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Mobbing – Schi­kane ohne Ende

Mobbing
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Es ist ruhig gewor­den um das Thema Mobbing. Doch wenn etwas nicht mehr auf der ersten Seite steht, heißt das noch lange nicht, dass es nicht mehr exis­tiert. So ist das auch mit dem Mobbing. Das gibt es noch immer. Inzwi­schen auch als Cyber-Mobbing.

Bettina Brucker

Sie kommen morgens zur Arbeit und ihr Kollege schnappt Ihnen den Park­platz weg. Sie kommen in den Pausen­raum und das Gespräch verstummt schlag­ar­tig. Ihr Chef gibt Ihnen einen Arbeits­auf­trag, der weit unter Ihrer Quali­fi­ka­tion liegt. Ist das Mobbing? Nein. Einzelne Gemein­hei­ten, ein Streit zwischen Kolle­gen, Ermah­nun­gen oder barsche Anwei­sun­gen können zwar Anzei­chen für ein schlech­tes Arbeits- und Betriebs­klima sein, doch diesen Einzel­ak­tio­nen fehlen bestimmte Merk­male, die ausschlag­ge­bend dafür sind, dass man von Mobbing spricht. Mobbing meint nicht ein schlech­tes Betriebs­klima oder einen gele­gent­lich unge­rech­ten Vorge­setz­ten. Bei Mobbing wird eine Person mit dem Ziel der Ausgren­zung syste­ma­tisch oft und während einer länge­ren Zeit ange­grif­fen.

Auslö­ser für Mobbing

Mobbing beginnt schlei­chend und ist ein lang­wie­ri­ger Prozess. Durch­schnitt­lich 15 Monate sind Mobbing-Opfer dem Psycho-Terror am Arbeits­platz ausge­setzt. Häufig werden die Atta­cken hinter „Scher­zen“ versteckt, anonym durch­ge­führt oder mit „objek­ti­ven Daten“ unter­füt­tert. So ist die Böswil­lig­keit nur schwer zu bewei­sen.

Doch warum kommt es immer wieder dazu, dass Beschäf­tigte Kolle­gen schi­ka­nie­ren, bis diese krank werden? Was treibt einen Chef dazu, seinen Mitar­bei­ter zu drang­sa­lie­ren, bis er kündigt? Zu den wich­tigs­ten Auslö­sern zählen

  • unbe­setzte Stel­len oder schlech­tes Zeit­ma­nage­ment, also Mängel in der Arbeits­or­ga­ni­sa­tion.
  • Schwä­chen im Führungs­ver­hal­ten wie mangelnde Vorbild­funk­tion der Vorge­setz­ten oder Vernach­läs­si­gung der Fürsor­ge­pflicht.
  • eine beson­dere soziale Stel­lung der Betrof­fe­nen etwa aufgrund von Geschlecht, Natio­na­li­tät oder Behin­de­rung.
  • Wegschauen sowie Igno­rie­ren oder Dulden von Fehl­ver­hal­ten.

Hinzu kommt, dass man sich seine Arbeits­kol­le­gen nicht aussu­chen kann. Man arbei­tet nicht primär zusam­men, weil man sich gern hat. Die Teams sind fast immer „Zwangs­ge­mein­schaf­ten“: Sie werden vom Arbeit­ge­ber oder Vorge­setz­ten zusam­men­ge­setzt, um im Auftrag des Betriebs bestimmte Aufga­ben zu lösen. Wer sich im Team nicht wohl fühlt, kann nicht einfach gehen und sich somit der Situa­tion entzie­hen.

Was passiert beim Mobbing?

Mobbing­hand­lun­gen können Angriffe, Ausgren­zun­gen oder Verlet­zun­gen sein: Da wird beispiels­weise ein Kollege mund­tot gemacht, alle verlas­sen den Raum, wenn die Kolle­gin ihn betritt, oder jemand wird stän­dig als Versa­ger bezeich­net. Je länger der Mobbing­pro­zess dauert, desto gerin­ger sind die Chan­cen, sich zur Wehr zu setzen. Der Betrof­fene gerät immer mehr unter Druck, seine Leis­tung lässt nach, er wird krank oder kündigt. Doch nicht nur der Einzelne leidet, sondern auch sein Umfeld, also zum Beispiel seine Fami­lie.

Mobbing ist aber auch ein Thema für das Unter­neh­men und die Gesell­schaft. Denn durch krank­heits­be­dingte Arbeits­aus­fälle entsteht ein großer betriebs- und volks­wirt­schaft­li­cher Scha­den. Jeder dritte Erwach­sene in Deutsch­land wurde schon einmal gemobbt. Jedes Jahr trifft es über eine Million Beschäf­tigte. Einem Betrieb entste­hen pro gemobb­ter Person Kosten in Höhe von 15.000 bis 50.000 Euro pro Jahr. Der Deut­sche Gewerk­schafts­bund (DGB) bezif­fert den mobbing­be­ding­ten betriebs­wirt­schaft­li­chen Scha­den auf jähr­lich bis zu 25 Milli­ar­den Euro. Der volks­wirt­schaft­li­che Scha­den (Behand­lungs­kos­ten, Früh­ver­ren­tun­gen et cetera) wird auf bis zu 80 Milli­ar­den Euro geschätzt.

Mobbing­op­fer können sich juris­tisch wehren: Schwere Mobbing­hand­lun­gen wie Belei­di­gung, Verleum­dung, Nöti­gung oder Körper­ver­let­zung sind straf­bar. Von Körper­ver­let­zung ist die Rede, wenn jemand durch Mobbing krank wird. Dieser Zusam­men­hang muss jedoch so von einem Arzt attes­tiert werden.

Mobbing­op­fer leiden vor allem unter Gerüch­ten und Unwahr­hei­ten. Eine ideale Platt­form dafür ist das Inter­net. Findet Mobbing beispiels­weise per E‑Mail, auf Face­book, Insta­gram oder auf Video­platt­for­men wie Youtube statt, spricht man von Cyber-Mobbing. Bei dieser neue­ren Form von Mobbing sind Belei­di­gun­gen und Diffa­mie­run­gen einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich.

Cyber-Mobbing

Während Mobbing am Arbeits­platz meist nur Täter und Opfer sowie das nähere Umfeld betrifft und zeit­lich auf den Arbeits­all­tag begrenzt ist, sind Belei­di­gun­gen oder verlet­zende Fotos oder Filme im Inter­net von Frem­den einseh­bar und können jeder­zeit abge­ru­fen werden.

Außer­dem wissen die Opfer oft lange Zeit nicht, was im Netz über sie verbrei­tet wird. Hinzu kommt: Was einmal online ist, lässt sich sehr schwer wieder löschen. Selbst wenn es gelingt, Fotos und Belei­di­gun­gen entfer­nen zu lassen, sind die Opfer nicht davor geschützt, dass andere Perso­nen die Inhalte gespei­chert haben und weiter in Umlauf brin­gen.

Damit Mobbing nicht um sich grei­fen kann, sollte im Unter­neh­men verbind­lich fest­ge­legt sein, wie mitein­an­der umge­gan­gen wird. Das lässt sich zum Beispiel schrift­lich in einer Mobbing­ver­ein­ba­rung fest­hal­ten. Außer­dem tragen ein vorbild­haf­ter Führungs­stil, Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen und ausge­bil­dete Mobbing­be­auf­tragte im Betrieb dazu bei, das Thema aus der dunk­len Ecke des „Psycho­ter­rors“ heraus­zu­ho­len und ohne Tabu präven­tiv dage­gen anzu­ge­hen.


Typi­sche Mobbing-Phasen

Mobbing meint die syste­ma­ti­sche Ausgren­zung einer Person, die zu diesem Zweck über einen länge­ren Zeit­raum regel­mä­ßig gede­mü­tigt, bedroht, belei­digt, herab­ge­wür­digt und schi­ka­niert wird. Typisch für den Verlauf sind die folgen­den vier Phasen:

  1. Ein Konflikt wird nicht geklärt. Es kommt zu Schuld­zu­wei­sun­gen oder ersten einzel­nen persön­li­chen Angrif­fen.
  2. Der eigent­li­che Konflikt gerät in den Hinter­grund. Der Psycho­ter­ror beginnt: Eine bestimmte Person wird immer häufi­ger zur Ziel­scheibe syste­ma­ti­scher Schi­kane. Sie verliert nach und nach ihr Selbst­wert­ge­fühl. Die Kolle­gen gren­zen sie mehr und mehr aus.
  3. Die Ange­le­gen­heit eska­liert. Die gemobbte Person verän­dert sich, kann sich nicht mehr konzen­trie­ren und macht Fehler. Sie wird deshalb abge­mahnt, versetzt oder mit Kündi­gung bedroht. Die arbeits­recht­li­chen Sank­tio­nen tref­fen aller­dings den Falschen.
  4. Der Gemobbte geht oder ihm wird gekün­digt.

Weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen

Hand­lungs­hil­fen und Empfeh­lun­gen finden sich unter ande­rem

  • in der Verdi-Broschüre „Gemein­sam gegen Mobbing“, hinter­legt unter www.inqa.de (Such­be­griff „Gemein­sam gegen Mobbing“)
  • im Sozi­al­netz Hessen unter http://mobbing-und-burnout.sozialnetz.de
  • in der Broschüre „Wenn aus Kolle­gen Feinde werden“der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin unter www.baua.de Ange­bote Publi­ka­tio­nen Repo­si­to­rium (Such­be­griff Mobbing)

Recht­li­che Grund­la­gen

Der Arbeit­ge­ber ist verpflich­tet, seine Arbeit­neh­mer vor arbeits­be­ding­ten Gesund­heits­ge­fah­ren zu schüt­zen und auf eine menschen­ge­rechte Gestal­tung der Arbeit zu achten. Schutz- und Hand­lungs­mög­lich­kei­ten gegen Mobbing erge­ben sich unter ande­rem aus dem

  • Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG),
  • dem Grund­ge­setz,
  • dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) sowie
  • dem Allge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG).
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