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Wie machen es die anderen?

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen
Wie machen es die anderen?

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen
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Spätestens seit den 2014 von der Gemein­samen Deutschen Arbeitss­chutzs­trate­gie vorgelegten Empfehlun­gen zur Umset­zung der Gefährdungs­beurteilung (GBU) psy­chis­ch­er Belas­tung ist sie in aller Munde: die GBU Psy­che. Seit­dem ist viel zum The­ma geschrieben wor­den. Die BAuA-Wis­senschaftler Han­nah Janet­zke und Michael Ertel weit­en mit ihrer Veröf­fentlichung „Psy­chosoziale Belas­tun­gen im Fokus“ den Blick und zeigen, wie die Gefährdungs­beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tun­gen außer­halb Deutsch­lands funktioniert.

Im Mit­telpunkt des Buchs „Psy­chosoziale Belas­tun­gen im Fokus“ ste­ht die Frage, wie andere Län­der in Europa mit psy­chosozialen Belas­tun­gen, vor allem mit der Präven­tion von Stress am Arbeit­splatz umge­hen. Janet­zke und Ertel wählen einen qual­i­ta­tiv­en Forschungsansatz, um die Prax­is der Gefährdungs­beurteilung in Schwe­den, Däne­mark, Großbri­tan­nien und Spanien zu beleucht­en. Sowohl Experten­in­ter­views auf über­be­trieblich­er Ebene als auch betriebliche Fall­stu­di­en dienen dazu, Vorge­hensweisen zu beschreiben, Gemein­samkeit­en und Unter­schiede her­auszuar­beit­en und Fak­toren abzuleit­en, die die Umset­zung von Maß­nah­men zur Präven­tion oder Inter­ven­tion bei psy­chis­chen Gefährdun­gen befördern.

Arbeitsschutzkultur wichtig!

Die Ergeb­nisse der Studie wer­den in neun Kapiteln aus­führlich dargestellt. Dabei wer­den zunächst rechtliche Rah­menbe­din­gun­gen der Gefährdungs­beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tun­gen sowohl auf europäis­ch­er Ebene als auch hin­sichtlich der aus­gewählten Län­der beschrieben. Als „Stake­hold­er“ im Feld der GBUn Psy­che berück­sichti­gen die Autoren sowohl die Arbeitss­chutza­uf­sicht als auch die Sozial­part­ner, die Mitar­beit­er­vertre­tung, Präven­tions­di­en­ste und externe Berater. Dabei beto­nen sie die Wichtigkeit ein­er Arbeitss­chutzkul­tur in den einzel­nen Län­dern, aber auch in den indi­vidu­ellen Unternehmen und Insti­tu­tio­nen für die Umset­zung (und Auswer­tung!) ein­er GBU Psy­che. Schließlich wer­den die in den betra­chteten Län­dern einge­set­zten Meth­o­d­en und Instru­mente zur Durch­führung ein­er GBU Psy­che dargestellt.

Keine einheitlichen Standards bei Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Die Unter­suchun­gen Han­nah Janet­zkes und Michael Ertels ergaben unter anderem, dass es nicht nur nation­al, son­dern auch auf europäis­ch­er Ebene keine ein­heitlichen Stan­dards und Vor­gaben gibt, wie genau eine GBU Psy­che durchge­führt, aus­gew­ertet und umge­set­zt wer­den soll. Bei nicht vorhan­den­er GBU Psy­che ste­hen in den vier Län­dern vielgestaltige und unter­schiedlich inten­siv Sank­tion­s­möglichkeit­en zur Ver­fü­gung, die aktuell aber noch eher sel­ten in Anspruch genom­men wer­den. Das Buch macht
ein­mal mehr deut­lich, wie sehr wirtschaftliche Rah­menbe­din­gun­gen Ein­fluss darauf nehmen, ob eine GBU Psy­che über­haupt durchge­führt wird oder nicht. Die Gründe und Motive für die Durch­führung sind sehr unter­schiedlich­er Prove­nienz, sie kön­nen ökonomisch-instru­mentell, nor­ma­tiv-geset­zlich oder human­is­tisch-mitar­beit­eror­i­en­tiert sein. Dies hat erhe­bliche Auswirkun­gen auf die Vor­bere­itung, Durch­führung, Auswer­tung und Umset­zung ein­er GBU Psy­che, zumal eine solche Ini­ti­ierung auch noch proak­tiv oder lediglich reak­tiv erfol­gen kann.

Inspiration für das eigene Vorgehen bei der GBU Psyche

Das vor­liegende Buch besticht durch seine sys­tem­a­tisch-struk­turi­erte Anlage. Der qual­i­ta­tive Ansatz der dargestell­ten Unter­suchung gefällt dabei beson­ders, da so die Chan­cen und Möglichkeit­en, aber auch die hin­der­lichen Rah­menbe­din­gun­gen bei der Gefährdungs­beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tun­gen deut­lich her­vortreten. Der wis­senschaftliche Sprach­duk­tus macht das Buch mitunter nicht so leicht les­bar, der nur lieb­los auf­bere­it­ete und wenig aufge­lock­erte Text ani­miert nicht unbe­d­ingt zum Lesen, was angesichts der inter­es­san­ten Inhalte ein wenig bedauer­lich ist.

Für den puren Prak­tik­er, den vor allem die Umset­zung ein­er GBU Psy­che inter­essiert, ist das Buch weniger geeignet. Möchte man aber Inspi­ra­tion für das eigene Vorge­hen bei der GBU Psy­che, oder auch Reflex­ion des eige­nen Han­delns in diesem Anwen­dungs­feld, auch über nationale Gren­zen hin­aus, so ist das Buch wärm­stens zu empfehlen.


Janet­zke, H. & Ertel, M. (2017). Psy­chosoziale Belas­tun­gen im Fokus. Neue Per­spek­tiv­en der Gefährdungs­beurteilung im
europäis­chen Vergleich.
Wies­baden: Springer VS.
ISBN 978–3–658–17893–2, 978–3–658–17894–9 (eBook)


Dr. Ste­fan Pop­pel­reuter, Leit­er Bereich
Analy­sen & Befra­gun­gen HR Consulting,
TÜV Rhein­land Akademie GmbH,
stefan.poppelreuter@de.tuv.com


Lesen Sie mehr zum The­ma Gefährdungs­beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tun­gen hier:

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