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Umweltbundesamt ist für EU-weite Beschränkung von PFAS

Umweltbundesamt arbeitet an EU-weiter Beschränkung der Stoffgruppe
Kinder und Jugend­li­che haben zu viel PFAS im Blut

Chemikalien aus der Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS, reichern sich in der Umwelt und im Menschen an. (Foto: © Syda Productions – stock.adobe.com)
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In Deutsch­land haben Kinder und Jugend­li­che zwischen 3 und 17 Jahren zu viele lang­le­bige Chemi­ka­lien aus der Stoff­gruppe der per- und poly­flu­o­rier­ten Alkyl­sub­stan­zen, kurz PFAS, im Blut. Das zeigt die Auswer­tung der reprä­sen­ta­ti­ven Deut­schen Umwelt­stu­die zur Gesund­heit von Kindern und Jugend­li­chen, GerES V. In einem Fünf­tel der unter­such­ten Proben lag die Konzen­tra­tion für Perfluo­rok­tan­säure (PFOA) über dem von der Kommis­sion Human-Biomonitoring fest­ge­leg­ten HBM-I-Wert. Erst bei Unter­schrei­tung des HBM-I-Wertes ist nach dem aktu­el­len Kennt­nis­stand eine gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung auszu­schlie­ßen.

PFAS kommen nicht natür­lich vor. Sie sind chemisch und ther­misch sehr stabil. So reichern sich PFAS im Menschen und welt­weit in der Umwelt an. PFAS werden zum Beispiel in der Beschich­tung von Kaffee­be­chern, für Outdoor­ja­cken oder Lösch­schäume verwen­det, weil sie fett‑, wasser- und schmutz­ab­wei­send sind. Dirk Mess­ner, Präsi­dent des Umwelt­bun­des­am­tes: „Welche Schä­den die lang­le­bi­gen PFAS in der Umwelt auf Dauer anrich­ten können, ist häufig noch uner­forscht. Wir versu­chen daher, gemein­sam mit ande­ren euro­päi­schen Ländern, diese Stoffe in der EU so weit wie möglich zu verbie­ten. Dies ist aus Vorsor­ge­grün­den der rich­tige Schritt.“

Die Stoff­gruppe der PFAS umfasst über 4.700 verschie­dene Chemi­ka­lien. PFOS (Perfluo­rok­tan­sul­fon­säure) und PFOA (Perfluo­rok­tan­säure) – wurden in der GerES-Studie am häufigs­ten gefun­den. Mit PFOS waren 100 Prozent aller Kinder in der Studie belas­tet. PFOA fand sich in 86 Prozent der insge­samt 1109 unter­such­ten Blutplasma-Proben. Damit liegen die Werte teil­weise über den von der Kommis­sion Human-Biomonitoring (HBM) fest­ge­leg­ten Schwel­len. 21,1 Prozent der Proben lagen über dem HBM-I-Wert für PFOA, 7,1 Prozent über dem HBM-I-Wert für PFOS. 0,2 Prozent der Proben über­schrit­ten den HBM-II-Wert für PFOS. Der HBM-II-Wert beschreibt eine Konzen­tra­tion, ab der nach heuti­gem Kennt­nis­stand eine rele­vante gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung möglich ist. Die Belas­tung sollte dann in jedem Fall redu­ziert werden.

PFAS reichern sich vornehm­lich im Fett­ge­webe an und können auch über die Mutter­milch von Mutter auf das Kind über­ge­hen. Die GerES-V-Ergebnisse zeigen, dass gestillte Kinder höher mit PFAS belas­tet sind als nicht gestillte Kinder. Erhöhte Konzen­tra­tio­nen von PFOA und PFOS im mensch­li­chen Blut können Wirkun­gen von Impfun­gen vermin­dern, die Neigung zu Infek­ten erhö­hen, die Chole­ste­rin­werte erhö­hen und bei Nach­kom­men ein verrin­ger­tes Geburts­ge­wicht zur Folge haben.

Da PFAS in sehr vielen Produk­ten verwen­det werden, ist es nicht einfach, den Kontakt mit diesen Chemi­ka­lien zu vermei­den. Verbrau­che­rin­nen und Verbrau­cher können beispiels­weise auf in beschich­te­ten Kartons aufbe­wahrte Lebens­mit­tel verzich­ten. Auch schmutz­ab­wei­sende Texti­lien wie Teppi­che oder Vorhänge tragen zur Belas­tung bei. Weitere Tipps für einen PFAS-ärmeren Haus­halt gibt es auf den Inter­net­sei­ten des UBA: www.umweltbundesamt.de/uba-pfas.

PFAS sind auch für die Umwelt ein Problem: Aufgrund ihrer Lang­le­big­keit vertei­len sie sich über Luft und Meeres­strö­mun­gen groß­flä­chig rund um den Globus. PFAS gelan­gen über viel­fäl­tige Wege in die Umwelt. Durch die Abluft von Indus­trie­be­trie­ben können PFAS in umlie­gende Böden und Gewäs­ser verla­gert werden. Weil sie sich nicht abbauen, verblei­ben PFAS in Wasser und Boden und reichern sich an. Auswer­tun­gen der Umwelt­pro­ben­bank zeigen, dass zum Beispiel Seehunde, Seead­ler oder Otter stark mit PFAS belas­tet sind.

Dirk Mess­ner: „Im Sinne einer siche­ren Chemie gehö­ren diese Chemi­ka­lien auf den Prüf­stand. Die Perflu­or­che­mie hat für mich wenig Zukunft. Nur Erzeug­nisse und Mate­ria­lien, die wirk­lich notwen­dige Leis­tun­gen etwa für den Gesund­heits­schutz, zum Beispiel für medi­zi­ni­sche Geräte oder Schutz­klei­dung für Feuer­weh­ren bereit­stel­len, soll­ten weiter genutzt werden dürfen.“ Aufgrund der Größe der Stoff­gruppe ist das Verbot oder die Beschrän­kung von einzel­nen Chemi­ka­lien nicht sinn­voll. Das UBA erar­bei­tet derzeit mit ande­ren Behör­den aus Deutsch­land, den Nieder­lan­den, Däne­mark, Schwe­den und Norwe­gen ein weit­ge­hen­des EU-weites Verbot im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH für die gesamte Stoff­gruppe.

Einige PFAS gelten unter REACH bereits als beson­ders besorg­nis­er­re­gende Stoffe (soge­nannte subs­tan­ces of very high concern, SVHC), da sie sehr lang­le­big sind, sich in Orga­nis­men anrei­chern und für Menschen schäd­lich sein können. Für beson­ders besorg­nis­er­re­gende Stoffe gelten im Rahmen der REACH-Verordnung beson­dere Auskunfts­pflich­ten und es kann eine Zulas­sungs­pflicht entste­hen, das heißt nur expli­zit zuge­las­sene Verwen­dun­gen dürfen weiter genutzt werden. Zu den beson­ders besorg­nis­er­re­gen­den Stof­fen unter REACH gehört zum Beispiel PFOA. Außer­dem gelten für einige PFAS (z. B. für PFOA inklu­sive der Vorläu­fer­ver­bin­dun­gen) bereits Beschrän­kun­gen bei der Herstel­lung und bei der Verwen­dung – so darf PFOA ab Juli 2020 nicht mehr in der EU herge­stellt werden.

Das UBA behan­delt die proble­ma­ti­sche Stoff­gruppe umfas­send in seinem Schwerpunkt-Magazin, Ausgabe 1/2020. Sie finden es hier zum Down­load.

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