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Vorsicht Asbest!

Entsorgung nur durch Fachfirmen
Vorsicht Asbest!

Nur sachkundige Personen dürfen Arbeiten an asbesthaltigen Bauteilen ausführen. Foto: BG BAU
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Der Ein­satz von asbesthalti­gen Bau­ma­te­ri­alien ist in Deutsch­land ver­boten. Eben­so ver­boten ist es, asbesthaltige Bau­ma­te­ri­alien selb­st zu demon­tieren, zu bear­beit­en oder unsachgemäß zu entsor­gen. Die Sozialver­sicherung für Land­wirtschaft, Forsten und Garten­bau (SVLFG) warnt ein­dringlich davor, hier selb­st Hand anzule­gen, denn Asbest­fasern, die bei unsachgemäßem Umgang mit dem Mate­r­i­al frei wer­den, kön­nen Lun­genkrebs und Asbestose verursachen.

„Schützen Sie Ihre Gesund­heit und vergeben Sie solche Arbeit­en unbe­d­ingt an Fach­fir­men, die eine entsprechende Sachkunde nach­weisen kön­nen“, rät SVLFG-Vor­standsvor­sitzen­der Arnd Spahn. Fast jed­er ken­nt sie noch: asbesthaltige Bau­ma­te­ri­alien, etwa die leicht gewell­ten Asbestze­ment-Dach­plat­ten, asbesthaltige Hausverklei­dun­gen oder Asbest­mat­ten als Isolier­ma­te­r­i­al im Heizungskeller. Bis spät in den 80er Jahren war Asbest ein geschätzter Baustoff: leicht zu ver­ar­beit­en, nicht brennbar, lan­glebig. Erst spät wurde erkan­nt, dass frei fliegende Asbest­fasern Lun­genkrebs erre­gen. Die Fasern wer­den bei manueller Beanspruchung des Mate­ri­als frei. Dies kann zum Beispiel bere­its durch das Abkehren solch­er Däch­er, durch die Reini­gung mit einem Hochdruck­reiniger oder durch das Anbohren von Asbestze­ment­bauteilen aus­gelöst wer­den. Im großen Maß lösen sich Asbest­fasern vom Baustoff bei unsachgemäßen Abbrucharbeiten.

Beson­ders tückisch
Bere­its das ein­ma­lige Einat­men dieser Fasern kann dazu führen, dass sie sich in der Lunge fest­set­zen und dort Erkrankun­gen aus­lösen. So kön­nen solche Arbeit­en neben Krebs auch zu ein­er Asbest­staublunge (Asbestose) führen. Seit Anfang der 90er Jahre sind der Ein­bau und die Zweit­nutzung asbesthaltiger Mate­ri­alien in Deutsch­land ver­boten. Unter dieses Ver­bot fall­en auch die Weit­er­gabe solch­er Plat­ten an Dritte, das Auf­brin­gen ein­er neuen Dachein­deck­ung auf ein beste­hen­des Asbest­dach und selb­st die Dachbe­grü­nung. Was heißt das aber nun für Besitzer von „Altbestän­den“?
Was ist erlaubt, was ist verboten?
Grund­sät­zlich gilt: Solange die Asbest­fasern fest im Baustoff gebun­den sind, geht von ihnen keine Gefahr aus. In der Prax­is heißt das, Däch­er mit unbeschädigten Asbestze­ment-Plat­ten oder asbesthaltige Fas­saden­verklei­dun­gen müssen nicht automa­tisch erneuert werden.
Vor­sicht ist geboten bei Arbeit­en auf Asbestze­ment­däch­ern. Sie sind nicht durchtrittssich­er! Hier beste­ht die Gefahr des Durch­brechens und Abstürzens. Zum Bege­hen müssen geeignete Planken ver­legt und gegen Ver­rutschen gesichert werden.
Instand­set­zung, Sanierung, Abbruch – was tun?
Umfan­gre­ichere Arbeit­en an asbesthalti­gen Bauteilen, sei es der Abbruch, eine Sanierung oder die Instand­hal­tung, dür­fen aus­nahm­s­los nur sachkundi­ge Per­so­n­en aus­führen. Aus diesem Grunde soll­ten Asbestar­beit­en und die umwelt­gerechte Entsorgung des anfal­l­en­den Bauschutts an Fach­fir­men vergeben wer­den, die eine entsprechende Sachkunde nach­weisen kön­nen. Die Sachkunde kann in staatlich anerkan­nten Lehrgän­gen erwor­ben wer­den. Asbesthaltige Verklei­dun­gen oder Dachein­deck­un­gen müssen bei kleineren Schä­den nicht immer voll­ständig ent­fer­nt wer­den. Instand­hal­tungsar­beit­en sind unter genau definierten Umstän­den erlaubt. Auch diese Arbeit­en dür­fen jedoch nur sachkundi­ge Per­so­n­en beziehungsweise Fach­fir­men durch­führen. Eigen­leis­tung kommt in allen genan­nten Fällen eben­so nicht in Frage wie die Beauf­tra­gung von Per­so­n­en ohne entsprechende Sachkunde in solchen Arbeiten.
Asbest in Haus und Garten fachgerecht entsorgen
Schon im eige­nen Inter­esse wird jed­er ver­suchen, asbesthaltige Gegen­stände in Haus und Garten, zum Beispiel alte Blu­men­tröge aus Asbest­be­ton oder mit Asbest isolierte Elek­tro­hei­zlüfter und Toast­er, möglichst rasch und fachgerecht zu entsor­gen. Am besten geht dies, wenn der Gegen­stand in ein­er dicht­en Folien­ver­pack­ung bei ein­er öffentlichen Entsorgungssta­tion abgegeben wird. Hier sollte man vorher anfra­gen, ob und in welch­er Ver­pack­ung die Entsorgungssta­tion asbesthaltige Gegen­stände annimmt. Beim Ver­pack­en immer möglichst staubfrei arbeit­en! Gegebe­nen­falls muss man den Gegen­stand vorher anfeucht­en. Sollen asbesthaltige Elek­trogeräte ver­packt wer­den, müssen diese natür­lich vor dem Anfeucht­en vom Strom getren­nt sein. Am Besten wer­den die Geräte im Freien bei Wind­stille ver­packt. Bei Entsorgungsar­beit­en ist immer die erforder­liche Schutzk­lei­dung zu tra­gen, wenn die Gefahr beste­ht, mit dem Asbest in Kon­takt zu kom­men oder wenn das Mate­r­i­al bere­its brüchig ist oder brechen kann. Die Lunge wird durch eine Atem­schutz­maske mit P3 Fil­ter geschützt. Die Haut und die Bek­lei­dung kann weit­ge­hend mit Ein­wegschutzanzü­gen geschützt wer­den. Die Gemeinde oder das zuständi­ge Umweltamt gibt Auskun­ft darüber, wo die näch­st­gele­gene Entsorgungssta­tion liegt. Die Entsorgung von asbesthalti­gen Spe­icheröfen müssen Fach­fir­men durchführen.
Es hat gebran­nt – was jetzt?
Schlimm genug, wenn Gebäude abbren­nen – noch schlim­mer ist es, wenn dabei auch noch asbesthaltige (Bau-)Stoffe Raub der Flam­men wer­den. Die Fasern selb­st sind nicht brennbar. Durch die Hitzeen­twick­lung fliegen sie jedoch durch die Luft und kon­t­a­minieren dabei die Umge­bung. Weil bei abge­bran­nten Gebäu­den in der Regel ohne­hin unklar ist, was für Mate­ri­alien ver­bran­nt wur­den, wird oft alles als Son­der­müll behan­delt, der fachgerecht entsorgt wer­den muss. Genaue Auskün­fte über die Entsorgung von Rest­ma­te­r­i­al nach einem Brand erteilen die Gemein­den, Umweltämter oder Entsorgungsstationen.
Lehrgang zum Erwerb der Sachkunde für Asbestarbeiten
Auskün­fte über die Sachkunde für Asbestar­beit­en und Umgangsvorschriften enthält die Tech­nis­che Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 519. Sie ist die Hand­lungsan­leitung für die Sachkundi­gen Per­so­n­en und Fach­fir­men. Darin ste­ht auch, ob und bei wem Asbestar­beit­en vorher anzuzeigen sind. Fach­fir­men nehmen den Auf­tragge­bern diese Behör­dengänge ab.
Lehrgänge zum Erwerb der Sachkunde bieten unter anderem Handw­erk­skam­mern, tech­nis­che Überwachungsvere­ine und andere Insti­tute an. Eine Suche im Inter­net unter „Lehrgang Sachkunde TRGS 519“ bietet hier eine Fülle von Informationen.
Was ist Asbestose?
Als erstes Zeichen ein­er Asbest­staublunge (Asbestose) treten Reizhus­ten, Kurzat­migkeit und Brustschmerzen auf. Später kön­nen die Symp­tome ein­er chro­nis­chen Bron­chi­tis, eine Herzver­größerung (Recht­sherzhy­per­tro­phie) und Lun­gen­verän­derun­gen hinzukom­men. Feines Knis­ter­ras­seln gilt als Hin­weis auf eine krankhafte Ver­här­tung des Lun­gen-Fasergewebes (Lun­gen­fi­brose). Die Funk­tion der Lunge kann dadurch stark eingeschränkt wer­den. Für die Diag­nose ist eine Rönt­ge­nun­ter­suchung notwendig. Beson­ders tück­isch: Durch Asbest­staub verur­sachte Erkrankun­gen der Lunge treten im All­ge­meinen erst Jahre bis Jahrzehnte später auf.
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