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Luftqualität am Arbeitsplatz - Asbest, Feinstaub, Dieselruß, Aerosole

Asbest, Feinstaub, Dieselruß, Aerosole
Luftqualität am Arbeitsplatz

Luftqualität
Luft enthält nicht nur lebenswichtigen Sauerstoff, sondern oftmals auch Stoffe, die wenig gesundheitsförderlich sind. Foto: © Ralf Geithe - stock.adobe.com

Luft ist lebenswichtig. Der men­schliche Kör­p­er kann einige Wochen ohne Nahrung und wenige Tage ohne Wass­er auskom­men, doch er über­lebt nur wenige Minuten, wenn die Luft zum Atmen fehlt. Neben dem für Men­sch und Tier essen­ziellen Sauer­stoff enthält die Luft viele andere – natür­liche wie men­schengemachte – Bestandteile und längst nicht alle sind gesund­heits­fördernd. Die Debat­ten um Asbest, Fein­staub, Diesel­ruß und nicht zulet­zt viren­be­lastete Aerosole haben gezeigt, dass die Luftqual­ität ein zen­traler Fak­tor für Gesund­heit und Wohlbefind­en ist, auch und ger­ade am Arbeitsplatz.



Was bedeutet „gesunde Luft“?

Sauber und frisch soll sie sein, so laut­en die gängi­gen Vorstel­lun­gen über die opti­male und möglichst gesunde Atem­luft. Dazu kom­men Eigen­schaften wie Tem­per­atur, Zugluft oder Luft­feuchte, die maßge­blich unser Wohlbefind­en bee­in­flussen. Je nach Branche und Tätigkeit treten weit­ere Belas­tun­gen auf wie Gerüche oder Schim­melpilzs­poren. Nicht zulet­zt kön­nen bes­timmte Sub­stanzen in der Luft hochbrisant für den Explo­sion­ss­chutz wer­den. In der Summe stellt sich das The­ma gesund­heits­gerechte Luft am Arbeit­splatz aus Sicht des Arbeitss­chützers somit als eine recht kom­plexe Mix­tur ganz unter­schiedlich­er Fak­toren dar.

Raumklimatische Parameter

Für einen besseren Überblick ist es hil­fre­ich, zwis­chen den physikalis­chen Para­me­tern ein­er Raum­luft und den luft­ge­tra­ge­nen Schad­stof­fen zu unter­schei­den. Erstere wer­den vom Arbeitsstät­ten­recht erfasst. Die Arb­StättV fordert expliz­it eine gesund­heitlich zuträgliche Raumtem­per­atur, das Tech­nis­che Regel­w­erk konkretisiert dies in der ASR A3.5 mit Min­dest­werten zur Luft­tem­per­atur in Arbeit­sräu­men je nach Arbeitss­chwere. Die ASR A 3.6 ergänzt dies um weit­ere Para­me­tern wie Luft­geschwindigkeit und Luftfeuchte.

Raumtem­per­atur, Luft­feuchte, Wärmes­trahlung und Luft­geschwindigkeit – das Arbeitsstät­ten­recht spricht hier zusam­men­fassend von einem Kli­ma­sum­men­maß – gel­ten als die maßge­blichen Fak­toren für die Qual­ität der Luft in der unmit­tel­baren Arbeit­sumge­bung. In geschlosse­nen Räu­men ist mehr oder weniger syn­onym meist vom soge­nan­nten Raumk­li­ma die Rede. Im Gegen­satz zu anderen Belas­tun­gen am Arbeit­splatz wie etwa Lärm ist bei diesen Para­me­tern nicht die Min­imierung das Ziel. Stattdessen gilt es – die Begriff­s­paare Feuchte/Trockenheit oder Wärme/Kälte deuten dies bere­its an –, einen opti­malen, weil den Bedürfnis­sen des men­schlichen Kör­pers angemesse­nen Bere­ich zu find­en. Eine Ein­führung in die Bew­er­tung eines Raumk­li­mas, etwa im Rah­men von Gefährdungs­beurteilun­gen, bietet die DGUV Infor­ma­tion 215–510. Mit Raum­luft­si­t­u­a­tio­nen in speziellen Arbeit­sumge­bun­gen befassen sich die DGUV Infor­ma­tion 215–520 „Kli­ma im Büro“ sowie die DGUV Infor­ma­tion 215–540 „Kli­ma in Industriehallen“.

Luftgetragene Schadstoffe beinträchtigen die Luftqualität

Unab­hängig von den physikalisch erfass­baren Belas­tun­gen durch Wärme, Kälte, Zugluft oder Luft­trock­en­heit kann die Atem­luft durch uner­wün­schte Stoffe belastet sein. Diese Luftver­schmutzung wird zum einen seit vie­len Jahren als Umwelt­prob­lem wahrgenom­men. Zunächst auf einzelne Aspek­te wie saur­er Regen und Wald­ster­ben fokussiert, wird heute immer mehr bewusst, wie sehr die men­schengemachte Verän­derung der Lufthülle des Plan­eten das Kli­ma bee­in­flusst. Immer deut­lich­er – auch in Medi­en und Öffentlichkeit – wird zum anderen jedoch auch, dass und wie luft­ge­tra­gene Schad­stoffe mas­siv die Gesund­heit belas­ten kön­nen. Die Debat­ten um Fein­staub oder Diesel­ruß­par­tikel dür­fen jedoch nicht darüber hin­wegtäuschen, dass je nach Branche und Arbeit­splatz eine Vielzahl von luft­ge­tra­ge­nen Sub­stanzen die Gesund­heit betrof­fen­er Mitar­beit­er mas­siv bedro­hen können.

Eine Über­sicht aller poten­ziellen Luftschad­stoffe, die bei ein­er Gefährdungs­beurteilung ein­fach sukzes­sive abzuhak­en wäre, gibt es nicht. Eins solche Liste kann es schon deshalb kaum geben, weil durch neue Werk­stoffe und Mate­ri­alien, aber auch neue Tech­nolo­gien ständig neuar­tige, poten­ziell gesund­heits­ge­fährliche Sub­stanzen geschaf­fen wer­den. Nanos­täube oder die für die addi­tive Fer­ti­gung beim 3D-Druck entwick­el­ten Stäube von Met­allen oder Legierun­gen sind nur die promi­nen­testen Beispiele. Um den­noch mit ein­er gewis­sen Sys­tem­atik die Luft­be­las­tun­gen in ein­er Arbeit­sumge­bung zu bew­erten, bietet sich eine Ein­teilung in den Aggre­gatzu­s­tand der Stoffe an:

  • Feste Par­tikel: Hierunter fall­en Stäube und Fein­stäube (Holzstäube, min­er­alis­che Stäube, Laser­ton­er, Nanopar­tikel u. a.), aber auch Fasern wie Asbest und kün­stliche Min­er­al­fasern (KMF). Stäube fall­en oft bei dem Bear­beit­en von Werksstof­fen an, ob in der Pro­duk­tion oder auf dem Bau. Entste­hen die Par­tikel durch einen Ver­bren­nungsvor­gang, wer­den sie auch als Rauch bezeichnet.
  • Flüs­sige Par­tikel im Luftraum wer­den als Dämpfe, Nebel oder Aerosole beze­ich­net, im Gefahrstof­frecht bekan­nt auch als VOC (volatile organ­ic com­pounds = flüchtige organ­is­che Verbindungen).
  • Gase kön­nen uner­wün­schte Eigen­schaften wie tox­isch oder leich­t­entzündlich aufweisen, aber auch allein dadurch arbeitss­chutzrel­e­vant wer­den, dass sie die Zusam­menset­zung der Atem­luft verändern.

Mehr zum The­ma Stäube lesen Sie im Spezial von Sicher­heits­beauf­tragter 12/2021:


Unab­hängig vom Aggre­gatzu­s­tand fest, flüs­sig oder gas­för­mig kann eine uner­wün­schte Sub­stanz in der Luft unter­schiedliche Schad­stoff- bzw. Gefahrstof­fkri­te­rien erfüllen. Sie kann giftig sein oder ätzend, leich­t­entzündlich oder infek­tiös, brand­fördernd oder umwelt­ge­fährlich usw.

Die Quelle eines uner­wün­scht­en Stoffs muss keineswegs immer der eigene Betrieb sein. Je nach den Gestein­sarten im Unter­grund kann Radon in Keller­räume gelan­gen und bei Frei­lan­dar­beit­en kön­nen Blüten­pollen die Luft zumin­d­est für Allergik­er belas­ten. Bei­des sind Beispiele für natür­liche Luft­be­las­tun­gen. Auch der Men­sch selb­st verän­dert durch sein Atmen die Zusam­menset­zung der Luft, indem er Sauer­stoff ver­braucht und Kohlen­diox­id ausat­met. Eine erhöhte CO2-Konzen­tra­tion durch viele Per­so­n­en auf begren­ztem Raum in einem nicht kli­ma­tisierten Gebäude ist daher auch unab­hängig von Infek­tion­s­ge­fahren durch regelmäßiges Lüften zu vermeiden.

Nicht zulet­zt die Coro­na-Pan­demie hat in drama­tis­ch­er Weise deut­lich gemacht, dass sich ein Luftraum – ob in einem Klassen­z­im­mer oder an einem Arbeit­splatz – nicht „abschließen“ und auf ein­fache Art und Weise vor uner­wün­scht­en Ein­drin­glin­gen schützen lässt. Abge­se­hen von pro­duk­tions­be­d­ingt notwendi­gen Rein­raumbe­din­gun­gen oder an Arbeit­splätzen mit den höch­sten Risikostufen nach BioStof­fV muss der Arbeits- und Gesund­heitss­chutz in allen anderen Sit­u­a­tio­nen Lösun­gen find­en, die auch ohne einen gewalti­gen tech­nis­chen Aufwand mit Schleusen, Dekon­t­a­minierung usw. prak­tik­a­bel sind.

Mannigfache Gesundheitsfolgen

Der typ­is­che Auf­nah­meweg luft­ge­tra­gen­er Schad­stoffe ist inhala­tiv, wir nehmen Stäube, Gase, Dämpfe, Aerosole usw. in aller Regel durch die Nase in den Kör­p­er auf. Die meist uner­wün­scht­en Fol­gen für unsere Gesund­heit sind in vie­len Fällen gut unter­sucht, hier nur kurz und beispiel­haft angerissen:

  • Stäube reizen nicht nur die Schleimhäute und belas­ten die Bronchien, als Fein­stäube drin­gen sie tief in die Lun­gen­bläschen (Alve­olen) ein und kön­nen Entzün­dun­gen aus­lösen und Krebs erzeugen.
  • Aerosole sind als Träger infek­tiös­er Par­tikel in der Coro­na-Pan­demie all­ge­mein bekan­nt gewor­den. Das Wis­sen um die Ansteck­ungs­ge­fahr durch Bak­te­rien oder Viren in Flüs­sigkeit­ströpfchen, die wir beim Atmen ausstoßen, ist jedoch nicht nur in Pan­demiezeit­en oder für Beschäftigte im Gesund­heitswe­sen rel­e­vant. Branchenüber­greifend und zeit­los soll­ten Mitar­beit­er zum eigen­ver­ant­wortlichen Ver­hal­tens bei ein­er Infek­tion­skrankheit unter­wiesen werden.
  • Gase kön­nen als Faul­gase wie Methan – z. B. in Abwasserkanälen, Silos, Schächt­en usw. –. den Sauer­stof­fan­teil der Atem­luft so sehr her­ab­set­zen, dass dies für den Men­schen lebens­bedrohlich wird. Bei erhöhter Sauer­stof­fkonzen­tra­tion wiederum steigt die Brandge­fahr, da sich Sub­stanzen wie Papi­er oder Holz von selb­st entzün­den kön­nen. Einige Gase wirken beim Einat­men giftig oder zeigen andere Gefahrstoffmerkmale.
  • Aller­gene sind meist winzige Par­tikel natür­lichen Ursprungs, die eine Überempfind­lichkeit­sreak­tio­nen unseres Immun­sys­tems aus­lösen kön­nen. Luft­ge­tra­gene Aller­gene sind meist natür­lichen Ursprungs und stam­men von Tieren oder Pflanzen wie Blüten­pollen, Tier­haare, der Kot von Hausstaub­mil­ben oder Pilzsporen.
  • Radon, welch­es auf natür­lichem Wege aus dem Unter­grund entwe­icht und in Gebäude ein­drin­gen kann, ist hierzu­lande – nach dem Rauchen – der zweit­größte Risiko­fak­tor für Lun­genkrebs und liegt damit noch vor Asbest oder Diesel­ruß. Das Bun­de­samt für Strahlen­schutz warnt daher vor Home­of­fice in Keller­räu­men. Hil­fre­ich zum Ein­schätzen der Gefährdung sind Risiko-Karten, welche beson­ders betrof­fene Regio­nen zeigen. Das mod­ernisierte Strahlen­schutzge­setz brachte einen Ref­eren­zw­ert für Radon von 300 Bq/m³ (gemit­telt über ein Jahr) für Arbeit­splätze und Aufen­thalt­sräume. Betriebe in Radon-Vor­sorgege­bi­eten sind zu Radon­mes­sun­gen verpflichtet, sobald Arbeit­splätze im Keller- oder Erdgeschoss liegen.
  • Gerüche kön­nen zur olfak­torischen Belas­tung wer­den, wenn sie als unan­genehm emp­fun­den wer­den. Dies bet­rifft z. B. die Chemiebranche, die Land­wirtschaft und alle Berufe, die mit Abfällen und Abwass­er zu tun haben, auch Bestatter.

Rechtsgrundlagen für Raumluftqualität in Arbeitsstätten

Mit den raumk­li­ma­tis­chen Para­me­tern befasst sich die Arb­StättV und das ihr nach­ge­ord­nete Tech­nis­che Regel­w­erk, ins­beson­dere die ASR A3.5 zur Raumtem­per­atur und die ASR A3.6 zur Lüf­tung. Auch im Gefahrstof­frecht spie­len luft­ge­tra­gene Sub­stanzen eine große Rolle und zwar sowohl für den Gesund­heitss­chutz wie für das Beherrschen von Explosionsrisiken.

Die Gesund­heits­fol­gen viel­er luft­ge­tra­gen­er Stoffe sind längst in die Arbeitss­chutzvorschriften einge­flossen. Je nach Stoff sind Arbeit­splatz­gren­zw­erte (AGW) oder Biol­o­gis­che Gren­zw­erte (BGW) zu beacht­en. Dazu kom­men die All­ge­meinen Staub­gren­zw­erte (ASGW) der TRGS 900. Zu eini­gen beson­ders arbeitss­chutzrel­e­van­ten Staubfrak­tio­nen wie auch zu Gasen wur­den eigene Tech­nis­che Regeln erlassen, z. B.:

  • TRGS 407 „Tätigkeit­en mit Gasen – Gefährdungsbeurteilung“
  • TRGS 500, Kap. 9 „Schutz­maß­nah­men bei Tätigkeit­en mit Expo­si­tion gegenüber Staub“
  • TRGS 519 „Asbest: Abbruch‑, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten”
  • TRGS 521 „Abbruch‑, Sanierungs- und Instand­hal­tungsar­beit­en mit alter Mineralwolle“
  • TRGS 553 „Holzs­taub“
  • TRGS 559 „Quarzhaltiger Staub“

Aus dem beruf­sgenossen­schaftlichen Regel­w­erk beson­ders her­vorzuheben sind:

Viele tech­nis­che Vor­gaben zu Raum­luftqual­ität, Hygien­ekon­trollen usw. find­en sich zudem in der Richtlin­ien­rei­he VDI 6022 zur Raum­luft­tech­nik. Der Voll­ständigkeit hal­ber darf an dieser Stelle auch der Nich­trauch­er­schutz nicht uner­wäh­nt bleiben, den die Arb­StättV in § 5 fordert.

Wenn Umweltschutz auch Arbeitsschutz bedeutet

Im Umweltschutz fall­en uner­wün­schte Sub­stanzen in der Luft unter – je nach Blick­winkel – die Immis­sio­nen bzw. die Emis­sio­nen. Der Schutz vor Luftschad­stof­fen wird durch das Bun­des-Immis­sion­ss­chutzge­setz (BIm­SchG) geregelt. Seine Durch­führung wird bes­timmt durch etwa 3 Dutzend Bun­des­im­mis­sion­ss­chutz-Verord­nun­gen (BIm­SchV) sowie die TA Luft, die nach ein­er Nov­el­lierung zum 1. Dezem­ber 2021 in Kraft trat.

Daneben kann die Luftqual­ität auch zum Gegen­stand zivil­rechtlich­er Auseinan­der­set­zun­gen wer­den, denn luft­ge­tra­gene Schad­stoffe machen genau­so wenig wie Lärm an Grund­stücks­gren­zen halt. Bei Bauar­beit­en entste­hende Stäube oder von einem Gewer­be­be­trieb aus­ge­hende Geruchs­beläs­ti­gun­gen kön­nen als Nach­barschaftsstre­it­igkeit­en vor Gericht lan­den. Solche Immis­sion­squellen bere­its an der Quelle zu min­imieren, um die eige­nen Mitar­beit­er zu schützen, kann daher den pos­i­tiv­en Neben­ef­fekt haben, auch Belas­tun­gen und Beläs­ti­gun­gen für Anwohn­er, Nach­barn und Pas­san­ten ger­ing zu halten.

Gesunde Luft am Arbeitsplatz

Es gibt keine Uni­ver­sal­lö­sung für bessere oder opti­male Luft am Arbeit­splatz. Fein­staub auf der Baustelle, Infek­tion­s­ge­fahr im Großraum­büro oder die Radon­be­las­tung an einem Arbeit­splatz im Kel­lergeschoss bedür­fen jew­eils spez­i­fis­ch­er Ansätze, um die betrof­fe­nen Mitar­beit­er zu schützen. Daher begin­nt ein Verbessern der Luftqual­ität mit der Gefährdungs­beurteilung. Alle Gefährdun­gen und Gesund­heit­srisiken, die mit dem Medi­um Luft ver­bun­den sind, ob Schweißrauche, Faul­gase oder Holzstäube, müssen ermit­telt und eingeschätzt werden.

Uner­wün­schte Stoffe in der Luft an einem Arbeit­splatz kön­nen aus ganz unter­schiedlichen Quellen stam­men. Sie kön­nen haus­gemacht sein, wenn ein Staub oder ein Gas durch eine Tätigkeit oder bei einem maschinellen Prozess entste­hen oder freige­set­zt wer­den. Die Quelle ein­er Belas­tung kann jedoch auch außer­halb des Unternehmens liegen, etwa im Verkehr oder natür­lichen Ursprungs sein wie bei Blüten­pollen oder Radon. Ungeachtet des Grund­satzes aus § 4 Arb­SchG, Gefahren an ihrer Quelle zu bekämpfen, hat der betriebliche Arbeitss­chützer je nach Sit­u­a­tion mehr oder weniger direk­te Einflussmöglichkeiten.

Substitutionsgebot und TOP-Rangfolge

Auch für gesund­heits­be­las­tende Sub­stanzen in der Luft gilt die als TOP-Prinzip bekan­nte Hier­ar­chie der Schutz­maß­nah­men gemäß § 4, Absatz 2 der Betr­SichV. Im Gefahrstof­frecht (§ 6f Gef­Stof­fV) wird dieser Grund­satz um das Sub­sti­tu­tion­s­ge­bot erweit­ert zu einem Vorge­hen in den Schrit­ten S -> T -> O -> P. Ein Arbeit­ge­ber darf somit ein Prob­lem mit uner­wün­scht­en Stof­fen in der Atem­luft nicht zu „lösen“ ver­suchen, indem er Atem­schutz­masken verteilt, son­dern er muss zunächst klären (hier am Beispiel Stäube):

  1. Lässt sich die Staubentste­hung min­dern, indem der stauberzeu­gende Prozess durch einen anderes Ver­fahren oder andere Aus­gangsstoffe erset­zt wird? Beispiele wären Mör­tel in Pel­let­form statt als Pul­ver, feucht wis­chen statt trock­en aufkehren u. v. a.
  2. Gibt es tech­nis­che Lösun­gen, um die Luftqual­ität zu verbessern? Typ­is­che Beispiele sind Bau-Entstauber oder hand­be­triebene Geräte mit Absaugung, aber auch Tren­nwände oder Staubschutztüren.
  3. Mit welchen organ­isatorischen Schrit­ten kön­nen wir die Staubbe­las­tung senken? Das begin­nt bei Vor­gaben zum Lüften und reicht bis zum Zuord­nen von Auf­gaben der­art, dass stauberzeu­gende Tätigkeit­en räum­lich und zeitlich weitest­möglich von anderen Arbeit­en getren­nt werden.

Erst im let­zten Schritt – und wenn alle anderen Maß­nah­men nicht umset­zbar sind oder nicht aus­re­ichend greifen, kommt die per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung ins Spiel. Das Ange­bot zu Atem­schutz-PSA ist riesig und reicht von ein­fachen Atem­schutz­masken als Weg­w­er­far­tikel bis zu einem aufwendi­gen tech­nis­chen Atem­schutz wie von der Außen­luft unab­hängi­gen Gebläse­filterg­eräten mit Pressluft-Flaschen.

Technische Lösungen zur Luftreinigung

Auch bei den tech­nis­chen Ein­rich­tun­gen und Geräten zur Verbesserung der Luftqual­ität am Arbeit­splatz ist das Spek­trum groß. In das Gebäude inte­gri­erte oder nachgerüstete Kli­maan­la­gen sind Arbeitss­chützern auch als RLT-Anla­gen (raum­luft­tech­nis­che Anla­gen) bekan­nt. Hier ist eine regelmäßige Kon­trolle wichtig, damit eine schlechte gewartete Kli­maan­lage nicht zur Bak­te­rien­schleud­er oder zum Schim­melpilzs­poren­verteil­er wird.


Lesen Sie mehr zu Kli­maan­la­gen/RLT-Anla­gen:


Im Zuge der Coro­na-Pan­demie wer­den ver­stärkt soge­nan­nte mobile Luftreiniger bewor­ben. Das sind typ­is­cher­weise Geräte in ein­er Größenord­nung zwis­chen Hei­zlüfter und Kühlschrank, die an beliebiger Stelle in einem Raum posi­tion­iert wer­den. Ihr konkreter Nutzen wird kon­tro­vers disku­tiert. Laut Umwelt­bun­de­samt sind mobile Luftreiniger als unter­stützende Maß­nahme zu sehen, um Aerosole in der Raum­luft zu reduzieren. Da die Geräte dem Raum keine Außen­luft zuführen, kön­nen sie Lüf­tungsregelun­gen nicht ersetzen.

Aus Sicht des Arbeitss­chutzes gilt es, genau hinzuschauen. Luft­fil­terung allein sagt zunächst wenig aus, entschei­dend ist, was auf welche Weise und mit welch­er Effizienz her­aus­ge­filtert wird. Meist sind in den Geräten ganz unter­schiedliche Fil­ter­typen und Funk­tio­nen kom­biniert wie:

  • Vor­fil­ter für gröbere Par­tikel wie Stäube, Haare oder Fusseln
  • Kaltkatalysator­fil­ter, die Formalde­hyd, Ben­zol und schädliche Gase ent­fer­nen sollen
  • Aktivkohle­filter, die flüchtige Stoffe, auch Gerüche binden sollen
  • UV-C-Licht, welch­es Viren unschädlich machen kann, aber auch gefährlich für Augen und Haut ist
  • UV-A-Licht, das Viren, Bak­te­rien und Aller­gene durch Pho­tokatal­yse (eine durch Licht aus­gelöste chemis­che Reak­tion) neu­tral­isierten soll
  • Anio­nen­reiniger, die als Ion­isatoren neg­a­tive Ionen in die Luft abgeben, was durch elek­tro­sta­tis­che Wech­sel­wirkun­gen Stäube binden und die Luft von Rauch oder Aller­ge­nen befreien soll; als uner­wün­scht­es Neben­pro­dukt tritt Ozon auf.
  • HEPA-Fil­ter (High Effi­cien­cy Par­tic­u­late Air­fil­ter): Schweb­stoff­fil­ter für fein­ste Partikel

Dazu ver­fü­gen einige Geräten über Optio­nen zur Raumbeduf­tung mith­il­fe ätherisch­er Öle. Dies ist jedoch weniger für den Arbeitss­chutz als im Sinne eines Geruchs­mar­ket­ing rel­e­vant, etwa für Verkauf­sstät­ten oder Hotellobbys.

Für den Ein­satz gegen Coro­na Viren wer­den HEPA-Fil­ter nach DIN EN 1822 emp­fohlen. Durch die Fil­terk­lassen H13 und H14 wer­den 99,95 % bzw. 99,995 % aller Par­tikel im Größen­bere­ich zwis­chen 0,1 und 0,3 Mikrom­e­tern her­aus­ge­filtert. Maßge­blich sind zudem die tech­nis­chen Leis­tungs­dat­en des Geräts wie Vol­u­men­strom und Luftwechselrate.

Kein Ersatz für Lüftungs- und Hygieneregeln

Der Vorteil mobil­er Lösun­gen zur Luftreini­gung bzw. Luftverbesserung beste­ht in der größeren Flex­i­bil­ität. Die Geräte kön­nen nach Bedarf aufgestellt wer­den, allein oder mehrfach je nach Raum­größe und ‑nutzung. Der Aufwand für bauliche Maß­nah­men ent­fällt. Vor ein­er Anschaf­fung soll­ten neben dem erzeugten Lärm­pegel auch Aufwand und Kosten für Wartung, Reini­gung, Fil­ter­wech­sel usw. berück­sichtigt wer­den. Zu beacht­en ist jedoch, dass ein mobil­er Luftreiniger im Kampf gegen Coro­na die bewährten Maß­nah­men zur Hygiene und zum Lüften nicht erset­zen kann.


Lesen Sie mehr zum The­ma „Lüften“:


Da mobile Luftreiniger und ihr poten­zieller Nutzen – in der Coro­na-Pan­demie, aber auch darüber hin­aus – derzeit in vie­len Betrieben, Unternehmen und Organ­i­sa­tion disku­tiert wer­den, sei auf einige hil­fre­iche Doku­mente aus ser­iösen Quellen hingewiesen:

Autor: Fried­helm Kring

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