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…..aber Kontrolle ist besser

Elektrische Anlagen und Geräte
…..aber Kontrolle ist besser

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Jed­er von uns ken­nt wohl diesen Spruch und weiß, wie berechtigt er in der Tech­nik ist, manch­mal zu Gun­sten des Ver­trauens, zumeist aber hin­sichtlich der Kon­trolle. Jed­er, der für Sicher­heit zu sor­gen und sie zu ver­ant­worten hat, muss fast täglich entschei­den; so oder so. Glauben und ver­trauen? Oder lieber doch vorher noch ein­mal kontrollieren?

Her­rn Dipl.-Ing. Klaus Bödek­er Kruckenbergstr.1 ‑166 12107 Berlin

Wie ste­ht es damit bei den elek­trischen Anla­gen und Geräten? Wohin man auch schaut, über­all und immer ger­at­en sie ins Blick­feld. Wir sind gewöh­nt, dass sie funk­tion­ieren, recht zuver­läs­sig tagaus, tagein, warum also kontrollieren?
Allerd­ings, bei ihnen sind sich anbah­nende elek­trische Gefährdun­gen zumeist nicht offen­sichtlich. Wer kon­trol­lieren will, muss sehr kri­tisch guck­en kön­nen. Er muss wis­sen, welche Anze­ichen auf eine Gefährdung hin­deuten und auf welche Weise er diesen auf die Schliche kom­men kann. Elek­trische Anla­gen ver­ber­gen ihre Schwächen hin­ter ihrer, dem Berührungss­chutz dienen­den glat­ten Ober­fläche. Alterung, Erwär­mung, Stör­felder, man­gel­haft aus­ge­führte Erweiterun­gen usw. sind rel­a­tiv schw­er aufzufind­en, alle Sinne und eine geeignete Messtech­nik müssen dem Kon­trolleur dafür zur Ver­fü­gung ste­hen. Blindes Ver­trauen in die Tech­nik ist hier nicht ange­bracht; erfahrungs­gemäß lassen sich auch Elek­tro­fachkräfte mitunter vom äußeren Ein­druck ihrer Anla­gen täuschen und verzicht­en auf gründliche Kontrollen.
Was geschieht bei der Wartung?
Dem Sicher­heits­beauf­tragten ist daher zu empfehlen, dass er nicht nur fest­stellt, ob die regelmäßige vor­beu­gende Wartung ord­nungs­gemäß erfol­gt, son­dern sich wenig­stens auch über einige wesentliche Einzel­heit­en dieser Tätigkeit informiert. So sollte er z.B. wis­sen wollen, ob beim Warten auch die heute aus gutem Grund üblichen Messver­fahren und deren Messtech­nik (Tabelle 1) zum Ein­satz kommen.
Die Prax­is zeigt, dass sich so manche Elek­tro­fachkraft vor dem Umgang mit der „kom­plizierten“ Prüftech­nik scheut. Sie sei außer­dem zu teuer, das meint auch der Chef. Und manch­er verzichtet sog­ar auf den Ein­satz der herkömm­lichen Wartungsmeth­o­d­en, es wird nicht ein­mal besichtigt (Abb. 1) [1]. Ein solch­er Zus­tand ist lei­der keine Aus­nahme. Und beschä­mend für alle, nicht nur für die Verantwortlichen.
Wie sieht die Ein­gang­sprü­fung aus?
Es gibt noch eine andere gut ver­steck­te, hin­ter­hältige Gefahren­quelle der Elek­trotech­nik. Elek­trische Geräte, die von ihrem Her­steller wegen tech­nis­ch­er Män­gel zurück­gerufen oder von den Lan­des­be­hör­den für Arbeitssicher­heit aus dem gle­ichen Grund ges­per­rt wur­den. Dum­mer­weise erfahren Sie und ich als eventuelle Anwen­der der­ar­tiger „Mon­ster“ (Abb. 2) dies sehr oft gar nicht oder nur mehr oder weniger zufäl­lig. Hier sollte ganz bewusst vor­beu­gend kon­trol­liert wer­den, um sich nicht ein­er durch Bil­ligerzeug­nisse mit gefälscht­en Sicher­heit­sze­ichen entste­hen­den Gefahr auszuset­zen. Informieren Sie sich daher, ob und wie die Erst­prü­fung (Ein­gang­sprü­fung) der neu angeschafften Elek­trogeräte in Ihrem Unternehmen erfol­gt [2]. Außer­dem, um auch hier in Vor­hand zu kom­men, soll­ten Sie auf den Inter­net­seit­en der Lan­des­be­hör­den für Arbeitssicher­heit oder der Ver­braucherzen­tralen nach­se­hen, ob es möglicher­weise zu Rück­r­u­fak­tio­nen für die in Ihrem Bere­ich ver­wen­de­ten Geräte/Betriebsmittel gekom­men ist. Auch das RAPEX- Schnell­warn­sys­tem der EU (http//www.inmas.de/cekoornator/rapex) liefert in dieser Hin­sicht inter­es­sante Informationen.
Fra­gen an den Vorgesetzten
Es ist nicht zu überse­hen, jede Sicher­heits­fachkraft muss sich inten­siv­er als früher um die elek­trotech­nis­chen Arbeitsmit­tel küm­mern, eben­so um die elek­trischen Ver­braucher­pro­duk­te, die an vie­len Stellen im Unternehmen vorhan­den sind. Fra­gen Sie daher ihren Vorge­set­zen, den Arbeitgeber:
  • Wer­den alle diese Geräte sys­tem­a­tisch ein­er Wieder­hol­ung­sprü­fung unterzogen?
  • Ist eine Elek­tro­fachkraft damit beauf­tragt wor­den oder
  • wurde im Unternehmen eine elek­trotech­nisch unter­wiesene Per­son berufen, die sich ständig um die elek­trischen Geräte küm­mert [3] [4]?
Das soll­ten Sie in Erfahrung bringen.
Die Ursachen der durch die Elek­trotech­nik entste­hen­den Gefährdun­gen liegen heutzu­tage tiefer, sind schw­er­er zu erken­nen oder wer­den sog­ar bewusst versteckt.
Wer sie ent­deck­en will, der muss wohl
  • über eine gute All­ge­mein­bil­dung hin­sichtlich der Gestal­tung und Wartung elek­trotech­nis­ch­er Anla­gen verfügen,
  • wis­sen, welche Sicher­heits-/Schutz­maß­nah­men wirk­sam sind und wie es tat­säch­lich um die Sicher­heit bestellt ist, und dann
  • der zuständi­gen Elek­tro­fachkraft fre­und­schaftlich und neugierig, vor allem aber mit Kon­se­quenz auf die Fin­ger gucken.
Das ist nicht immer ein­fach. Eine solche kon­se­quente Hal­tung hat mitunter auch unan­genehme Fol­gen (Arbeit, Kosten Ärg­er) [1], das ist Ihnen sicher­lich bekannt.
Immer wieder informieren
Auf jeden Fall aber heißt es für den Sicher­heits­beauf­tragten: „Sich immer wieder neu informieren“. Ein­er­seits über das Geschehen auf dem Gebi­et der elek­trischen Anla­gen und Geräte, die im eige­nen Unternehmen benötigt wer­den und mit denen die Arbeit­skol­le­gen zu recht kom­men müssen. Und zum anderen über alles, was im Unternehmen zum Erhalt der Sicher­heit an diesen Anla­gen und Geräten getan wird.
Diese Auf­gabe ist mit einiger Energie und dem nöti­gen Wis­sens­durst zu lösen, indem – eben­falls immer wieder – die Elek­tro­fachkraft um Auskun­ft „gebeten“ wird.
Nun gibt es aber auch noch andere Gefährdun­gen oder Män­gel, die vor allem bei den etwas älteren elek­trischen Anla­gen auftreten und nicht so ein­fach zu erken­nen sind. Wiederum ist Fach­wis­sen gefragt, um ihnen auf die Spur zu kom­men und hier begin­nen die Schwierigkeit­en für den Sicher­heits­beauf­tragten. Er ist ja in der Regel keine Elek­tro­fachkraft. Somit wird er
  • beim Betra­cht­en neu errichteter elek­trisch­er Anla­gen etwaige Abwe­ichun­gen von Nor­men­vor­gaben nicht erken­nen und
  • ältere, den früher gel­tenden Nor­men entsprechende Anla­gen bezüglich ihres Sicher­heit­sniveaus nicht beurteilen können.
Und schon gar nicht wird er
  • wis­sen, ob es neue Nor­men gibt, die
  • eine höhere Sicher­heit gewährleis­ten oder
  • überblick­en, welche die Sicher­heit verbessern­den Maß­nah­men vorgenom­men wer­den könnten.
Er kann und sollte aber an die Elek­tro­fachkraft dies­bezügliche Fra­gen stellen und gegebe­nen­falls auch den Arbeit­ge­ber um eine Infor­ma­tion bit­ten. Not­falls muss dieser einen Sachver­ständi­gen bemühen. In der Tabelle 2 sind einige wesentliche Merk­male und Gefährdun­gen aufge­führt, die bei älteren elek­trischen Anla­gen beste­hen kön­nen. Wenn Sie Fra­gen haben und keine Antwort find­en, dann kön­nen Sie sich auch an eine Elek­tro­fachzeitschrift wen­den und um Infor­ma­tion bitten.
Es bleibt keine Wahl
Wie viele andere Auf­gaben, ist es mit dem Entwick­eln der Tech­nik und dem Ver­größern der Ver­ant­wor­tung [5] auch für die Sicher­heits­beauf­tragten schwieriger gewor­den, die möglichen Gefährdun­gen zu ent­deck­en. Und das vor allem in kleineren Betrieben, in denen nur sel­ten aus­ge­sproch­ene Spezial­is­ten für die neue Tech­nik und deren Beson­der­heit­en tätig sind. Da bleibt aber keine Wahl. Mehr Infor­ma­tio­nen, mehr Wis­sen, und dann entsprechend gründlichere Kon­trollen. Dies bet­rifft nicht so sehr die fach­lichen Beson­der- oder Einzel­heit­en, es geht vor allem darum zu wis­sen, ob sich die im Unternehmen für den Betrieb­sablauf Ver­ant­wortlichen ord­nungs­gemäß und vorschriftsmäßig auch um diese Beson­der­heit­en und damit um die Sicher­heit kümmern.
Lit­er­atur
[1] Bödek­er, Egyp­tien: Ver­ant­wor­tung der Elek­tro­fachkräfte beim Umset­zen der Nor­men; Elek­tro­prak­tik­er 2/2010
[2] Bödek­er, Ortsverän­der­liche Betrieb­smit­tel – Erst­prü­fung; Elek­tro­prak­tik­er, Son­der­heft Messen und Prüfen 2009
[3] VDE 1000-10 Anforderun­gen an die im Bere­ich der Elek­trotech­nik täti­gen Personen
[4] Bödek­er, K, Bödek­er, F.: Prüfen elek­trisch­er Geräte, Prü­fan­weisung für elek­trotech­nisch unter­wiesene Per­so­n­en; Hüthig & Pflaum 2. Auflage (ca. Juni 2010)
[5] Betrieb­ssicher­heitsverord­nung
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