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Wettkämpfe sind kein Betriebssport

Versicherungsschutz bei sportlicher Betätigung
Wettkämpfe sind kein Betriebssport

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Viele Betriebe bieten ihren Mitar­beit­ern die Möglichkeit, Sport zu treiben. Fußball, Bad­minton oder gemein­same Fahrrad­touren – die Ange­bote sind vielfältig. Sportliche Betä­ti­gun­gen sind grund­sät­zlich der Pri­vat­sphäre zuzuord­nen. Weil Sport die Gesund­heit fördert, die Leis­tungs­fähigkeit erhöht und einen Aus­gle­ich für beru­fliche Belas­tun­gen schafft, ste­ht er trotz­dem unter dem Schutz der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung. Einige Voraus­set­zun­gen müssen allerd­ings erfüllt sein.

Der Sport muss einen Aus­gle­ich für die kör­per­lichen, geisti­gen und seel­is­chen Belas­tun­gen am Arbeit­splatz schaf­fen. Die Sportart spielt keine Rolle, ein gewiss­es Min­dest­maß an kör­per­lich­er Betä­ti­gung muss aber fest­stell­bar sein. Grund­sät­zlich kein Ver­sicherungss­chutz beste­ht während der Teil­nahme an Wet­tkämpfen und Turnieren. Hier ste­ht der Wet­tkampf- und eben nicht der Aus­gle­ich­scharak­ter im Vorder­grund. Außer­dem muss der Betrieb­ss­port regelmäßig stat­tfind­en. Als unter­ste Gren­ze gilt min­destens eine Ein­heit im Monat.

Der Teil­nehmerkreis muss im Wesentlichen auf Betrieb­sange­hörige beschränkt sein. Betrieb­ss­port­grup­pen mehrerer Unternehmen kön­nen sich zusam­men­schließen. Weit­ere Voraus­set­zung für den Ver­sicherungss­chutz ist ein organ­isatorisch­er Bezug zum Unternehmen. Hier­für ist beispiel­sweise aus­re­ichend, wenn der Arbeit­ge­ber Sport­geräte zur Ver­fü­gung stellt oder Train­ingszeit­en vorgibt.

Unversicherter Unfall bei Firmenlauf

Die Teil­nahme an einem für eine Vielzahl von Fir­men und Ein­rich­tun­gen organ­isierten Fir­men­lauf ste­ht nicht unter dem Schutz der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung. Dies hat das Sozial­gericht (SG) Dort­mund entsch­ieden und damit die Klage ein­er Mitar­bei­t­erin des Job­cen­ters abgewiesen. Die Frau hat­te zusam­men mit 80 Arbeit­skol­legin­nen und ‑kol­le­gen an einem von einem pri­vat­en Ver­anstal­ter organ­isierten, ins­ge­samt 10.000 Men­schen umfassenden Fir­men­lauf teilgenom­men. Während des Laufs stürzte sie und brach sich das rechte Handge­lenk. Die zuständi­ge Beruf­sgenossen­schaft (BG) lehnte die Anerken­nung eines Arbeit­sun­fall­es ab, da es sich bei dem Fir­men­lauf wed­er um Betrieb­ss­port noch um eine Gemein­schaftsver­anstal­tung des Job­cen­ters gehan­delt habe.

Die Dort­munder Richter bestätigten die Entschei­dung. Die Klägerin habe den Unfall nicht in Ausübung ihrer eigentlichen Tätigkeit erlit­ten. Auch unter dem Aspekt des Betrieb­ss­ports habe kein Ver­sicherungss­chutz bestanden. Betrieb­ss­port müsse Aus­gle­ichs- und keinen Wet­tkampfcharak­ter haben und außer­dem regelmäßig stat­tfind­en. Bei­des tre­ffe auf den ein­mal jährlich aus­ge­tra­ge­nen Fir­men­lauf nicht zu. Auch wenn der Arbeit­ge­ber die Teil­nahme am Fir­men­lauf durch Wer­bung und die Über­nahme der Start­ge­bühr unter­stützt habe, so habe es sich den­noch nicht um eine Ver­anstal­tung des Job­cen­ters gehan­delt. Eine Gemein­schaftsver­anstal­tung schei­de somit eben­falls aus.

(Urteil des Sozial­gerichts Dort­mund vom 04.02.2020, Az. S 17 U 237/18).

Versicherter Unfall bei Firmenlauf

Das SG Det­mold hat im Gegen­satz dazu bere­its im Jahr 2015 einen Sturz beim Fir­men­lauf als Arbeit­sun­fall unter dem Gesicht­spunkt der Gemein­schaftsver­anstal­tung anerkan­nt. Zugrunde lag der Fall ein­er kaufmän­nis­chen Angestell­ten, die an einem Fir­men­lauf in Berlin teilgenom­men hat­te. Beim Über­queren ein­er Straße stürzte sie und ver­let­zte sich dabei am Knie und im Gesicht. Der zuständi­ge Unfal­lver­sicherungsträger lehnte die Anerken­nung als Arbeit­sun­fall ab, weil jeden­falls ein Teil der Beschäftigten auf­grund gesund­heits- oder alters­be­d­ingter Ein­schränkun­gen nicht hätte an dem Laufwet­tbe­werb teil­nehmen kön­nen. Es sei somit nicht die Gesamtheit der Belegschaft ange­sprochen wor­den, son­dern nur sportlich inter­essierte und aktive Beschäftigte. Außer­dem sei die erforder­liche Min­dest­beteili­gungsquote von 20 Prozent der Belegschaft nicht erfüllt, da von 30.000 Beschäftigten ins­ge­samt nur 1.200 Mitar­beit­er an dem Lauf teilgenom­men hätten.

Dage­gen zog die Frau erfol­gre­ich vor Gericht. Nach Auf­fas­sung der Richter kann eine feste Min­dest­beteili­gungsquote als starre Gren­ze ohne­hin nicht gefordert wer­den. Es komme vielmehr auf die konkreten Ver­hält­nisse im Einzelfall an. Bei ein­er Quote von 16 Prozent könne man nicht von einem ein­deuti­gen Missver­hält­nis sprechen. Außer­dem sei das Pro­gramm so gestal­tet, dass der Gemein­schafts­gedanke im Unternehmen im Vorder­grund ste­he. Ins­beson­dere sei die Gesamtheit der Belegschaft ange­sprochen wor­den. Inter­essierte Beschäftigte kon­nten auch mit einem soge­nan­nten Fan-Tick­et teil­nehmen, ohne sich an dem Lauf selb­st zu beteili­gen. (Urteil des Sozial­gerichts Det­mold vom 19.03.2015, Az. S 1 U 99/14)

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