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Fahr­zeuge sicher bela­den!

Fahr- und Ladepersonal betroffen
Fahr­zeuge sicher bela­den!

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Beim Einsatz von Fahr­zeu­gen kommt es im Berufs­all­tag immer wieder zu schwe­ren Unfäl­len. Und das gilt nicht nur für die Teil­nahme im öffent­li­chen Verkehrs­raum. Gefähr­dun­gen erge­ben sich bei allen Tätig­kei­ten am oder in der Nähe des Fahr­zeu­ges. Insbe­son­dere das Be- und Entla­den von Fahr­zeu­gen ist gefähr­lich und führt nicht selten zu Verlet­zun­gen des Fahr- und Lade­per­so­nals. Lesen Sie hier, wie sich das Be- und Entla­den von Fahr­zeu­gen siche­rer gestal­ten lässt.

Markus Tisch­endorf Präven­ti­ons­dienst Hamburg BG ETEM tischendorf.markus@bgetem.de

Um Perso­nen durch unkon­trol­lierte Fahr­zeug­be­we­gun­gen nicht zu verlet­zen, ist das Fahr­zeug zur Be- und Entla­dung gegen Wegrol­len zu sichern. Dies wird vorran­gig durch Betä­ti­gen der Fest­stell­bremse erreicht. Beim Arbei­ten im Gefälle oder auf einem sehr unebe­nen Gelände muss das Fahr­zeug zusätz­lich durch Unter­leg­keile gesi­chert werden. Was zunächst so selbst­ver­ständ­lich klingt, wird im stres­si­gen Arbeits­all­tag jedoch gele­gent­lich verges­sen. Die Folgen können schwer­wie­gend sein, wie die nach­fol­gende Unfall­be­schrei­bung zeigt: An einer Lade­rampe sollte ein Sattel­kraft­fahr­zeug mit Geträn­ke­kis­ten bela­den werden. Der Fahrer versäumte es, sein Fahr­zeug auf der schie­fen Ebene ordnungs­ge­mäß zu sichern, so dass es sich plötz­lich in Bewe­gung setzte. Das führer­lose Fahr­zeug über­querte eine Straße und prallte in ein benach­bar­tes Gebäude. Zum Glück blieb es beim Sach­scha­den, da sich zum Unfall­zeit­punkt auf der gegen­über­lie­gen­den Stra­ßen­seite keine Perso­nen aufhiel­ten.
Stap­ler­be­la­dung nicht ohne Risiko
Ein weite­res Unfall­ri­siko entsteht dadurch, wenn Fahr­zeuge mit Hilfe eines Gabel­stap­lers von einer Lade­rampe aus bela­den bezie­hungs­weise entla­den werden. Hier ist eine gute Verstän­di­gung zwischen Lkw-Fahrer und Stap­ler­fah­rer drin­gend notwen­dig! Nicht selten ereig­ne­ten sich in der Vergan­gen­heit schwere Stap­ler­un­fälle, weil der Fahrer bereits vor Been­di­gung der eigent­li­chen Lade­tä­tig­keit seine Tour fort­setzte. Als Resul­tat stürz­ten die betrof­fe­nen Gabel­stap­ler von der Lade­rampe herab, wobei sich die Stap­ler­fah­rer häufig schwer verletz­ten. Nicht zuletzt deswe­gen müssen Gabel­stap­ler über eine so genannte Rück­hal­te­ein­rich­tung für den Fahrer verfü­gen. Als Fahrer-Rückhalteeinrichtung kommen geschlos­sene Fahrer­ka­bi­nen, seit­li­che Bügel­sys­teme oder Becken­gurte zur Anwen­dung. Die Benut­zung von Becken­gur­ten ist als schlech­teste Lösung anzu­se­hen, da sie allein von der Akzep­tanz des Stap­ler­fah­rers abhän­gig ist. Alle genann­ten Fahrer-Rückhalteeinrichtungen verhin­dern nicht den Absturz von der Rampe, mini­mie­ren gleich­wohl aber die Verlet­zungs­schwere im Falle eines Unfal­les.
Um Abstur­zun­fälle von Gabel­stap­lern an Lade­ram­pen zu verhin­dern, hat sich in der Praxis eine andere tech­ni­sche Lösung als geeig­net erwie­sen. Mit Hilfe von Unter­leg­kei­len, welche gebäu­de­sei­tig an der Lade­rampe befes­tigt sind, werden sowohl außen als auch innen geeig­nete Ampel­si­gnal­an­la­gen gesteu­ert. Befin­det sich der Unter­leg­keile in Schutz­stel­lung (das Fahr­zeug ist also gegen Wegrol­len gesi­chert), so schal­tet die Ampel im Inne­ren des Gebäu­des auf „Grün“. Dies ist für den Lager­mit­ar­bei­ter der Hinweis dafür, dass er mit dem Lade­vor­gang begin­nen bzw. diesen weiter fort­füh­ren kann. Im Außen­be­reich der Rampe steht die Ampel für den Lkw-Fahrer auf „Rot“. Sie zeigt ihm an, dass der Lade­vor­gang noch nicht been­det ist. Nach Been­di­gung des Lade­vor­gangs wird der Unter­leg­keil wieder entfernt. Nun steht die Ampel innen auf „Rot“ (Laden verbo­ten!) und außen auf „Grün“ (Weiter­fahrt zuläs­sig!).
Be- und Entla­den von Hand
Neben Gabel­stap­lern können bei der Be- und Entla­dung von Fahr­zeu­gen auch andere tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zum Einsatz kommen. Hierzu gehö­ren beispiels­weise Kran­an­la­gen, welche jedoch eine Zugangs­mög­lich­keit von oben erfor­dern (z. B. offene Prit­sche, Schie­be­plane im Dach­auf­bau). Ferner werden als Hilfs­mit­tel Sack­kar­ren, Roll­wa­gen, Roll­con­tai­ner und Roll­bret­ter verwen­det. Sofern diese Einrich­tun­gen nicht einsetz­bar sind, müssen die Waren und Güter manu­ell geho­ben und getra­gen werden. Zur Vermei­dung von Wirbel­säu­len­ver­let­zun­gen sollte das Lade­ge­wicht je Pack­stück auf max. 15 kg (für Frauen) bzw. 20 kg (für Männer) beschränkt sein. Bei häufi­gen Hebe- und Trage­vor­gän­gen sowie bei ungüns­ti­gen Körper­hal­tun­gen sind die genann­ten Maxi­mal­ge­wichte zu redu­zie­ren. Es empfiehlt sich, die betrof­fe­nen Lager­mit­ar­bei­ter in einer Rücken­schule über das „rich­tige Heben und Tragen von Lasten“ zu infor­mie­ren. Hier­bei wird u. a. gelernt, dass der Rücken beim Heben niemals gebeugt werden sollte. Viel­mehr soll­ten die Mitar­bei­ter in die Knie gehen und somit die Last­auf­nahme mit gera­dem Rücken durch­füh­ren. Außer­dem sind die entspre­chen­den Waren und Güter möglichst nah am Körper zu tragen, wobei unnö­tige Dreh­be­we­gun­gen der Wirbel­säule zu vermei­den sind.
Achtung, kipp­ge­fähr­dete Lade­gü­ter!
Eine beson­dere Gefahr stellt der Trans­port von kipp­ge­fähr­de­ten Lade­gü­tern da. Kipp­ge­fähr­det sind Waren und Güter immer dann, wenn sie über einen hohen Schwer­punkt und / oder über eine geringe Aufstands­flä­che verfü­gen. Nach Möglich­keit soll­ten kipp­ge­fähr­dete Lade­gü­ter daher liegend trans­por­tiert werden. Ist dies nicht möglich, ist die Stand­si­cher­heit der Ware durch eine geeig­nete Trans­port­ver­pa­ckung herzu­stel­len.
Beim Trans­port von Lade­gü­tern mit Fahr­zeu­gen treten Beschleu­ni­gungs­kräfte auf, welche durch die Fahr­be­we­gun­gen des Lkw verur­sacht werden. Diese Beschleu­ni­gungs­kräfte wirken nicht nur auf das Fahr­zeug, sondern auch auf das Lade­gut. Daher besteht beim Entla­den von Fahr­zeu­gen die Gefahr, dass Perso­nen beim Öffnen von Bord­wän­den und Heck­tü­ren durch kippende bezie­hungs­weise herab­fal­lende Lade­gü­ter getrof­fen werden. Die erste Sicher­heits­re­gel lautet daher, dass Verschlüsse von Bord­wän­den und Heck­tü­ren nur von einem Stand­ort außer­halb des Schwenk­be­rei­ches zu betä­ti­gen sind. Darüber hinaus ist es sinn­voll, die Ladung für den Güter­trans­port mit spezi­el­len Zurr­gur­ten durch Nieder­zur­ren zu sichern. Das Nieder­zur­ren ist eine kraft­schlüs­sige Siche­rungs­me­thode, wobei die zu sichern­den Lade­gü­ter mittels Zurr­gur­ten über­spannt und durch geeig­nete Ratschen auf die Lade­flä­che gepresst werden.
Beim Öffnen von herkömm­li­chen Ratschen kann der Mitar­bei­ter meis­tens nicht erken­nen, ob die Ladung kipp­ge­fähr­det ist. Nicht selten wurden Perso­nen beim Empfang der Ware durch Lösen des letz­ten Zurr­gur­tes über­rascht und von der herab­fal­len­den Ladung getrof­fen. Um das Umkip­pen der Ladung beim Lösen der Zurr­mit­tel zu vermei­den, soll­ten spezi­elle Ratschen mit „Lade­druck­er­ken­nung“ einge­setzt werden. Diese spezi­el­len Ratschen­ele­mente öffnen den Zurr­gurt nicht schlag­ar­tig, sondern stufen­weise. Der Bedie­ner erkennt dadurch, dass die Ladung herab­zu­fal­len droht und kann entspre­chende Gegen­maß­nah­men einlei­ten (z. B. die zusätz­li­che Siche­rung der Ladung durch den Einsatz eines Gabel­stap­lers). Auskunft über geeig­nete Zurr­gurt­sys­teme zur Ladungs­si­che­rung enthält man unter ande­rem bei den einschlä­gi­gen Herstel­lern oder den Präven­ti­ons­ab­tei­lun­gen der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger.
Siche­res Auf- und Abstei­gen
Das Auf- und Abstei­gen am Lkw führt häufig zu Unfäl­len. Durch Herab­stür­zen oder Abrut­schen von den Stufen (z. B. zum Führer­haus) und Spros­sen verlet­zen sich Fahrer immer wieder. Typi­sche Verlet­zun­gen sind Fersen­bein­brü­che, Schien- und Waden­bein­brü­che, Knöchel­brü­che sowie Bänder­risse. Um dies zu vermei­den, müssen die einge­setz­ten Fahr­zeuge mit geeig­ne­ten Aufstie­gen zum Führer­haus, zum Arbeits­platz hinter dem Führer­haus (zum Herstel­len von Leitungs­ver­bin­dun­gen) sowie zur Lade­flä­che ausge­rüs­tet sein. Das Auf- und Abstei­gen über Reifen, Felgen, Radna­ben oder den Unter­fahr­schutz ist gefähr­lich und daher grund­sätz­lich verbo­ten! Das Führer­haus des Lkw ist immer vorwärts zu bestei­gen, dass Verlas­sen erfolgt immer rück­wärts. Nur so ist es dem Fahrer möglich, jeder­zeit einen siche­ren Halt zu haben. Auf keinen Fall sollte das Fahr­per­so­nal aus dem Führer­haus oder von der Lade­flä­che herab­sprin­gen. Zum einen wirken ansons­ten unnö­tig hohe dyna­mi­sche Kräfte auf die Knie- und Fußge­lenke des Fahrers, zum ande­ren reichen schon kleine Uneben­hei­ten im Unter­grund aus, um die oben genann­ten Verlet­zun­gen zu verur­sa­chen.
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