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Praxistipps für Fußböden

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Stolper‐, Rutsch‐ und Stur­zun­fälle – sie machen weit über 40 Prozent des gesam­ten Unfall­ge­sche­hens in den Statis­ti­ken der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung aus. Diese Unfälle gesche­hen nicht einfach so, sie haben Ursa­chen. Eine wesent­li­che Rolle spielt dabei die Beschaf­fen­heit des Fußbo­dens.

Das probate Instru­ment, um die Risi­ken der Sturz­ge­fah­ren im Betrieb zu ermit­teln und Maßnah­men zur Gefah­ren­mi­ni­mie­rung fest­zu­le­gen, ist die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Worauf es dabei im Einzel­nen ankommt, steht in der neuen Tech­ni­schen Regel für Arbeits­stät­ten ASR A1.5/1.2 „Fußbö­den“. Neben diesen recht­li­chen Anfor­de­run­gen soll­ten in die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung aber auch die Erfah­run­gen der Beschäf­tig­ten einflie­ßen, damit die Gefähr­dun­gen voll­stän­dig erfasst werden und Maßnah­men nicht ins Leere laufen.

Um die Risi­ken der Sturz­ge­fah­ren auf einem bestehen­den Fußbo­den zu ermit­teln und zu beur­tei­len, kann unter Umstän­den auch eine Messung des Gleit‐reibkoeffizienten μ mit dem Gleit­reib­mess­ge­rät GMG 100/200 hilf­reich sein. Die Berufs­ge­nos­sen­schaft Nahrungs­mit­tel und Gast­ge­werbe (BGN) bietet ihren Mitglieds­be­trie­ben an, sie mit einer solchen Messung bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu unter­stüt­zen. Um anschlie­ßend die Maßnah­men zur Gefah­ren­mi­ni­mie­rung fest­zu­le­gen, muss aller­dings das gesamte System der so genann­ten Reib­part­ner – das sind Fußbo­den­be­lag, Schuh­sohle und gleit­för­dern­der Stoff – betrach­tet werden.
Den größ­ten Einfluss auf die Rutsch­hem­mung hat der Fußbo­den. Aber auch die Schuh­sohle spielt hier eine Rolle. Deshalb sollte der Betrieb auch die Auswahl des zum Fußbo­den passen­den Schuhs unbe­dingt steu­ern.
Ein weite­rer Aspekt ist die Reini­gung der Boden­be­läge. Gleit­för­dernde Stoffe wie Fette, Öle, Produkt­reste oder Staub können die Reibung zwischen Fußbo­den­be­lag und Schuh­sohle fast voll­stän­dig aufhe­ben. Dann steigt die Rutsch­ge­fahr extrem. Hier trägt ein konse­quent ange­wen­de­ter Reini­gungs­plan zur deut­li­chen Entschär­fung bei. Und weil falsch dosierte Reini­gungs­mit­tel auch die Rutsch­hem­mung verrin­gern können, sollte der Reini­gungs­plan das zu verwen­dende Reini­gungs­mit­tel einschließ­lich Dosie­rung vorge­ben.
Hat die Messung mit dem Gleit­reib­mess­ge­rät GMG 100/200 bei einem bereits verleg­ten Boden­be­lag eine nicht ausrei­chende Rutsch­hem­mung und damit eine erhöhte Rutsch­ge­fahr erge­ben, kann man den Belag chemisch nach­be­han­deln lassen.
Verbes­se­rung bestehen­der Boden­be­läge
Möglich ist das bei mine­ra­li­schen Belä­gen, wie zum Beispiel Natur­stein­bö­den, kera­mi­schen Flie­sen und Plat­ten, Beton und Estri­chen. Die Präpa­rate zur Nach­be­hand­lung reagie­ren mit den Mine­ra­lien in den Boden­be­lä­gen und lösen sie teil­weise heraus – mit dem Effekt, dass die Rutsch­hem­mung erhöht wird. Eine solche Nach­be­hand­lung macht für den Betrieb aber nur dann Sinn, wenn es dadurch zu keiner opti­schen Beein­träch­ti­gung kommt oder diese keine Rolle spielt.
Grund­sätz­lich sollte man sich vor einer Nach­be­hand­lung des Boden­be­lags von einer Fach­firma bera­ten lassen, um die Verbes­se­rung der Rutsch­hem­mung auch tatsäch­lich zu gewähr­leis­ten. Außer­dem sollte man die Reini­gung mit den Fach­leu­ten abstim­men, damit die verbes­serte Rutsch­hem­mung nicht durch die Reini­gung wieder aufge­ho­ben wird.
Wie erfolg­reich eine Nach­bes­se­rung tatsäch­lich war, lässt sich über einen Vorher‐/Nachher‐Vergleich mit dem Gleit­reib­mess­ge­rät fest­stel­len. Die gemes­se­nen Gleit­reib­ko­ef­fi­zi­en­ten μ können anschlie­ßend anhand einer Tabelle1 mit Richt­wer­ten μ für die Rutsch­hem­mung von Fußbö­den im Betriebs­zu­stand beur­teilt werden. Den bekann­ten R‐Werten (siehe Kasten) lassen sich die Gleit­reib­ko­ef­fi­zi­en­ten μ nicht zuord­nen, da beiden Werten unter­schied­li­che Mess­ver­fah­ren zugrunde liegen.
Empfeh­lun­gen für Neu‐ und Umbau­ten
Bei Neu‐ oder Umbau­ten ist zu empfeh­len, die Fußbö­den nach ASR A1.5/1.2 auszu­wäh­len. Sie enthält eine detail­lierte Liste mit den R‐ und V‐Werten für die Gewer­be­zweige der BGN‐Mitgliedsbetriebe und ihre einzel­nen Arbeits­be­rei­che. Wird ein neuer Fußbo­den­be­lag verlegt, sollte man sich die Zerti­fi­kate für die Rutsch­hem­mung und den Verdrän­gungs­raum mitlie­fern lassen. Bei größe­ren Projek­ten lohnt es sich, Rück­stell­pro­ben des verleg­ten Fußbo­dens anzu­fer­ti­gen. So kann man bei Bean­stan­dun­gen und Streit­fäl­len die Rutsch­hem­mung im Labor prüfen oder Vergleichs­mes­sun­gen durch­füh­ren lassen. Auf diese Weise lassen sich even­tu­el­ler Verschleiß oder andere Ursa­chen für eine Minde­rung der Rutsch­hem­mung fest­stel­len.
Dipl.-Ing. Uwe Jano­ske
1 Merk­blatt M9 der BG Handel und Waren­dis­tri­bu­tion: „Verbes­se­rung der Rutsch­hem­mung von kera­mi­schen und ande­ren mine­ra­li­schen Boden­be­lä­gen durch chemi­sche Nach­be­hand­lung“ www.bgn.de, Short­link = 1364
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