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Krankheitsbedingte Fehltage

Januar bis August 2020
Krankheitsbedingte Fehltage

Foto: © JenkoAtaman - stock.adobe.com
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Nach einem steti­gen Anstieg der Krankschrei­bun­gen wegen psy­chis­ch­er Erkrankun­gen in den let­zten Jahren ist 2020 erst­mals wieder ein Rück­gang der psy­chisch bed­ingten Arbeit­sun­fähigkeits­fälle zu verze­ich­nen. Gle­ichzeit­ig stieg bei den AOK-ver­sicherten Erwerb­stäti­gen, die wegen psy­chis­ch­er Prob­leme im Betrieb fehlten, die durch­schnit­tliche Dauer der Erkrankung.

Das zeigt eine aktuelle Analyse des Wis­senschaftlichen Insti­tuts der AOK (WIdO) für die Monate Jan­u­ar bis August 2020. Diese Entwick­lun­gen ste­hen ver­mut­lich im Zusam­men­hang mit der Covid-19-Pan­demie. Ins­ge­samt haben Arbeit­nehmerin­nen und Arbeit­nehmer in den Monat­en Mai bis August 2020 deut­lich sel­tener krankheits­be­d­ingt in ihren Betrieben gefehlt als im Vor­jahr. Zuvor hat­te es im März und April 2020 vor allem wegen Erkäl­tungskrankheit­en sehr viel mehr Krankmel­dun­gen gegeben als ein Jahr zuvor.

Die aktuellen Analy­sen des WIdO verze­ich­nen vom 1. Jan­u­ar bis zum 31. August 2020 im Durch­schnitt 11,1 Arbeit­sun­fähigkeits­fälle je 100 AOK-Mit­glieder wegen psy­chis­ch­er Erkrankun­gen. Das waren deut­lich weniger als im gle­ichen Zeitraum des Vor­jahres: 2019 waren von Jan­u­ar bis August 12,0 AU-Fälle je 100 AOK-Mit­glieder gemeldet wor­den. „Es ist zu ver­muten, dass viele psy­chisch erkrank­te Beschäftigte in der Lock­down-Phase zu Beginn der Pan­demie aus Angst vor Ansteck­ung auf einen Arztbe­such verzichtet haben“, so Hel­mut Schröder.

Bemerkenswert­er­weise zeigt sich allerd­ings par­al­lel zur Abnahme der Fal­lzahlen von psy­chisch bed­ingten Krankschrei­bun­gen eine sprung­hafte Zunahme der Länge dieser Krankschrei­bun­gen. So stieg die Dauer eines durch­schnit­tlichen psy­chisch bed­ingten Arbeit­sun­fähigkeits­falls bei den AOK-Mit­gliedern im Ver­gle­ich zum Vor­jahreszeitraum um mehr als drei Tage – von 25,9 Tagen bis August 2019 auf 29,3 Tage bis August 2020. „Offen­bar haben Pati­entin­nen und Patien­ten mit psy­chis­chen Erkrankun­gen ver­stärkt auf die Ein­schränkun­gen und Belas­tun­gen reagiert, die mit der Pan­demie ein­hergin­gen, und waren dadurch über einen län­geren Zeitraum arbeit­sun­fähig“, so Schröder. Damit bekam der Trend der let­zten Jahre zu immer län­geren Krankschrei­bun­gen wegen psy­chis­ch­er Erkrankun­gen im Pan­demie-Jahr 2020 einen weit­eren Schub.

Im Vergleich zum Vorjahr insgesamt weniger Fehlzeiten

Die Covid-19-Pan­demie hat die bish­erige AU-Sta­tis­tik des Jahres 2020 stark bee­in­flusst – das lässt zumin­d­est der Ver­gle­ich mit dem Vor­jahr ver­muten: Zunächst gab es zu Beginn der Pan­demie im März und April 2020 einen deut­lichen Anstieg im Ver­gle­ich zum Vor­jahr. Der höch­ste Kranken­stand wurde im März mit einem Kranken­stand von 7,8 Prozent erre­icht. Das waren knapp zwei Prozent­punk­te mehr als im März 2019 (6,1 Prozent). Von Mai bis August lagen die Kranken­stände hinge­gen unter denen der entsprechen­den Vor­jahres­monate. So melde­ten sich AOK-ver­sicherte Beschäftige im Mai 2020 nur an 4,4 Prozent der Tage krank – im Vor­jahres­monat waren es 5,2 Prozent. Auch in den Som­mer­monat­en set­zte sich dieser Trend fort. „Der Effekt, den wir bei den psy­chis­chen Erkrankun­gen sehen, gilt auch für andere Erkrankun­gen, die beim niederge­lasse­nen Arzt oder im Kranken­haus behan­delt wer­den soll­ten: Viele Beschäftigte haben ver­mut­lich aus Angst vor ein­er Infek­tion den Gang zum Arzt ver­mieden“, so Schröder. Der Rück­gang könne auch damit zusam­men­hän­gen, dass das Infek­tion­srisiko durch die Maß­nah­men zum Schutz vor Covid-19 gesunken sei, ver­mutet Hel­mut Schröder: „Mehr Home­of­fice, weniger Mobil­ität und die Ein­hal­tung der Abstands- und Hygien­eregeln dürften zum Rück­gang beige­tra­gen haben. Angesichts aktuell steigen­der Infek­tion­szahlen – und weil der Win­ter vor der Tür ste­ht – sind diese Zahlen jedoch kein Anlass zur Entwarnung.“

Im Zehn-Jahres-Vergleich ist der Krankenstand 2020 „unspektakulär“

Das WIdO hat zudem einen Ver­gle­ich der ersten Monate des Jahres 2020 mit den entsprechen­den Monat­en der let­zten zehn Jahre durchge­führt. Dieser Ver­gle­ich hat den Vorteil, dass Son­der­ef­fek­te – zum Beispiel durch starke Grippewellen – in einzel­nen Jahren aus­geglichen wer­den. Die Ergeb­nisse zeigen, dass lediglich im März und April 2020 ein höher­er Kranken­stand zu verze­ich­nen war als im Mit­tel der let­zten zehn Jahre. Er lag im März 2020 knapp zwei Prozent­punk­te und im April 2020 nur noch 0,4 Prozent­punk­te über dem Monats­durch­schnitt der let­zten zehn Jahre. Die Möglichkeit zur tele­fonis­chen Krankschrei­bung wegen Atemwegserkrankun­gen, die von Anfang März bis Ende Mai 2020 galt, dürfte einen Ein­fluss auf die erhöht­en Kranken­stände im Ver­gle­ich zu den Vor­jahren gehabt haben. „Gle­ichzeit­ig sprechen die Dat­en dafür, dass Ärzteschaft und Beschäftigte mit dieser tem­porären Regelung ver­ant­wor­tungsvoll umge­gan­gen sind“, betont Schröder. Im Mai und Juni 2020 sei der Kranken­stand leicht hin­ter dem Durch­schnitt der let­zten zehn Jahre zurück­ge­blieben. „Somit fällt die Zwis­chen­bi­lanz für das Jahr 2020 trotz der zwis­chen­zeitlichen Auss­chläge nach oben und unten ins­ge­samt eher unspek­takulär aus“, so Schröders Fazit.
Krankschrei­bun­gen wegen Covid-19 im April 2020 auf dem Höhepunkt

 

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