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Unterweisung im Homeoffice: Interview zu Inhalten und Zielen

Sicher arbeiten im Homeoffice
„Die Unterweisung soll für die Gefahren am Arbeitsplatz sensibilisieren“

Auch Beschäftigte im Homeoffice benötigen eine Unterweisung. Foto: yossarian6 - stock.adobe.com

Dr. Michael Charis­sé vom Sachge­bi­et „Grundle­gende The­men der Organ­i­sa­tion“ der DGUV äußert sich im Gespräch zum The­ma Unter­weisung im Home­of­fice. The­ma­tisiert wer­den unter anderem Zeit­punkt, Organ­i­sa­tion, Inhalte und Ziele dieser Präven­tion­s­maß­nahme für die Sicher­heit und Gesund­heit von Beschäftigten, die zu Hause arbeiten.

Herr Dr. Charis­sé, Arbeit im Home­of­fice ist eine Son­der­form der mobilen Arbeit. Manche Beschäftigte sitzen am Küchen­tisch, andere mit ihrem Lap­top auf dem Sofa. Was muss der Arbeit­ge­ber in dieser Sit­u­a­tion bezüglich der Pflicht zur Unter­weisung berücksichtigen?

Ziel ein­er Unter­weisung ist in erster Lin­ie, Beschäftigte zu informieren, zu qual­i­fizieren, anzuweisen aber auch zu motivieren, um ein sicher­heits- und gesund­heits­gerecht­es Ver­hal­ten zu erre­ichen. Das ist auch für das Arbeit­en im Home­of­fice wichtig und daher auch hier vorgeschrieben. Bezüglich der Vorge­hensweise gibt es für die Unter­weisung zunächst keine Vor­gaben dazu, welche Unter­weisungsmeth­ode gewählt wer­den sollte. Grund­sät­zlich kann man etwa in der Gruppe oder jew­eils einzeln unter­weisen. Die Vorge­hensweise sollte sich nach den Unter­weisungsin­hal­ten und den ‑anlässen richt­en. Zu beacht­en ist auch, dass die Unter­weisung min­destens ein­mal jährlich zu wieder­holen ist. Das Jugen­dar­beitss­chutzge­setz sieht für seinen Regelungs­bere­ich sog­ar zwei Mal im Jahr eine Unter­weisung vor. Aber auch bei beson­deren Anlässen, wie etwa bei der Ein­führung neuer Arbeitsver­fahren oder nach einem Arbeit­sun­fall, ist eine Unter­weisung durchzuführen. Was nicht vergessen wer­den darf ist, dass bere­its vor Auf­nahme ein­er Tätigkeit eine Erstun­ter­weisung durchge­führt wer­den muss.

Ist für die Unter­weisung per­sön­liche Anwe­sen­heit notwendig? 

Das hängt von den zu unter­weisenden Inhal­ten ab. So kann ich beispiel­sweise das kor­rek­te Anle­gen ein­er per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung gegen Absturz nur durch prak­tis­che Übun­gen ver­mit­teln. Dieses Beispiel trifft für das Arbeit­en im Home­of­fice natür­lich nicht zu. Hier sprechen wir eigentlich nur von Bild­schir­mar­beit. Dabei ist der Ein­satz elek­tro­n­is­ch­er Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel und Hand­lung­shil­fen zur Unter­weisung natür­lich möglich und sin­nvoll. Allerd­ings soll­ten die Beschäftigten die Möglichkeit für Rück­fra­gen haben. Die alleinige Über­gabe von Unter­la­gen zum Selb­st­studi­um, ohne eine Möglichkeit zu einem ergänzen­den mündlichen Kon­takt, reicht nicht aus. Außer­dem muss sich die für die Unter­weisung ver­ant­wortliche Per­son anschließend vergewis­sern, dass die Unter­weisung auch erfol­gre­ich war, also sich die unter­wiesene Per­son dementsprechend verhält.

Was ist denn das Ziel ein­er Unterweisung?

Die Ursachen für Unfälle und arbeits­be­d­ingte Gesund­heits­ge­fahren liegen häu­fig im Ver­hal­ten der Men­schen. Hier kann zum Beispiel Unaufmerk­samkeit oder Bequem­lichkeit ein Fak­tor sein. Ein klas­sis­ches Beispiel im Home­of­fice wäre ein im Raum nicht sich­er ver­legtes Anschlussk­a­bel des Com­put­ers. Man ste­ht auf, denkt nicht mehr daran oder ist durch ein gle­ichzeit­ig geführtes Tele­fonat abge­lenkt, und stolpert über das Kabel. Ein ver­stetigtes und damit nach­haltiges sicher­heits- und gesund­heits­gerecht­es Ver­hal­ten erre­icht man aber kaum durch eine ein­ma­lige Unter­weisung. Deshalb ist eine regelmäßige Wieder­hol­ung der Unter­weisung nötig. Damit wird außer­dem den unter­wiese­nen Per­so­n­en ver­mit­telt, dass sicher­heits- und gesund­heits­gerecht­es Ver­hal­ten keine lästige Neben­sache ist. Sie sollte vielmehr ein fes­ter Bestandteil der per­sön­lichen Ein­stel­lung werden.

Welche Inhalte soll­ten bei ein­er Unter­weisung im Home­of­fice ver­mit­telt werden? 

Was zu unter­weisen ist, hängt in erster Lin­ie von den indi­vidu­ellen Ver­hält­nis­sen am Arbeit­splatz und den ver­richteten Tätigkeit­en ab. Wichtig sind Hin­weise zur ergonomis­chen Gestal­tung des Arbeit­splatzes und der Nutzung der einge­set­zten Arbeitsmit­tel sowie Hin­weise zu Sitz­po­si­tio­nen und Sitzhal­tun­gen. Eben­falls behan­delt wer­den soll­ten die Arbeit­szeit­en und die Arbeitspausen sowie die Erre­ich­barkeit. Auch wenn die Ver­wen­dung von Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tions-Tech­nik selb­stver­ständlich erscheint, sollte diese berück­sichtigt wer­den. Also beispiel­sweise die richtige Auswahl und Nutzung eines Headsets.

Arbeit­en im Home­of­fice bedeutet, dass die Beschäftigten eine größere Eigen­ver­ant­wor­tung für ihre Sicher­heit und Gesund­heit am Arbeit­splatz übernehmen. Das heißt, sich auch selb­st Gedanken machen über die Arbeits­be­din­gun­gen und die Arbeit­sumge­bung. Nimmt man sich genü­gende Ruhe- und Bewe­gungspausen? Kommt man mit dem vielle­icht gestiege­nen Arbeit­saufwand zurecht? Gibt es vielle­icht psy­chosoziale Belastungen?

Wie ist zu doku­men­tieren, dass die Unter­weisung durchge­führt wurde?

Der Unternehmer oder die Unternehmerin muss über schriftliche Unter­la­gen ver­fü­gen, um nach­weisen zu kön­nen, dass die Unter­weisung durchge­führt wurde. Das kann zum Beispiel durch eine Bestä­ti­gung der unter­wiese­nen Beschäftigten geschehen, wann sie über welche The­men und durch wen unter­wiesen wur­den. Eine hand­schriftliche Unter­schrift ist meist jedoch nicht zwin­gend vorgeschrieben. Eine Aus­nahme beste­ht nur dann, wenn dies in speziellen Vorschriften gefordert wird.

Unab­hängig davon soll­ten Unter­weisun­gen auch aus Beweis­grün­den, ins­beson­dere im Inter­esse des Unternehmers oder der Unternehmerin, nachvol­lziehbar schriftlich fix­iert werden.

Weit­er­führende Informationen

www.dguv.de

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