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Wie Unternehmen ihre Schichtarbeiter unterstützen können

Leben gegen die innere Uhr

In den unterschiedlichsten Branchen arbeiten Menschen in Schicht. (Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
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Zahl­rei­che Beschäf­tigte in Deutsch­land arbei­ten in wech­seln­den Schich­ten. Welche gesund­heit­li­chen Folgen daraus resul­tie­ren können und was Unter­neh­men dage­gen tun können, weiß Susanne Neis­ecke. Im Inter­view gibt die Exper­tin für Arbeits­zeit­ge­stal­tung von der BGHM Hinweise für den Arbeits­all­tag.

 

 

Beschäf­tigte aus den unter­schied­lichs­ten Bran­chen arbei­ten zu verschie­de­nen, teils wech­seln­den oder unge­wöhn­li­chen Zeiten. Wie geht der Körper damit um?

Prak­tisch alle Körper­funk­tio­nen unter­lie­gen einem tages­pe­ri­odi­schen Wech­sel. So wird auch von der Leis­tungs­be­reit­schaft am Tag und der Erho­lungs­be­reit­schaft in der Nacht gespro­chen. Wer in Schich­ten arbei­tet, lebt sozu­sa­gen gegen seine „innere Uhr“. Schlaf­stö­run­gen sind neben einer hohen psychi­schen Bean­spru­chung nach­ge­wie­sene Auswir­kun­gen von Nacht- und Schicht­ar­beit. Darüber hinaus kann diese indi­rekt zu Magen-Darm-Beschwerden sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und das allge­meine Wohl­be­fin­den redu­zie­ren. Soziale Beein­träch­ti­gun­gen, wie Einschrän­kun­gen im Familien- und Frei­zeit­le­ben oder das Gefühl von Isola­tion, werden von Beschäf­tig­ten häufig stär­ker wahr­ge­nom­men als die körper­li­chen Auswir­kun­gen.

Was kann der Betrieb tun, um seinen Schicht­ar­bei­tern das Leben zu erleich­tern?

Die Arbeits­zeit­ge­stal­tung nimmt in der Arbeits­si­cher­heit und im Gesund­heits­schutz gene­rell eine tragende Rolle ein – bei Nacht- und Schicht­ar­beit umso mehr. Mithilfe der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung muss das Unter­neh­men dies­be­züg­lich Maßnah­men entwi­ckeln, die Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen und Unfall­ri­si­ken mini­mie­ren sowie die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten fördern. Dazu zählt beispiels­weise, die Anzahl der aufein­an­der folgen­den Nacht­schich­ten möglichst gering zu halten (maxi­mal drei), keine Dauer­nacht­schich­ten zu verge­ben und „vorwärts“ zu rotie­ren, also von der Früh- in die Spät- in die Nacht­schicht zu wech­seln. Darüber hinaus ist es ein wich­ti­ges Präven­ti­ons­ziel, Schicht­ar­beit alterns­ge­recht zu gestal­ten. Das bedeu­tet, nega­tive Lang­zeit­ef­fekte über die gesamte Lebens­ar­beits­zeit zu mini­mie­ren. Was auch oft zu kurz kommt, ist die arbeits­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chung. Laut Arbeits­zeit­ge­setz besteht alle drei Jahre – nach dem 50. Lebens­jahr in jähr­li­chen Abstän­den – ein Anspruch darauf. Im Ideal­fall über­nimmt der Betriebs­arzt die Unter­su­chung, der die Arbeits­plätze gut kennt.

Was soll­ten Unter­neh­men beach­ten, wenn sie einen neuen Schicht­plan erstel­len?

Da durch neue Zeit­mo­delle jahre­lange Gewohn­hei­ten oder die Zusam­men­ar­beit mit vertrau­ten Kolle­gen teil­weise nicht aufrecht­erhal­ten werden können, dürfen die Reak­tio­nen der Beschäf­tig­ten nicht unter­schätzt werden. Die Beweg­gründe – nämlich bessere gesund­heit­li­che Rahmen­be­din­gun­gen zu schaf­fen – können sie oft nicht nach­voll­zie­hen. Schicht­ar­bei­ter merken häufig erst nach vielen Jahren, dass das Leben gegen die „innere Uhr“ gravie­rende gesund­heit­li­che Auswir­kun­gen haben kann. Die Notwen­dig­keit, „schon heute“ eine Verän­de­rung vorzu­neh­men, wird daher nicht gese­hen. Um eine hohe Akzep­tanz zu errei­chen, ist es wich­tig, die Beleg­schaft recht­zei­tig und ausführ­lich zu infor­mie­ren und einzu­bin­den. Dabei sind Erfah­rungs­be­richte von Beschäf­tig­ten, die bereits eine Umstel­lung eines Arbeits­zeit­mo­dells erlebt oder in gesund­heits­ver­träg­li­che­ren Model­len gear­bei­tet haben, hilf­reich.

Gene­rell sind sehr viel Fein­ge­fühl, eine umfang­rei­che Planung und ausrei­chend Zeit bei der Erstel­lung eines neuen Schicht­plans gefragt. Struk­tu­ren, die oft in Jahr­zehn­ten gewach­sen sind, können nicht einfach in weni­gen Wochen umge­wor­fen werden. Es kann durch­aus ein bis zwei Jahre dauern, bis alles reibungs­los läuft. Gerne unter­stützt die BGHM ihre Mitglieds­be­triebe bei der Beur­tei­lung von bestehen­den Schicht­mo­del­len und gibt Hinweise für die Einfüh­rung neuer Arbeits­zeit­mo­delle. In klei­nen Work­shops im Unter­neh­men vermit­teln wir entspre­chende präven­ti­ons­ori­en­tierte Konzepte, Instru­mente und Maßnah­men.

Weitere Infor­ma­tio­nen finden Sie hier (www.bghm.de, Webcode 791)

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