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Viele Innovationen für Einsatzkräfte

A+A 2013
Viele Innovationen für Einsatzkräfte

Foto: Messe Duesseldorf / constanze tillmann
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Es sind stets Extrem­si­t­u­a­tio­nen, in denen Ein­satzkräfte Feuer löschen, Men­schen­leben ret­ten oder die Fol­gen von Naturkatas­tro­phen bändi­gen. Damit sie dabei selb­st unbeschadet her­auskom­men und ein Opti­mum an Leis­tung brin­gen kön­nen, arbeit­en die Anbi­eter von Schutzk­lei­dung und Schutzaus­rüs­tun­gen fort­laufend an Verbesserun­gen. Was es alles an Neuheit­en gibt, davon kön­nen sich die Besuch­er der A+A 2013 selb­st überzeu­gen.

Neben den passenden Mate­ri­alien und Trageeigen­schaften kommt auch der richti­gen Pflege der Schutzk­lei­dung eine hohe Bedeu­tung zu. Im Fokus der Entwick­lung von ein­satzgerechter Schutzk­lei­dung ste­hen aber vor allem kom­plette Klei­dungs-Sys­teme. „Heute geht es vor­rangig darum, den Tragekom­fort zu verbessern“, sagt Jochen Thorns, Kom­man­dant der Feuer­wehr Filder­stadt. Erst kür­zlich haben die Hohen­stein Insti­tute die Ergeb­nisse eines Forschung­spro­jek­tes veröf­fentlicht, das sie gemein­sam mit Indus­triepart­nern wie S Gard Schutzk­lei­dung, Lion Appar­el, W. L. Gore & Asso­ciates und Sym­pa­tex unter­nom­men haben.

Ent­standen ist das Pro­jekt auf Grund der Tat­sache, dass in den ver­gan­genen Jahren zwar die Ober­bek­lei­dung als Teil der Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung (PSA) ständig opti­miert wurde, die darunter getra­ge­nen Klei­dungss­chicht­en bis­lang aber „stiefmüt­ter­lich“ behan­delt wur­den. „Im Sport- und Freizeit­bere­ich sind dage­gen diese aufeinan­der in Funk­tion abges­timmten Klei­dungsstücke schon längst Usus“, sagt Dr. Bian­ca Wölfling, Pro­jek­tlei­t­erin der Hohen­stein Insti­tute. „Es gibt eine amerikanis­che Studie, die besagt, dass die Hälfte aller Todes­fälle bei Feuer­wehrkräften in den USA auf Hitzestress zurück­ge­ht“, erk­lärt wiederum Jochen Thorns. Soweit soll es möglichst nicht kom­men. Eine verbesserte Atmungsak­tiv­ität hil­ft grund­sät­zlich bei kör­per­lich­er Betä­ti­gung. Notwendig ist dies erst recht, wenn der kör­per­lichen Leis­tungs­fähigkeit Gren­zen geset­zt sind, worauf Thorns hin­weist: „Wir stellen fest, dass es vor allem bei der Frei­willi­gen Feuer­wehr immer mehr Kam­er­aden gibt, deren Fit­ness bess­er sein kön­nte.“
Ziel des koop­er­a­tiv­en Forschung­spro­jek­tes war dem­nach, die kör­pereigene Kühlfunk­tion durch einen schnellen Abtrans­port des Schweißes opti­mal zu unter­stützen und gle­ichzeit­ig eine gute Wärmeiso­la­tion zu erre­ichen. „Ein Feuer­wehrmann kann im Ein­satz bis zu 2 Liter in der Stunde schwitzen“, sagt Dr. Bian­ca Wölfling. „Die Umge­bung­stem­per­atur und der Aktiv­itäts­grad der Feuer­wehrleute ist abhängig von der Art des Ein­satzes sehr unter­schiedlich. Dieser Spa­gat ist nur über ein Klei­dungssys­tem nach dem Zwiebelschalen­prinzip zu erre­ichen.“
Vielschichtige Fragestel­lun­gen
Als erste Schicht wur­den drei von der Indus­trie neu entwick­elte Mate­ri­al­vari­anten unter­sucht. Alle drei erwiesen sich als gut hin­sichtlich des Feuchtigkeit­strans­ports. Die Vari­ante aus Baum­wolle war jedoch nicht flamm­fest, deshalb wurde den Tex­tilien aus PTFe/Aramid bzw. auss­chließlich aus Aramid der Vor­rang gegeben. Sowohl die objek­tiv­en Messergeb­nisse als auch die per­sön­liche Beurteilung der Proban­den zeigten, dass sich das Feuchte- und Wärme­m­an­age­ment der neu entwick­el­ten Pro­to­typen gegenüber der Aus­gangssi­t­u­a­tion mit mark­tüblichen Klei­dungsstück­en deut­lich verbessert hat. In einem zweit­en Pro­jekt mit Start 2014 soll unter­sucht wer­den, wie die Schicht­en Unter­wäsche, Train­ingsanzug-Ersatz für Schweiß­trans­port und Iso­la­tion sowie die Ober­bek­lei­dung mit Flammhem­mung und Warn­wirkung so aufeinan­der abges­timmt sein kön­nen, dass das Feuchte­m­an­age­ment opti­miert wird.
Zukun­ftsweisend sind auch die Ergeb­nisse der dreiein­halb Jahre währen­den Entwick­lungsar­beit des Forschungskon­sor­tiums „Sen­sPro­Cloth“. Moti­va­tion und Grund­lage war die Tat­sache, dass Ein­satzkräfte der Feuer­wehr und Katas­tro­phen­helfer bei Großschadensereignis­sen hohen Belas­tun­gen und Ein­flüssen aus­ge­set­zt sind, die selb­st schw­er einzuschätzen sind. Es kommt häu­fig vor, dass kör­per­liche Empfind­un­gen und Gefahren­hin­weise nicht aus­re­ichend wahrgenom­men wer­den.
„Unfälle haben in den sel­tensten Fällen nur eine ein­deutige Ursache, son­dern sind im Regelfall eine Gemen­ge­lage der ver­schieden­sten Gründe. Zunehmend spielt jedoch auch die kör­per­liche Über­forderung eine große Rolle“, schreiben Flo­ri­an Gödde, Ober­bran­drat, und Mar­tin Wes­sels, Bran­damt­srat, bei­de Berufs­feuer­wehr Stuttgart in ihrem Artikel „Forschung­spro­jekt ´Sen­sPro­Cloth´ – Sen­sor­in­te­gri­erte Schutzk­lei­dung“ (Mag­a­zin Brand­schutz 3/2012). Weit­er heißt es darin: „Eben­so ist hier die zunehmende Über­las­tung durch den Wärmes­tau in der immer bess­er isolieren­den Brand­schutzk­lei­dung zu nen­nen. Auch die Ori­en­tierung ist häu­fig schwierig und die Ortung von in Not ger­ate­nen Helfern kaum möglich.“
Ziel von „Sen­sPro­Cloth“ war die Entwick­lung ein­er sys­tem­inte­gri­erten, sen­sorischen Arbeits- und Schutzbek­lei­dung, über die unter­schiedliche Fak­ten erfasst und über­mit­telt wer­den kön­nen. Dazu gehören Infor­ma­tio­nen zu Umge­bung­stem­per­atur sowie Posi­tion oder Belas­tung durch Gefahrstoffe. Der phys­i­ol­o­gis­che Zus­tand des Trägers soll mit­tels Mes­sun­gen von Puls, Atem­fre­quenz und Kör­pertem­per­atur überwacht wer­den. Über diese Dat­en erhal­ten Ein­satzkräfte und Ein­sat­zleitung wichtige Infor­ma­tio­nen, um lebens­ge­fährliche Sit­u­a­tio­nen rechtzeit­ig erken­nen und möglichst ver­hin­dern zu kön­nen. Im Extrem­fall kann ein verunglück­ter Kam­er­ad schnell geortet wer­den.
Da bis heute in der Regel haupt­säch­lich tech­nis­che Para­me­ter beim Atem­schutzein­satz überwacht wer­den, ist eine Erfas­sung des Fak­tors „Men­sch“ von großem Inter­esse für Feuer­wehren und andere Ein­satzkräfte, um Unfälle zu ver­mei­den. Die derzeit­ige Meth­ode, das Befind­en des Men­schen im Ein­satz abzufra­gen, ist meist unzure­ichend, weil er auf Grund des hohen Adren­a­lin­spiegels oft gar nicht merkt, dass Schwierigkeit­en entste­hen. Empfind­un­gen wer­den in Stress­si­t­u­a­tio­nen ganz anders wahrgenom­men als im nor­malen Leben.
Häu­fig kommt es zu Herzkreis­lauf­prob­le­men, die auf Basis der extrem hohen Belas­tung entste­hen. Zunehmend ist auch die eigentlich sehr gut isolierende Schutzk­lei­dung mit für einen Wärmes­tau ver­ant­wortlich. Auch die Ortung einzel­ner „Flo­ri­an­sjünger“ oder ganz­er Trup­ps kann einen Sicher­heits­gewinn brin­gen, weil der Ein­sat­zleit­er die Lage klar­er beurteilen und sie als Entschei­dung­shil­fe nutzen kann.
Viele weit­ere Infor­ma­tio­nen und Ange­bote zum The­ma PSA für Ret­tungskräfte find­en Sie online — oder noch bess­er vor Ort in Düs­sel­dorf:
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