Oktoberfest: gut für das seelische Gleichgewicht; Emotionen in der Gruppe
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Ausgelassenheit

Okto­ber­fest: gut für das seeli­sche Gleich­ge­wicht

Der Mensch ist ein Herdentier. Und das merkt man vor allem bei Massenveranstaltungen. Foto: © W. Heiber Fotostudio - stock.adobe.com
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Das größte Volks­fest der Welt, das Okto­ber­fest in München, hat am 22. Septem­ber ange­fan­gen. 2017 kamen mehr als sechs Millio­nen Besu­cher aus 75 Natio­nen. Zu einem Preis von rund zehn Euro pro Mass flos­sen über 7,5 Millio­nen Liter Bier. Doch warum besu­chen Menschen Massen­ver­an­stal­tun­gen wie das Okto­ber­fest?

Jedes Jahr pilgern Millio­nen Menschen zum Okto­ber­fest und amüsie­ren sich bei Musik, Bier und einhei­mi­scher Kost. Die Gründe, warum sich Groß­ver­an­stal­tun­gen dieser Art solcher Beliebt­heit erfreuen, sind vor allem emotio­na­ler Natur, erläu­tert Prof. Dr. Thomas Fenzl, Psycho­lo­gie­pro­fes­sor und Experte für Massen­psy­cho­lo­gie an der Hoch­schule Frese­nius in München.  „Auf ratio­na­ler Ebene lässt sich keine Massen­be­we­gung beschrei­ben“, führt er weiter aus. Das gelte für poli­ti­sche Bewe­gun­gen, für das Anle­ger­ver­hal­ten an den Finanz­märk­ten und eben auch für Frei­zeit­ver­an­stal­tun­gen.

Anony­mi­tät und unter­drückte Triebe

Ein Motiv für den Besuch von Massen­ver­an­stal­tun­gen ist die Anony­mi­tät, die der Einzelne in der Masse genießt: Als einer von vielen liegt die Verant­wor­tung für das eigene Handeln vermeint­lich nicht mehr bei einem selbst. So verdeut­lichte schon der Begrün­der der Massen­psy­cho­lo­gie Gust­ave Le Bon in seinem 1895 erschie­ne­nen Werk „Psycho­lo­gie der Masse“, dass in der psycho­lo­gisch verein­ten Masse häufig andere Gesetze und soziale Regeln für das Verhal­ten gelten als im Alltag. Gesell­schaft­lich allge­mein akzep­tierte Normen, wie beispiels­weise der mode­rate Konsum von Alko­hol, werden in der Massen­be­we­gung außer Kraft gesetzt und durch neue Regeln ersetzt. Massen­ver­an­stal­tun­gen sind daher für viele ein will­kom­me­ner Anlass, um ihrem Alltag zu entflie­hen und ihre unter­drück­ten Triebe bis zu einem bestimm­ten Grad auszu­le­ben, ohne dafür sank­tio­niert zu werden. Ein weite­rer wich­ti­ger Beweg­grund, zum Okto­ber­fest zu gehen, ist das Gefühl von Zuge­hö­rig­keit“, so der Psycho­loge. Denn der Mensch ist von Grund auf ein sozia­les Wesen, das sich in einer Gruppe wohl und sicher fühlt. Dieses Phäno­men lässt sich zum Beispiel auch bei Herden­tie­ren beob­ach­ten. So ist ein allein­ste­hen­des Zebra in der Savanne eine leich­tere Beute für Raub­tiere, wohin­ge­gen es in der Gruppe besser geschützt ist. Selbi­ges gilt zum Beispiel auch für jeden einzel­nen Fisch in einem Fisch­schwarm.

Wir tun, was andere tun

Auch der soziale Einfluss und die soge­nannte soziale Anste­ckung – ein Begriff der maßgeb­lich durch den Nobel­preis­trä­ger Robert J. Shil­ler geprägt wurde, der damit Speku­la­ti­ons­bla­sen an Finanz­märk­ten erklärt – spie­len eine große Rolle, wenn es darum geht, Massen­ver­an­stal­tun­gen dieser Größe aufzu­su­chen. Das heißt, wir neigen dazu, uns daran zu orien­tie­ren, was andere machen. Die ande­ren geben uns Orien­tie­rung, oder wie es der Nobel­preis­trä­ger Thomas C. Schel­ling formu­lierte: Unser Verhal­ten hängt vom Verhal­ten der ande­ren ab.

Für das seeli­sche Gleich­ge­wicht können solche Massen­events wich­tig sein“, schluss­fol­gert Fenzl. So führe die Teil­nahme an Volks­fes­ten nicht nur zu einem posi­tiv aufge­la­de­nen Gemein­schafts­ge­fühl, sondern biete auch die Möglich­keit, sich mal gehen zu lassen. Das gelte jedoch nicht für alle Menschen. „Was einem letzt­end­lich guttut und was nicht, ist sehr indi­vi­du­ell. Einen seeli­schen Ausgleich kann man auch alleine bei einem Spazier­gang durch den Wald finden.“

 

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