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Pausen auf der Arbeit - Es dürfen ruhig ein paar mehr sein. Tipps zur Pausengestaltung in Betrieben und UNternehmen

Regelungen und Möglichkeiten
Pausen: Es dürfen ein paar mehr sein

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Stellen Sie sich vor, eine Fußball­mannschaft würde ohne Pause 90 Minuten kick­en und dann noch in die Ver­längerung gehen. Unvorstell­bar! Und jet­zt stellen Sie sich einen Arbeit­stag ohne Mit­tagspause vor. Für viele Erwerb­stätige ist das nor­mal. Doch das ist wed­er geset­zlich kor­rekt, noch auf Dauer gesund.

Bet­ti­na Brucker

Immer mehr Beschäftigte arbeit­en durch oder erledi­gen in ihrer Pause andere Dinge, wie etwa einkaufen.

Laut der BIB­B/BAuA-Erwerb­stäti­gen­be­fra­gung 2012 zum The­ma Pausen­ver­hal­ten der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) fällt bei 26 Prozent der Arbeit­nehmer die Pause häu­fig aus. Oft genan­nter Grund dafür ist „keine Zeit“. Beson­ders betrof­fen sind die Branchen Gas­tronomie, Sozial- und Erziehungswe­sen sowie die Bauwirtschaft. Vor allem von jun­gen Mitar­beit­ern wird erwartet, dass sie stun­den­lang leis­tungs­fähig sind, länger arbeit­en und auch am Woch­enende mit anpack­en. Ist der Druck entsprechend groß, verzicht­en jün­gere Beschäftigte deut­lich häu­figer als der Durch­schnitt auf ihre Pausen.

Doch Bestleis­tung kann nur erbrin­gen, wer auch Pausen macht. Spätestens nach sechs Stun­den Arbeit muss laut Gesetz eine Pause ein­gelegt wer­den. Bei ein­er Arbeit­szeit von sechs bis neun Stun­den beträgt die Pausen­zeit min­destens 30 Minuten und bei mehr als neun Stun­den müssen es 45 Minuten sein. Das ist nicht wirk­lich lang, wenn man bedenkt, dass in der Pause meist auch etwas gegessen wird.

Die Beruf­sgenossen­schaft für Gesund­heits­di­enst und Wohlfahrt­spflege (BGW) emp­fiehlt deshalb, den Beschäftigten zusät­zlich zu den geset­zlich vorgeschriebe­nen größeren Ruhep­ausen zwis­chen­durch kurze Unter­brechun­gen zu ermöglichen. Unter­suchun­gen in den ver­gan­genen Jahren haben immer wieder gezeigt, dass Kurz­pausen von etwa fünf Minuten in jed­er Stunde sehr effek­tiv sind. Die Leis­tungs­fähigkeit bleibt so über den ganzen Arbeit­stag hin­weg höher. Beson­ders viel Energie tanken Mitar­beit­er übri­gens bei einem kurzen Nickerchen.

Pausen halten fit und motivieren

„Was, du machst schon wieder eine Pause?“ Pausen sind nicht gern gese­hen. Oft wer­den sie mit Faul­heit oder Arbeit­sun­wille gle­ichge­set­zt. Ger­ade Führungskräfte soll­ten ein­mal genauer auf ihr Pausen­ver­hal­ten acht­en. Denn pausen­los­es Arbeit­en ist ein schlecht­es und unge­sun­des Vor­bild. Und nur wer regelmäßig Pause macht, bleibt fit, motiviert und gesund. Wer kör­per­lich tätig ist, hat sich eine Ruhep­ause ver­di­ent. Und wer lange am Com­put­er sitzt, sollte jede Pause nutzen, um sich zu bewegen.

Im Handw­erk sind Pausen selb­stver­ständlich­er als bei Beruf­stäti­gen, die am Com­put­er arbeit­en. Ohne kör­per­liche Erschöp­fungssig­nale wer­den Erhol­ungsphasen oft zu lange hin­aus­gezögert. In manchen Unternehmen gilt Dur­char­beit­en sog­ar als beson­ders fleißig und leis­tungs­fähig. Doch das ist nicht so. Befragt man diejeni­gen, die keine Pausen machen, wie es ihnen gesund­heitlich geht, antworten sie spon­tan: gut. Fragt man jedoch genauer nach, ergibt sich bei den „Pausen­losen“ ein anderes Bild, wie Ergeb­nisse der BIB­B/BAuA-Erwerb­stäti­gen­be­fra­gung 2012 belegen:

  • 58 % fühlen sich erschöpft,
  • 44 % kla­gen über Kopfschmerzen,
  • 38 % wer­den nervös und reizbar,
  • 38 % lei­den an Schlafstörungen,
  • 30 % fühlen sich niedergeschla­gen und
  • psy­cho­so­ma­tis­che Beschw­er­den treten 11–15 % häu­figer auf als bei den­jeni­gen, die regelmäßig Pausen machen.

Bitte nicht stören!

Der Arbeit­ge­ber ist dafür ver­ant­wortlich, dass die geset­zlichen Pausen von den Beschäftigten einge­hal­ten wer­den. Dafür muss er unter anderem Arbeitsabläufe und ‑menge so fes­tle­gen, dass die Pausen auch gemacht wer­den kön­nen. Außer­dem ist es wichtig, dass es keine Störun­gen während der Ruhe- und Kurz­pausen gibt. Deshalb ist eine Vere­in­barung sin­nvoll, in der fest­gelegt wird, dass die Pausen­zeit erst im Pausen­raum begin­nt. Denn zum Beispiel in der Pflege kommt es immer wieder vor, dass Patien­ten oder Ange­hörige das Pflegeper­son­al auf dem Weg in die Pause um Hil­fe bit­ten. Aber auch im Einzel­han­del kommt diese Art der Störung durch Kun­den vor.

Jeder braucht seine ganz eigene Pause

Auf die Gestal­tung der Pause kann der Arbeit­ge­ber keinen Ein­fluss nehmen. Generell emp­fiehlt sich: Wer kör­per­lich arbeit­et, ob auf der Baustelle oder in der Pflege, sollte in der Pause am besten ausruhen.

Und wer Kop­far­beit leis­tet oder men­tal stark einges­pan­nt ist, sollte bess­er für Bewe­gung sor­gen, etwa bei einem Spazier­gang an der frischen Luft. Das meint allerd­ings nicht, dabei einkaufen zu gehen oder pri­vate Behör­dengänge zu erledi­gen. Denn das stresst.

Eine Umfrage der Ini­tia­tive Gesund­heit und Arbeit (iga) zu Pausen am Arbeit­splatz ergab, dass sich 50 Prozent trotz Pausen nicht erholen. Grund dafür ist unter anderem der „Zwang zur Pause“. Viele wün­schen sich, die Pause dann machen zu kön­nen, wenn sie eine brauchen und nicht, wenn sie vorgegeben ist.

Wer die ganze Zeit im Büro am Com­put­er sitzt, sehnt sich nach Bewe­gung. Meist wird durch Sport auch der Kopf schon nach kurz­er Zeit frei. Vielle­icht gibt es sog­ar ein Über­mit­tag-Ange­bot des betrieblichen Gesund­heits­man­age­ments. Doch welch­er und wie viel Sport ist gut?

Ein kleiner Spaziergang tut gut, anstrengender Sport eher nicht

Prof. Ingo Froböse, Leit­er des Gesund­heit­szen­trums an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS), emp­fiehlt dem Kör­p­er in der Mit­tagspause ver­brauchte Energie zurück­zugeben und zwar in Form eines Mit­tagessens. Danach ein klein­er Spazier­gang an der frischen Luft tut unter anderem dem Rück­en gut. Froböse plädiert also für Bewe­gung ohne allzu großen sportlichen Anspruch. Der Sport in der Mit­tagspause sollte nicht in Stress ausarten, son­st braucht man zu lange, um wieder leis­tungs­fähig für die Arbeit­sauf­gabe zu werden.

Wer einen größeren Bewe­gungs­drang hat, sollte deshalb höch­stens ein leicht­es Aus­dauer­train­ing von etwa zwanzig bis dreißig Minuten absolvieren. Und wer gegen die Hek­tik bei der Arbeit eher nach einem beruhi­gen­den Aus­gle­ich sucht, für den ist Yoga genau richtig. Selb­st kleine Ein­heit­en brin­gen wohltuende Momente.

Pausenräume ermöglichen das Abschalten

Endlich Pause! Kaf­fee kochen, Stullen aus­pack­en und dann … ste­ht der näch­ste Kunde im Büro. Keine fünf Minuten kann man abspan­nen, da geht es schon wieder rund. Doch das ist wed­er gesund, noch entspricht es dem Arbeitss­chutz. Pause heißt Pause und die dient zur Erhol­ung. Abschal­ten und Energie tanken geht am besten in einem Pausen­raum, in den man gerne geht und in dem man sich wohl fühlt. Dazu sollte der Raum rauch­frei sein, Fen­ster, eine gute Beleuch­tung, angenehme Far­ben und bequeme Stüh­le haben. Eine Foto­tapete von ein­er schö­nen Land­schaft, Bilder in lebendi­gen Far­ben, Pflanzen und Ses­sel kön­nen den Wohlfühlfak­tor erhöhen.

Auch die Kan­tine oder eine Teeküche kön­nen zu einem Ort der Entspan­nung wer­den. So ist die Kan­tine – laut ein­er Umfrage der Hochschule für Ange­wandte Psy­cholo­gie FHNW in Olten in der Schweiz – mit Abstand der beliebteste Ort für eine Arbeit­sun­ter­brechung. Sie leis­tet einen wichti­gen Beitrag, damit Mitar­beit­er neue Kraft tanken und gesund bleiben. Dort wird gegessen und getrunk­en, aber vor allem kön­nen in ungezwun­gener Atmo­sphäre dien­stliche und pri­vate Gespräche geführt wer­den. Einige Mitar­beit­er gehen aber auch dor­thin, um den Kopf „durchzulüften“ oder um Dis­tanz zur Arbeit­sumge­bung oder ‑auf­gabe zu gewinnen.

Laut Arbeitsstät­ten­verord­nung ist der Pausen­raum ein Funk­tion­sraum. Seine Funk­tion ist es, Ruhe zu gewähren. Deshalb muss – wenn etwa Kund­schaft oder Patien­ten Zutritt zu den Arbeit­sräu­men haben – ein sep­a­rater Raum zur Ver­fü­gung ste­hen. Bei mehr als zehn Beschäftigten ist auf alle Fälle ein Pausen­raum erforder­lich. Notwendig ist er auch, wenn am Arbeit­splatz schwere kör­per­liche oder stark schmutzende Tätigkeit­en aus­ge­führt wer­den. Auch bei regelmäßi­gen und häu­fi­gen Arbeits­bere­itschaft­szeit­en oder Arbeit­sun­ter­brechun­gen, wie zum Beispiel in Leit­warten, sind Pausen­räume bereitzustellen.


Pausenloses Arbeiten …

… macht müde

… ver­ringert die Leistungsfähigkeit

… min­dert die Konzentration

… erhöht die Unfall­ge­fahr – auch auf dem Heimweg

… schadet auf Dauer der Gesund­heit, da Beschw­er­den wie Rückenschmerzen

und Herz-Kreis­lauf-Erkrankun­gen zunehmen


Als erholsam gelten

  • spazieren gehen
  • sich entspan­nt mit Kol­le­gen unterhalten
  • nichts tun
  • Entspan­nung­stech­niken, etwa Yoga
  • Aus­gle­ich­sübun­gen und Sport

Checkliste: Planung eines Pausenraums

  • Ist der Raum inner­halb von fünf Minuten zu erreichen?
  • Ist der Raum groß und hoch genug?
  • Ste­ht min­destens 1 qm Grund­fläche ein­schließlich Sitzgele­gen­heit und Tisch pro Per­son zu Verfügung?
  • Hat der Raum Fen­ster mit Sicht nach draußen?
  • Gibt es eine Teeküche, damit Getränke und Speisen sich­er und sauber
    zubere­it­et wer­den können?
  • Gibt es einen sep­a­rat­en Steck­dosen-Stromkreis für die Küchengeräte wie Heißwasser­bere­it­er, Kaf­feemas­chine oder Herd, damit Brände außer­halb der Arbeit­szeit ver­hin­dert werden?

Praxis-Tipps

So lässt sich die Pausenkul­tur im Betrieb fördern:

  • Das Unternehmen kann für gemütliche Pausen­räume sorgen.
  • Die Führungskräfte kön­nen die Arbeit so organ­isieren, dass aus­re­ichend Zeit für die Pause bleibt.
  • Die Mitar­beit­er kön­nen sich gegen­seit­ig zu ein­er Pause animieren.
  • Jed­er Einzelne sollte sich bewusst machen, dass Pausen wichtig für die Sicher­heit und Gesund­heit sind.

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