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Jeder Schlag­an­fall ist ein Notfall

So schützen Sie sich und andere gegen die Volkskrankheit
Jeder Schlag­an­fall ist ein Notfall

Rufen Sie sofort den Rettungsdienst, wenn Sie Symptome eines Schlaganfalls feststellen. Fotos: Deutsche Schlaganfall-Hilfe
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Sprach- und Sehstö­run­gen, plötz­li­che Lähmungs- und Taub­heits­ge­fühle in einer Körper­hälfte – das sind charak­te­ris­ti­sche Anzei­chen des Schlag­an­falls, der immer häufi­ger auch junge Menschen trifft. Kommt es zu einer solchen Durch­blu­tungs­stö­rung im Gehirn, ist vor allem schnel­les Handeln gefragt, um Leben zu retten und blei­bende Schä­den zu begren­zen. Für den Erst­hel­fer gilt damit: Jeder Schlag­an­fall ist ein Notfall!

Der Schlag­an­fall entsteht aufgrund einer Unter­ver­sor­gung von Gehirn­area­len mit Nähr­stof­fen und Sauer­stoff. Das kann auf eine „Verstop­fung“ (ischä­mi­scher Schlag­an­fall) oder auf einen Riss (hämor­rha­gi­scher Schlag­an­fall) von Blut­ge­fä­ßen im Gehirn oder hirn­ver­sor­gen­den Gefä­ßen im Hals­be­reich zurück­zu­füh­ren sein. Rund 80 Prozent der Schlag­an­fälle entste­hen durch Gefäß­ver­schlüsse. Sie sind häufig lebens­stil­be­dingt und entwi­ckeln sich über viele Jahre durch die Summe verschie­de­ner Risi­ko­fak­to­ren wie Blut­hoch­druck, Diabe­tes und Rauchen.
Jüngere Schlaganfall-Patienten sind davon noch weni­ger betrof­fen, bei ihnen ist der Anteil der Hirn­blu­tun­gen höher. Was die Wenigs­ten wissen: Auch etwa 300 Kinder sind jähr­lich in Deutsch­land von einem Schlag­an­fall betrof­fen, ein Drit­tel davon bereits im Mutter­leib oder bei der Geburt. Hier liegen stets ange­bo­rene Ursa­chen vor wie Gerin­nungs­stö­run­gen oder Gefäß­miss­bil­dun­gen.
Eine länger­fris­tige Unter­ver­sor­gung von Gehirn­area­len kann schwer­wie­gende körper­li­che und geis­tige Folgen für den Betrof­fe­nen haben oder gar zum Tod führen. Ein Fünf­tel der jähr­lich 270.000 Neuerkrank­ten stirbt inner­halb der ersten Wochen. Etwa 64 Prozent der über­le­ben­den Pati­en­ten ist auch ein Jahr nach dem Schlag­an­fall pfle­ge­be­dürf­tig, 15 Prozent sind auf eine Pfle­ge­ein­rich­tung ange­wie­sen. So ist der Schlag­an­fall die häufigste Ursa­che für erwor­bene Behin­de­run­gen im Erwach­se­nen­al­ter.
Noch immer zögern viele Menschen, bei Auftre­ten der ersten Symptome den Notarzt zu rufen. Eine effek­tive Notfall­be­hand­lung setzt jedoch Schnel­lig­keit voraus. In jeder Minute ster­ben Gehirn­zel­len unwie­der­bring­lich ab. Die Stan­dard­the­ra­pie bei einem Gefäß­ver­schluss im Gehirn ist heute die Throm­bo­lyse. Dabei wird mit einem Medi­ka­mente das Blut­ge­rinn­sel aufge­löst. Wirk­sam ist diese Thera­pie jedoch ledig­lich in einem Zeit­raum von bis zu vier­ein­halb Stun­den nach dem Schlag­an­fall.
Schlaganfall-Betroffene soll­ten nach Möglich­keit immer in ein spezia­li­sier­tes Kran­ken­haus gebracht werden. Bei den soge­nann­ten „Stroke Units“ handelt es sich um von der Stif­tung Deut­sche Schlaganfall-Hilfe und der Deut­schen Schlaganfall-Gesellschaft zerti­fi­zierte Spezi­al­sta­tio­nen, auf denen Betrof­fene in den ersten Tagen nach dem Schlag­an­fall betreut werden. Inzwi­schen gibt es in Deutsch­land über 250 solcher „Stroke Units“. Aufgrund ihrer appa­ra­ti­ven und perso­nel­len Ressour­cen und der beson­de­ren Quali­fi­ka­tion ihrer Mitar­bei­ter gewähr­leis­ten sie die best­mög­li­che Behand­lung. Inter­na­tio­nale Studien haben nach­ge­wie­sen, dass Schlaganfall-Patienten auf Stroke Units deut­lich bessere Über­le­bens­chan­cen haben und weni­ger von schwe­ren Behin­de­run­gen betrof­fen sind.
Zurück in die Selbst­stän­dig­keit
Im Anschluss an die Akut­be­hand­lung folgt für viele Schlaganfall-Betroffene die Reha­bi­li­ta­tion. Sie soll wieder eine weitest­ge­hende Selbst­stän­dig­keit ermög­li­chen. Ein Hoff­nungs­schim­mer für Betrof­fene: Dank der soge­nann­ten „Plas­ti­zi­tät“ des Gehirns ist der Mensch imstande, viele durch den Schlag­an­fall geschä­digte Funk­tio­nen an ande­rer Stelle des Gehirns neu zu akti­vie­ren. Dies ist oft ein langer und mühsa­mer Prozess für die Betrof­fe­nen, doch er lohnt sich. Auch wenn der Schlag­an­fall schon länger zurück liegt, können noch Thera­pie­er­folge erzielt werden. Im Ideal­fall beginnt die Reha­bi­li­ta­tion unmit­tel­bar im Anschluss an den Kran­ken­haus­auf­ent­halt.
Die körper­li­chen und geis­ti­gen Einschrän­kun­gen, die der Schlag­an­fall hervor­ruft, können viel­fäl­ti­ger Art sein und erfor­dern eine indi­vi­du­ell abge­stimmte Reha­bi­li­ta­tion. Häufig kommt es zu Lähmun­gen, meist einer Körper­hälfte (Hemiparese/Hemiplegie), zu Gefühls­stö­run­gen, Sehstö­run­gen oder Schluck­stö­run­gen (Dyspha­gie). Hinzu kommen oftmals Einschrän­kun­gen, die für Außen­ste­hende auf den ersten Blick nicht „sicht­bar“ sind, sich jedoch im Denken und Handeln der Betrof­fe­nen nieder­schla­gen. So kann nach einem Schlag­an­fall etwa die Spra­che (Apha­sie) oder die Fähig­keit, Bewe­gun­gen und Hand­lun­gen sinn­voll bezie­hungs­weise zweck­mä­ßig auszu­füh­ren (Apra­xie), beein­träch­tigt sein.
Weitere mögli­che Störun­gen betref­fen die Wahr­neh­mung des Schlaganfall-Patienten. Das soge­nannte „Neglect-Phänomen“ äußert sich in der Vernach­läs­si­gung von Reizen des Körpers und der Umge­bung auf einer Körper­seite. Geschätzt erkrankt etwa ein Drit­tel aller Schlaganfall-Betroffenen an einer Depres­sion. Die damit entste­hende Antriebs­lo­sig­keit führt nicht selten in die Isola­tion. Schlaganfall-Patienten mit depres­si­ven Sympto­men sind in beson­de­rer Form behand­lungs­be­dürf­tig, weil eine Reha­bi­li­ta­tion ohne eigene Moti­va­tion nicht möglich ist. An der Reha­bi­li­ta­tion sind, aufgrund der Viel­fäl­tig­keit der Symptome, unter­schied­lichste Berufs­grup­pen betei­ligt wie Physio- und Ergo­the­ra­peu­ten, Logo­pä­den und Neuro­psy­cho­lo­gen. Ein Groß­teil der Schlaganfall-Patienten ist auch nach der Reha­bi­li­ta­tion thera­pie­be­dürf­tig. In der Nach­sorge werden erfor­der­li­che Anwen­dun­gen durch den Haus­arzt oder Neuro­lo­gen verord­net. Aller­dings ist der Pati­ent jetzt auf sich allein gestellt. Das Thera­pie­er­geb­nis hängt entschei­dend von ihm selbst ab, seinem Einsatz und Willen.
Tipps zur Vorbeu­gung
Die gute Nach­richt zuerst: Rund 70 Prozent aller Schlag­an­fälle sind vermeid­bar, schät­zen Medi­zi­ner. Das Risiko, einen Schlag­an­fall zu erlei­den, lässt sich durch die Umstel­lung von Lebens­ge­wohn­hei­ten und ärzt­li­che Behand­lung deut­lich redu­zie­ren. Dazu gehö­ren eine gesunde und ausge­wo­gene Ernäh­rung, ausrei­chende Bewe­gung, der Verzicht auf das Rauchen und eine regel­mä­ßige Kontrolle von Risi­ko­fak­to­ren wie Blut­hoch­druck und Diabe­tes.
Ein großes Schlaganfall-Risiko stellt das Vorhof­flim­mern dar. Diese Herz­rhyth­mus­stö­rung wird oft nicht diagnos­ti­ziert, weil die Betrof­fe­nen im Prin­zip beschwer­de­frei leben können. Durch eine verrin­gerte Pump­leis­tung des Herzens steht das Blut länger in den soge­nann­ten Vorhö­fen und die Gefahr der Gerin­nung oder „Klum­pen­bil­dung“ steigt. Gerät ein solches Gerinn­sel durch den Blut­kreis­lauf in die feinen Gefäße des Gehirns, kommt es zum Verschluss. Bei entspre­chen­der Medi­ka­tion lässt sich das Risiko von Vorhofflimmern-Patienten mini­mie­ren. Wich­tig ist, dass recht­zei­tig die Diagnose erfolgt. Vorhof­flim­mern kann sich bemerk­bar machen als Ausset­zer, Herz­klop­fen, Herz­ra­sen oder Herz­stol­pern. Andere Anzei­chen können Unruhe, Schwin­del, Kurz­at­mig­keit, Müdig­keit oder Schwä­che­ge­fühl sein. Ein Haupt­ri­siko des Schlag­an­falls lässt sich nicht beein­flus­sen: Das Alter. 80 Prozent der Schlag­an­fälle tref­fen Menschen über 60. Dies ist mit ein Grund, weshalb Frauen ein etwas höhe­res Schlaganfall-Risiko haben als Männer: Sie werden älter.
Wie leiste ich erste Hilfe?
Grund­sätz­lich soll­ten Sie sofort den Rettungs­dienst alar­mie­ren, wenn Sie ein oder mehrere mögli­che Symptome eines Schlag­an­falls an ihrem Gegen­über fest­stel­len: Sehstö­run­gen, Sprach‑, Sprach­ver­ständ­nis­stö­rung, Lähmung, Taub­heits­ge­fühl, Schwin­del mit Gang­un­si­cher­heit oder sehr star­ker Kopf­schmerz. Bis zum Eintref­fen des Rettungs­diens­tes gilt es, den Betrof­fe­nen zu beru­hi­gen und im Falle einer Bewusst­lo­sig­keit in die stabile Seiten­lage zu brin­gen. Keines­wegs soll­ten Sie dem Betrof­fe­nen Getränke oder Medi­ka­mente geben. So kann eine durch den Schlag­an­fall ausge­löste Schluck­stö­rung zu schwe­rem Verschlu­cken führen.
Fabian Oester­sö­te­bier

Kosten­lo­ses Info­pa­ket
Infor­ma­tio­nen und Bera­tung zu allen Fragen rund um den Schlag­an­fall sowie ein kosten­lo­ses Info­pa­ket Schlag­an­fall gibt hier:
Stif­tung Deut­sche Schlaganfall-Hilfe
Tel. 05241 9770–0

Der FAST-Test So prüfen Sie einen Schlaganfall-Verdacht
Der FAST-Test gehört in Deutsch­land zur Grund­aus­bil­dung von Rettungs­per­so­nal. Die meis­ten Schlag­an­fälle lassen sich so inner­halb weni­ger Sekun­den fest­stel­len.
  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einsei­tig verzo­gen? Das deutet auf eine Halb­sei­ten­läh­mung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu stre­cken und dabei die Hand­flä­chen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme geho­ben werden, sie sinken oder drehen sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfa­chen Satz nach­spre­chen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwa­schen, liegt vermut­lich eine Sprach­stö­rung vor.
  • Time: Wählen Sie unver­züg­lich die 112 und schil­dern Sie die Symptome.
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