Startseite » Arbeitssicherheit » Gefahrstoffe / Ex-Schutz » Asbest »

Typische Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien

Tätigkeitsbezogene Vorschriften und Regelungen
Was sind typische Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien?

Dachplatten enthalten asbesthaltige Materialien
Bei der Demontage von Asbestzement-Dächern sind Schutzmaßnahmen verpflichtend. Foto: © Ecology - stock.adobe.com

Es gibt typ­is­che Tätigkeit­en mit asbesthalti­gen Pro­duk­ten. Darunter fall­en Arbeit­en mit Asbestze­ment-Pro­duk­ten wie die Demon­tage Asbestze­ment­däch­ern. Auch Tätigkeit­en an asbesthalti­gen Putzen, Spachtel­massen und Fliesen­kle­bern zählen dazu. Eben­so wie Arbeit­en an tech­nis­chen Geräten und Anla­gen, in oder an denen asbesthaltige Mate­ri­alien ver­baut sind. 

Tätigkeiten mit Asbestzement-Produkten

Asbestze­ment-Pro­duk­te enthal­ten in der Regel max­i­mal 15 Prozent Asbest­fasern (Weißas­best), die fest in ein­er Bindemit­tel­ma­trix (Zement) ein­ge­lagert sind. Diese Fasern wer­den nur bei ein­er Bear­beitung (Bohren, Sägen, Schnei­den) oder beim Zer­brechen freige­set­zt. Das Schleifen und Schnei­den mit Winkelschleifern oder schnel­l­laufend­en Sägen, das Reini­gen mit Hochdruck­wasser­strahl oder das Abbürsten mit Stahldrahtbe­sen erzeugt sehr viele Fein­st­fasern und ist deshalb verboten.

Asbestze­ment-Pro­duk­te, die ihrer Funk­tion, zum Beispiel als Dach­plat­te oder Fas­saden­plat­te noch genü­gen, müssen nicht aus­gewech­selt wer­den. Sie dür­fen aber auch nicht gere­inigt oder beschichtet wer­den. Sollen solche Pro­duk­te von einem Gebäude ent­fer­nt wer­den, so ist die sich­er­ste Lösung die Beauf­tra­gung eines geeigneten Fach­be­triebs mit sachkundi­gem Per­son­al. Will bei kleineren Objek­ten, beispiel­sweise Garten­lauben, Gara­gen, Ställe, der Eigen­tümer dies selb­st durch­führen, so sind eben­falls bes­timmte Sicher­heits­maß­nah­men notwendig, um die Gefährdung beson­ders von Unbeteiligten (Nach­barn, eigene Fam­i­lie) zu vermeiden.


Asbesthaltige Wellplatten


Demontage von Asbestzementdächern

Bei der Demon­tage von Asbestze­ment­däch­ern muss noch ein weit­er­er wichtiger Punkt beachtet wer­den: Solche Däch­er sind „nicht bege­hbare Bauteile“ und dür­fen ohne Schutz­maß­nah­men, wie die Her­stel­lung von trittsicheren Arbeits­flächen vor der Demon­tage, nicht began­gen wer­den. Es beste­ht hier son­st die Gefahr eines Durch­bruchs durch das nicht tragfähige Mate­r­i­al mit der Folge schw­er­ster oder gar tödlich­er Ver­let­zun­gen. Aus diesem Grund müssen auch um das Dach oder an die Fas­sade geeignete Gerüste als Arbeits- und Schutzgerüst sowie Zugangsmöglichkeit gestellt werden.

Asbest
Bei der Demon­tage von Asbestze­ment­däch­ern beste­ht Durch­bruchge­fahr. Foto: © MajieiBle­dows­ki — stock.adobe.com

Für die Demon­tage gilt, dass immer ent­ge­gen der ursprünglichen Ver­legerich­tung gear­beit­et wird. Bei Däch­ern wird also am Giebel begonnen, bei Fas­saden mit der ober­sten Rei­he. Die Plat­ten wer­den mit Rest­faserbindemit­tel oder entspan­ntem Wass­er einge­sprüht, die Ver­schraubun­gen oder Ver­nagelun­gen vor­sichtig gelöst und die Plat­ten abgenom­men. Ins­beson­dere bei Dach­plat­ten sind hierzu immer min­destens zwei Per­so­n­en notwendig. Danach wer­den diese Plat­ten, ohne sie über die Flächen zu schleifen, zu ziehen oder zu wer­fen auf kürzestem Weg in den Entsorgungs­be­häl­ter (Plat­ten-Big­Bag) ver­bracht. Sollte es trotz­dem zu einem Bruch kom­men, so sind diese Bruch­stücke, eben­so wie die ent­fer­n­ten Schrauben, Mut­tern oder Nägel in einem Kun­st­stoff­sack zu sam­meln und eben­falls als asbest­be­lasteter Abfall zu entsor­gen.

War unter den Asbest­plat­ten eine Däm­mung aus kün­stlich­er Min­er­al­fas­er, so ist diese eben­falls mit Rest­faserbindemit­tel oder entspan­ntem Wass­er zu benet­zen und muss auch eben­falls als asbest­be­lasteter Abfall entsorgt wer­den. Unterkon­struk­tio­nen, wie Spar­ren und Pfet­ten, die weit­er­genutzt wer­den sollen, sind mit einem dafür zuge­lassen­em Indus­tri­es­taub­sauger abzusaugen, wenn möglich feucht abzuwis­chen und müssen mit Rest­faserbindemit­tel einge­sprüht wer­den, um noch anhaf­tende Asbest­fe­in­st­fasern am Frei­w­er­den zu hin­dern. Entspan­ntes Wass­er ist hier­für nicht geeignet. Soll die Unterkon­struk­tion ent­fer­nt wer­den, so muss sie eben­falls als asbest­be­lasteter Abfall entsorgt wer­den. Wie diese zu ver­pack­en ist, sollte mit dem örtlichen Entsorg­er abges­timmt werden.

Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern

Asbesthalti­gen Putze, Spachtel­massen und Fliesen­kle­bern (PSF) sind erst in den let­zten Jahren in den Fokus ger­at­en. Da es auch schwierig ist, hier die konkrete Asbest­be­las­tung festzustellen wird mit der Anlage 9 zur TRGS 519 ver­sucht, eine Hil­festel­lung zur Gefährdungs­beurteilung und zur Fes­tle­gung von Schutz­maß­nah­men bei Tätigkeit­en an asbesthalti­gen Putzen, Spachtel­massen und Fliesen­kle­bern oder anderen ehe­ma­li­gen ver­wen­de­ten bau­chemis­chen Pro­duk­ten mit ver­gle­ich­baren Asbest­ge­hal­ten zu geben. Generell gilt auch hier, dass die Freiset­zung von Asbest­fe­in­st­fasern zu ver­mei­den ist. Deshalb soll­ten alle Tätigkeit­en, die zu einem Aufrauen oder Abtra­gen der Ober­flächen führen unter­lassen wer­den. Im Zweifels­fall sind sachkundi­ge Fach­leute zu befra­gen und deren Hin­weise zu befolgen.

Tätigkeit­en ohne Kontakt

Maler überstreicht Asbest
Das Stre­ichen asbest­freier Beschich­tun­gen auf asbesthaltigem PSF gilt als Tätigkeit ohne Kon­takt. Foto: © Rido – Fotolia.com

Tätigkeit­en ohne Kon­takt zu asbesthalti­gen Mate­ri­alien sind das Stre­ichen oder Überkleben asbest­freier Beschich­tun­gen, Tape­ten und anderen Wand- und Deck­en­bek­lei­dun­gen auf asbesthalti­gen PSF sowie das Auf­brin­gen neuer Boden­beläge auf voll­flächig intak­ten und asbest­freien Boden­belä­gen mit darun­ter­liegen­den asbesthalti­gen Spachtel­massen oder Fliesen­kle­bern, wenn keine Bear­beitung des asbesthalti­gen Unter­grunds erfol­gt. Daher sind auch keine Anforderun­gen nach TRGS 519 beschrieben.

Tätigkeit­en mit niedrigem Risiko

Als Tätigkeit­en mit niedrigem Risiko gel­ten das manuelle Ein­schla­gen und Ziehen von Nägeln in oder aus Ober­flächen mit asbesthalti­gen PSF sowie das Set­zen von Bohrlöch­ern in Bauteile mit PSF nach einem emis­sion­sar­men Ver­fahren nach DGUV Infor­ma­tion 201–012 mit Bohrdurchmess­er bis max. 12 mm. Wenn mit einem der emis­sion­sar­men Ver­fahren nach DGUV Infor­ma­tion 201–012 die zu bear­bei­t­ende Fläche vor­bere­it­et und anschließend auf den asbest­freien Unter­grund gear­beit­et wird, sind auch die fol­gen­den Tätigkeit­en mit einem niedri­gen Risiko eingeschätzt:

  • Bohren auch mit größeren Bohrerdurchmesser,
  • Set­zen von Dosen­löch­ern mit Dosensenker,
  • Stem­mar­beit­en bis max. 20 x 20 cm Fläche zwis­chen lin­ear oder kle­in­flächig, zum Beispiel für das Ver­legen von Leitun­gen, Anbrin­gen von Sicherungskästen

Ersatzlösung für Privatpersonen

Da ins­beson­dere Pri­vat­per­so­n­en diese geprüften emis­sion­sar­men Ver­fahren kaum zur Ver­fü­gung ste­hen, wird hier eine Ersat­zlö­sung für den Einzelfall, ins­beson­dere das Bohren von Löch­ern für Durchmess­er bis 10 mm vorgeschlagen:

  1. die Arbeitsstelle wird satt mit entspan­ntem Wass­er benetzt
  2. über der Arbeitsstelle wird eine han­del­sübliche Kun­st­stofftüte mit Indus­triek­le­be­band (Gaffer-Tape, Panzer­band) fixiert 
  3. es wird durch die Kun­st­stofftüte gebohrt, so dass die Bohrspäne in die Tüte fallen
  4. nach Abschluß der Bohrung wird der Bohrer zurück­ge­zo­gen, sofort unter fließen­dem Wass­er ange­spült, um anhaf­tende Bohrspäne zu entfernen
  5. das Bohrloch wird mit dem vorge­se­henen Dübel versehen
  6. die Kun­st­stofftüte wird an der Bohrstelle  mit Indus­triek­le­be­band ver­schlossen und vor­sichtig so von der Arbeitsstelle ent­fer­nt, dass alle Bohrspäne in der Tüte verbleiben
  7. die Arbeitsstelle wird mit einem feucht­en Tuch, zum Beispiel einem Küchen­tuch, abgewis­cht und das Tuch in der Tüte verstaut
  8. die Tüte wird an der offe­nen Seite ver­schlossen und mit Indus­triek­le­be­band zusät­zlich gesichert. Anschließend wird sie als asbesthaltiger Abfall auf dem Wert­stoffhof entsorgt. Nicht in den nor­malen Rest­müll geben.

Durch das Anfeucht­en sowie das Auf­fan­gen der feucht­en Bohrspäne in ein­er staub­dicht­en Tüte soll die Freiset­zung von Asbest­fe­in­st­fasern wirkungsvoll min­imiert wer­den. Alle anderen, ins­beson­dere großflächige oder umfan­gre­iche Arbeit­en an asbesthalti­gen Putzen, Spachtel­massen und Fliesen­kle­bern soll­ten nur Fach­fir­men mit sachkundi­gem Per­son­al ausführen.


Asbest in Lungenbläschen


Tätigkeiten an technischen Geräten und Anlagen mit verbauten asbesthaltigen Materialien 

Grund­sät­zlich soll­ten Tätigkeit­en an tech­nis­chen Geräten und Anla­gen, in oder an denen asbesthaltige Mate­ri­alien ver­baut sind, nur dann aus­ge­führt wer­den, wenn dies zum Zweck ein­er weit­eren Nutzung notwendig ist. Der­ar­tige Geräte und Anla­gen sind nicht zu demon­tieren oder zu zer­legen, da hier eine nicht bes­timm­bare Gefährdung der Freiset­zung von Asbest­fe­in­st­fasern erfol­gen kann.

Elek­trogeräte, wie beispiel­sweise alte Toast­er, Bügeleisen, Wäsche­man­gel, Haar­fön und Hei­zlam­p­en, die möglicher­weise asbesthaltige Mate­ri­alien als Hitze- oder Isolier­ma­te­r­i­al enthal­ten, sind über die Wert­stoffhöfe der Kom­munen als Elek­troschrott zu entsor­gen. Gle­ich­es gilt für alte Waschmaschi­nen, Wäschetrock­n­er, Kochgeräte und Herde. Aber auch in Kraft­fahrzeu­gen und in Heizungs- und San­itäran­la­gen kön­nen asbesthaltige Mate­ri­alien ver­baut wor­den sein. Hier ist es manch­mal zum Erhalt der Nutzbarkeit notwendig, an solchen Bauteilen zu arbeit­en. Auch hier gilt der Grund­satz der Ver­mei­dung der Freiset­zung von Asbestfeinstfasern.

Wenn möglich soll­ten Bauteile, wie Kup­plungss­cheiben, Brems­back­en oder auch Ven­tilköpfe als Ganzes ohne den Aus­bau der asbesthalti­gen Mate­ri­alien gewech­selt wer­den. Müssen alte Dich­tun­gen, zum Beispiel an einem Zylin­derkopf oder an einem Heizungsven­til gewech­selt wer­den, so sollte dies so erfol­gen, dass keine Asbest­fe­in­st­fasern freige­set­zt wer­den. Eine gute Möglichkeit ist, diese Teile, ins­beson­dere die asbesthaltige Dich­tung, durch das Ein­sprühen oder Tränken mit ein­er pen­etri­eren­den Flüs­sigkeit, wie beispiel­sweise Öl oder Petro­le­um, zu durch­feucht­en. Dann sollte die Dich­tung möglichst großflächig mit einem Sch­aber oder eine Spach­tel von der Dicht­fläche abgenom­men  und sofort in einem staub­dicht­en Kun­st­stoff­beu­tel, der danach ver­schlossen wird, abgelegt wer­den. Die Dicht­flächen sowie die Werkzeuge sind danach eben­falls mit der ver­wen­de­ten pen­etri­eren­den Flüs­sigkeit zu reini­gen und die benutzten Tüch­er in dem Kun­st­stoff­beu­tel mit zu entsor­gen. Die Entsorgung erfol­gt wieder über den kom­mu­nalen Wert­stoffhof als asbesthaltiges Material.

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 6
Ausgabe
6.2022
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 6
Ausgabe
6.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de