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„Schwes­ter, Sie verste­hen wohl keinen Spaß…!“

Sexuelle Belästigung in Pflegeberufen
Schwes­ter, Sie verste­hen wohl keinen Spaß…!“

Scham, Unkonzentriertheit und nachlassende Freude am Beruf können die Folge von sexueller Belästigung sein. Foto: Maridav-Fotolia.com
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Das Thema sexu­elle Beläs­ti­gung, das aktu­ell die öffent­li­che Diskus­sion bestimmt, betrifft auch eine Bran­che mit einem hohen Anteil an weib­li­chen Beschäf­tig­ten: die Kranken- und Alten­pflege. Uner­wünschte Avan­cen können hier nicht nur von Kolle­gen oder Vorge­setz­ten ausge­hen, sondern auch von Pati­en­ten und Heim­be­woh­nern.
Die Berufs­ge­nos­sen­schaft für Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pflege (BGW) gibt Hinweise, wie Betrof­fene bei Über­grif­fen reagie­ren können.

Eine anzüg­li­che Bemer­kung, der berühmte Klaps auf den Po oder ein eindeu­ti­ges Ange­bot: Nach einer Studie des Bundes­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frauen und Jugend haben knapp 60 Prozent aller Frauen Situa­tio­nen sexu­el­ler Beläs­ti­gung erlebt, 22 Prozent bei der Arbeit oder in der Ausbil­dung. Im beruf­li­chen Kontext gehen Über­griffe meist von Kolle­gen oder Vorge­setz­ten aus. In pfle­ge­ri­schen Beru­fen kann es aber auch zu Beläs­ti­gun­gen durch Pati­en­ten oder Bewoh­ner kommen: Gemäß einer Studie des Krimi­no­lo­gi­schen Forschungs­in­sti­tuts Nieder­sach­sen berich­te­ten 18 Prozent der weib­li­chen Pfle­ge­kräfte in ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten über entspre­chende Vorfälle.

Führungs­kräfte gefor­dert

Menschen zu pfle­gen, ist mit engem körper­li­chem Kontakt verbun­den. Beson­ders beim Waschen entste­hen intime Situa­tio­nen. „Pfle­ge­kräf­ten wird hier hohe Profes­sio­na­li­tät abver­langt“, weiß Dr. Heike Scham­bort­ski, Pflege-Expertin der BGW, der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung für Gesund­heits­be­rufe. „Dies ist für Berufs­an­fän­ge­rin­nen oft eine große Heraus­for­de­rung, insbe­son­dere wenn ihre unsi­chere Posi­tion ausge­nutzt wird. Die beläs­tig­ten Frauen schä­men sich häufig und haben sogar das Gefühl, eine Mitschuld zu tragen und zu prüde zu sein.“ Dies könne zu einem Verlust der Freude am Beruf, zu Unkon­zen­triert­heit, Zwei­feln an der beruf­li­chen Eignung bis hin zu Krank­heits­sym­pto­men führen.
Leider bestehe in manchen Einrich­tun­gen aber immer noch ein Klima, in dem Vorfälle verharm­lost und ins Lächer­li­che gezo­gen würden und die Meinung vorherr­sche, dass so etwas zum Beruf dazu gehöre.
Dr. Scham­bort­ski sieht hier beson­ders die Führungs­kräfte in der Pflicht: „Sie müssen klar stel­len, dass sexu­ell beläs­ti­gende Verhal­tens­wei­sen, von wem auch immer, nicht tole­riert werden. Sie haben jeden Bericht über einen Vorfall ernst zu nehmen und die Beläs­tig­ten vorur­teils­frei zu unter­stüt­zen.“ Das Allge­meine Gleich­be­hand­lungs­ge­setz verpflichte Arbeit­ge­ber außer­dem, Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter auch zu diesem Thema zu schu­len. Eine Betriebs­ver­ein­ba­rung, an der die betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung betei­ligt ist, könne eben­falls eine Hilfe sein.
In konkre­ten Über­griff­si­tua­tio­nen empfiehlt die BGW-Expertin eine verbale Reak­tion in drei Schrit­ten:
  • als ersten Schritt das Beschrei­ben: „Sie berüh­ren mich auffäl­lig oft“,
  • dann das Benen­nen der Wirkung: „Das ist mir unan­ge­nehm“,
  • und schließ­lich die Forde­rung nach dem erwünsch­ten Verhal­ten: „Ich möchte nicht, dass Sie mich anfas­sen.“
Dr. Scham­bort­ski: „Ganz wich­tig ist es, sich auf keine Diskus­sion einzu­las­sen. Wenn der Beläs­ti­ger versucht, sein Verhal­ten zu recht­fer­ti­gen oder zu erklä­ren, dann hilft die Stra­te­gie des Sprungs in der Schall­platte: Anstatt auf die Argu­mente des Gegen­übers einzu­ge­hen, ist es besser, konse­quent Schritt zwei und drei zu wieder­ho­len. Es ist uner­heb­lich, wie der andere sein Verhal­ten gemeint hat oder meint, er hat es ganz einfach zu unter­las­sen.“
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