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Unterweisungen

Tipps, wie sie gelin­gen

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Beschäftigten über den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz während der Arbeitszeit zu unterweisen. (Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
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Eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist Voraus­set­zung für siche­res und gesun­des Arbei­ten. Mit ihr lassen sich Gefah­ren bei der Arbeit erken­nen und vermei­den. Eine logi­sche Konse­quenz aus der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und wich­ti­ger Baustein im Arbeits­schutz sind Unter­wei­sun­gen. Dr. Evelyn Zing­refe, Dozen­tin für Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall (BGHM), erklärt im Inter­view, worauf die Verant­wort­li­chen im Betrieb achten soll­ten, wenn sie die Beschäf­tig­ten über die bei ihrer Tätig­keit auftre­ten­den Gefähr­dun­gen und sicher­heits­ge­rechte Verhal­tens­wei­sen unter­wei­sen.

Frau Dr. Zing­refe, was ist bei betrieb­li­chen Unter­wei­sun­gen zu beach­ten?

Dr. Evelyn Zing­refe: Zuerst soll­ten immer folgende Fragen berück­sich­tigt werden: Welche Gefähr­dun­gen gibt es im Arbeits­be­reich der zu Unter­wei­sen­den? Was kann passie­ren? Und wie kann man sich schüt­zen? Außer­dem ist die Ziel­gruppe entschei­dend: Neue Betriebs­an­ge­hö­rige benö­ti­gen bei Arbeitsschutz-Unterweisungen beispiels­weise mehr grund­le­gende Infor­ma­tio­nen zu betrieb­li­chen Beson­der­hei­ten als erfah­rene Beschäf­tigte. Gerade bei erfah­re­nen Beschäf­tig­ten gilt es, einer­seits dazu zu moti­vie­ren, gewohnte, aber unsi­chere Verhal­tens­wei­sen sicher­heits­ge­recht zu verän­dern. Ande­rer­seits sollte man den Erfah­rungs­schatz dieser Beschäf­tig­ten nutzen und sie an der Durch­füh­rung von Unter­wei­sun­gen aktiv betei­li­gen. Das stärkt ihre Selbst­ver­pflich­tung und vermit­telt gleich­zei­tig eine Wert­schät­zung ihres Wissens und ihrer Fertig­kei­ten.

Wie können Unter­wei­sun­gen anspre­chend gestal­tet werden?

Zing­refe: Damit Unter­wei­sun­gen nach­hal­tig sind und nicht zu lang­wei­li­gen Pflicht­ver­an­stal­tun­gen werden, ist eine syste­ma­ti­sche Vorbe­rei­tung entschei­dend. Unter­wei­sende soll­ten sich daher stets fragen, was sie vermit­teln wollen und wie sie die Beschäf­tig­ten errei­chen. Inter­esse wecken, erklä­ren, über­zeu­gen, vorma­chen, einüben lassen und den Erfolg kontrol­lie­ren sind wich­tige metho­di­sche Bausteine im Rahmen eines Unter­wei­sungs­kon­zep­tes.

Haben Sie konkrete Beispiele?

Zing­refe: Eine gute Wirkung erzielt man, wenn Beschäf­tigte gemein­sam über ein Thema spre­chen und im Dialog mitein­an­der Lösun­gen finden. Das fördert die Eigen­ver­ant­wor­tung. Auch Fragen sind ein geeig­ne­tes Mittel, um Inter­esse zu wecken und den Nutzen von Unter­wei­sun­gen hervor­zu­he­ben: Was gehört zur Sicht­kon­trolle am Stap­ler? Wofür dient diese Siche­rung? So werden Diskus­sio­nen ange­regt, aus denen sich viel Opti­mie­rungs­po­ten­zial ablei­ten lässt. Inhalte blei­ben beson­ders gut im Kopf, wenn während der Unter­wei­sung mehrere Sinne ange­spro­chen werden. Deswe­gen soll­ten auch Medien gezielt als Hilfs­mit­tel einge­setzt werden: Bilder oder Film­se­quen­zen – beispiels­weise Alltags­si­tua­tio­nen aus dem eige­nen Betrieb – wecken die Neugier der Beschäf­tig­ten. Auch E‑Learning-Programme können die münd­li­che Wissens­ver­mitt­lung ergän­zen, eignen sich aber nicht zur allei­ni­gen Nutzung, da sie die Komple­xi­tät des betrieb­li­chen Umfel­des nicht abde­cken können. Beson­ders nach­hal­tig sind Unter­wei­sun­gen, wenn zum Abschluss gemein­sam Verhal­tens­re­geln verein­bart werden, die dabei helfen, künf­tig sicher und gesund zu arbei­ten. Dane­ben tragen Betriebs­an­wei­sun­gen, beispiels­weise an Maschi­nen, dazu bei, die getrof­fe­nen Maßnah­men zu unter­stüt­zen und ihre Wirk­sam­keit zu erhal­ten. Sie infor­mie­ren die Beschäf­tig­ten über Gefähr­dun­gen und fassen gefor­derte Schutz­maß­nah­men und Verhal­tens­re­geln in schrift­li­cher Form zusam­men. Sie müssen stets aktu­ell und für alle an den Arbeits­plät­zen zugäng­lich sein.

Nun zu den Pflich­ten: Wie oft müssen Beschäf­tigte unter­wie­sen werden?

Zing­refe: Unter­wei­sun­gen müssen grund­sätz­lich immer vor der Aufnahme einer neuen Tätig­keit durch­ge­führt werden. Das gilt bei Neuein­stel­lun­gen ebenso wie beim Arbeits­platz­wech­sel oder bei der Einfüh­rung neuer Verfah­ren, Maschi­nen und Arbeits­mit­tel. Auszu­bil­dende sind halb­jähr­lich zu unter­wei­sen, alle ande­ren Beschäf­tig­ten mindes­tens einmal im Jahr. Unter­wei­sun­gen können auch einen bestimm­ten Anlass haben: Zum Beispiel nach Unfäl­len, bei Störun­gen im Arbeits­ab­lauf oder wenn sich Ange­stellte sicher­heits­wid­rig verhal­ten haben.

Wer führt die Unter­wei­sun­gen durch?

Zing­refe: Arbeit­ge­be­rin­nen und Arbeit­ge­ber haben die gesetz­li­che Pflicht, ihre Beschäf­tig­ten über den betrieb­li­chen Arbeits- und Gesund­heits­schutz während der Arbeits­zeit zu unter­wei­sen. Dies ist ange­mes­sen zu doku­men­tie­ren, indem der jewei­lige Betriebs­be­reich, Datum und Inhalt der Unter­wei­sung sowie die Namen der Unter­wie­se­nen sowie Unter­wei­sen­den Perso­nen belegt werden. Der Arbeit­ge­ber kann diese Aufga­ben aber auch beispiels­weise auf die direk­ten Vorge­setz­ten über­tra­gen – denn diese kennen die konkre­ten Arbeits­plätze und ‑abläufe sowie die Beschäf­tig­ten. In der Praxis hat sich die Unter­stüt­zung durch die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit oder den Betriebs­arzt eben­falls bewährt.

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