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Unternehmerische Risiken durch Klimawandel unterschätzt

Klimawandel
Viele Unternehmen unterschätzen Risiken

Foto: ©mb67 - stock.adobe.com
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Die Fol­gen des Kli­mawan­dels bergen ökonomis­che Risiken für Unternehmen. Eine aktuelle Studie des Umwelt­bun­de­samts (UBA) zeigt, dass nur etwa die Hälfte der DAX-30-Unternehmen öffentlich zu diesen Risiken berichtet. Keines der unter­sucht­en 100 größten Unternehmen informiert darüber, ob die Unternehmensstrate­gie gegenüber einem stärk­eren Kli­mawan­del resilient und mit ein­er anspruchsvollen Kli­maschutzpoli­tik kom­pat­i­bel ist. 

UBA-Präsi­dent Dirk Mess­ner: „Der Kli­mawan­del wirkt sich immer stärk­er auf unsere Wirtschaft aus. Das haben wir in den ver­gan­genen Jahren bere­its gese­hen – und mit fortschre­i­t­en­dem Kli­mawan­del wer­den diese Risiken größer. Mich erstaunt daher, dass viele Unternehmen sich offen­bar nicht aus­re­ichend mit den finanziellen Risiken des Kli­mawan­dels für ihr Geschäft auseinan­der­set­zen und Kli­mafol­gen langfristig unter die Lupe nehmen. Kli­ma­man­age­ment gehört als ein Baustein des Nach­haltigkeits­man­age­ments und der Weit­er­en­twick­lung der Geschäftsmod­elle in jede Unternehmensstruktur.“

Als Ursachen der physis­chen Risiken des Kli­mawan­dels sehen die unter­sucht­en DAX-30-Unternehmen vor allem Extremwet­ter­ereignisse, verän­derte Nieder­schlagsmuster und erhöhte Durch­schnittstem­per­a­turen. Sie erwarten, dass sich diese Risiken in Pro­duk­tion­srück­gän­gen, steigen­den Rohstof­fkosten und Gebäude­schä­den auswirken und schätzen die poten­ziellen Schä­den durch die physis­chen Fol­gen des Kli­mawan­dels auf einen Gesamtwert von mehreren Mil­liar­den Euro in den näch­sten zwei bis vier Dekaden. Gle­ichzeit­ig gehen die DAX-30 Unternehmen nicht davon aus, dass die rel­e­van­ten physis­chen Risiken mit­tel- bis langfristig deut­lich zunehmen wer­den. Wis­senschaftliche Unter­suchun­gen des Umwelt­bun­de­samtes zeigen im Gegen­satz zu den Ein­schätzun­gen der Unternehmen, dass die Schä­den durch den Kli­mawan­del in den näch­sten Jahrzehnen­ten deut­lich zunehmen werden. 

Die Unternehmen soll­ten dabei auch berück­sichti­gen, dass die glob­alen Ver­sorgungs­ket­ten mit Rohstof­fen und Zwis­chen­pro­duk­ten sowie der inländis­che Waren­verkehr über Wasser­straßen zukün­ftig stärk­er durch Kli­mawan­delfol­gen beein­trächtigt wer­den kön­nen. Sechs Prozent (55 Mil­liar­den Euro) der deutschen Importe und vier Prozent (knapp 50 Mil­liar­den Euro) der Exporte verteilen sich auf zwölf Län­der oder Regio­nen, die als beson­ders vul­ner­a­bel (ver­wund­bar) gegenüber dem Kli­mawan­del gel­ten (s. Abschluss­bericht Fol­gen des glob­alen Kli­mawan­dels für Deutsch­land). Bere­its in den Som­mern 2018 und 2019 führten niedrige Pegel­stände durch andauernde Trock­en­heit zu Lief­er­eng­pässen und Pro­duk­tion­se­in­stel­lun­gen bei Unternehmen, die stark vom schiff­fahrts­basierten Liefer­verkehr abhängig sind. Unternehmen soll­ten sich daher mit klimabezo­ge­nen Risiken auseinan­der­set­zen und – in diesem Beispiel möglicher­weise durch angepassten Schiffs­bau oder Verkehrsver­lagerung auf die Schiene – entsprechend vorsorgen.

Um klimabezo­gene Risiken in den Finanzmärk­ten wirk­sam zu berück­sichti­gen, sollte der Staat Unternehmen zu ein­er entsprechen­den Berichter­stat­tung verpflicht­en. Mit diesen Infor­ma­tio­nen kön­nen Inve­storen und Banken klimabezo­gene Risiken in ihren Port­fo­lios bess­er erken­nen und steuern. „Infor­ma­tio­nen zur Zukun­fts­fähigkeit von Unternehmen im Kli­mawan­del sind für Inve­storen und Kun­den zen­tral. Unternehmen soll­ten daher stärk­er verpflichtet wer­den, umfassend und öffentlich zu klimabezo­ge­nen Risiken zu bericht­en. Das schafft mehr Trans­parenz und Ver­gle­ich­barkeit und stellt die Weichen für mehr Investi­tio­nen in kli­mare­siliente und kli­mafre­undliche Tech­niken. Der ehe­ma­lige Präsi­dent der britis­chen Zen­tral­bank, Mark Car­ney, der ein Pio­nier in diesem Feld ist, weist seit Jahren auf diese Sachver­halte hin“, so Dirk Messner.

Unter anderem ein inter­na­tionales Net­zw­erk von Zen­tral­banken und Finan­za­uf­sicht­en sowie der Sus­tain­able Finance Beirat der Bun­desregierung fordern eben­falls eine klimabezo­gene Berichter­stat­tung gemäß den Empfehlun­gen der Task Force on Cli­mate-relat­ed Finan­cial Dis­clo­sures (TCFD). TCFD beste­ht aus Experten der Finanz- und Real­wirtschaft und wurde vom Finan­cial Sta­bil­i­ty Board der G20 ein­gerichtet, um Finanz­mark­tak­teure bei der frühzeit­i­gen Erken­nung von klimabezo­ge­nen Risiken zu unter­stützen. Es ist abse­hbar, dass kli­marel­e­vante Risiken auch stärk­er als bis­lang Bestandteil der Nov­el­lierung der europäis­chen Cor­po­rate Social Respon­si­bil­i­ty-Richtlin­ie (CSR-Richtlin­ie) sein wer­den, die große, kap­i­tal­mark­to­ri­en­tierte Unternehmen seit 2018 zu ein­er nicht­fi­nanziellen Erk­lärung über wesentliche Nach­haltigkeit­srisiken verpflichtet.

Einen Vorschlag für einen ein­heitlichen Anforderungsrah­men an ein unternehmerisches Kli­ma­man­age­ment hat das UBA in der Studie Kli­ma­man­age­ment in Unternehmen entwick­elt.  Ein weit­eres laufend­es Vorhaben befasst sich mit der Evaluierung und Weit­er­en­twick­lung der CSR-Berichterstattung.

Weit­ere Informationen

Der Bericht Man­age­ment von Kli­marisiken in Unternehmen: Poli­tis­che Entwick­lun­gen, Konzepte und Bericht­sprax­is ist Teil des bis 2022 laufend­en Forschungsvorhabens „Ökonomie des Kli­mawan­dels. Neue Man­age­mentin­stru­mente zur Min­derung von Kli­marisiken in Staat und Wirtschaft“, das die Frank­furt School of Finance and Man­age­ment gemein­sam mit der Munich Cli­mate Insur­ance Ini­tia­tive und der Agen­tur akzente im Auf­trag des UBAs durchführt.

Die vor­liegende Unter­suchung stützt sich auf alle aktuellen Nach­haltigkeits­berichte und Nicht­fi­nanziellen Erk­lärun­gen der 100 größten deutschen Unternehmen. Zu let­zterem sind im Wesentlichen große kap­i­tal­mark­to­ri­en­tierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten durch die europäis­che Richtlin­ie zur nicht­fi­nanziellen Berichter­stat­tung (CSR-Richtlin­ie) verpflichtet. Außer­dem wurde die Berichter­stat­tung der DAX-30-Unternehmen in der Daten­bank „Cli­mate Change 2019“ von der Organ­i­sa­tion CDP sowie einige Nach­haltigkeits­berichte aus­gewählter mit­tel­ständis­ch­er Unternehmen analysiert. Die Ergeb­nisse sind für die Berichter­stat­tung großer Unternehmen in Nach­haltigkeits­bericht­en und Nicht­fi­nanziellen Erk­lärun­gen repräsen­ta­tiv. Zudem zeigt der Bericht auf, in welchen poli­tis­chen Prozessen zu nach­haltiger Finanzwirtschaft klimabezo­gene Risiken berück­sichtigt wer­den und leit­et auf Basis von Leit­fä­den zum Man­age­ment von Kli­marisiken in Unternehmen eine ein­heitliche Struk­tur für ein klimabezo­genes Risiko­man­age­ment ab. Dieses soll Unternehmen bei der sys­tem­a­tis­chen Auseinan­der­set­zung mit klimabezo­ge­nen Risiken und entsprechen­dem Vor­sorge­han­deln unterstützen.

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