Startseite » Aktuelles » Recht und Regelwerk »

Überarbeitete TRBS 2121–2 für Leitern

Auf den Einsatzzweck kommt es an
Überarbeitete TRBS 2121–2 für Leitern

Anzeige
Leit­ern gehören mit fast 50 Prozent Anteil an allen Absturzun­fällen zu den unfall­trächtig­sten Arbeitsmit­teln. Um Unglücke und Ver­let­zun­gen zu ver­mei­den, hat der zuständi­ge Auss­chuss im Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales den Teil 2 der Tech­nis­chen Regeln für Betrieb­ssicher­heit (TRBS) 2121 „Gefährdung von Beschäftigten bei der Ver­wen­dung von Leit­ern” über­ar­beit­et. Dieser befasst sich mit der Gefährdung von Beschäftigten bei der Ver­wen­dung von Leit­ern.

Die neue Fas­sung der Tech­nis­chen Regel für Betrieb­ssicher­heit, Teil 2 (TRBS 2121–2) wurde am 21. Dezem­ber 2018 im Min­is­te­ri­al­blatt veröf­fentlicht. Zarges, Anbi­eter von Steigmit­teln, erk­lärt, was sich für Betriebe und Anwen­der durch die TRBS 2121–2 verän­dert hat und was es zu beacht­en gilt.

Verwendung von Leitern als Verkehrsweg …

Die TRBS 2121–2 unter­schei­det zwis­chen der Ver­wen­dung von Leit­ern als Verkehr­sweg und als hochgele­gen­er Arbeit­splatz. Im ersten Fall haben sich die Vor­gaben nicht wesentlich geän­dert. Bis zu ein­er Auf­stiegshöhe von fünf Metern darf der Benutzer von ein­er Leit­er aus umsteigen, sofern die Leit­er oben min­destens einen Meter über­ste­ht und gegen Umkip­pen und Wegrutschen gesichert ist. In sehr sel­te­nen und begrün­de­ten Aus­nah­me­fällen sind auch mehr als fünf Meter möglich. Zudem kön­nen weit­er­hin auch Sprossen­leit­ern als Zugang zu hochgele­ge­nen Arbeit­splätzen einge­set­zt wer­den.

… oder als hochgelegener Arbeitsplatz

Mehr Änderun­gen gibt es allerd­ings, wenn von ein­er Leit­er aus Arbeit­en aus­ge­führt wer­den. Grund­sät­zlich sollte es sich dabei lediglich um Arbeit­en gerin­gen Umfangs wie beispiel­sweise Spachte­lar­beit­en oder den Wech­sel von Leucht­mit­teln han­deln. Dazu sind in Abhängigkeit von der Stand­höhe zeitliche Begren­zun­gen vorge­se­hen: Bis zu ein­er Stand­höhe von zwei Metern sind die Arbeit­en ohne Zeitlim­it zuläs­sig. In Höhen zwis­chen zwei und fünf Metern sind hinge­gen nur Arbeit­en von max­i­mal zwei Stun­den je Arbeitss­chicht erlaubt. Hier gilt jedoch: Arbeit­en sind nur mit einem fes­ten Stand durch eine Stufe oder Plat­tform zuge­lassen. Sprossen­leit­ern sind nicht mehr ord­nungs­gemäß, außer in speziellen Aus­nah­me­fällen (wie beispiel­sweise bei Arbeit­en in engen Schächt­en), die schriftlich mit der Gefährdungs­beurteilung zu begrün­den sind.

Leiter erst nach vorheriger Gefährdungsbeurteilung verwenden

„Bei der Anwen­dung von Leit­ern und Steighil­fen sollte Sicher­heit immer ober­stes Gebot sein“, erk­lärt Simone Har­rer, Pro­duk­t­man­agerin bei Zarges. „Deshalb empfehlen wir Anwen­dern und Unternehmen, Leit­ern auss­chließlich nach ein­er vorheri­gen Gefährdungs­beurteilung einzuset­zen.“ Während Anlegeleit­ern mit Sprossen als Verkehr­sweg zuläs­sig sind, soll­ten Stufen- oder Podestleit­ern für hochgele­gene Arbeit­en gewählt wer­den, sofern Alter­na­tiv­en nicht möglich sind. Je nach Gefährdungs­beurteilung emp­fiehlt es sich, bere­its im Betrieb vorhan­dene Stehleit­ern mit Sprossen sowie Vielzweck­leit­ern und andere Bauar­ten mit ein­er Ein­hänge­plat­tform auszus­tat­ten.

„Die Änderun­gen im Rah­men der TRBS 2121–2 sind unter dem Sicher­heit­saspekt sin­nvoll, ohne dass die bish­eri­gen Regelun­gen im Kern abgelöst wer­den. Leit­ern waren auch bish­er für leichtere Tätigkeit­en gedacht, die mit geringer Gefährdung ein­herge­hen und bei denen der Ein­satz ander­er, aufwendi­ger­er Arbeitsmit­tel unver­hält­nis­mäßig wäre“, kom­men­tiert Har­rer. „Hier­für stellen wir Anwen­dern auch zukün­ftig die passenden Lösun­gen zur Ver­fü­gung. Zudem bieten wir Sem­i­nare und Lehrgänge an, mit denen Anwen­der die rel­e­van­ten Geset­ze und Verord­nun­gen erfüllen kön­nen.“


Dipl.-Ing. Hen­drik­je Rah­ming
Foto: pri­vat

Drei Fragen zur TRBS 2121–2

„Unfallgeschehen ist hoch“

Erken­nt­nisse aus dem Unfallgeschehen sind in die Aktu­al­isierung der TRBS 2121 einge­flossen. Darauf weist Dipl.-Ing. Hen­drik­je Rah­ming von der Präven­tion der BG BAU und Stel­lvertre­tende Sachge­bi­et­slei­t­erin Hochbau im Fach­bere­ich Bauwe­sen der DGUV hin. Im Inter­view erk­lärt sie die wichtig­sten Neuerun­gen und ihre Auswirkun­gen für Unternehmen und Nutzer.

Was sind Ihrer Mei­n­ung nach die wichtig­sten Punk­te der TRBS 2121–2?

Bei der Aktu­al­isierung der Tech­nis­chen Regeln für Betrieb­ssicher­heit TRBS 2121 wur­den auch die Erken­nt­nisse aus dem Unfallgeschehen berück­sichtigt. Und das Unfallgeschehen ist bei Leit­ern ver­gle­ich­sweise so hoch, dass man sich schon fra­gen kann, ob die Leit­er ein gefährlich­es Arbeitsmit­tel ist. Die haupt­säch­lichen Ursachen von Unfällen mit trag­baren Leit­ern sind das Wegrutschen der Leit­er wegen fehlen­der oder unzure­ichen­der Leit­er­sicherung, der Gle­ichgewichtsver­lust, zum Beispiel wegen zu weit­em Hin­auslehnen, und das Abrutschen von der Leiter(sprosse).

Daher ist eine der wichtig­sten Neuerun­gen sicher­lich die Forderung des Ste­hens auf ein­er Stufe oder ein­er Plat­tform beim Arbeit­en von der Leit­er (siehe TRBS 2121–2, 4.2.4). Damit wird sowohl der Ergonomie als auch der Arbeitssicher­heit Rech­nung getra­gen. Desweit­eren fordert die TRBS 2121–2, dass vor dem Ein­satz unter anderem zu klären ist: Kann ich Alter­na­tiv­en zur Leit­er ein­set­zen? Wie lange und für was muss die Leit­er ver­wen­det wer­den? Dadurch wird der Umgang mit Leit­ern hof­fentlich bewusster. Denn es sind auch tödliche Absturzun­fälle von Leit­ern zu bekla­gen.

Wie wirkt sich die Neuerung in der Prax­is aus? Müssen die Unternehmen nun ver­stärkt Leit­ern ver­schieden­er Bauar­ten anschaf­fen? Also statt Sprossen­stehleit­ern mehr Plat­tform- oder Podestleit­ern und mehr Gerüste und Hubar­beits­büh­nen?

Die Anforderung der neuen TRBS 2121–2 beim Arbeit­en auf ein­er Leit­er­stufe oder Plat­tform zu ste­hen, hat Auswirkun­gen auf den Markt, denn es wer­den immer mehr prak­tis­che Stufen­leit­er­typen entwick­elt. Eine Nachrüstverpflich­tung oder den Zwang, alle Bestand­sleit­ern nun zu entsor­gen, gibt es nicht. Jedoch gibt die neue TRBS 2121–2 Anlass, die Gefährdungs­beurteilun­gen zu über­prüfen. Und hier muss dann beurteilt wer­den, ob die Bestand­sleit­ern weit­er­hin den rechtlichen Anforderun­gen entsprechen. Die TRBS 2121–2 for­muliert dabei ein Sicher­heit­sniveau, was einge­hal­ten wer­den muss. Unternehmen kön­nen dann zum Beispiel mit Zube­hörteilen die Sicher­heit des Altbe­stand bis zur näch­sten Neuan­schaf­fung verbessern. Aber auch Neuan­schaf­fun­gen sind vielle­icht jet­zt schon notwendig und sin­nvoll. Die BG BAU bietet den Mit­glieds­be­trieben Unter­stützung an, indem die Anschaf­fung ver­schieden­er neuer Leit­er­bauar­ten mit Stufen im Rah­men der Arbeitss­chutzprämien bis zu 50 Prozent gefördert wer­den.

Was müssen die Nutzer beacht­en, bevor sie eine Leit­er besteigen?

1. Die erste Frage muss laut­en: Was gibt es für Alter­na­tiv­en zur Leit­er? Denn die Leit­er ist immer die zweite Wahl. Dies ist der erste Schritt, den der Unternehmer im Rah­men sein­er Gefährdungs­beurteilung vol­lziehen muss (Arbeitss­chutzge­setz, Betrieb­ssicher­heitsverord­nung, TRBS 2121–2).

2. Wenn nur eine Leit­er für die Tätigkeit in Frage kommt, muss ich die richtige dafür auswählen. Hier spie­len die Qual­ität (Kennze­ich­nung beacht­en: beru­flich­er Gebrauch nach DIN EN 131!), Leit­er­länge beziehungsweise ‑größe und Leit­er­art eine Rolle. Oft wer­den zu kleine Leit­ern vorge­se­hen, die dann zum Beispiel im Fall von Stehleit­ern viel zu hoch bestiegen wer­den. Damit wer­den Fehlanwen­dun­gen und Impro­vi­sa­tio­nen provoziert, die zu ver­mei­d­baren Unfällen und auch Inef­fek­tiv­ität bei der Arbeit führen. Hier hat die jew­eilige Ver­wen­dung als Arbeit­splatz oder Verkehr­sweg Auswirkun­gen auf die Auswahl der Leit­er­art.

3. Im näch­sten Schritt ist dann hil­fre­ich­es Leit­erzube­hör auszuwählen, welch­es die Sicher­heit zusät­zlich zu Anbauteilen, die vom Her­steller für die sichere Ver­wen­dung vorge­se­hen sind, verbessern kann. Hier sind zum Beispiel Leit­erkopf­sicherun­gen zur Fix­ierung der Leit­er, Fußver­bre­iterun­gen und Leit­er­stop­per zum stand­sicheren Auf­stellen zu nen­nen. Die BG BAU fördert viele prak­tis­che Zube­hörteile über die Arbeitss­chutzprämien: www.bgbau.de/praemien.

4. Ver­hal­tens­fehler und Fehlanwen­dun­gen tra­gen entschei­dend zum Unfallgeschehen bei. Deshalb müssen Beschäftigte vor der erst­ma­li­gen Ver­wen­dung, dann regelmäßig und anlass­be­zo­gen (Beina­he-Unfall, erkennbares Fehlver­hal­ten) unter­wiesen wer­den, siehe Arbeitss­chutzge­setz, Betrieb­ssicher­heitsverord­nung und TRBS 2121–2. Unter­weisun­gen sind zu doku­men­tieren. Hier bieten sich als Unter­stützung zum Beispiel die Bausteine B131 und B132 der BG BAU an. Die gibt es auch in vie­len ver­schiede­nen Sprachen (B131–1, B132–1) unter www.bgbau-medien.de.

5. Und dann muss man sich die Leit­er nochmal vor jed­er Benutzung (arbeit­stäglich) genau anschauen: Ist die Leit­er geprüft? Ist sie vielle­icht sog­ar beschädigt und sollte nicht ver­wen­det wer­den? Leit­ern müssen ins­beson­dere beim Ein­satz in rauhen Umge­bun­gen wie bei Bauar­beit­en regelmäßig geprüft wer­den. Im Regelfall wird dies auch mit ein­er Prüf­plakette an der Leit­er gekennze­ich­net. Die BG BAU bietet hierzu auch Aufk­le­ber mit Sicher­heitskennze­ichun­gen und Platz für eine Prüf­plakette an: H21 für Anlegeleit­ern und H22 für Stehleit­ern unter www.bgbau.de.


Sonderpreis der BG BAU für Stufenleiter-Neuheiten

Gle­ich zwei Neuheit­en aus dem Pro­duk­t­pro­gramm der Günzburg­er Steigtech­nik sind auf der bau­ma 2019 Anfang April in München im Rah­men der EuroTest-Preisver­lei­hung mit einem Son­der­preis der Beruf­sgenossen­schaft der Bauwirtschaft (BG BAU) aus­geze­ich­net wor­den: die zweit­eilige Stufen-Schiebeleit­er und die Stufen-Glas­reiniger­leit­er. Die bei­den Leit­ern entsprechen den ver­schärften Anforderun­gen der Neu­fas­sung der Tech­nis­chen Regeln für die Betrieb­ssicher­heit TRBS 2121 Teil 2.

„Es sind vor allem tech­nis­che Maß­nah­men und geeignete Arbeitsmit­tel, die entschei­dend dazu beitra­gen, die Arbeitssicher­heit und den Gesund­heitss­chutz zu verbessern“, betonte Bern­hard Arenz, Leit­er der Haupt­abteilung Präven­tion der BG BAU, bei der Preisver­lei­hung.

Die bei­den Leit­ern sind mit zahlre­ichen Fea­tures für die Arbeitssicher­heit aus­ges­tat­tet und kön­nen auf Wun­sch zum Beispiel mit der rutschhem­menden Trit­tau­flage clip-step R13 der Günzburg­er Steigtech­nik geliefert wer­den. Ein Plus an Stand­sicher­heit wird außer­dem mit der niv­el­lo-Tra­verse erre­icht, die mit der neuen Gen­er­a­tion des niv­el­lo-Leit­er­schuhs aus­ges­tat­tet ist. Mit sein­er 2‑Ach­sen-Nei­gung­stech­nik im inte­gri­erten Gelenk opti­miert dieser die Bode­nau­flage der Leit­er.

Die zweit­eilige Stufen-Schiebeleit­er und die Stufen-Glas­reiniger­leit­er sind in das Arbeitss­chutzprämien-Pro­gramm der BG BAU aufgenom­men wor­den. Dadurch kön­nen Anwen­der beim Kauf der Stufen­leit­ern Zuschüsse erhal­ten.

Anzeige
Gewinnspiel

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abon­nieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 10
Ausgabe
10.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 10
Ausgabe
10.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de