der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) oder des Länder­aus­schus­ses für Arbeits­schutz und Sicher­heits­tech­nik (LASI) sind hier­für sehr hilf­reich.

Fehlen solche gesi­cher­ten arbeits­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nisse, so ist zu prüfen, ob zumin­dest arbeits­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse mit quali­ta­ti­ven Maßstä­ben vorhan­den sind. Dazu gehö­ren Forschungs­be­richte, wissen­schaft­li­che Veröf­fent­li­chun­gen oder einschlä­gige Normen.

An dieser Stelle wird beson­ders deut­lich, dass es ohne ausrei­chende Fach­kunde nicht möglich ist, die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sach­ge­recht zu erstel­len. Ferner wird offen­sicht­lich, dass die ausrei­chende Fach­kunde häufig nicht in einer einzel­nen Person verfüg­bar ist, sondern dass mehrere Perso­nen zusam­men­ar­bei­ten müssen, um die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sach­ge­recht zu erstel­len.

Fehlen auch arbeits­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse quali­ta­ti­ver Art, ist der Arbeit­ge­ber verpflich­tet, eigen­stän­dig Beur­tei­lungs­maß­stäbe zu entwi­ckeln und zu verwen­den. Dabei sind insbe­son­dere natür­lich folgende Aspekte zu berück­sich­ti­gen:

  • Art, Ausmaß, Dauer und Häufig­keit von Expo­si­tio­nen,
  • Gefahr­brin­gende Bedin­gun­gen, durch die eine Gefähr­dung bei der Arbeit wirk­sam werden kann (zum Beispiel Umge­bungs­be­din­gung, Zeit­druck, Unord­nung oder Verschleiß)
  • Durch Quali­fi­ka­tion oder Unterrichtung/Unterweisung erwor­bene Befä­hi­gung der Beschäf­tig­ten, eine Gefähr­dung recht­zei­tig wahr­zu­neh­men und einschät­zen zu können.

An dieser Stelle sei noch einmal darauf hinge­wie­sen, dass bei der Durch­füh­rung der Beur­tei­lung alle Betriebs­zu­stände wie Normal­be­trieb, Auf‑, Um‑, Abbau, Reini­gung, Wartung, Störung etc. zu betrach­ten sind. Ebenso gilt dies für alle den Gefähr­dun­gen ausge­setz­ten Beschäf­tig­ten inkl. beson­de­rer Perso­nen­grup­pen, wie sie oben bereits aufge­lis­tet sind, und Gefähr­dun­gen durch die Anwe­sen­heit sons­ti­ger Perso­nen, sowie auch Wech­sel­wir­kun­gen der verschie­de­nen Aspekte.

Das Ergeb­nis der Beur­tei­lung der Gefähr­dun­gen kann in die Beur­tei­lungs­er­geb­nisse

  • Maßnah­men sind erfor­der­lich,
  • der ermit­telte Beur­tei­lungs­maß­stab ist einge­hal­ten und
  • eine Verbes­se­rung von Sicher­heit und Gesund­heits­schutz ist anzu­stre­ben

einge­teilt werden.

Fest­le­gen von Maßnah­men

Hier­bei wird auf die übli­che Maßnah­men­hier­ar­chie abge­stellt, wobei zunächst Gefähr­dun­gen an der Quelle besei­tigt oder redu­ziert werden sollen und zum Schluss Gefähr­dun­gen durch Quali­fi­ka­tion der Beschäf­tig­ten mini­miert werden. Die fest­zu­le­gen­den Maßnah­men müssen dem Stand der Tech­nik, der Arbeits­me­di­zin und der Hygiene sowie den Anfor­de­run­gen der Ergo­no­mie entspre­chen. Insbe­son­dere sind die in den Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten bekannt gemach­ten Erkennt­nisse zu berück­sich­ti­gen. Auch gesi­cherte arbeits­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse sind einzu­be­zie­hen; die ASR entfal­ten Vermu­tungs­wir­kung.

Insge­samt müssen die Maßnah­men geeig­net sein, die ermit­tel­ten Gefähr­dun­gen soweit zu besei­ti­gen oder zu redu­zie­ren, dass das Schutz­ziel erreicht wird. Dabei kann der Arbeit­ge­ber von den Maßnah­men in den Tech­ni­schen Regeln abwei­chen, sofern er die glei­che Sicher­heit und den glei­chen Schutz der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten durch andere Maßnah­men sicher­stellt. Das ist zu doku­men­tie­ren.

Im Übri­gen ist die Unter­wei­sung der Beschäf­tig­ten inte­gra­ler Bestand­teil jegli­cher Maßnah­men.

Weitere Schritte im Hand­lungs­zy­klus

Die fest­ge­leg­ten Maßnah­men sind wie die Gefähr­dun­gen selbst zu prio­ri­sie­ren und entspre­chend umzu­set­zen. Dabei sind die sich aus der Maßnahme erge­ben­den Umset­zungs­schritte zu konkre­ti­sie­ren. Umset­zung und Wirk­sam­keit der fest­ge­leg­ten Maßnah­men sind, wie in jeder Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, zu über­prü­fen.

Die Doku­men­ta­tion ist Bestand­teil der Unter­la­gen nach § 6 Arbeits­schutz­ge­setz und muss vor Aufnahme der Tätig­keit vorlie­gen. Die Doku­men­ta­tion selbst erfolgt schrift­lich und kann sowohl als Papier­do­ku­ment oder in elek­tro­ni­scher Form vorlie­gen. Sie muss in einer verbind­li­chen Version verfüg­bar sein. Der Umfang der Doku­men­ta­tion rich­tet sich unter ande­rem nach der Betriebs­größe und der Betriebs­struk­tur sowie Art und Ausmaß der Gefähr­dun­gen. Bei komple­xe­ren Situa­tio­nen und gege­be­nen­falls hohem Gefähr­dungs­po­ten­zial müssen der Doku­men­ta­tion unter Umstän­den weitere Unter­la­gen beigefügt werden, um deren erfor­der­li­che Plau­si­bi­li­tät und Aussa­ge­kraft zu erhö­hen. Die ASR V3 stellt Mindest­an­for­de­run­gen an die Doku­men­ta­tion:

  • Die jewei­lige Bezeich­nung der erfass­ten Arbeits­plätze, Arbeits­be­rei­che und Tätig­kei­ten sowie gege­be­nen­falls der zusam­men­ge­fass­ten gleich­ar­ti­gen Arbeits­plätze oder Tätig­kei­ten
  • Die jeweils fest­ge­stell­ten Gefähr­dun­gen
  • Die Ergeb­nisse der Beur­tei­lung der fest­ge­stell­ten Gefähr­dun­gen
  • Die bezo­gen auf die fest­ge­stell­ten Gefähr­dun­gen jeweils fest­ge­leg­ten Maßnah­men
  • Das Ergeb­nis der Wirk­sam­keits­über­prü­fung.

Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist konti­nu­ier­lich zu über­prü­fen und zu aktua­li­sie­ren. Wie bereits oben beschrie­ben, ist eine regel­mä­ßige Frist jedoch nicht vorge­se­hen.

Hier finden Sie die ASR V3 zum Down­load bei der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin.


Autor: Michael Kloth

Vorstand Ressort Sicher­heit im VDSI
Verband für Sicher­heit und Gesund­heit und Umwelt­schutz bei der Arbeit e. V.

m.kloth@vdsi.de

Foto: Ralf Bauer Köln
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 1
Ausgabe
1.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de