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Gewusst wie

Unterweisungen
Gewusst wie

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Wie wird aus ein­er Unter­weisung eine prax­is­na­he Anleitung? Und wie bringt man Men­schen dazu, sichere Ver­hal­tensweisen zu verin­ner­lichen? Darüber sprachen wir mit Bodo Enzen­ross, einem ehe­ma­li­gen Dozent der BG ETEM. Wir war­fen außer­dem einen Blick in die betriebliche Prax­is von drei Unternehmen.

Herr Enzen­ross, Sie blick­en auf fast zwanzig Jahre Dozen­ten­er­fahrung zurück und haben sich unter anderem inten­siv mit Unter­weisun­gen beschäftigt. Worin beste­ht Ihrer Erfahrung nach das größte Missver­ständ­nis im Hin­blick auf Unterweisungen?

Enzen­ross: Mein­er Erfahrung nach gibt es zwei Punk­te. Zum einen wird das The­ma Unter­weisung oft so ver­standen, dass die ver­ant­wortliche Führungskraft die einzige Per­son ist, die etwas vorträgt. Doch Unter­weisen ist ein päd­a­gogis­ch­er Prozess. Es geht darum, Beschäftigte zu aktivieren. Dabei ist ein Wech­sel der Meth­o­d­en und Unter­richtsmit­tel wichtig. Einige Men­schen sprechen eher auf visuelle Impulse, andere auf audi­tive oder kinäs­thetis­che Reize an. Ich rate immer, Prax­is­beispiele einzu­binden. Warum nicht mal eine Stand­sicherung­sprobe machen, wenn man über Leit­er­sicher­heit spricht? So kann man den Beschäftigten anschaulich demon­stri­eren, wie gefährlich es ist, wenn die Leit­er zum Beispiel auf ein­er Gras­narbe ste­ht. Zum anderen meinen viele Führungskräfte, sie müssten bei den jährlichen Unter­weisun­gen nur Ken­nt­nisse ver­mit­teln. Haup­tun­fal­lur­sache sind aber nicht man­gel­nde Ken­nt­nisse. Auch wenn wir tiefge­hen­des Wis­sen in einem The­ma haben, ziehen diese Ken­nt­nisse nicht automa­tisch eine bes­timmte Ein­stel­lung oder ein sicheres Ver­hal­ten nach sich. Es gibt auch viele Ärzte, die rauchen und Alko­hol trinken. Anders aus­ge­drückt: Wir müssen nicht alles wis­sen, um uns richtig zu verhalten.
Worum geht es son­st bei Unterweisungen?
Enzen­ross: Eine Unter­weisung muss das Sicher­heits­be­wusst­sein fördern. Die Beschäftigten sollen mit­denken und sich auch ohne Anweisung sicher­heits­gerecht ver­hal­ten. Das geht nur über das Prinzip der Anschaulichkeit: Wer Lärm­schutz begrei­flich machen will, muss auch die Funk­tion des Ohres erklären.
Das Prob­lem ist doch häu­fig, dass den Beschäftigten in oder unmit­tel­bar nach der Unter­weisung alles ein­leuch­t­end erscheint. Aber wenn die All­t­agsrou­tine ein­set­zt, sieht es völ­lig anders aus…
Enzen­ross: Viele Prozesse laufen im Unter­be­wusst­sein ab. Dies geschieht immer dann, wenn Hand­lungsabläufe häu­fig wieder­holt wer­den. Es ist schwierig, unsichere Ver­hal­tensweisen, die sich über Jahre eingeschlif­f­en haben, zu ändern. Hier kön­nen Ankertech­niken helfen, also zum Beispiel akustis­che oder optis­che Signale.
Kön­nen Sie konkrete Beispiele für Ankertech­niken geben?
Enzen­ross: Ein Beispiel sind Verkehrssicher­heit­skurse, in denen defen­sive Fahrweisen ver­mit­telt wer­den. Für Per­so­n­en, die jahre­lang einen anderen Fahrstil prak­tiziert haben, ist das eine richtige Her­aus­forderung! Hier hil­ft es, Anker zu set­zen. Das kann ein gel­ber Punkt sein, der auf die Armatur gek­lebt wird und sich per­ma­nent im Sicht­feld der Fahrerin oder des Fahrers befind­et. Diese wer­den damit an die erlern­ten Ele­mente des defen­siv­en Fahrens erin­nert. Ein anderes Beispiel ist mir aus einem Unternehmen bekan­nt, in dem einige Beschäftigte den Hand­lauf nicht benutzt haben und auf der Treppe gestürzt sind. Das Unternehmen hat daraufhin im Trep­pen­haus Schat­ten­bilder von Per­so­n­en an die Wand wer­fen lassen. Alle Beschäftigten wur­den damit an den Hand­lauf erinnert.
Sie haben zahlre­iche Führungskräfte-schu­lun­gen durchge­führt. Welche Empfehlun­gen haben Sie diesem Per­so­n­enkreis in Sachen Arbeitss­chutz mitgegeben?
Enzen­ross: Iden­ti­fizieren Sie sich mit dem Arbeitss­chutz, Ihre Beschäftigten müssen spüren, dass Ihnen das The­ma wichtig ist! Das höch­ste Unternehmen­sziel ist zwar nicht die Arbeitssicher­heit, son­dern die Wirtschaftlichkeit. Bei­des gehört aber zusam­men. Aus ökonomis­ch­er Sicht lohnt es sich, um das The­ma Arbeitssicher­heit zu ringen.
Herr Enzen­ross, vie­len Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Nina Sawodny
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