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Beson­dere Anfor­de­run­gen

Interview
Beson­dere Anfor­de­run­gen

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Immer mehr Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten bieten zusam­men mit dem ACE Auto Club Europa e.V. ein Semi­nar und Fahr­si­cher­heits­trai­nings für mobilitätsein- geschränkte Unfall­ver­letzte an. Sicher­heits­be­auf­trag­ter sprach mit Gert Schlei­chert vom ACE, der die Semi­nare konzi­piert hat und betreut.

Was waren die Gründe, ein solches Trai­ning zu entwi­ckeln?

Wir arbei­ten seit vielen Jahren im Bereich der Präven­tion mit den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zusam­men. Von der BG Bau kam dann eine Anfrage nach einem derar­ti­gen Semi­nar. Es gibt eine Viel­zahl von Schwerst­ver­letz­ten, die im Roll­stuhl sitzen oder ander­wei­tig einge­schränkt sind. Ihnen die Angst zu nehmen, sie wieder zum Auto­fah­ren zu brin­gen, unter Berück­sich­ti­gung der aktu­el­len Lebens­si­tua­tion, der Nutzung eige­ner Ressour­cen und tech­ni­scher Hilfs­mit­tel, war die Absicht.
Wie sind die Rahmen­be­din­gun­gen des Trai­nings?
Es ist auf zwei­ein­halb Tage ausge­rich­tet und findet an Trai­nings­stät­ten statt, an denen es eine Unter­kunft mit genü­gend behin­der­ten­ge­rech­ten Zimmern für die neun bis zwölf Teil­neh­mer gibt. Die Semi­nar­pla­nung berück­sich­tigt genü­gend Pausen­zei­ten und Umrüst­zei­ten für die PKW. Der Dialog mit den Teil­neh­mern steht im Vorder­grund, und sie haben auch Zeit sich unter­ein­an­der auszu­tau­schen.
Wer gehört außer Ihnen zum Betreuer-Team?
Ein KFZ-Mobilitätssachverständiger, der selber seit einem Unfall auf den Roll­stuhl ange­wie­sen ist, eine Ergo­the­ra­peu­tin sowie ein Fahr­leh­rer, der in der Behin­der­ten­aus­bil­dung aktiv ist. Außer­dem noch zwei Fahr­trai­ner, eine Sport­wis­sen­schaft­le­rin und ein Logis­ti­ker, da wir ja Fahr­zeuge und Tech­nik mitbrin­gen.
Welche Tech­nik ist das?
Wir haben zwei Fahr­zeuge, die spezi­ell ausge­stat­tet sind, außer­dem spezi­elle Systeme, wie etwa den Hand­gas­ring, der auf dem Lenk­rad ange­bracht wird, oder beson­dere Sitze, die das Umset­zen erleich­tern. Die Teil­neh­mer können die Tech­nik auspro­bie­ren und bekom­men Tipps, wie sie ihr Auto verän­dern können. Viele, die seit langem im Roll­stuhl sind, brau­chen aufgrund körper­li­cher Verän­de­run­gen unter Umstän­den nun ein anders ausge­stat­te­tes Auto.
Für welchen Perso­nen­kreis ist das Trai­ning gedacht?
Die Teil­neh­mer haben ganz unter­schied­li­che Beein­träch­ti­gun­gen. Es sind Quer­schnitt­ge­lähmte dabei, aber auch Menschen mit einer Spas­tik, mit nur einem Arm oder Unter­schen­kel­am­pu­tierte. Auf alle geht das Betreu­er­team indi­vi­du­ell ein.
Was ist das Beson­dere an diesem Semi­nar?
An einen Roll­stuhl­fah­rer zum Beispiel stellt das Auto­fah­ren schon von der Ergo­no­mie her ganz andere Anfor­de­run­gen. Für ihn ist wich­tig, wie er ein- und ausstei­gen oder den Roll­stuhl im Auto verstauen kann. Was außer­dem eine Rolle spielt: Sein Körper wird einsei­tig bean­sprucht, Muskeln werden über­stra­pa­ziert, gerade da sind die Tipps einer Ergo­the­ra­peu­tin beson­ders hilf­reich. Ein Modul des Trai­nings behan­delt Fahr­dy­na­mik und Fahr­si­cher­heit. Gesunde Fahrer spüren mit ihrem Körper, wenn die Straße rutschig ist. Ein teil­weise gelähm­ter Mensch spürt das nicht unbe­dingt, er muss aber genauso sicher fahren wie andere, er muss auch genauso schnell lenken und auswei­chen können. Das wird in prak­ti­schen Übun­gen trai­niert. So besteht eine Übung darin, mit einem spezi­ell umge­bau­ten Auto eine Gefah­ren­brem­sung mit der Hand vorzu­neh­men. Außer­dem gibt es auch Theo­rie­bau­steine, in denen wir unter ande­rem auf Rechte und Pflich­ten von behin­der­ten Auto­fah­rern einge­hen. Da geht es um Fragen wie „Wer darf mit meinem Fahr­zeug sonst noch fahren?“ oder „Was hat sich im Führer­schein­recht verän­dert?“.
Sie bieten auch eine Hand- und Fußkraft­mess­an­lage. Was bringt das den Teil­neh­mern?
Dabei kann der Fahrer prüfen, wie viel Kraft er mit seiner Musku­la­tur aufbrin­gen kann. Je nach­dem kann man dann die Lenkung tech­nisch verän­dern, damit sie sich leich­ter betä­ti­gen lässt oder bei Fußbrem­sen, etwa für einen Bein­am­pu­tier­ten, eine Erwei­te­rung ins Brems­pe­dal einbauen.
Haben Sie Rück­mel­dun­gen von Teil­neh­mern?
Ja, und die sind durch­weg posi­tiv. Das hat uns dazu veran­lasst, abge­lei­tet aus diesem Semi­nar, einen weite­ren Semi­nar­typ zu entwi­ckeln, der sich an Reha-Helfer oder Berufs­ma­na­ger der BGen und Unfall­kas­sen rich­tet. Sie können sich dabei auch über tech­ni­sche Hilfs­mit­tel infor­mie­ren und bekom­men die Möglich­keit, zum Beispiel mit einem Auto mit Hand­gas­sys­tem zu fahren. Ziel ist, das Verständ­nis fürein­an­der zu fördern, und eine noch bessere fach­li­che Bera­tung zu ermög­li­chen.
Das Inter­view führte Verena Manek.
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