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Gesund blei­ben trotz Steh­ar­beits­platz

Stehen lernen
Gesund blei­ben trotz Steh­ar­beits­platz

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Rich­ti­ges Stehen kann man lernen. Arbeit­ge­ber und Vorge­setzte soll­ten ihre Mitar­bei­ter dazu moti­vie­ren und selber als Vorbild dienen. Die Sozi­al­ver­si­che­rung für Land­wirt­schaft, Fors­ten und Garten­bau (SVLFG) gibt Tipps, die rich­ti­ges Stehen erleich­tern.

Petra Stemmler-Richter (SVLFG)

An Sortier­an­la­gen, im Verkauf, an Markt­stän­den oder bei Tätig­kei­ten im Versand müssen Männer und Frauen den Arbeits­tag im wahrs­ten Sinne des Wortes durch­ste­hen. Auf Dauer können dabei Wirbel­säule, Gelenke und Sehnen, Venen und Musku­la­tur Scha­den nehmen. Denn die Muskeln verkramp­fen und ihre Durch­blu­tung nimmt ab, der Druck in den Blut­ge­fä­ßen steigt.

Harte, kalte Böden, zum Beispiel aus Beton oder Stein­flie­sen, verstär­ken die Belas­tung. Viele Betrof­fene erkran­ken an Krampf­adern oder leiden unter Schmer­zen in den Knien oder im Rücken. Stun­den­lan­ges Stehen auf harten Böden über­las­tet außer­dem die natür­li­che Elas­ti­zi­tät des Fußes. In der Folge kann es zu schmerz­haf­ten Fehl­stel­lun­gen (Senk‑, Platt- oder Spreiz­fuß) kommen.

Gesun­der Wech­sel

Egal, ob im Beruf oder in der Frei­zeit: Ideal ist es, häufig zwischen Sitzen, Stehen und Laufen zu wech­seln. Niemand sollte länger stehen, als es die Aufgabe erfor­dert. Außer­dem haben die Körper­hal­tung und die Ausge­stal­tung des Steh­ar­beits­plat­zes einen großen Einfluss auf die Rücken­ge­sund­heit.

Wenn Sie eine Aufgabe im Stehen ausfüh­ren, ist folgende Grund­po­si­tion rich­tig:

  • Die Füße stehen hüft­breit ausein­an­der oder in Schritt­stel­lung.
  • Belas­ten Sie beide Füße gleich­mä­ßig und vermei­den Sie eine Gewichts­ver­la­ge­rung auf nur ein Bein.
  • Die Knie leicht beugen.
  • Kopf und Rücken gerade halten.
  • Die Schul­tern hängen locker nach unten, so als würde man sie in die hinte­ren Hosen­ta­schen stecken wollen.
  • Wech­seln Sie häufi­ger die Posi­tion, und bewe­gen Sie sich hin und her oder gehen Sie ein paar Schritte.

Theken­stand statt Einkni­cken

Wer lange unbe­weg­lich steht, knickt oft auto­ma­tisch mit einem Bein ein, die Musku­la­tur verkrampft und die Band­schei­ben werden über­las­tet. Beim „Theken­stand“ kommt Bewe­gung in die Sache. Stel­len Sie dafür immer abwech­selnd einen Fuß etwas höher auf einem Gegen­stand ab. Geeig­net dazu sind zum Beispiel eine Kiste oder ein Stück Holz­bal­ken. In den Pausen können Sie ruhig einmal die Füße hoch­le­gen. So entlas­ten Sie neben Muskeln und Gelen­ken vor allem auch die Venen und wirken Wasser­ein­la­ge­run­gen in den Beinen entge­gen. Kurze Pausen, etwa zwischen zwei Arbeits­schrit­ten, eignen sich zudem für Ausgleichs­übun­gen. In der Frei­zeit sorgen zum Beispiel Joggen, Fahr­rad­fah­ren, Wandern, Schwim­men und Gymnas­tik für einen gesun­den Ausgleich.

Arbeit­ge­ber gefragt

Wenn es darum geht, Arbeits­plätze zu opti­mie­ren, ist der Arbeit­ge­ber gefragt. Die Mitar­bei­ter soll­ten grund­sätz­lich verschie­dene Tätig­kei­ten in unter­schied­li­cher Haltung ausüben, zwischen denen sie wech­seln können. Oft ist eine Kombi­na­tion von Sitz- und Steh­ar­beits­platz auch bei ein und dersel­ben Tätig­keit möglich.

Wich­tig ist zudem, dass Vorge­setzte in der Beleg­schaft kommu­ni­zie­ren, dass ein Wech­sel der Arbeits­hal­tung erwünscht ist. Hart­nä­ckig hält sich der Glaube, dass Sitzende den Anschein erwe­cken, nicht zu arbei­ten. Es ist Aufgabe des Arbeit­ge­bers, dieser Fehl­in­ter­pre­ta­tion entge­gen­zu­wir­ken.

Gerade im Verkauf ist konti­nu­ier­li­che Präsenz des Perso­nals gefragt. Wer sitzt, wird hier womög­lich über­se­hen. Abhilfe schaf­fen können schon einfa­che Steh­hil­fen. Sie redu­zie­ren die Belas­tung auf Beine und Füße um bis zu 60 Prozent. Steh­hil­fen sind schmal, sehr dezent und lassen sich einfach trans­por­tie­ren, sodass sie auch auf Markt­stän­den gut einsetz­bar sind. Elas­ti­sche Boden­mat­ten am Steh­ar­beits­platz verrin­gern die Ermü­dung, entlas­ten Gelenke und Rücken und dämmen aufstei­gende Kälte (siehe Praxis­bei­spiel).

Passen­des Schuh­werk

Schlecht sitzende Arbeits­schuhe belas­ten die Rücken­mus­ku­la­tur, denn die Muskeln begin­nen in den Füßen und ziehen sich über Rücken und Nacken zum Kopf. Verspan­nun­gen und andere Beschwer­den sind die Folge.

Beson­ders wich­tig ist, dass Fußlänge und ‑breite passen. Inzwi­schen gibt es auch sehr schmale oder extra breite Modelle. Die Lauf­sohle muss Stöße abfe­dern und ein natür­li­ches Abrol­len des Fußes beim Laufen begüns­ti­gen. Wer auch in hoch­wer­ti­gen Arbeits­schu­hen Probleme beim Stehen hat, leidet womög­lich unter einer Fußfehl­stel­lung. Ein Besuch beim Ortho­pä­den schafft Klar­heit, ob medi­zi­ni­sche Einla­gen notwen­dig sind.

Wann zum Arzt?

Klagen Mitar­bei­ter über schmer­zende und geschwol­lene Füße, schmer­zende Waden, zuckende Bein­mus­ku­la­tur – beson­ders in der Nacht – über Krampf­adern in den Beinen, Rücken­schmer­zen, insbe­son­dere im unte­ren Bereich, oder über häufige Kopf­schmer­zen, dann sind das Warn­si­gnale. Spre­chen Sie die betref­fende Person darauf an. Über­le­gen Sie gemein­sam, wie der Arbeits­ab­lauf oder der Arbeits­platz ergo­no­misch verbes­sert werden kann. Empfeh­len Sie dem Mitar­bei­ter gege­be­nen­falls auch, einen Arzt aufzu­su­chen, um medi­zi­ni­sche Frage­stel­lun­gen zu klären.


So helfen Kompres­si­ons­strümpfe

Wer viel Zeit im Stehen verbringt, schwächt auf Dauer seine Venen. Einfa­che, unauf­fäl­lige Übun­gen unter­stüt­zen die Venen­pumpe, die das Blut vom Herzen zu den Beinen und wieder zurück beför­dert.

Wippen Sie zum Beispiel auf den Fußbal­len, Rollen Sie von den Fußbal­len zur Ferse und wieder zurück. Egal, ob Mann oder Frau – wer trotz­dem unter müden, schwe­ren oder geschwol­le­nen Beiden leidet, sollte von seinem Arzt abklä­ren lassen, ob ihm Kompres­si­ons­strümpfe helfen können.

Die fein­ma­schi­gen Strümpfe werden indi­vi­du­ell ange­passt und pres­sen die Venen in den Beinen zusam­men. Das Blut fließt dadurch leich­ter zurück in Rich­tung Herz. Weni­ger Flüs­sig­keit sinkt in die Beine ab. Sie schwel­len deshalb im Lauf des Tages nicht mehr so stark an.

Die Herstel­ler bieten inzwi­schen Strümpfe in modi­schen Farben und spezi­elle Modelle für Männer an, die wie Sport­strümpfe ausse­hen.


Link-Tipps

  • Die Sozi­al­ver­si­che­rung für Land­wirt­schaft, Fors­ten und Garten­bau (SVLFG) bietet ein Poster mit den genann­ten und weite­ren Übungs­vor­schlä­gen zum kosten­lo­sen Down­load unter www.svlfg.de Präven­tion Fach­in­for­ma­tio­nen von A – Z Rücken­ge­sund­heit Weitere Leis­tun­gen Medien Plakate.
  • Tipps zum Kauf von Sicher­heits­schu­hen gibt die SVLFG unter www.svlfg.de Präven­tion Fach­in­for­ma­tio­nen von
    A – Z Sicher­heits­schuhe

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Unter­neh­mer Andreas Hassel­berg an der Topf­ma­schine mit Anti-Ermüdungsmatte.
Foto: SVLFG

Praxis­bei­spiel aus dem Garten­bau

Weich, rutsch­fest und warm

Im Garten­bau­be­trieb Hassel­berg am Nieder­rhein werden seit Jahren gute Erfah­run­gen mit Steh­hil­fen gemacht. Zusätz­lich hat Unter­neh­mer Andreas Hassel­berg die Arbeits­plätze an der Topf­ma­schine mit Anti-Ermüdungsmatten ausge­stat­tet. „Unser Motto heißt: Stän­di­ges Opti­mie­ren. Als Fami­li­en­be­trieb mit drei festen Mitar­bei­tern und weite­ren Saison­ar­beits­kräf­ten sind wir sehr daran inter­es­siert, allen die Arbeit so leicht wie möglich einzu­rich­ten. In der Saison stehen unsere Mitar­bei­ter täglich stun­den­lang an der Topf­ma­schine. Der weiche, rutsch­feste Unter­grund kommt bei den Mitar­bei­tern sehr gut an. Im Winter sind die Matten viel wärmer als der Beton­bo­den ohne Belag“. Kennen­ge­lernt hat Andreas Hassel­berg die Matten bei einer Unter­neh­mer­mo­dell­schu­lung der SVLFG.

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