Startseite » Arbeitssicherheit » Gefahrstoffe / Ex-Schutz » Asbest »

Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Asbest

STOP-Prinzip
Welche Schutzmaßnahmen eignen sich bei Tätigkeiten mit Asbest?

Schutzmaßnahmen bei Asbest
Bei Tätigkeiten mit Asbest sind Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Foto: © Pvince73 - stock.adobe.com

Der Arbeitss­chutz ken­nt eine Rang­folge für die notwendi­gen Schutz­maß­nah­men bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen. Diese fol­gt dem soge­nan­nten STOP-Prinzip. Eine Sub­sti­tu­tion von asbesthalti­gen Mate­ri­alien ist nicht vorge­se­hen, da diese aus der bewohn­ten Umwelt ent­fer­nt wer­den sollen. Deswe­gen fol­gen tech­nis­che vor organ­isatorischen und per­so­n­en­be­zo­ge­nen Schutzmaßnahmen. 

Die in diesem Beitrag beschriebe­nen Schutz­maß­nah­men bei Asbest sind vor­rangig für den pri­vat­en Anwen­der zusam­mengestellt, weshalb organ­isatorische Schutz­maß­nah­men vor­erst aus­ges­part werden.

Arbeit­ge­ber und Unternehmen, auch Einzelun­ternehmer, sind verpflichtet, die in Anhang I Nr. 2.4 Gefahrstof­fverord­nung und der TRGS 519 beschriebe­nen Anforderun­gen in vollem Umfang anzuwen­den und durchzuset­zen. Asbest ist in der Form von lun­gengängi­gen Fein­st­fasern (WHO-Fasern) kreb­saus­lösend. Daher gilt als Grund­schutz­maß­nahme die Ver­mei­dung der Erzeu­gung solch­er Fein­st­fasern. Sollte dies nicht möglich sein, muss ver­hin­dert wer­den, dass solche Fasern in die Lunge des Men­schen gelan­gen. Wenn es nicht notwendig ist, soll­ten asbesthaltige Mate­ri­alien nicht bear­beit­et oder mit ihnen hantiert werden.

Technische Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Asbest

Tech­nis­che Schutz­maß­nah­men dienen der Ver­mei­dung des Frei­w­er­dens von Asbest-Fein­st­fasern. Hierzu wer­den geeignete Indus­tri­es­taub­sauger und Luftreiniger mit zuge­lasse­nen Fil­tern zum Ent­fer­nen der Fein­st­fasern aus der Luft einge­set­zt. Die Anforderung an die hier einzuset­zen­den Geräte sind in der Anlage 7. 1und 7.2 TRGS 519 beschrieben.

Eine weit­ere Möglichkeit ist die Bindung der Fein­st­fasern an der Entste­hungsstelle durch den Ein­satz von Faserbindemit­teln oder als ein­fach­ste Möglichkeit durch benet­zen mit „entspan­ntem Wass­er“. Diese sind „druck­los“ zu vernebeln. Dafür wer­den meist Nieder­druck­spritzgeräte oder für kle­in­ste Flächen Hand­sprühgeräte ver­wen­det. Als Faserbindemit­tel wer­den han­del­sübliche Rest­faserbindemit­tel ver­wen­det. Entspan­ntes Wass­er wird durch den Zusatz von gerin­gen Men­gen han­del­süblichem Geschirrspülmit­tel in das Wass­er (etwa 5 bis10 Tropfen Spülmit­tel auf 10 Liter Wass­er) hergestellt.

Tätigkeit­en im Außenbereich

Um das Ver­schlep­pen von Asbest­fe­in­st­fasern in andere, nicht belastete Bere­iche zu ver­mei­den, sind bei Tätigkeit­en im Außen­bere­ich die Türen und Fen­ster geschlossen zu hal­ten und gegebe­nen­falls mit Folie staub­dicht abzuk­leben. Lüf­tungs- und Klim­ageräte sind abzuschal­ten und die Öff­nun­gen eben­falls staub­dicht zu ver­schließen. Der Arbeits­bere­ich ist als „Schwarzbere­ich“ zu deklar­i­eren und darf nur von den dazu berechtigten Per­so­n­en mit Schutzaus­rüs­tung betreten werden.

Tätigkeit­en in Innenräumen

Bei Arbeit­en in Innen­räu­men müssen weit­erge­hende Schutz­maß­nah­men getrof­fen wer­den. So sind alle nicht mit Asbest belasteten Flächen staub­dicht abzuschot­ten und der Zugang zum Schwarzbere­ich darf nur über eine Schleuse­nan­lage erfol­gen. Eben­so muss das Mate­r­i­al über eine Schleuse­nan­lage aus dem Schwarzbere­ich her­aus­ge­bracht wer­den. Der abgeschot­tete Bere­ich muss über eine spezielle Lüf­tungsan­lage unter Unter­druck gehal­ten wer­den, um das Aus­treten von Asbest­fe­in­st­fasern zu vermeiden.

Diese Möglichkeit­en ste­hen Pri­vat­per­so­n­en in der Regel nicht zur Ver­fü­gung, deshalb soll­ten bei der­ar­ti­gen Arbeit­en immer Fach­fir­men beauf­tragt werden.

Personenbezogene Schutzmaßnahmen

Zu den per­so­n­en­be­zo­ge­nen Schutz­maß­nah­men zählen die Bere­it­stel­lung und Benutzung per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung. Die notwendi­ge per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung beste­ht aus einem Atem­schutzgerät und einem staub­dicht­en Schutzanzug. Zudem fällt das Ein­hal­ten hygien­is­ch­er Maß­nah­men darunter. Dazu sind bei kurzzeit­i­gen Arbeit­en min­destens Waschgele­gen­heit­en mit fließend Kalt- und Warmwass­er sowie geeignete Hautreini­gungsmit­tel bere­itzustellen. Für umfan­gre­ichere Arbeit­en müssen Duschmöglichkeit­en unmit­tel­bar am Aus­gang des Schwarzbere­ich­es zur Ver­fü­gung stehen.

Atem­schutzgerät 

Eine Atem­schutz­maske sollte bei allen Arbeit­en an oder mit asbesthalti­gen Teilen als Min­i­malschutz der Atemwege ver­wen­det wer­den. Als Atem­schutzgeräte kön­nen fil­tri­erende Halb­masken der Typen FFP2 beziehungsweise FFP3 für kurzzeit­ige Tätigkeit­en bis zu max­i­mal zwei Stun­den pro Arbeit­stag ver­wen­det wer­den. Für länger­dauernde Tätigkeit­en sind Halb­masken mit Par­tikelfil­tern der Typen P2 oder P3 zwin­gend einzuset­zen. Die Bedi­en­an­leitun­gen der Her­steller für die Atem­schutzgeräte sind unbe­d­ingt zu beacht­en, ins­beson­dere die Hin­weise zum kor­rek­ten Auf- und Abset­zen sowie zum Wech­sel der Fil­ter. Der Atem­schutz soll ver­hin­dern, das Asbest­fe­in­st­fasern in die Atemwege und damit in die Lunge gelan­gen kön­nen. Deshalb gilt der Grund­satz „Vor Betreten des Schwarzbere­ich­es auf­set­zen und erst nach dem Ver­lassen wieder Absetzen“.

Staub­dichte Schutzanzüge

Als staub­dichte Schutzanzüge wer­den soge­nan­nte Ein­we­ganzüge der Schutzkat­e­gorie III Typ 5 (Par­tikeldicht) ver­wen­det. Mit diesen Schutzanzü­gen soll das Anhaften von Asbest­fe­in­st­fasern an der Arbeit­sklei­dung und damit eine Ver­schlep­pung in nicht belastete Bere­iche ver­hin­dert wer­den. Beim Benutzen der Schutzanzüge ist darauf zu acht­en, dass diese den gesamten Kör­p­er ein­schließlich des Kopfes (Haare) bedecken.

Weit­ere per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung, wie Schutzhand­schuhe, Schutzbrille und Sicher­heitss­chuhe ergeben sich aus den örtlichen Gegeben­heit­en und der Gefährdungsbeurteilung.

Veranstaltungsreihe
Veranstaltungsreihe PSA erleben
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 8
Ausgabe
8.2022
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 7
Ausgabe
7.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de