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Es geht auch ohne Schimmel und Kaffeeflecken

Gefahren in der Teeküche
Es geht auch ohne Schimmel und Kaffeeflecken

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Eine Tasse Kaf­fee oder Tee trinkt jed­er gerne im Büro. Doch wohin mit den dreck­i­gen Tassen? Wer spült sie und vor allem wo? Auf der Toi­lette ist eine Möglichkeit, doch sich­er keine appeti­tliche Lösung. Für die Zubere­itung von Pausen­getränken und kleinen Gericht­en ist eine Teeküche ide­al. Doch auch hier sollte auf die Sicher­heit geachtet werden.

Bet­ti­na Brucker

Manch ein­er fragt sich vielle­icht: Was kann in der Teeküche schon passieren? Kann jemand über einen Tee­beu­tel stolpern? Nein, das ist eher nicht zu erwarten. Aber darauf aus­rutschen, das kann passieren. Auch Ver­let­zun­gen wie eingek­lemmte oder angeschnit­tene Fin­ger kön­nen vorkom­men. Typ­is­che Gefährdun­gen und Belas­tun­gen im Zusam­men­hang mit Teeküchen sind elek­trisch­er Strom, Brände, Stolpern und Stürzen.
Vor allem in Ver­wal­tun­gen oder Büro­ge­bäu­den sind Teeküchen für die Beschäftigten ein wichtiger Raum. Hier kön­nen Getränke und Speisen sich­er und sauber zubere­it­et wer­den. Ob es sich dabei wirk­lich um einen abgeschlosse­nen Raum han­deln muss oder ob dafür eine Nis­che reicht, sollte man im Vor­feld über­legen. Soll eine Mikrow­elle oder ein Geschirrspüler in der Teeküche unterge­bracht wer­den, sollte man den Raum belüften kön­nen und er sollte eine Tür haben. Son­st kön­nen sich Mitar­beit­er durch Essens­gerüche oder Lärm belästigt fühlen.
Eine sichere Teeküche planen
Eine Teeküche ist ein frei­williges Ange­bot des Arbeit­ge­bers. Es gibt im Arbeitss­chutzrecht keine Gestal­tungsvor­gaben dafür. Arbeit­ge­ber und Belegschaft soll­ten sich darüber ver­ständi­gen, wozu der Raum dienen soll, zum
  • Zubere­it­en von Heißgetränken,
  • Auf­be­wahren von Lebensmitteln,
oder auch als
  • Pause­naufen­thalt­sraum oder
  • Kom­mu­nika­tion­str­e­ff­punkt.
Die Teeküche sollte im Gebäude so platziert sein, dass die Wege von und zu den Arbeit­splätzen möglichst kurz sind. Das ist vor allem dann wichtig, wenn sich die Mitar­beit­er in der Teeküche etwas zubere­it­en und es dann an einem anderen Platz verzehren. Unter­wegs kann es näm­lich passieren, dass man stolpert oder hän­gen bleibt und dabei Essen oder Trinken ver­schüt­tet. Dabei kön­nen die Verkehr­swege ver­schmutzt wer­den oder man kann sich und andere ver­brühen oder tech­nis­che Geräte wie Tele­fo­nan­la­gen oder Com­put­er „ertränken“. Da die Büromi­tar­beit­er über­wiegend leicht­es Schuh­w­erk mit unter­schiedlichen Sohlen tra­gen, sollte der Fuß­bo­den­be­lag rutschhem­mend sein. In der Teeküche soll­ten Fliesen oder Estriche mit grif­figer Ober­fläche, Rutschhem­mungs­be­w­er­tungs­gruppe R10, ver­wen­det wer­den. Außer­dem sollte der Boden gut zu reini­gen sein. Beson­ders hell muss es nicht sein. Die erforder­liche Beleuch­tungsstärke nach DIN EN 12464 beträgt 200 Lux (lx).
Laut Arbeitsstät­ten­verord­nung inklu­sive der bauord­nungsrechtlichen Bes­tim­mungen für gewerbliche Bau­vorhaben muss es möglich sein, eine fen­ster­lose Teeküche über eine tech­nis­che Lösung zu entlüften.
Über Nacht oder übers Woch­enende kann eine Kaf­feemas­chine einen Brand verur­sachen. Wie das passieren kann? Wenn man ver­gisst, sie auszuschal­ten. Dann muss nur etwas auf die Heiz­plat­te fall­en und sich mit der Zeit so erhitzen, dass es Feuer fängt. Für die Küchengeräte wie Heißwasser­bere­it­er, Kaf­feemas­chine oder Herd emp­fiehlt sich deshalb ein sep­a­rater Steck­dosen-Stromkreis mit Zeit­s­teuerung. Er ver­ringert die Brandge­fahr außer­halb der Bürozeit­en. Außer­dem emp­fiehlt sich eine Absicherung durch einen RCD/­FI-Schutzschal­ter. In ein­er Teeküche ist die Brandge­fahr höher als in anderen Räu­men. Deshalb ist es sin­nvoll, im Raum davor einen Rauch­warn­melder anzubrin­gen. Wer in der Teeküche Hängeschränke aufhän­gen will, sollte an die Stoßge­fahr denken. So kön­nen geteilte Türen oder Schiebetüren ver­hin­dern, dass man sich aus Verse­hen den Kopf an ein­er offen ste­hen­den Schrank­tür stößt. In kleineren Unternehmen kommt es vor, dass die Teeküche eher pro­vi­sorisch aus­ges­tat­tet ist. Die Mitar­beit­er brin­gen ihre pri­vate Kaf­feemas­chine oder den eige­nen Wasserkocher mit. Das ist prinzip­iell auch möglich. Doch Achtung: Auch für solche pri­vat­en elek­trischen Geräte, die am Arbeit­splatz genutzt wer­den, gilt die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung und zwar durch die Gefährdungs­beurteilung nach dem Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG). So emp­fiehlt es sich, die Geräte vor Inbe­trieb­nahme und danach regelmäßig zu prüfen. Oft brin­gen Mitar­beit­er allerd­ings „aus­rang­ierte“ Geräte mit. Um kein Risiko einzuge­hen und eventuell Sicher­heitsmän­gel zu überse­hen, kann es dann sicher­er sein, wenn ein neues Gerät angeschafft wird.
Gesel­ligkeit braucht Regeln
Eine Teeküche ist ein Ort, an dem man sich trifft. Der kleine Raum trägt zu ein­er lebendi­gen informellen Kom­mu­nika­tion im Unternehmen bei. Ste­hen Kekse, Schoko­lade, Obst oder Nüsse bere­it, kommt jed­er gerne mal zum Knab­bern vor­bei. Solche kurzen Pausen sind auch gut, um Energie zu tanken. Doch oft man­gelt es in gemein­schaftlich genutzten Teeküchen an Sauberkeit und Ord­nung. Nie­mand fühlt sich richtig dafür zuständig. Bevor kein­er mehr vor lauter Ekel die Teeküche betreten mag, sollte man einen Mitar­beit­er benen­nen, der darauf achtet, dass die (Hygiene-)Regeln und Reini­gungsin­ter­valle einge­hal­ten wer­den. Er sollte sich auch darum küm­mern, wenn ein Gerät defekt ist. Für diese Auf­gaben braucht man täglich nur wenige Minuten. Bei einem Team kann man die Auf­sicht über die Teeküche von Monat zu Monat neu vergeben. Tipp: Es sollte von vorn­here­in geregelt sein, was passiert, wenn die ver­ant­wortliche Per­son Urlaub hat oder krank ist. In Klein­be­trieben gel­ten übri­gens die gle­ichen Hygien­e­s­tandards wie in Groß­be­trieben, denn das Gesund­heit­srisiko ist über­all gle­ich groß. Beim Kon­takt mit anderen Men­schen oder Gegen­stän­den, die gemein­sam benutzt wer­den, beste­ht grund­sät­zlich die Möglichkeit, dass sich ansteck­ende Krankheit­en ver­bre­it­en. Wer also bei ein­er Besprechung Brötchen reicht, sollte bei der Zubere­itung auf Sauberkeit Wert legen.
Chemis­che Keulen sind nicht nötig
Für die Sauberkeit greifen allerd­ings viele vorschnell zur chemis­chen Keule. Doch Desin­fek­tion­s­mit­tel oder ätzende Reini­gungsmit­tel müssen in der Teeküche nicht sein. Umweltscho­nende Pro­duk­te sor­gen für eine gesunde Sauberkeit. Dazu gehören beispielsweise:
  • Hand­tuch­pa­pi­er aus Recyclingpapier,
  • biol­o­gisch abbaubare Spülmit­tel und Handseifen,
  • Zitro­nen­säure zum Entkalken der Kaffeemaschine.
Achtung: Getränke und Reini­gungsmit­tel soll­ten nie zusam­men auf­be­wahrt wer­den. Außer dem Spülmit­tel emp­fiehlt es sich, die Reini­gungsmit­tel in einem geson­derten Raum zu lagern.
Alle drei bis sechs Monate sollte der Kühlschrank kon­trol­liert und gere­inigt wer­den. Hil­fre­ich ist es dann, wenn die per­sön­lichen Lebens­mit­tel der Mitar­beit­er gekennze­ich­net und mit Datum verse­hen sind. Gut zu organ­isieren ist das über sep­a­rate Kühlschrankkörbe oder klar definierte Zonen im Kühlschrank. Wenn man es genau nimmt, gehen von ein­er Teeküche sog­ar Umwelt­be­las­tun­gen durch CO2-Emis­sio­nen aus. Im Stand-by-Modus ver­brauchen Geräte wie etwa Kaf­feemaschi­nen unnötig Strom. Die Summe aller Geräte belastet das Kli­ma mit Mil­lio­nen Ton­nen CO2. Deshalb sollte man den Kaf­fee bess­er nicht auf der Warmhal­teplat­te lassen, son­dern in Ther­moskan­nen umfüllen und die Mas­chine auss­chal­ten. Außer­dem schmeckt er so auch besser.
Vor­sicht Verwechslungsgefahr!
Lei­der ist auch immer wieder zu beobacht­en, dass Teeküchen für andere Zwecke miss­braucht wer­den. ‚Da ist doch Platz’, denkt sich manch ein­er und bringt Dinge unter, die hier nichts zu suchen haben. So find­en sich in den Schränken beispiel­sweise Pflanzendüngemit­tel. Doch die kön­nen mit Lebens­mit­teln ver­wech­selt wer­den und soll­ten deshalb bess­er im Vor­rat­sraum gelagert wer­den. Auch Ton­er oder Papi­er haben hier nichts zu suchen, eben­so Druck­er und Kopier­er. Diese sind in einem sep­a­rat­en Raum aufzustellen, in dem der Ton­er­staub nicht mit Lebens­mit­teln in Berührung kom­men kann. Auch Jack­en und Män­tel gehören nicht in die Teeküche. Sie soll­ten an ein­er Garder­obe im Ein­gangs­bere­ich aufge­hängt werden.
Rain­er Kun­ze, Sicher­heits­beauf­tragter beim Vere­in für Soziale Bil­dungsar­beit (VSB e. V.) in Gum­mers­bach achtet vor allem auch auf kleine Gefahren­quellen. Denn 24 Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er sowie wech­sel­nde Kursteil­nehmer vergessen schon ein­mal den Sicher­heit­saspekt. „Ein Ort, den ich immer wieder in Augen­schein nehme, ist die Teeküche. Warum? Immer wieder beobachte ich, dass die Mess­er mit der Klinge nach oben in die Besteck­körbe der Geschirrspül­maschi­nen ein­sortiert wer­den. Das ist gefährlich. Wenn jemand etwas dahin­ter ein- oder aus­räu­men will, kann er sich an ein­er Messer­spitze ver­let­zen“, so Kunze.

Weitere Infos …
… erhal­ten Sie unter anderem bei der Ver­wal­tungs-Beruf­sgenossen­schaft (VBG). Dort gibt es die Broschüre „Arbeitsstät­ten sich­er pla­nen und gestal­ten“ unter www.vbg.de.
Die Beruf­sgenossen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Medi­enerzeug­nisse (BG ETEM) hält die „Sicher­heits-Beurteilung Büro und büroähn­liche Bere­iche“ zum Herun­ter­laden bere­it unter www.bgdp.de/pages/service/download/medien/230–1.pdf
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