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Einige Wildpilze noch immer radioaktiv belastet

32 Jahre nach Tschernobyl
Einige Wildpilze noch immer radioaktiv belastet

Wildpilze sind in einigen Regionen des Bayerischen Waldes als Folge des Tschernobyl-Unglücks immer noch radioaktiv belastet. Foto: © Swetlana Wall - stock.adobe.com
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Auch 32 Jahre nach der Reak­torkatas­tro­phe im ukrainis­chen Kernkraftwerk Tsch­er­nobyl sind Auswirkun­gen in Deutsch­land zu beobacht­en: Einzelne Wild­pilzarten in bes­timmten Regio­nen Bay­erns sind weit­er­hin stark radioak­tiv belastet. Das bele­gen Messergeb­nisse, die das Bun­de­samt für Strahlen­schutz (BfS) in zwei aktuellen Bericht­en veröf­fentlicht hat. Bei land­wirtschaftlichen Pro­duk­ten ins­ge­samt ist die Belas­tung infolge des Reak­torun­falls aber deut­lich zurückgegangen.

Bei ein­er Rei­he wild wach­sender Speisepilze wer­den immer noch deut­lich erhöhte Werte des radioak­tiv­en Cäsi­um (Cäsi­um-137) gemessen, welch­es nach dem Unfall in Tsch­er­nobyl aus­ge­treten ist. Das geht aus dem aktuellen Bericht „Radioak­tive Kon­t­a­m­i­na­tion von Speisepilzen (Stand: 2017)“ des Bun­de­samts für Strahlen­schutz (BfS) her­vor. Beispiel­sweise kön­nen Braun­scheibige und Orange­falbe Sch­neck­linge oder Rot­braune Sem­mel­stop­pelpilze bis zu einige 1.000 Bec­quer­el (Bq) Cäsi­um-137 pro Kilo­gramm Frischmasse aufweisen.

Noch keine Entwarung für einige Pilzarten

„Bei eini­gen Wild­pilzarten kann auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Tsch­er­nobyl-Unfall noch keine Ent­war­nung gegeben wer­den. Unsere Messergeb­nisse zeigen, dass die radioak­tive Belas­tung dieser Pilzarten im Gegen­satz zu anderen Lebens­mit­teln nach wie vor sehr hoch ist“, sagt BfS-Präsi­dentin Inge Pauli­ni. Wegen sein­er Halb­w­ert­szeit von rund 30 Jahren ist das aus dem Tsch­er­nobyl-Unfall stam­mende Cäsi­um-137 bish­er erst rund zur Hälfte zerfallen.

Gesundheitliche Folgen bei üblichen Mengen nicht zu befürchten

Mit ein­er Mahlzeit höher belasteter Wild­pilze kann dem Kör­p­er mehr Cäsi­um-137 zuge­führt wer­den als mit Lebens­mit­teln aus land­wirtschaftlich­er Pro­duk­tion inner­halb eines ganzen Jahres. Gesund­heitliche Fol­gen sind den­noch nicht zu befürcht­en, wenn selb­st gesam­melte Wild­pilze in üblichen Men­gen verzehrt wer­den. Für Pilze, die in den Han­del gebracht wer­den, gilt, dass ein Gren­zw­ert von 600 Bec­quer­el pro Kilo­gramm nicht über­schrit­ten wer­den darf.

Höchste Cäsium-137-Gehalte in Teilen des Bayerischen Walds

Die höch­sten Gehalte an Cäsi­um-137 in Wild­pilzen sind in höher kon­t­a­minierten kleineren Gebi­eten im Bay­erischen Wald, im Donau­moos süd­west­lich von Ingol­stadt und in der Region Mit­ten­wald zu find­en. Diese Gebi­ete wur­den durch den Reak­torun­fall im Jahr 1986 zehn­mal höher belastet als beispiel­sweise der Nor­den Deutsch­lands. In anderen Regio­nen sind die Werte in Pilzen wegen der gerin­geren Ablagerung von Cäsi­um-137 entsprechend niedriger.

Beschaffenheit der Böden ausschlaggebend

Grund dafür, dass Wild­pilze in den betrof­fe­nen Regio­nen deut­lich stärk­er belastet sein kön­nen als land­wirtschaftliche Erzeug­nisse, ist die unter­schiedliche Beschaf­fen­heit von Wald­bö­den und land­wirtschaftlich genutzten Böden. Die Werte des Cäsi­um-137 in land­wirtschaftlichen Pro­duk­ten liegen derzeit in Deutsch­land im Bere­ich von nur eini­gen Bec­quer­el pro Kilo­gramm und darunter. In Deutsch­land wer­den mit Nahrungsmit­teln aus land­wirtschaftlich­er Erzeu­gung im Mit­tel weniger als 100 Bec­quer­el Radiocä­si­um pro Per­son und Jahr aufgenommen.

Radioaktive Belastung nach Tschernobyl insgesamt stark gesunken

Ins­ge­samt ist die radioak­tive Belas­tung von Lebens­mit­teln als Folge des Tsch­er­nobyl-Unglücks deut­lich zurück­ge­gan­gen. Das geht aus einem aktuellen Bericht zur Umwel­tra­dioak­tiv­ität in Deutsch­land her­vor, in dem das BfS und andere Leit­stellen des Bun­des Messergeb­nisse von 2014 bis 2016 veröf­fentlichen. So sind beispiel­sweise die Werte des Cäsi­um-137 bei Fis­chen aus Bin­nengewässern in Süd­deutsch­land seit 1986 um den Fak­tor 200 gesunken. Bei Milch nimmt die Belas­tung stetig ab und liegt auf einem niedri­gen Niveau. Bei Trink- und Grund­wass­er sind nahezu alle Mess­werte für Radiocä­si­um sehr ger­ing und liegen weit unter­halb der geforderten Nachweisgrenzen.

www.bfs.de

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