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Bei der Feuerwehr problematisch

Piercings und Co.
Bei der Feuerwehr problematisch

Tragen von Körperschuck und Arbeiten bei der Feuerwehr sind unbedingt vereinbar. Foto: © Sinuswelle - stock.adobe.com
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Der Feuer­wehr­di­enst bein­hal­tet viele gefahrvolle Tätigkeit­en. Ein Großteil davon ist für Feuer­wehrange­hörige offen­sichtlich und wird im Einsatz‑, Aus­bil­dungs- und Schu­lungs­di­enst nach dem Führungsvor­gang der FwDV 100 „Führung und Leitung im Ein­satz“ erkan­nt. Die für die Feuer­wehrange­höri­gen bekan­nten Gefahren der Ein­satzstelle nach der soge­nan­nte „Gefahren­ma­trix“ bilden hier­bei ein wichtiges Beurteilungskri­teri­um für den Ein­heits­führer. Andere Gefährdun­gen sind jedoch auf den ersten Blick weniger gut erkennbar –Feuer­wehrange­hörige set­zen sich ihnen meist völ­lig unnötig aus. Dazu gehört das Tra­gen von Schmuck.

Arbeitnehmer müssen auch zur Sicherheit beitragen

Nicht nur der Unternehmer hat Pflicht­en nach DGUV Vorschrift 1 „Grund­sätze der Präven­tion“. Gemäß § 15 DGUV Vorschrift 1 haben die Ver­sicherten, also die Feuer­wehrange­höri­gen, die Pflicht, bei der Ver­hü­tung von Arbeit­sun­fällen, Beruf­skrankheit­en und arbeits­be­d­ingten Gesund­heits­ge­fahren mitzuwirken und zu unter­stützen. In der Prax­is heißt dies, dass alle Feuer­wehrange­höri­gen in Eigen­ver­ant­wor­tung bes­timmte Gefahren erken­nen, bew­erten und Maß­nah­men zur Abhil­fe durch­führen müssen. Dazu zählen auch das Tra­gen von Schmuck (z.B. Uhren, Ringe, Arm­bän­der, Ket­ten, Pierc­ings) und die davon aus­ge­hen­den Gefährdun­gen.

Schmuck nur unter bestimmten Voraussetzungen

Da das Tra­gen von Schmuck zu ein­er ern­stzunehmenden Gefahr für die Tra­gen­den wer­den kann, dür­fen Schmuck­stücke, Arm­ban­duhren oder ähn­liche Gegen­stände im Feuer­wehr­di­enst nur getra­gen wer­den, wenn sie nicht zu ein­er Gefährdung der Feuer­wehrange­höri­gen führen.

Aus Sicht der Feuer­wehr-Unfal­lka­ssen kön­nen fol­gende all­ge­mein verbindliche Aus­sagen zu dieser The­matik getrof­fen wer­den:

  • Beste­ht im Feuer­wehr­di­enst (und dazu zählt auch das Umk­lei­den) durch den getra­ge­nen Schmuck die Gefahr, dass dieser hän­gen bleibt, muss der Schmuck vorher abgelegt wer­den. Da ins­beson­dere bei ringför­migem Schmuck die Gefahr des Hän­gen­bleibens nicht zuver­läs­sig aus­geschlossen wer­den kann, ist dieser immer abzule­gen.
  • Eine klar definierte Abgren­zung zwis­chen Schmuck­stück­en, bei denen die Gefahr des Hän­gen­bleibens beste­ht, und solchen, bei denen diese Gefahr nicht gegeben ist, kann wegen der unter­schiedlichen For­mge­bung nur schw­er getrof­fen wer­den.
  • Auch kleine Ohrsteck­er kön­nen, wie auch her­vor- oder abste­hende Schmuck­stücke oder Fin­ger­ringe unter Hand­schuhen, zu ein­er unnöti­gen Gefährdung für den Feuer­wehrange­höri­gen wer­den; zumin­d­est kann diese nicht aus­geschlossen wer­den.
  • Bei Arm­ban­duhren, die z.B. unter Ein­satz­jack­en oder Stulpen getra­gen wer­den, beste­ht erfahrungs­gemäß keine Gefährdung.
  • Vor Beginn von sportlichen Aktiv­itäten (z.B. Dien­st­sport, kör­per­liche Ertüch­ti­gung), welche im organ­isatorischen Ver­ant­wor­tungs­bere­ich der Feuer­wehr durchge­führt wer­den, ist Schmuck abzule­gen; Pierc­ings müssen ggf. nur abgek­lebt wer­den.

Fazit

Zusam­menge­fasst kann daher fest­gestellt wer­den, dass das Tra­gen von Schmuck im Einsatz‑, Aus­bil­dungs- und Übungs­di­enst prob­lema­tisch ist. Auch der Dienst in der Jugend­feuer­wehr zählt dazu. Die Gefährdun­gen (z.B. bei der Dichtigkeit von Atem­schutzan­schlüssen durch Augen­brauen-Pierc­ings oder Quetschver­let­zun­gen durch Bauchn­abel- Pierc­ings infolge des Hantierens mit schw­erem hydraulis­chen Ret­tungs­gerät) müssen erkan­nt, bew­ertet und Maß­nah­men zur Abhil­fe ergrif­f­en wer­den.

Die Gefährdungs­beurteilung nach § 4 DGUV Vorschrift 49 „Feuer­wehren“ i. V. m. § 3 DGUV Vorschrift 1 „Grund­sätze der Präven­tion“ (Unfal­lver­hü­tungsvorschriften) gibt der Trägerin oder dem Träger der Feuer­wehr die Möglichkeit, die Gefährdun­gen im Feuer­wehr­di­enst zu ermit­teln und erforder­liche Maß­nah­men für Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz für alle Feuer­wehrange­höri­gen zu tre­f­fen. Diese Maß­nah­men sind ins­beson­dere aus dem feuer­wehrspez­i­fis­chen Regel­w­erk abzuleit­en. Weit­ere Hin­weise zur Umset­zung der Schutzziele gibt das Regel­w­erk der DGUV, z.B. die DGUV Regel 105–049 „Feuer­wehren“.

Durch eine verpflich­t­ende Dien­stan­weisung für alle Feuer­wehrange­höri­gen kann zum Beispiel das Tra­gen von Schmuck oder schmuck­ähn­lichen Gegen­stän­den im Feuer­wehr­di­enst ver­boten und somit ein weitest­ge­hend sicheres Arbeit­en ermöglicht wer­den.

 

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