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Symptomlose Corona-Infektionen: Meldepflichtiger Versicherungsfall?

Infektion immer im Verbandbuch dokumentieren
Symptomlose Corona-Infektionen: Meldepflichtiger Versicherungsfall?

Foto: © Fabio Balbi - stock.adobe.com

Aktuell erre­ichen die Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lka­ssen ver­mehrt Fra­gen, ob Infek­tio­nen mit dem Coro­n­avirus SARS-CoV­‑2 meldepflichtige Arbeit­sun­fälle oder Beruf­skrankheit­en sind. Dies meldet die Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung (DGUV) und nimmt dazu Stellung.

Bei ein­er Erkrankung an COVID-19 kann es sich um einen Arbeits-/Schu­lun­fall oder eine Beruf­skrankheit (BK) han­deln. Sind Beschäftigte erkrankt und gibt es Anhalt­spunk­te dafür, dass sie sich bei der Arbeit infiziert haben, soll­ten sie ihren Arbeit­ge­ber oder ihre Arbeit­ge­berin informieren. Arbeit­gebende, Krankenkassen sowie Ärztin­nen und Ärzte müssen COVID-19-Fälle der Beruf­sgenossen­schaft oder Unfal­lka­sse unter fol­gen­den Voraus­set­zun­gen melden:

  • der oder die Ver­sicherte ist an COVID-19 erkrankt
  • eine Infek­tion mit SARS-CoV­‑2 ist nachgewiesen
  • bei der Arbeit oder in der Schule kam es zu einem inten­siv­en Kon­takt mit ein­er infizierten Per­son oder einem größeren Infektionsausbruch
  • Bei Beschäftigten im Gesund­heitswe­sen, in der Wohlfahrt­spflege und in Laboren ist eine Beruf­skrankheit anzuzeigen. Hier­für stellen die Unfal­lver­sicherungsträger und die DGUV ein eigenes For­mu­lar zur Verfügung.
  • Bei Beschäftigten in anderen Branchen kann eine Erkrankung an COVID-19 ein Arbeit­sun­fall sein. Meldepflichtig ist dieser, wenn die Erkrankung zu ein­er Arbeit­sun­fähigkeit von min­destens drei Tagen oder zum Tode geführt hat.

Übri­gens: Auch Ver­sicherte kön­nen einen Arbeit­sun­fall oder eine Beruf­skrankheit form­los anzeigen. Dies sollte dann geschehen, wenn sie Anlass haben anzunehmen, dass die Infek­tion bei der Arbeit geschehen ist (zum Beispiel bei einem engen Kon­takt mit ein­er infizierten Per­son) und wenn der Arzt oder die Ärztin nicht nur eine Infek­tion mit dem Coro­n­avirus, son­dern auch die Erkrankung COVID-19 diag­nos­tiziert hat.


Was aber, wenn die Infektion mit dem Coronavirus zunächst symptomlos oder milde verläuft?

Wie auch son­st bei leicht­en Unfällen oder Erkrankun­gen gilt in diesem Fall die Empfehlung: Alle Tat­sachen, die mit der Infek­tion zusam­men­hän­gen, soll­ten im Ver­band­buch des Unternehmens oder der Ein­rich­tung doku­men­tiert wer­den. Kommt es nach einiger Zeit doch noch zu ein­er schw­eren Erkrankung, helfen diese Dat­en der Unfal­lka­sse oder Beruf­sgenossen­schaft bei ihren Ermit­tlun­gen. Eine spätere Mel­dung ste­ht der Anerken­nung als Arbeit­sun­fall oder Beruf­skrankheit nicht entgegen.

Covid-19 kann auch ein Schülerunfall sein

Der Schutz der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung erstreckt sich auch auf Schü­lerin­nen und Schüler, Kinder in Tages­be­treu­ung und Studierende. Eine Erkrankung an COVID-19 kann für diese Ver­sicherten als Schülerun­fall gew­ertet wer­den. Meldepflicht für die Ein­rich­tung sowie die behan­del­nden Ärzte beste­ht hier, wenn eine ärztliche Behand­lung ein­geleit­et wurde.

Erhal­ten die Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung eine Unfallmel­dung oder BK-Ver­dacht­sanzeige, klären sie automa­tisch selb­st, ob es sich um einen Ver­sicherungs­fall han­delt. Weit­ere Anträge müssen nicht gestellt wer­den. Welche Infor­ma­tio­nen im Fall von COVID-19 eine Rolle spie­len, kann hier nachge­le­sen werden.

Kommt es zu ein­er hohen Zahl von Infek­tio­nen sollte der Präven­tions­di­enst der Beruf­sgenossen­schaft oder Unfal­lka­sse auch dann eingeschal­tet wer­den, wenn alle Infek­tio­nen symp­tom­los ver­laufen. Die Unfal­lver­sicherungsträger ermit­teln dann, ob die Arbeits­be­din­gun­gen bei der Ver­bre­itung des Virus möglicher­weise eine Rolle gespielt haben. Sie geben auf dieser Grund­lage Hin­weise, wie Betriebe und Ein­rich­tun­gen weit­ere Infek­tio­nen ver­hüten können.

Das Verbandbuch

Unternehmen und Ein­rich­tun­gen müssen Anlässe, bei denen Erste Hil­fe geleis­tet wurde, aufze­ich­nen. Dazu verpflichtet sie das Regel­w­erk der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung. Bei nicht meldepflichti­gen Unfällen oder Erkrankun­gen helfen diese Aufze­ich­nun­gen, falls wider Erwarten Spät­fol­gen auftreten. Die Dat­en sind in einem so genan­nten Ver­band­buch zu sam­meln und fünf Jahre aufzube­wahren. Es ist nicht fest­gelegt, wer die Dat­en zu ver­wal­ten hat. Er oder sie muss sie aber vor dem Zugriff durch unbefugte Dritte schützen.


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