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Corona-Impfung und Multipler Sklerose

Empfehlung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und des Kompetenznetzes Multiple Sklerose
Corona-Impfung und Multiple Sklerose

Eine Multiple Sklerose (MS) stellt grundsätzlich keine Kontraindikation für Impfungen dar. Foto: © Wolfilser - stock.adobe.com
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Mehrere Impf­stoffe sind mit­tler­weile zur Bekämp­fung von Covid-19 zuge­lassen wor­den. Was bei ein­er Coro­na-Imp­fung während ein­er Mul­ti­pler-Sklerose-Ther­a­pie zu beacht­en ist, hat die Deutsche Mul­ti­ple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bun­desver­band e.V. in Zusam­me­nar­beit mit dem Krankheits­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­znetz Mul­ti­ple Sklerose (KKNMS) zusammengefasst.

Impfungen bei Multiple Sklerose grundsätzlich möglich

Eine Mul­ti­ple Sklerose (MS) stellt grund­sät­zlich keine Kon­traindika­tion für Imp­fun­gen dar. Imp­fun­gen lösen keine MS aus und eine Auswirkung auf die Krankheit­sak­tiv­ität ist unwahrschein­lich. Durch Imp­fun­gen ver­mei­d­bare Infek­tio­nen kön­nen ein­er­seits schw­er­wiegende Erkrankun­gen verur­sachen, ander­er­seits bei MS-Erkrank­ten Schübe aus­lösen und zur Krankheitsver­schlechterung beitra­gen. Dieses Risiko ist höher einzuschätzen als poten­zielle Risiken durch Imp­fun­gen. An MS Erkrank­te soll­ten daher entsprechend den all­ge­meinen von der Ständi­gen Impfkom­mis­sion (STIKO) des Robert Koch-Insti­tuts (RKI) emp­fohle­nen Imp­fun­gen im Erwach­se­nenal­ter geimpft werden.

Impfungen mit Totimpfstoffen

Grund­sät­zlich sollte man sich nur impfen lassen, wenn man sich selb­st wohl fühlt und nicht erste Symp­tome ein­er Erkäl­tung bemerkt. Zu Imp­fun­gen mit Totimpf­stof­fen bei MS-Erkrank­ten wur­den in den let­zten Jahren viele Dat­en veröf­fentlich. Die Wahrschein­lichkeit, dass eine Imp­fung mit Totimpf­stoff einen Schub aus­lösen kön­nte, ist dem­nach ger­ing. Auch das Auftreten ein­er MS oder ein­er anderen Autoim­munerkrankung nach ein­er Imp­fung kon­nte durch eine umfan­gre­iche Unter­suchung nicht bestätigt werden.

Impfungen mit Lebendvirus-Impfstoffen

Imp­fun­gen mit Lebend­virus-Impf­stof­fen wer­den etwas kri­tis­ch­er beurteilt, da sie eine stärkere Immunreak­tion her­vor­rufen. Den­noch beste­ht auch hier keine absolute Gege­nanzeige. Im Einzelfall muss immer abgeschätzt wer­den, welch­es Risiko die Krankheit in sich birgt, vor der die Imp­fung schützen soll und welch­es Risiko die Imp­fung. Wir wis­sen, dass nach Infek­ten, dass Schubrisiko erhöht ist. Im Ver­gle­ich dazu ist das Schubrisiko nach ein­er Imp­fung sehr gering.

Da die Covid-19 Infek­tion in zehn Prozent der Fälle einen schw­eren Ver­lauf nimmt und der Fall-Ver­stor­be­nen-Anteil in Deutsch­land zwis­chen zwei und drei Prozent liegt (vgl. RKI), empfehlen DMSG und KKNMS MS-Erkrank­ten nach heutigem Stand, sich und andere durch die Imp­fung zu schützen. 

Zudem kön­nen auch nach ein­er mild ver­laufend­en Infek­tion lan­gan­hal­tende Symp­tome (Long Covid), wie Geschmacksstörun­gen und, für MS Erkrank­te beson­ders beein­trächti­gend, chro­nis­che Müdigkeit, Fatigue und Depres­sio­nen beste­hen (vgl. RKI).

MS-Erkrankte: Priorisierungsstufe 3, in Einzelfällen auch Priorisierungsstufe 2

Nach der Coro­n­avirus-Impfverord­nung des Bun­desmin­is­teri­ums für Gesund­heit (BMG) vom 15. Dezem­ber 2020 sind MS-Erkrank­te per se in der Pri­or­isierungsstufe 3 (vgl. §4 Schutz­imp­fun­gen mit erhöhter Pri­or­ität, Zif­fer 2) berück­sichtigt. In Einzelfällen kann über die Zuge­hörigkeit zur Pri­or­isierungsstufe 2 (vgl. §3 Schutz­imp­fun­gen mit hoher Pri­or­ität, Zif­fer 2 und aktuelle STIKO-Empfehlun­gen zur COVID-19-Imp­fung „Hin­weise zur prak­tis­chen Umset­zung“) entsch­ieden werden.

Um einen Anspruch auf vor­rangige Imp­fung nach­weisen zu kön­nen, ist für die Zuge­hörigkeit zu den Pri­or­isierungs­grup­pen 2 und 3 eine ärztliche Bescheinigung/Attest erforder­lich. Hier reicht nach Auskun­ft des BMG und der Kassenärztlichen Bun­desvere­ini­gung eine form­lose Bescheini­gung über das Beste­hen ein­er entsprechen­den Erkrankung im Sinne des Para­grafen x Zif­fer y der Coro­n­avirus-Impfverord­nung aus. Bei MS-Erkrank­ten, die auf­grund Ihres Alters bere­its zu den Pri­or­isierungs­grup­pen 2 (ab 70 Jahren) und 3 (ab 60 Jahren) gehören, reicht als Nach­weis die Vor­lage des Personalausweises.

Impfung gegen Coronavirus und Immuntherapien der MS

Grund­sät­zlich ist eine Imp­fung gegen das neuar­tige Coro­n­avirus (SARS CoV 2) zu empfehlen. Für Imp­fun­gen unter Immunther­a­pi­en der MS sind allerd­ings einige Hin­weise zu berück­sichti­gen. Bei eini­gen Immunther­a­pi­en gibt es Hin­weise auf ein ver­min­dertes Ansprechen. Die Daten­lage hierzu ist begren­zt. So liegen zu einem möglichen Ein­satz der Covid-19-Impf­stoffe bei Per­so­n­en mit Autoim­munerkrankun­gen und/oder immun­mod­ulieren­den/-sup­prim­ieren­den Ther­a­pi­en keine Daten/Erkenntnisse aus den Zulas­sungsstu­di­en vor.

Die genan­nte Ein­schätzung beruht auf dem Wis­sen über die Wirk­mech­a­nis­men der MS-Ther­a­pi­en sowie der Wirk­samkeit von Covid-19 unab­hängi­gen Impf­stof­fen bei MS. Die fehlende Daten­ba­sis lässt auch keine Empfehlung für einen bes­timmten der Impf­stoffe bzw. vor­rangig für ein Impf­stoff-Konzept zu. Aktuelle Erfahrun­gen aus Israel mit 500 MS-Patien­ten, die den mRNA- Impf­stoff von bion­tech erhal­ten haben, zum Teil auch schon die zweite Imp­fung, haben bish­er keine uner­warteten Neben­wirkun­gen oder Aktivierung der MS gezeigt (Ach­i­ron A., She­ba Med­ical Cen­ter, per­sön­liche Mit­teilung). Wir eracht­en allerd­ings das Risiko, derzeit schw­er­er an Covid-19 zu erkranken, und in Folge auch eine mögliche Ver­schlechterung der MS zu erfahren, als sehr viel höher ein.

Da die Imp­fun­gen erst im Dezem­ber 2020 mit den ersten ver­füg­baren Impf­stof­fen begonnen haben, liegen aktuell keine Dat­en zu Imp­fant­worten auf die Coro­na-Imp­fung unter den ver­schiede­nen Immunther­a­pi­en vor. Den­noch kann der Impfer­folg auf­grund der bish­eri­gen Erfahrun­gen mit anderen Impf­stof­fen (z.B. der Grippeimpf­stoffe) mit hoher Wahrschein­lichkeit auf die Coro­na-Impf­stoffe über­tra­gen werden.

Für eine Imp­fung sollte eine MS-Ther­a­pie nicht unter­brochen wer­den, da die Auswirkun­gen der Unter­brechung auf die MS höher einzuschätzen sind als eine geminderte Immu­nant­wort durch die MS-Therapie.

Quel­lenangaben sowie weit­ere Infor­ma­tio­nen zu MS-Medika­menten und den bere­its vor­liegen­den Erfahrun­gen in Bezug auf Imp­fun­gen find­en Sie hier.

Weit­ere Infos find­en Sie regelmäßig aktu­al­isiert auf www.dmsg.de

 

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