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Fußschutz-PSA

Es kommt auf die Details an
Fußschutz: Stets auf Nummer sicher gehen

Fußschutz-PSA - darauf kommt es an
Maßgeblich für die Wahl der Fußschutz-PSA ist stets das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. Foto: © breakermaximus – stock.adobe.com
Dr. Friedhelm Kring
Unsere Füße sind empfind­lich. Bar­fuß ist – außer am Strand oder im Freibad – kaum jemand unter­wegs. In vie­len Arbeits­bere­ichen kommt die Schutzwirkung des pri­vat­en Schuh­w­erks jedoch an Gren­zen und pro­fes­sioneller Fußschutz ist ange­sagt. Dann fall­en die am Arbeit­splatz zu tra­gen­den Schuhe unter Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung (PSA), das heißt sie müssen strenge nor­ma­tive Anforderun­gen erfüllen und vom Arbeit­ge­ber gestellt werden.

Bei Fußschutz-PSA wird – mit zunehmender Schutzwirkung – unter­schieden zwis­chen Beruf­ss­chuhen, Schutzschuhen und Sicher­heitss­chuhen. Jed­er Arbeitss­chuh sollte Grun­dan­forderun­gen an Rutschfes­tigkeit, Ergonomie oder Dämp­fung erfüllen, die Unter­schiede zeigen sich beim Schutz­grad, ins­beson­dere im Bere­ich der Zehen:

  • Beruf­ss­chuhe (O) nach DIN EN ISO 20347 bieten einen Basiss­chutz mit min­destens ein­er Schutz­funk­tion wie etwa Durchtrittsicher­heit, müssen aber nicht über eine Zehen­schutzkappe verfügen.
  • Schutzschuhe ℗ nach DIN EN ISO 20346 müssen eine Zehen­schutzkappe für mit­tlere Belas­tun­gen aufweisen.
  • Sicher­heitss­chuhe (S) nach DIN EN ISO 20345 sind stets mit ein­er Zehen­schutzkappe für starke Belas­tun­gen ausgestattet.

Diese drei Typen von Fußschutz-PSA lassen sich anhand ihres Kennbuch­stabens iden­ti­fizieren. Die auf den Buch­staben fol­gende Zif­fer informiert über weit­ere Eigen­schaften, zum Beispiel ob der Schuh aus Led­er oder Ähn­lichem gefer­tigt ist oder voll­ständig geformt bzw. vulka­nisiert und somit für Nass­bere­iche geeignet ist. Dazu kommt eine Unter­schei­dung je nach Schuh­form in Schuhe (Klasse I) und Stiefel (Klasse II). Die genaue Auf­schlüs­selung dieser Kennze­ich­nungskom­bi­na­tio­nen je nach Schuhtyp und Schuhkat­e­gorie erläutert die DGUV Regel 112–991 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“.

Auswahl der Fußschutz-PSA gemäß Gefährdungsbeurteilung

Maßge­blich für die Wahl der Fußschutz-PSA ist stets das Ergeb­nis der Gefährdungs­beurteilung. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, Fußschutz sei nur auf Baustellen oder in der Nähe schw­er­er Maschi­nen notwendig und sin­nvoll. So berichtet zum Beispiel die Beruf­sgenossen­schaft Nahrungsmit­tel und Gast­gewerbe (BGN) von Fällen, bei denen Beschäftigte von Bäck­ereien sich durch Brezel­lauge, Rauch­harzent­fern­er oder Back­ofen­reiniger ihre Füße verätzt haben, weil ungeeignete Schuhe getra­gen wur­den. Schaut man genauer hin, gibt es an vie­len Arbeit­splätzen Risiken für Fußver­let­zun­gen. Diese sind stets anhand der konkreten Tätigkeit­en und der Arbeit­sumge­bung vor Ort zu ermit­teln. Daraus ergibt sich dann, vor welchen Gefährdun­gen der Schuh schützen soll, zum Beispiel vor:

  • Feuchtigkeit und Nässe
  • Kälte oder Hitze
  • Treten in spitze oder scharfe Gegenstände
  • Umknick­en
  • Schnit­ten oder gar Kettensägen
  • Ölen, Kraft­stof­fen und anderen Chemikalien
  • unkon­trol­lierten elek­tro­sta­tis­chen Effekten
  • Kon­tak­twärme, Flam­men oder Schweiß-funken

Wie für jede andere gilt auch für Fußschutz-PSA, dass der Arbeit­ge­ber den Fußschutz kosten­los zur Ver­fü­gung stellen muss. Räume oder Arbeits­bere­iche, in denen ein Fußschutz zu tra­gen ist, wer­den mit dem Gebot­sze­ichen M008 „Fußschutz benutzen“ gekennze­ich­net. Fußschutz-PSA einkaufen, das Tra­gen anord­nen und Schilder aufhän­gen allein genügt jedoch nicht. Der Arbeit­ge­ber muss auch über­prüfen, inwiefern ein Tragege­bot einge­hal­ten wird.


Praxistipp zu Fußschutz-PSA

Welch­es Maß an Fußschutz an welchem Arbeit­splatz erforder­lich ist, ist nicht immer ganz leicht einzuschätzen. Hil­fre­ich für die Prax­is ist eine mehr­seit­ige Bespiel­samm­lung aus der DGUV Regel zum Fußschutz. Basierend auf den Erfahrun­gen aus dem Unfallgeschehen über viele Jahre wer­den hier Schutzkat­e­gorien für typ­is­che Tätigkeit­en empfohlen.


Akzeptanz von Fußschutz-PSA

Im Ver­gle­ich zu ander­er PSA ist die Ein­sicht in die Notwendigkeit von Fußschutz und damit die Trageakzep­tanz bei Berufs‑, Schutz- und Sicher­heitss­chuhen eher hoch. Den­noch kann es zu Missver­ständ­nis­sen kom­men, aus denen sich ver­mei­d­bare Gefährdun­gen ergeben. Zu diesen Fall­strick­en gehören die fol­gen­den Situationen:

  1. Auch wenn – wie es in Klein­be­trieben vorkom­men kann – ein Mitar­beit­er sich selb­st um die Beschaf­fung seines Fußschutzes küm­mert, darf dies nur auf Grund­lage ein­er Gefährdungs­beurteilung erfol­gen. Denn Fußschutz ist nicht gle­ich Fußschutz. Es sollte nicht der Fall sein, dass sich ein Beschäftigter nach Belieben, etwa am Wühltisch eines Bau­mark­ts, Arbeitss­chuhe besorgt, ohne dass deren Ein­satz mit seinem Vorge­set­zten und den Sicher­heitsver­ant­wortlichen des Betriebs abges­timmt ist.
  2. Hat die Gefährdungs­beurteilung ergeben, dass in einem Arbeits­bere­ich, etwa ein­er Werk­statt oder Pro­duk­tion­shalle, ein Risiko für Fußver­let­zun­gen beste­ht und der Arbeit­ge­ber das Tra­gen eines Fußschutzes in diesem Bere­ich ange­ord­net, so gilt dies für sämtliche Mitar­bei­t­ende. Es sind im Arbeitss­chutzrecht keine Son­der­regelun­gen oder Aus­nah­men vorge­se­hen für Per­so­n­en, die im Bere­ich eines PSA-Tragege­bots nicht regelmäßig arbeit­en und lediglich als „Besuchende“ ab und zu mal diesen Bere­ich betreten. Das heißt, auch wenn jemand aus der Ver­wal­tung „nur mal eben“ die Werk­statt auf­sucht oder durch die Halle läuft, muss der­jenige den vorgeschriebe­nen Fußschutz verwenden.
  3. Bei exter­nen Besuchen­den kommt die Verkehrssicherungspflicht des Arbeit­ge­bers hinzu. Im Rah­men seines Haus­rechts kann er zum Beispiel fes­tle­gen, ob oder unter welchen Bedin­gun­gen Besuchende einen Arbeits­bere­ich betreten dür­fen und gegebe­nen­falls Sicher­heit­süberziehschuhe bere­it­stellen. Auch vor dem Ein­satz von Fremd­fir­men auf dem eige­nen Betrieb­s­gelände sind etwaige Tragege­bote für Fußschutz gemein­sam zu klären.

Kennbuchstaben für spezielle Schutzeigenschaften

Je nach Tätigkeit und Arbeit­sumge­bung – ob Handw­erk, Gas­tronomie oder Gesund­heitswe­sen – kann sich in der Gefährdungs­beurteilung her­ausstellen, dass ein Schuh neben beispiel­sweise Zehen­schutz und Rutschfes­tigkeit weit­ere spezielle Eigen­schaften erfüllen muss. Diese beson­deren Schutzeigen­schaften wer­den durch Kennbuch­staben abgekürzt. Sie lassen sich leichter merken, wenn man um ihre Herkun­ft aus dem Englis­chen weiß. Die Tabelle auf Seite 40 erläutert die häu­fig­sten Kürzel.

Das zeichnet einen hochwertigen Fußschutz aus

Unab­hängig von den erforder­lichen Schutzeigen­schaften sind beim Auswählen von Schuhen, die bei der Arbeit getra­gen wer­den, weit­ere Aspek­te zu beacht­en. Hochw­er­tige Fußschutz-PSA zeich­net sich durch die fol­gen­den Kri­te­rien aus:

  • Rutschfes­tigkeit
  • Dämp­fung
  • anatomis­ches Fuß­bett und Passform
  • feste, aber gepol­sterte Fersenkappe
  • vorn und hin­ten geschlossene Form
  • atmungsak­tive Materialien
  • geruchshem­mende Ausrüstung

Das Kri­teri­um Gewicht hat an Bedeu­tung ver­loren. Die heuti­gen Schuhkollek­tio­nen nutzen eine Vielfalt an Mate­ri­alien und haben mit den klo­bi­gen und schw­eren Tretern früher­er Zeit­en nicht mehr viel gemein­sam. Viele Sicher­heitss­chuhe sind auch in Sachen Optik und Far­bge­bung sehr ansprechend und kaum von Freizeitschuhen zu unter­schei­den. Es sind sog­ar spezielle Mod­elle erhältlich, die sich ohne modis­che Ein­bußen zu einem Busi­ness-Out­fit tra­gen lassen und den­noch höch­ste Sicher­heit­san­forderun­gen erfüllen.

Verpflichtende Kennzeichnungen

Bei der Beschaf­fung von Fußschutz ist wichtig zu wis­sen, dass Berufs‑, Schutz- und Sicher­heitss­chuhe vom Her­steller mit den fol­gen­den Angaben verse­hen sein müssen:

  • CE-Kennze­ich­nung
  • die zutr­e­f­fende Norm
  • Schuh­größe und ‑typ
  • Her­steller
  • Her­stel­lungs­da­tum
  • Kürzel der entsprechen­den Schutzfunktion

Zu jedem Schuh sollte eine Gebrauch­san­leitung beiliegen, welche die Sym­bole und Leis­tungsstufen erläutert und auch Hin­weise zur Pflege und Lagerung der Schuhe gibt.

Schweißfüße in Schutzschuhen vermeiden

Schwitzen ist nor­mal und keineswegs unge­sund. Im Gegen­teil, der Kör­p­er muss bei Belas­tung Wärme abführen und auf den Fuß­sohlen befind­en sich mehr Schweiß­drüsen als in den Achsel­höhlen. Ein uner­wün­schter Neben­ef­fekt ist, dass Dauer­feuchte zu Blasen führen kann. Dazu kommt, dass die Bak­te­rien, die sich in einem feucht­war­men Schuh ansiedeln, den Schweiß zu unan­genehm riechen­den Sub­stanzen zer­set­zen. Die Angst vor dem Käse­füße-Effekt und müf­fel­n­dem Schuh­w­erk darf jedoch nicht dazu führen, dass Tragege­bote unter­laufen wer­den. Führende Schuh­her­steller empfehlen daher:

  • Füße täglich und gründlich reinigen.
  • Strümpfe oder Sock­en täglich wechseln.
  • Schuhe aus­trock­nen lassen und mit einem zweit­en Paar Schuhe abwechseln.
  • Atmungsak­tive Schuhe ver­wen­den und diese – das wird leicht vergessen – regelmäßig von Schmutz befreien, um die Atmungs­funk­tion zu erhalten.
  • Antimikro­bielle Sprays benutzen.
  • Nicht mehr Schuh als nötig, das heißt prüfen, ob zum Beispiel in trock­e­nen Arbeits­bere­ichen auf Sicher­heitssan­dalen gewech­selt wer­den kann.

Es ist nicht zwin­gend vorgeschrieben, wie viele Paar Sicher­heitss­chuhe der Arbeit­ge­ber jedem Beschäftigten bere­it­stellen muss. Es dürfte jedoch eine lohnende Investi­tion sein, Mitar­beit­ern, die häu­fig oder dauer­haft Fußschutz tra­gen müssen, ein zweites Paar zum Wech­seln zur Ver­fü­gung zu stellen.

Fußschutz auch bei Fußfehlstellungen

Jede Verän­derung an einem Schuh kann sich auf dessen sicher­heit­stech­nis­che Kri­te­rien auswirken. Dies wird rel­e­vant, wenn Mitar­beit­er mit Fußprob­le­men oder Fehlstel­lun­gen wie Knick‑, Senk‑, Spreiz‑, Platt- oder Spitz­fuß nicht mit den Stan­dard­mod­ellen zurechtkom­men. Oft wer­den dann spezielle Ein­la­gen notwendig, oder der Schuh muss „zugerichtet“, das heißt indi­vidu­ell angepasst wer­den. Der Fach­bere­ich PSA der DGUV gibt für solche Fälle strenge Regeln vor.

  • Orthopädis­ch­er Fußschutz bedarf ein­er EU-Bau­muster­prüf­bescheini­gung und ein­er EU-Konformitätsbewertung.
  • Es gibt keine uni­versell ver­wend­baren Ein­la­gen. Jede orthopädis­che Ein­lage muss mit dem jew­eili­gen Sicher­heitss­chuh gemein­sam als Gesamt­pro­dukt geprüft und zer­ti­fiziert sein.
  • Orthopädis­che Zurich­tun­gen wie Absatz‑, Sohlen- und Sohlen­ran­der­höhun­gen dür­fen nur durch einen entsprechend qual­i­fizierten Fach­be­trieb, i. d. R. einen Orthopädi­eschuh­mach­er, vorgenom­men werden.

Für orthopädisch angepassten Fußschutz oder orthopädis­che Ein­la­gen gel­ten beson­dere Regelun­gen der Kostenüber­nahme (s. Link im Kas­ten oben).

Knieschoner beugen Gelenk- und Knorpelschäden vor

Dem Fußschutz zuge­ord­net wird auch der Kni­eschutz. Kni­eschon­er schützen vor Über­las­tun­gen und Fehlbe­las­tun­gen, wenn im Knien gear­beit­et wer­den muss. Das bet­rifft viele Tätigkeit­en von Garten- und Land­schafts­bauern, aber auch boden­na­he Arbeit­en im Innenaus­bau, z. B. beim Ver­legen von Estrich, Fliesen oder Par­kett. Ein Kni­eschon­er wird entwed­er um das Hosen­bein gebun­den oder in spezielle Taschen ein­er Arbeit­shose einge­set­zt. In bei­den Fällen wer­den die auf das ungeschützte Knie las­ten­den Kräfte verteilt und die Gelenke geschont. Auch Kni­eschon­er zählen zur PSA, das heißt sie sind vom Arbeit­ge­ber zu stellen.


Nützliche Links zu Fußschutz-PSA


Dr. Friedhelm Kring
Dr. Fried­helm Kring; © Foto: privat

 Autor:
Dr. Fried­helm Kring
Redak­tions­büro BIOnline

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