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Alko­hol

Lexikon
Alko­hol

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„… ist dein Sani­tä­ter in der Not Alko­hol ist dein Fall­schirm und dein Rettungs­boot Alko­hol ist das Draht­seil auf dem du stehst Alko­hol Alko­hol …“ besang schon Herbert Gröne­meyer 1984 die Lieb­lings­droge der Deut­schen.

Tatsäch­lich verkon­su­mie­ren die Deut­schen im Jahr 10,6 Liter reinen Alko­hol. Damit liegt Deutsch­land beim Pro-Kopf-Konsum nach Portu­gal, Luxem­burg und Frank­reich auf Platz vier in der Welt. Bis zu zwei Millio­nen Menschen sind allein in Deutsch­land alko­hol­krank.

Alko­hol gehört für die meis­ten Menschen zum Alltag und beein­flusst verschie­dene Berei­che unse­res Lebens. Welche Berüh­rungs­punkte dabei zur beruf­li­chen Tätig­keit bestehen und wie sich der Konsum von Alko­hol auf den Versi­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung auswir­ken kann, ist Gegen­stand des folgen­den Beitrags.
Welche Auswir­kun­gen hat Alko­hol?
Mit zuneh­men­den Promil­le­ge­halt steigt das Unfall­ri­siko über­durch­schnitt­lich an. Unter­su­chun­gen zeigen, dass die Sehleis­tung sich schon bei 0,5 Promille um ca. 15 Prozent und bei 0,8 Promille um 25 Prozent verrin­gert. Bei 0,8 Promille verlän­gert sich die Reak­ti­ons­zeit sogar um bis zu 50 Prozent. Die Fehler­quote steigt und Fehler können nicht mehr recht­zei­tig korri­giert werden. Dies führt dann häufig zu schwe­ren Folgen für die Betrof­fe­nen.
Neben dem „norma­len“ Alko­hol­kon­sum am Arbeits­platz beein­flus­sen die Fälle der Alko­hol­ab­hän­gig­keit und deren Folgen auch das Arbeits­le­ben. Die Beschäf­tig­ten treten beispiels­weise den Weg zur Arbeit alko­ho­li­siert an, begin­nen die Arbeit mit Rest­al­ko­hol und konsu­mie­ren während der Arbeit Alko­hol. Alko­hol­miss­brauch kann vorlie­gen, bei gegen­über der sozi­al­kul­tu­rel­len Norm erhöh­tem Konsum, bei Konsum zu unpas­sen­der Gele­gen­heit, bei sicht­ba­ren Verän­de­run­gen der psychi­schen und/oder physi­schen Funk­tio­nen, bei tägli­chem Konsum, beim geziel­tem Trin­ken zum Abbau von Span­nun­gen, Ängs­ten und Frus­tra­tion.
Was kann/muss der Arbeit­ge­ber tun?
Arbeit­neh­mer, die unter Einwir­kung von Alko­hol stehen, können nicht nur Schä­den an Maschi­nen und Anla­gen verur­sa­chen, sie gefähr­den vor allen Dingen sich und andere. Es liegt daher auch im Inter­esse des Arbeits­ge­bers, Alkoholmissbrauch/-konsum zu verhin­dern. Darüber hinaus verpflich­ten die Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten insbe­son­dere den Arbeit­ge­ber, die Arbeits­fä­hig­keit von Beschäf­tig­ten fest­zu­stel­len und entspre­chend zu handeln, d. h. gege­be­nen­falls ein Beschäf­ti­gungs­ver­bot auszu­spre­chen.
Für viele Arbeit­ge­ber erweist es sich oft als schwie­rig, den Alko­hol­kon­sum zu bele­gen, da Beschäf­tigte nicht zu einer Alkohol-Messung gezwun­gen werden können. In der Praxis führt dies dazu, dass Vorge­setzte nur in Extrem­si­tua­tio­nen Maßnah­men ergrei­fen. Der Arbeit­ge­ber muss aber auch auf konkrete Verhal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten achten, ggf. reagie­ren.
Einfluss auf den Versi­che­rungs­schutz
Versi­che­rungs­schutz entfällt immer dann, wenn es aufgrund des Alko­hol­kon­sums zum Leis­tungs­aus­fall kommt, d. h. der Versi­cherte alko­hol­be­dingt nicht mehr zu einem zweck­ge­rich­te­ten Handeln in der Lage ist und daher auch keine versi­cherte Tätig­keit mehr verrich­ten kann. Ein allge­mein gülti­ger Wert für eine Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­tion (BAK) lässt sich nicht fest­ge­le­gen. Es kommt viel­mehr auf den einzel­nen Versi­cher­ten, seine Alko­hol­to­le­ranz usw. an. Die Lösung vom Versi­che­rungs­schutz tritt bei Voll­trun­ken­heit auto­ma­tisch ein, ohne dass es z. B. eines Verwei­ses von der Arbeits­stelle durch den Vorge­setz­ten bedarf. Wenn die Trun­ken­heit nicht bis zur Voll­trun­ken­heit ausge­prägt ist, besteht Versi­che­rungs­schutz dann nicht, wenn der Alko­hol die recht­lich wesent­li­che Ursa­che des Unfalls gewe­sen ist, z.B. wenn er zu einem unfall­ur­säch­li­chen Fehl­ver­hal­ten geführt hat und der Unfall im nüch­ter­nen Zustand bei glei­cher Sach­lage wahr­schein­lich nicht gesche­hen wäre. Entschei­dend sind auch hier die Umstände des Einzel­falls.
Beson­der­hei­ten im Stra­ßen­ver­kehr
Befin­det sich ein Fahr­zeug­füh­rer im Voll­rausch, ist auch hier eine Lösung vom Unter­neh­men einge­tre­ten. Versi­che­rungs­schutz besteht nicht. Der Konsum alko­ho­li­scher Getränke führt auch dann zum Ausschluss des Versi­che­rungs­schut­zes, wenn zwar kein Voll­rausch vorliegt, der Unfall aber durch den Alko­hol recht­lich wesent­lich verur­sacht wurde.
Ab einer Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­tion (BAK) von 1,1 Promille bei Auto­fah­rern (1,6 Promille bei Radfah­rern) wird vermu­tet, dass der Fahrer nicht mehr in der Lage ist, das Fahr­zeug sicher im Stra­ßen­ver­kehr zu bewe­gen, und somit abso­lute Fahr­un­tüch­tig­keit vorliegt. Bei Unter­schrei­tung des Grenz­wer­tes von 1,1 Promille wird rela­tive Fahr­un­tüch­tig­keit ange­nom­men, wenn ein alko­hol­ty­pi­sches Fehl­ver­hal­ten (Fahren von Schlan­gen­li­nien, schwan­ken­der Gang, undeut­li­che Spra­che usw.) fest­ge­stellt werden kann. Ist der Nach­weis für die abso­lute oder rela­tive Fahr­un­tüch­tig­keit erbracht und sind andere Ursa­chen für den Unfall nicht ersicht­lich, spricht nach den Erfah­run­gen des tägli­chen Lebens der erste Anschein dafür, dass der Alko­hol­kon­sum zumin­dest teil­weise recht­lich wesent­li­che Ursa­che des Unfalls war und Versi­che­rungs­schutz somit nicht besteht. Haben hinge­gen andere Umstände – z. B. die Stra­ßen­ver­hält­nisse oder das Verhal­ten ande­rer Verkehr­teil­neh­mer – an dem Unfall wesent­lich mitge­wirkt, kann Unfall­ver­si­che­rungs­schutz bestehen blei­ben.
Beispiel:
Ein Fahrer mit einer BAK von 0,7 Promille hält vorschrifts­mä­ßig an einer roten Ampel. Das Fahr­zeug hinter ihm fährt auf das stehende Fahr­zeug auf. Der Unfall wäre hier unab­hän­gig von einer Alko­ho­li­sie­rung einge­tre­ten. Entschei­dend ist somit immer die Frage, ob der Unfall dem Versi­cher­ten auch im nüch­ter­nen Zustand zuge­sto­ßen wäre.
Neben den geschil­der­ten Auswir­kun­gen auf den Bereich der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung können sich u. a. auch verkehrs­recht­li­che und arbeits­recht­li­che Konse­quen­zen für die Betrof­fe­nen erge­ben.
Antje Didlau­kat
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