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Abkühlung auf dem Heimweg gesucht

Verhäng­nis­vol­ler Sprung in den Neckar

Ein verhängnisvoller Sprung in den Neckar auf dem Rückweg von der Arbeit endete mit einer schweren Verletzung. Foto: © damedias - stock.adobe.com
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Die Abküh­lung in einem Fluss auf dem Heim­weg von der Arbeit ist nach einer Entschei­dung des Sozi­al­ge­richts Reut­lin­gen nicht gesetz­lich unfall­ver­si­chert. Der Kläger fuhr an einem heißen Sommer­tag von seiner Arbeit in Reut­lin­gen mit dem Fahr­rad zurück zu seiner Wohnung in Tübin­gen. Weil er stark schwitzte, unter­brach er seine Fahrt und sprang zur Abküh­lung in den Neckar. Dabei brach er sich mehrere Hals­wir­bel­kör­per, was eine inkom­plette Quer­schnitts­läh­mung zur Folge hatte.

Die beklagte Berufs­ge­nos­sen­schaft lehnte die Aner­ken­nung als Arbeits­un­fall ab. Mit dem Sprung in den Neckar habe sich der Kläger einer priva­ten Tätig­keit, dem Baden, gewid­met. Hieran ändere auch der Vortrag des Mannes nichts, er habe sich abküh­len müssen, um einen Hitz­schlag abzu­wen­den. Gesund­heits­er­hal­tende Maßnah­men zur Erhal­tung der Arbeits­fä­hig­keit gehör­ten grund­sätz­lich zum unver­si­cher­ten persön­li­chen Lebens­be­reich. Zudem habe es unge­fähr­li­chere Maßnah­men gege­ben, um den Heim­weg trotz Hitze zu bewäl­ti­gen. Dieser Argu­men­ta­tion folgte auch das Gericht. Ergän­zend führte es aus, dass nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung der Versi­che­rungs­schutz bei Unfäl­len in Gewäs­sern, die zur Erfri­schung aufge­sucht werden, zwar nicht gänz­lich ausge­schlos­sen sei. Aller­dings war das Gericht vom Vorbrin­gen des Klägers, er sei wegen einer „abso­lu­ten Notsi­tua­tion“ auf dem Heim­weg mit dem Rad auf eine „unmit­tel­bare Abküh­lung im Neckar“ ange­wie­sen gewe­sen, nicht über­zeugt. Die Unfall­stelle sei nur circa zwei Kilo­me­ter von der Wohnung des Klägers entfernt und die verblie­bene Wegstre­cke mit keinen erheb­li­chen Stei­gun­gen verbun­den gewe­sen. Daher sei ausge­schlos­sen, dass der Kläger diese Stre­cke nicht ohne Erfri­schung hätte bewäl­ti­gen können.

Für eine Frei­zeit­ver­rich­tung spre­che auch der Unfall­her­gang. Aufgrund der erlit­te­nen Hals­wir­bel­kör­per­frak­tu­ren sei davon auszu­ge­hen, dass der Kläger einen Kopf­sprung in den Fluss machte. Auf diese Art in das Wasser zu gelan­gen, sei zur Erfri­schung nicht gebo­ten gewe­sen.

Gerichts­be­scheid des Sozi­al­ge­richts Reut­lin­gen vom 17.01.2019, Az. S 4 U 2651/17

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