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Wenn das Risiko in der Routine lauert

Experimentalvorträge sensibilisieren für den Umgang mit Gefahrstoffen
Wenn das Risiko in der Routine lauert

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Gefahren im All­t­ag wer­den oft unter­schätzt. Ger­ade wenn sie zum ständi­gen Begleit­er wer­den, wie zum Beispiel bei der Nutzung von diversen Gefahrstof­fen am Arbeit­splatz. Der regelmäßige Gebrauch ohne Zwis­chen­fälle lässt die Gefährlichkeit in den Hin­ter­grund treten. Die Erfahrung zeigt, dass das poten­tielle Risiko – para­dox­er­weise – sog­ar noch ein­mal deut­lich zunimmt, je rou­tiniert­er und erfahren­er die Mitar­beit­er sind.

Knall! Puff! Peng! – der asce­cos-Exper­i­men­talvor­trag zum The­ma „Risiken und Schutz­maß­nah­men im Umgang mit Gefahrstof­fen“ gle­icht auf den ersten Blick ein­er Chemie-Show. Tat­säch­lich kön­nen die im Mini-For­mat vorge­führten Explo­sio­nen und chemis­chen Reak­tio­nen in der Prax­is aber auch genau­so im eige­nen Betrieb passieren – dann jedoch in bedeu­tend größeren Dimensionen.

Auf die entzünd­baren oder explo­siv­en Stoffe, die für die ver­schiede­nen Arbeit­sprozesse notwendig sind – wie zum Beispiel Reini­gungs- oder Lösemit­tel – kann der Betrieb natür­lich nicht verzicht­en, um die Gefahren zu ver­mei­den, die von ihnen aus­ge­hen. Was er jedoch tun kann, ist diese Stoffe umsichtig zu hand­haben und sachgerecht zu lagern. Und das bet­rifft vor allem die Mitar­beit­er, die mit den Stof­fen in der täglichen Prax­is umgehen.
Geset­zlich vorgeschrieben: Jährliche Gefahrstoff-Schulungen
Der Geset­zge­ber hat das Risiko erkan­nt, das in der Rou­tine im Umgang mit Gefahrstof­fen steckt. Er verpflichtet in der Gefahrstof­fverord­nung jeden Arbeit­ge­ber, seine Mitar­beit­er min­destens ein­mal jährlich zu schulen, sobald sie regelmäßig mit Gefahrstof­fen arbeit­en. Schließlich kön­nen diese Sub­stanzen bei falsch­er Hand­habung brand­fördernd, kor­ro­siv, umwelt­ge­fährlich oder gar giftig wirken. Eine poten­zielle eigene Gefährdung sowie die Ander­er sind also stets gegeben, weshalb die Mitar­beit­er die geeigneten Schutz­maß­nah­men ken­nen sollten.
Doch es gibt eine Gefahr, die schwindet trotz allen the­o­retis­chen Vor­bere­itun­gen und aller Ken­nt­nis oft nur schw­er: die Gewöhnung.
Rou­tine ver­größert das Risiko
Entschei­dend ist beim Umgang mit Gefahrstof­fen, generell sen­si­bil­isiert für die Gefahr zu sein; und der Blick fürs Detail, zum Beispiel für die jew­eili­gen Eigen­schaften ein­er Chemikalie. Denn Ken­nt­nis über die Eigen­schaften ist unab­d­ing­bar, will man mögliche Risiken erken­nen, eine Gefährdung reell beurteilen und die best­möglichen Vorkehrun­gen tre­f­fen. Fehlt diese Aufmerk­samkeit beziehungsweise schleift sie sich im Laufe der Arbeit­srou­tine ab, kann es zu gefährlichen Auswirkun­gen kom­men. Genau hier – bei der oft unbe­merkt ein­tre­tenden Gewöh­nung – set­zen die soge­nan­nten Exper­i­men­talvorträge des Grün­dauer Unternehmens asec­os an. „Ger­ade bei erfahre­nen Mitar­beit­ern schle­icht sich häu­fig eine unsachgemäße Hand­habung von Gefahrstof­fen ein: Ein offenes Gebinde hier, eine falsche Lagerung dort und schnell kom­men weit­ere Unacht­samkeit­en hinzu. „Man hat sich eben ein­fach daran gewöh­nt, dass schon alles rei­bungs­los läuft“, erk­lärt Tho- mas Pietschmann, Gebi­etsverkauf­sleit­er, BDSF-Sachver­ständi­ger und ein­er der Exper­i­men­talvor­trag-Ref­er­enten bei asec­os. „Um die Mitar­beit­er, bildlich gesprochen, wieder wachzurüt­teln, fahren wir in die Fir­men. Dort zeigen wir live, welche unge­woll­ten Reak­tio­nen im Arbeit­sall­t­ag in Form von offe­nen Gebinden und Co. lauern – und wie uner­wartet schnell wirk­lich etwas passieren kann. Einige Teil­nehmer berichteten mir nach dem Vor­trag schon, danach wür­den sie die Gebinde sog­ar ab und zu zweimal zudrehen – sich­er ist sich­er. Und genau das will ich auch erre­ichen, die Aufmerk­samkeit für die Gefahr.“
Die Vorträge find­en auf Anfrage eines Betriebes im Kreis von in der Regel cir­ca zwanzig Per­so­n­en statt. Wenn Räume zur Ver­fü­gung ste­hen reist der Ref­er­ent mit­samt seinen Uten­silien und Gerätschaften vor Ort an. Vor­ab müssen die Räum­lichkeit­en natür­lich auf Eig­nung geprüft wer­den, zum Beispiel in Bezug auf den Brand­schutz. Ist kein geeigneter Platz vorhan­den, stellt asec­os auch schon mal seine Räum­lichkeit­en in Gründau/Hessen zur Verfügung.
Das Konzept: wach­es Auge für die Gefahr
The­o­retis­ches Wis­sen abso­lut prak­tisch ver­mit­teln, das ist die Idee, die der Exper­i­men­talvor­tragsrei­he zu Grunde liegt. Am besten so, dass es sich auch in den Köpfen der Teil­nehmer ver­ankert. Entwick­elt wur­den die Exper­i­men­talvorträge von asec­os in Zusam­me­nar­beit mit Pro­fes­sor Dr. Bernd Scheel, Tech­nis­ch­er Auf­sichts­beamter der Beruf­sgenossen­schaft Rohstoffe und chemis­che Indus­trie (BG RCI). asec­os ist als Her­steller von hochw­er­ti­gen Sicher­heitss­chränken und Gefahrstof­far­beit­splätzen Spezial­ist für das Han­dling von Gefahrstof­fen. Präg­nant und kurzweilig ver­mit­teln die Ref­er­enten den Mitar­beit­ern über eine Beam­er-Präsen­ta­tion alle großen The­men aus Indus­trie, Werk­statt und Labor – natür­lich immer im Zusam­men­hang mit Gefahrstof­fen: Was ist über­haupt ein Gefahrstoff? Welche geset­zlichen Vorschriften müssen beachtet wer­den? Welche Gefahren kön­nen beim falschen Ein­satz und bei unsachgemäßer Lagerung von Gefahrstof­fen entste­hen? Oder auch: Welche Präven­tiv­maß­nah­men kann und muss man ergreifen, um Sicher­heit zu gewährleis­ten? Bei Bedarf kön­nen die Ref­er­enten auch auf spez­i­fis­che Betriebs- oder Branchen­beispiele einge­hen, denn sie besitzen vielfältige Erfahrun­gen aus dem Arbeitsalltag.
Live-Exper­i­mente aus der Praxis
Live-Exper­i­mente begleit­en jedes The­ma der The­o­rie-Präsen­ta­tion. „Wichtig ist, dass die Teil­nehmer am Ball bleiben. Ich ver­suche beispiel­sweise weniger in die the­o­retis­che Tiefe zu gehen, wenn die Zuhör­er hier gut Bescheid wis­sen. Lieber zeige ich dann ein Beispiel mehr aus dem All­t­ag”, betont Pietschmann. Anhand von Kle­in­st­men­gen gebräuch­lich­er Gefahrstoffe, etwa Lösemit­teln, demon­stri­ert er, wie leicht Brände, Ver­puffun­gen und andere Reak­tio­nen entste­hen kön­nen. Oft reichen schon ein paar Tropfen aus, um ver­heerende Ket­ten­reak­tio­nen in Gang zu set­zen. Dazu gehören ganz alltägliche Dinge. Eines der Exper­i­mente zeigt, wie schnell durch einen falschen Mülleimer, beispiel­sweise aus Kun­st­stoff anstelle eines zuge­lasse­nen Entsorgungs­be­häl­ters aus Stahl mit Deck­el und Lüf­tungsöff­nun­gen am Boden­rand, ein Brand entste­hen kann, wenn unter­schiedliche Mate­ri­alien und Stoffe zusam­men wegge­wor­fen wer­den. Und dabei bedarf es nicht ein­mal eines Funken. Denn alleine durch chemis­che Reak­tio­nen kommt es zu einem Brand, sobald zum Beispiel Epox­id­harz und Härter in einem Behält­nis entsorgt wer­den, da diese Stoffe stark exotherm miteinan­der reagieren. Sei es durch Unacht­samkeit oder Unwis­senheit, ein alltäglich­er Hand­griff kann im Umgang mit Gefahrstof­fen erschreck­ende Fol­gen haben. Ein weit­er­er Vor­führungspunkt macht anschaulich, wie leicht man geringe Men­gen unter­schätzen kann, die durch Ver­dun­stung zum gefährlichen entzünd­baren Gas-Luft-Gemisch wer­den können.
Natür­lich tre­f­fen die Ref­er­enten vor der Durch­führung eines jeden Exper­i­ments alle notwendi­gen Sicher­heitsvorkehrun­gen. Beein­druck­end sind die Exper­i­mente trotz­dem: Schein­bar völ­lig uner­wartet treten helle, laute und flam­mende Reak­tio­nen der Stoffe auf. Das Ziel des Vor­trags liegt auf der Hand: Die visuelle Verdeut­lichung der Gefahren anhand von Fällen, die täglich in jedem Betrieb passieren kön­nen. Teil­weise sind es Erleb­nisse aus der Erfahrung des Ref­er­enten, die die Teil­nehmer zum Nach­denken über ihren eige­nen Arbeit­splatz anre­gen. Eine Reak­tion nach einem Exper­i­men­tal-Vor­trag: „Inter­es­sant, unter­halt­sam, lehrre­ich – selb­st unsere „alten Hasen“ waren gefesselt!“.
Die konkreten Beispiele von Großbrän­den und Explo­sio­nen, die sich auf alltägliche Gefahren­quellen zurück­führen lassen, tra­gen dazu bei, die Mitar­beit­er wieder für den bedacht­samen Umgang mit Gefahrstof­fen zu sen­si­bil­isieren. Denn genau das sind die Stoffe: eine poten­zielle Gefahr.

Gefahrstoffe sicher lagern
Sobald Gefahrstoffe im Betrieb zum Ein­satz kom­men, müssen diese auch gelagert wer­den, zum Beispiel in Sicher­heitss­chränken. Ein nach­haltiger Schutz beste­ht nur bei regelmäßiger Instand­hal­tung. Ver­schiedene Verord­nun­gen und Regeln geben vor, dass diese Sicher­heit­sein­rich­tun­gen regelmäßig über­prüft wer­den müssen.
Betrieb­ssicher­heitsverord­nung §10: Der Arbeit­ge­ber hat sicherzustellen, dass Arbeitsmit­tel ord­nungs­gemäß und funk­tion­stüchtig mon­tiert sind und diese durch eine befähigte Per­son geprüft wer­den müssen.
Arbeitsstät­ten­verord­nung §4: Arbeit­ge­ber haben die Sicher­heit­sein­rich­tun­gen zur Ver­hü­tung und Besei­t­i­gung von Gefahren sachgerecht zu warten und auf Funk­tions­fähigkeit zu prüfen.
Gefahrstof­fverord­nung §7: Der Arbeit­ge­ber hat als Grundpflicht die Gesund­heits­ge­fährdung sein­er Mitar­beit­er im Umgang mit Gefahrstof­fen auszuschließen beziehungsweise auf ein Min­i­mum zu reduzieren.
Tech­nis­chen Regel für Betrieb­ssicher­heit TRBS 1203: Befähigt ist eine Per­son, die durch ihre Beruf­saus­bil­dung, ihre Beruf­ser­fahrung und ihre zeit­na­he beru­fliche Tätigkeit über die erforder­lichen Fachken­nt­nisse zur Prü­fung der Arbeitsmit­tel verfügt.
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