Startseite » Aktuelles »

Kollaborierende Roboter: Teilhabe von Menschen mit Schwerbehinderung

Interview mit Dr. Matthias Umbreit, BGHM
Kollaborierende Roboter für bessere Teilhabe von Menschen mit einer Schwerbehinderung

Welche Chancen kollaborierende Robotik für Menschen mit einer Schwerbehinderung eröffnen, findet in der Diskussion über Industrie 4.0 bisher wenig Beachtung. Foto: © THINK b - stock.adobe.com

In der Diskus­sion zu Indus­trie 4.0 spie­len kol­la­bori­erende Robotik im Ein­satz für Men­schen mit ein­er Schwer­be­hin­derung bis­lang kaum eine Rolle. Dr. Matthias Umbre­it, Fach­mann für kol­la­bori­erende Robot­er­sys­teme der Beruf­sgenossen­schaft Holz und Met­all (BGHM), stellte dieses The­ma in den Mit­telpunkt seines Vor­trags bei der 6. Fach­ta­gung „Arbeit­s­pla­nung und Präven­tion“ am 20. März in Mainz. Im fol­gen­den Inter­view spricht er über das Pro­jekt AQUIAS.

Herr Dr. Umbre­it, Sie vertreten die BGHM in der Präven­tion­sal­lianz des Pro­jek­ts AQUIAS. Kön­nen Sie uns erläutern, was sich dahin­ter verbirgt? 

AQUIAS ste­ht für Arbeitsqual­ität durch indi­vidu­ell angepasste Arbeit­steilung zwis­chen Servicer­o­bot­ern und schw­er-/nicht­be­hin­derten Pro­duk­tion­s­mi­tar­beit­ern. Ziel des vom Fraun­hofer-Insti­tuts für Arbeitswirtschaft und Organ­i­sa­tion koor­dinierten Pro­jek­ts ist es, attrak­tive Arbeit­sauf­gaben für Beschäftigte mit Schwer­be­hin­derung durch eine Men­sch-Robot­er-Koop­er­a­tio­nen (MRK) zu gestal­ten. Dazu wur­den Muster­ar­beit­splätze konzip­iert und in der Prax­is getestet. Anhand dieser Anwen­dungs­beispiele wird die Vere­in­barkeit von Wirtschaftlichkeit und Teil­habe unter­sucht und deren Mach­barkeit bewiesen. MRK-Sys­teme besitzen den Vorteil, dass sie flex­i­bel auf indi­vidu­elle Bedürfnisse abges­timmt wer­den kön­nen. Außer­dem sind diese Sys­teme mobil­er als beispiel­sweise einzelne Mon­tage­plätze an Fer­ti­gungsstraßen und ermöglichen Men­schen mit Behin­derung anspruchsvollere Aufgaben.

Das klingt nach ein­er deut­lich besseren Teilhabe?

In der Tat. Das Pro­jekt ist ein vielver­sprechen­der Ansatz dafür, dass Men­schen mit Schwer­be­hin­derung kün­ftig an wesentlich mehr Arbeit­splätzen tätig sein kön­nten als heute. Unternehmensver­ant­wortlichen soll damit prax­is­nah aufgezeigt wer­den, welche Möglichkeit­en die MRK im Umfeld von Mon­tageauf­gaben mit schwer­be­hin­derten Beschäftigten bietet. Dabei spie­len natür­lich die vor­liegen­den betrieblichen Bedin­gun­gen eine Rolle, beispiel­sweise wie umfan­gre­ich das Teile­spek­trum, also die hergestellte Pro­duk­t­palette, ist.

Wieso engagiert sich die BGHM an dem Pro­jekt AQUIAS?

Die Fach­leute der BGHM wur­den hier vor allem auf­grund ihrer Exper­tise für die sicher­heit­stech­nis­che Aus­rüs­tung von Arbeit­splätzen mit kol­la­bori­eren­den Robot­ern ein­be­zo­gen. Auch wenn die Anforderun­gen von einem üblichen Indus­triear­beit­splatz im Pro­duk­tions­be­trieb abwe­ichen, kon­nten ihre Erfahrung und ihr Wis­sen dadurch frühzeit­ig in die Anla­gen­pla­nung ein­fließen. In punc­to Arbeitssicher­heit muss bei ein­er Beteili­gung von Men­schen mit Behin­derung ein wesentlich­er Bestandteil dieser Pla­nung geson­dert betra­chtet wer­den: die Risikobeurteilung. Ergonomis­che Aspek­te — wie beispiel­sweise Greifweit­en und Kör­per­höhen — sind eben­so rel­e­vant wie psy­chis­che Gefährdun­gen. Beispiel­sweise das Reak­tionsver­mö­gen kann sehr unter­schiedlich aus­fall­en. Die Risikobeurteilung des Anla­gen­her­stellers und die Gefährdungs­beurteilung des Maschi­nen­be­treibers müssen deswe­gen eng aufeinan­der abges­timmt sein.

Vie­len Dank für das Gespräch.

 

Weit­ere The­men der zwei Jahre stat­tfind­ende Fach­ta­gung Arbeit­s­pla­nung und Präven­tion waren prax­is­gerechte Ergonomie-Nor­mungen bei Maschi­nen und Anla­gen, neue Entwick­lun­gen beim Ein­satz von Exoskelet­ten sowie weit­ere neue Auf­gaben für den Arbeitss­chutz, wie Kün­stliche Intel­li­genz oder der ver­mehrte Ein­satz inno­v­a­tiv­er Assistenzsysteme.

Zur „Arbeitssicher­heit in der Robotik“ bietet die BGHM hier weit­er­führende Infor­ma­tio­nen an.

www.bghm.de

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen
Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 1
Ausgabe
1.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de