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Impfpflicht für Kinder? Impfrecht von Kindern!

Aus der Kinder­per­spek­tive …

Die Impfquote reicht nicht aus. Haben Kinder das Recht auf Impfungen?
Haben Kinder und Kleinstkinder ein Recht auf ausreichende Impfungen? Foto: ©stalnyk - stock.adobe.com
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Hier­zu­lande wäre eine Impf­pflicht kaum durch­setz­bar, die Diskus­sio­nen um Impfun­gen sind emotio­nal aufge­la­den, die Fron­ten verhär­tet. Inter­es­sant ist es, das Ganze mal von einer ganz ande­ren Warte aus zu betrach­ten und aus der Kinder­per­spek­tive zu fragen: Haben Kinder eigent­lich ein Grund­recht auf Impfun­gen?

Impfen oder nicht? – in Deutsch­land können alle Eltern frei entschei­den, ob sie ihr Kind impfen lassen oder nicht. Anders sieht das in Frank­reich aus. Dort gibt es schon seit Jahren eine Pflicht zur Impfung gegen Diph­the­rie, Teta­nus und Kinder­läh­mung. Mit dem Jahres­wech­sel wurde die Impf­pflicht für Kinder deut­lich ausge­wei­tet: Ab dem 1. Januar 2018 gebo­rene Kinder müssen in den ersten zwei Lebens­jah­ren gegen elf Krank­hei­ten geimpft werden, darun­ter Keuch­hus­ten, Masern, Röteln und Hepa­ti­tis B.

Gibt es ein Grund­recht auf Impfun­gen?

Die Antwort ist eindeu­tig „Ja“, Kinder haben ein Recht auf den Schutz durch Impfun­gen, denn es ist in den Menschen­rech­ten der Verein­ten Natio­nen veran­kert. Die Verein­ten Natio­nen haben für die Rechte der Kinder eine eigene Konven­tion verab­schie­det. Darin wird fest­ge­hal­ten, dass die Unterzeichner-Staaten die höchs­ten erziel­ba­ren Stan­dards für die Gesund­heit der Kinder eines Landes anstre­ben. Keinem Kind darf der Zugang zur Gesundheits-Versorgung und damit auch zu Schutz­imp­fun­gen vorent­hal­ten werden.

Mehr noch: Eine UN-Sondertagung für Kinder vom 8. bis 10. Mai 2002 in New York hat damals bereits fest­ge­stellt: „Jedes Kind hat das Recht auf Impfung gegen verhüt­bare Krank­hei­ten. Die Routi­ne­imp­fung von Kindern ist notwen­dig, um das Recht der Kinder auf Gesund­heit zu gewähr­leis­ten“.

Ein voll­stän­di­ger Impf­schutz ist somit ein Grund­recht eines jeden Kindes. Eltern haben nicht das Recht, ihren Kindern diesen Schutz vorzu­ent­hal­ten und sie dem Risiko einer schwer­wie­gen­den und sogar poten­ti­ell tödli­chen Infek­tion bewusst auszu­set­zen, meint der Berufs­ver­band der Kinder- und Jugend­ärzte (BVKJ e.V.).* Aus ärzt­li­cher Sicht könne man von unter­las­se­ner Hilfe­leis­tung, von Vernach­läs­si­gung elter­li­cher Fürsor­ge­pflicht oder auch von grober Fahr­läs­sig­keit spre­chen, wenn man einem Kind den derzeit mögli­chen Schutz vor impf­prä­ven­ta­blen Erkran­kun­gen vorent­hält.

Was, wenn die Eltern Impfun­gen verwei­gern?

Etwa drei bis fünf Prozent der Eltern lehnen Impfun­gen grund­sätz­lich ab und sind sich sicher, damit das Beste für ihr Kind zu tun. Das führt zu der schwie­ri­gen Frage, was höher wiegt: das Eltern­recht oder das Recht des Kindes auf Gesund­heit. Dürfen Eltern ihrem Kind Impfun­gen vorent­hal­ten, auch wenn daraus in einzel­nen Fällen gesund­heit­li­che Schä­den bis hin zum Tod resul­tie­ren könn­ten?

In Deutsch­land sind in den vergan­ge­nen Jahren immer wieder Kinder an vermeid­ba­ren Krank­hei­ten gestor­ben. So wurden zwischen 2005 und 2015 alleine 39 Fälle von SSPE gemel­det, einer quälen­den, immer tödlich enden­den Folge einer Masern-Infektion, vor allem bei Erkran­kun­gen im ersten Lebens­jahr.

Verant­wor­tung: Herdenim­mu­ni­tät schützt die Schwächs­ten

Doch es gibt einen weite­ren Aspekt. Schutz­imp­fun­gen dienen nicht nur der „Selbst­ver­tei­di­gung“. Sie schüt­zen indi­rekt auch nicht geimpfte Menschen vor einer Erkran­kung, da sie die Verbrei­tung einer Infek­ti­ons­krank­heit stop­pen oder verrin­gern (Herden­schutz). Beson­ders zugute kommt dies den Schwächs­ten in unse­rer Gesell­schaft: z. B. Säug­lin­gen in den ersten neun Lebens­mo­na­ten und Menschen mit Immun­de­fek­ten oder unter immun­sup­pres­si­ver Behand­lung, die (noch) nicht mit den übli­chen Lebend­impf­stof­fen geimpft werden können. Für sie können Wind­po­cken, Masern und Co verhee­rend sein. Auch an diese Mitmen­schen soll­ten Eltern bei ihrer Entschei­dung denken.

Beispiel Masern

Noch immer werden in Deutsch­land zu wenige Kinder geimpft. Das geht aus neuen Impf­quo­ten für Schul­an­fän­ger hervor, die das Robert-Koch-Institut (RKI) jetzt anläss­lich der Euro­päi­schen Impf­wo­che vorge­legt hat. Beispiel Masern­imp­fung: Zwar haben im Jahr 2016 erst­mals alle Bundes­län­der bei der ersten Masern­imp­fung die für eine Ausrot­tung der Masern erfor­der­li­che Impf­quote von 95 Prozent erreicht. Bei der entschei­den­den zwei­ten Masern­imp­fung ist die bundes­weite Impf­quote aber nur gering­fü­gig auf 92,9 Prozent gestie­gen. Impflü­cken gibt es aber auch bei Jugend­li­chen und jungen Erwach­se­nen.
Die Masern sind in der Euro­päi­schen Region der WHO wieder auf dem Vormarsch. Im vergan­ge­nen Jahr wurden insge­samt 21.315 Fälle regis­triert, davon 35 mit tödli­chem Ausgang, nach­dem 2016 mit 5.273 Fällen ein Rekord­tief verzeich­net worden war.

 

Quel­len:

*Kinder- und Jugend­arzt 46. Jg. (2015) Nr. 4: Haltung des Berufs­ver­bands der Kinder- und Jugend­ärzte (BVKJ e.V.) zum Impfen und zur Förde­rung ausrei­chend hoher Durch­imp­fungs­ra­ten

Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO), Regio­nal­büro für Europa, Pres­se­mit­tei­lung vom 19.2.2018: Euro­päi­sche Region verzeich­net 2017 Vervier­fa­chung der Masern­fälle gegen­über Vorjahr

https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2018/03_2018.html

 

http://dgk.de/

 

 

 

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