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Für junge Beschäftigte wichtiger denn je

Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Für junge Beschäftigte wichtiger denn je

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Rol­len­bilder und Fam­i­lien­struk­turen verän­dern sich – und das ist auch gut so. Gewan­delt haben sich auch die Erwartun­gen von jun­gen Beruf­stäti­gen an ihre Arbeit­ge­ber. Während früher Kar­ri­erechan­cen und Gehalt am wichtig­sten waren, möcht­en junge Män­ner und Frauen heute Beruf und Fam­i­lie vere­in­baren. Viel zu wenige Unternehmen aber machen stim­mige Angebote.

Sabine Kurz

Über 90 Prozent der jun­gen Beruf­stäti­gen erwarten von ihrem Arbeit­ge­ber, dass er ihnen dabei hil­ft, Kar­riere und Fam­i­lie zu vere­in­baren – auch in Deutsch­land, das im europaweit­en Ver­gle­ich ger­ade hier noch immer Schlus­slicht sein dürfte. Fam­i­lien­fre­undliche Arbeit­splätze fordern dabei nicht nur Frauen, son­dern auch die neuen Väter.
Neue Auf­gaben für die Unternehmen
Eine Umfrage der Unternehmens­ber­atung A.T. Kear­ney ergab, dass sich bis­lang nur 13 Prozent der Män­ner mit Kindern von ihrem Arbeit­ge­ber dabei unter­stützt fühlen, aus­re­ichend Zeit für ihre Fam­i­lien zu finden.
Unternehmen müssten deshalb alles daran set­zen, die so genan­nte Rush­hour des Lebens zu entzer­ren, stellte der Zen­traleu­ropachef von A.T. Kear­ney, Dr. Son­nen­schein, fest: „Die Lebenser­wartung steigt. Wir haben mehr Zeit. Deshalb müssen wir zwin­gend über neue Lebens- und Kar­ri­er­e­mod­elle nach­denken.“ In der Leben­sphase zwis­chen 25 und 40 sind Arbeit­nehmer bis­lang nicht nur in der wichtig­sten Phase ihrer beru­flichen Kar­riere, son­dern meist auch mit der Fam­i­lien­grün­dung beschäftigt. Unternehmen, die eine fam­i­lien­fre­undliche Kul­tur pfle­gen, kön­nen trotz des zu erwartenden Fachkräfte­man­gels die besten Köpfe an sich binden. Deshalb soll­ten sie Fam­i­lie kün­ftig als „Wirtschafts­fak­tor und Ker­nauf­gabe der Unternehmen“ begreifen.
Frauen in der Teilzeitfalle
Die meis­ten Frauen kön­nen davon nur träu­men. Eine aktuelle Unter­suchung des Insti­tuts Arbeit und Qual­i­fika­tion (IAQ) der Uni­ver­sität Duis­burg-Essen (UDE) hat zwar ergeben, dass heute mehr Frauen in Deutsch­land beruf­stätig sind als noch vor eini­gen Jahren, stellt aber auch fest: „Teilzeitar­beit hat vie­len Frauen die Beruf­stätigkeit erst ermöglicht, wird aber dann zur Falle: Sie kappt Kar­ri­eremöglichkeit­en eben­so wie Ver­di­en­stchan­cen im Lebensver­lauf – bis hin zum Risiko der Alter­sar­mut!“ Män­ner in Deutsch­land arbeit­en im Durch­schnitt 40,3 Wochen­stun­den, während Frauen 32,3 Stun­den beruf­stätig sind. Allerd­ings ver­brin­gen Müt­ter in der Woche durch­schnit­tlich zusät­zlich 37,5 Stun­den mit Hausar­beit und Kinder­be­treu­ung, während Män­ner im Mit­tel nur 15,2 Stun­den dafür aufwen­den. „Addiert man hierzu die mit Erwerb­sar­beit ver­brachte Zeit, so arbeit­en Män­ner mit Kindern unter sieben Jahren im Durch­schnitt 56,5 Stun­den, Frauen 66,6 Stun­den“, stellt die Autorin der Studie, Ange­li­ka Küm­mer­ling, fest.
Auch die repräsen­ta­tive Studie „Leben & Arbeit­en in Deutsch­land“ des GfK Vere­ins und der Finan­cial Times Deutsch­land hat ergeben, dass das Geschlecht weit­er­hin die wesentliche Bremse beim beru­flichen Fortkom­men ist. Das sehen auch die Beschäftigten selb­st real­is­tisch: Mehr als 60 Prozent der arbei­t­en­den Bevölkerung glaubt nicht, dass Müt­ter in Deutsch­land Kar­riere machen kön­nen, während nur 23 Prozent der Befragten glauben, dass die Kar­ri­erechan­cen von Vätern eingeschränkt sind.
Väter im Aufbruch?
Die Väter gGmbH, eine Unternehmens­ber­atung, die väter- und somit fam­i­lien­fre­undliche Kul­turen für Unternehmen, Hochschulen und Non­prof­it-Organ­i­sa­tio­nen entwick­elt, hat (gemein­sam mit der Behörde für Arbeit, Soziales, Fam­i­lie und Inte­gra­tion Ham­burg, der Hes­sen­s­tiftung – Fam­i­lie hat Zukun­ft, der Ernst & Young Wirtschaft­sprü­fungs­ge­sellschaft GmbH und der Tele­fóni­ca Ger­many GmbH & Co. OHG) in ein­er repräsen­ta­tive Studie über 1.000 Väter im Alter von 25 bis 45 Jahren aus ganz Deutsch­land befragt, was Vater­sein heute für sie bedeutet. 88,2 Prozent der Väter wollen die Entwick­lung ihres Nach­wuch­ses von Anfang an aktiv begleit­en, möcht­en sich aber auch beru­flich ver­wirk­lichen. 91,5 Prozent der befragten Väter wün­schen sich unter der Woche mehr Zeit mit der Fam­i­lie, 51 Prozent der Befragten wür­den finanzielle Ein­bußen hin­nehmen, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben, und immer­hin 56 Prozent wür­den dafür ihre Kar­ri­eream­bi­tio­nen für einen begren­zten Zeitraum zurück­stellen. Ihren Arbeit­ge­ber aber beze­ich­nen 68,2 Prozent als nicht oder nur teil­weise väterfreundlich.
Chan­cen und Risiken des Wan­dels der Arbeit
Wer Kinder und Kar­riere zu vere­in­baren sucht, lei­det also – egal ob Mann oder Frau. Weit­ge­hend indi­vidu­elle Arbeit­szeit­en kön­nten zwar gegen­s­teuern, bleiben in der Prax­is aber allzu oft Wun­schdenken. Denn ten­den­ziell steigt der Arbeits­druck für den Nor­malar­beit­nehmer durch Restruk­turierun­gen, Arbeitsverdich­tung, befris­tete Arbeitsverträge und atyp­is­che Arbeit­szeit­en (Woch­enende, Schicht- und Nachtarbeit).
Flex­i­blere Arbeit­szeit­en kön­nen sich nur wenige Arbeit­nehmer leis­ten. Das Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­forschung der Bun­de­sagen­tur für Arbeit (IAB) hat unlängst fest­gestellt, dass z. B. fam­i­lien­fre­undliche Langzeitkon­ten in den Unternehmen wenig ver­bre­it­et sind. Dabei kön­nen Arbeit­nehmer in bes­timmten Leben­sphasen länger arbeit­en, als es der nor­malen Arbeit­szeit entspricht, und dabei soge­nan­nte Zeitguthaben „ans­paren“ – denn aus­bezahlt wird lediglich der Nor­malver­di­enst. Bekommt der Beschäftigte Kinder, möchte er sich weit­er­bilden oder wird ein Fam­i­lien­ange­höriger pflegebedürftig, kann er oder sie das Zeitguthaben ver­brauchen und dabei weniger arbeit­en, aber dank des Guthabens ein volles Gehalt beziehen. Alters­be­zo­gene Langzeitkon­ten erlauben einen vorzeit­i­gen Ruh­e­s­tand oder Alter­steilzeit ohne staatliche Unter­stützung. Bis­lang ermöglichen allerd­ings nur zwei Prozent der Betriebe in Deutsch­land solche Langzeitkonten.
Unkon­ven­tionelle Ideen gefragt, aber nicht ausreichend
Der Nord­deutsche Rund­funk in Ham­burg hat einen unkon­ven­tionellen Weg gewählt, um beruf­stätige Eltern zu unter­stützen. Im Ham­burg­er Funkhaus hat der Sender ein so genan­ntes „Eltern-Kind-Büro“ eröffnet. Dor­thin kön­nen Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er mit kleinen Kindern, deren Betreu­ung kurzfristig aus­ge­fall­en ist, den Nach­wuchs mit­brin­gen und ihre Arbeit am dor­ti­gen PC und Tele­fon erledi­gen. Kleinere Kinder spie­len sozusagen unter dem elter­lichen Schreibtisch, während die Größeren am Kinder­schreibtisch ihre Hausauf­gaben erledi­gen. Die Idee für das Pro­jekt hat­te die Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte des Senders, die selb­st Mut­ter ist und weiß, welchen Stress es für beruf­stätige Eltern bedeutet, wenn plöt­zlich die so sorgfältig organ­isierte Kinder­be­treu­ung ausfällt.
Let­zten Endes ist es eine Frage der Poli­tik, ob und inwieweit mehr Unternehmen dazu bewegt wer­den kön­nen, fam­i­lien­fre­undlich­er zu wer­den. Bis­lang scheinen eher priv­i­legierte Beschäftigten­grup­pen von fam­i­lien­fre­undlichen Maß­nah­men zu prof­i­tieren. Und das ist gar nicht gut so.
Quellen
Kast, Rudolf: Neues Denken im Unternehmensmanagement
http://demographie-netzwerk.de/fileadmin/content/download/flyer/wb-0612–32–34__2_.pdf
A.T. Kear­ney-Studie: Ange­bote zur Vere­in­barkeit von Beruf und Fam­i­lie nicht selb­stver­ständlich – Teilzeit ist der Kar­riere-Tod. Unternehmen tun zu wenig für die Familie
Keller, Dipl.-Volkswirt (FH) Matthias, Dipl.-Verwaltungswissenschaftler Thomas Haustein sowie Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er: Vere­in­barkeit von Fam­i­lie und Beruf. Ergeb­nisse des Mikrozen­sus 2010. Sta­tis­tis­ches Bun­de­samt, Wies­baden 2012
„NDR eröffnet „Eltern-Kind-Büro““, Pressemel­dung vom 8. 3. 2013
Trend­studie „Mod­erne Väter“ Wie die neue Väter­gen­er­a­tion Fam­i­lie, Gesellschaft und Wirtschaft verändert
http://vaeter-ggmbh.de/wp-content/uploads/2013/01/130124_Trendstudie_Einzelseiten_FINAL.pdf
Wer seine Inter­essen am Arbeit­splatz berück­sichtigt sieht, fühlt sich bess­er. Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, PM vom 15.04.2013. http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/artikel40.html
Zwis­chen Arbeit und Fam­i­lie: Studie der Uni­ver­sität Duis­burg-Essen (UDE)
http://idw-online.de/de/news505333
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