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Asbest

Lexikon der Unfallversicherung
Asbest

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Trotz des europaweit­en Ver­bots von Asbest im Jahr 2005 ist er heute noch ein aktuelles The­ma. Das wird in den kom­menden Jahren auch so bleiben. In Deutsch­land wurde 1993 ein generelles Her­stel­lungs- und Ver­wen­dungsver­bot aus­ge­sprochen, inter­na­tion­al existiert eine solche Verord­nung nicht. Die Pro­duk­tion sowie die Ver­wen­dung asbesthaltiger Pro­duk­te nehmen weltweit sog­ar zu! Da asbest­be­d­ingte Erkrankun­gen häu­fig erst nach Jahren auftreten, wird für den Zeitraum von 2010 bis 2015 hierzu­lande die größte Erkrankungswelle erwartet.


Asbest ist ein Sam­mel­be­griff für zwei Grup­pen faser­för­miger natür­lich­er Min­erale. Er ist in der Erd­kruste ein­bet­tet. Die Hauptvorkom­men liegen in Nor­dameri­ka, Südafri­ka und in Rus­s­land. Asbest ist unter anderem hitze- und säurebeständig, sehr beständig gegen Fäul­nis sowie Kor­ro­sion und besitzt eine hohe Isolier­fähigkeit. Daher wurde er ins­beson­dere in den 1960er und 1970er Jahren vielfältig ver­wen­det. Hauptein­satzge­bi­ete waren die Bauin­dus­trie, die Auto­mo­bilin­dus­trie (Brems­beläge), die Schiff­fahrtsin­dus­trie und die Tex­tilin­dus­trie (feuerbeständi­ge Stoffe).
Heute sind Arbeit­nehmer ins­beson­dere bei der Entsorgung, z.B. bei Abbruch- und Sanierungsar­beit­en, Asbest­fasern aus­ge­set­zt. Dabei sind beson­dere Schutz­maß­nah­men zu beacht­en. So müssen Tech­nis­che Regeln für Gefahrstoffe bei der Asbest­sanierung von Gebäu­den einge­hal­ten wer­den. Zudem ist die Baustelle bei der Sanierung staub­dicht abzuschot­ten und der Innen­bere­ich muss unter Unter­druck gehal­ten werden.
Auch für die Entsorgung von Asbest wur­den unter­schiedliche Abfal­lver­w­er­tungsver­fahren (mech­a­nis­che Zerkleinerung, ther­mis­che Ver­fahren, chemis­che Ver­fahren) entwick­elt. Die Abfälle wer­den bei der Entsorgung in Abhängigkeit vom Gewicht­san­teil des Asbests in gefährliche und nicht gefährliche Abfälle eingestuft.
Asbest kann aber auch im pri­vat­en Bere­ich, z.B. in alten Elek­trogeräten, Nacht­spe­icheröfen oder alten Fuß­bo­den­belä­gen vorkom­men. Auch hier ist beson­dere Vor­sicht geboten. Erster Ansprech­part­ner zur Klärung der Frage, ob tat­säch­lich ein Risiko beste­he, ist die Bau- oder Umwelt­be­hörde am Wohnort. Die asbesthalti­gen Geräte gehören auf keinen Fall in Haus­müll, son­dern müssen bei der kom­mu­nalen Abfall­sam­mel­stelle abgegeben werden.

Asbestbedingte Berufskrankheiten

Asbest zer­fasert sehr leicht und bildet dabei sehr feine Fasern, die tief in die Lunge gelan­gen kön­nen und dort lange beständig sind. Fasern wer­den vor allem bei der Beschädi­gung freige­set­zt oder beim mech­a­nis­chen Bear­beit­en. Ist ein Pro­dukt in Ruhe, set­zt es nor­maler­weise keine Asbest­fasern frei. Durch die Asbest­fasern kön­nen schwere und häu­fig tödliche Krankheit­en verur­sacht wer­den. Bere­its 1933 wurde asbestin­duziert­er Lun­genkrebs zum ersten Mal beschrieben und schon 1943 wurde Lun­genkrebs als Folge von Asbest­be­las­tun­gen als Beruf­skrankheit anerkan­nt. Beson­ders belastet sind die Beruf­s­grup­pen der Schloss­er, Instal­la­teure, Bauar­beit­er, Kraft­fahrzeugtech­niker, Dachdeck­er oder Elektriker.
Die Beruf­skrankheit­en­verord­nung (BKV) enthält drei Beruf­skrankheit­en, die auf Asbestkon­takt zurück­zuführen sind:
  • Asbestose oder durch Asbest­staub verur­sachte Erkrankung der Pleu­ra (BK-Nr. 4103)
  • Lun­gen- und Kehlkopfkrebs (BK-Nr. 4104) in Verbindung mit der Asbestose oder mit ein­er durch Asbest­staub verur­sacht­en Erkrankung der Pleu­ra oder beim Nach­weis der Ein­wirkung ein­er kumu­la­tiv­en Asbest­faser­staub-Dosis von min­destens 25 Faser­jahren¹ am Arbeit­splatz und
  • Mesothe­liom des Rip­pen­fells, des Bauch­fells oder des Herzbeu­tels (BK-Nr.4105).
Zur BK-Nr. 4104 fol­gen­der Beispielsfall:
A war u.a. als Schloss­er und Schweißer in ver­schiede­nen Betrieben beschäftigt, bevor bei ihm ein Bronchialka­rzi­nom diag­nos­tiziert wurde. Ein Gutacht­en führte aus, dass der Befund auf eine langjährige Asbest­ex­po­si­tion zurück­zuführen sei, aber auch als weit­er­er Risiko­fak­tor der nicht beru­flich bed­ingte Nikotinabusus anzuführen sei. Auf­grund der Berichte des Tech­nis­chen Auf­sichts­di­en­sts wur­den 17,4 Faser­jahre ermit­telt. Da nach Auf­fas­sung der Beruf­sgenossen­schaft der Zusam­men­hang zwis­chen dem Lun­genkrebs und der beru­flich bed­ingten Asbest­ex­po­si­tion nicht hin­re­ichend wahrschein­lich war, wur­den Entschädi­gungsleis­tun­gen abgelehnt.
Das Bun­dessozial­gericht hat mit seinem Urteil vom 30.01.2007, Az. B 2 U 15/05 R die Auf­fas­sung des Sozial­gerichts (SG) und des Lan­dessozial­gerichts (LSG) bestätigt und die Erkrankung als Beruf­skrankheit anerkan­nt. Der Zusam­men­hang zwis­chen der Kreb­serkrankung und der Asbest­be­las­tung wird bei der BK 4104 dann ver­mutet, wenn eine Expo­si­tion von 25 Faser­jahren am Arbeit­splatz nachgewiesen ist. Dazu hat­te bere­its das SG ein erneutes Gutacht­en einge­holt, Zeu­gen befragt und einen Ort­ster­min durchge­führt und ist zu der Überzeu­gung gelangt, dass eine Asbest­be­las­tung von über 25 Faser­jahren anzunehmen sei. Auch der Nikotinabusus ändert an dieser Ein­schätzung nichts, da diese Mitur­sache nicht die allein wesentliche Ursache war und die Ver­mu­tung, dass bei 25 Faser­jahren die Erkrankung durch die betriebliche Expo­si­tion verur­sacht wurde, zum Beispiel durch den zeitlichen Ablauf der Erkrankung oder die Art und Lokali­sa­tion des Tumors nicht wider­legt wer­den konnte.

Vorsorge und Früherkennung

Schon jet­zt entste­hen den Unfal­lver­sicherungsträgern (Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lka­ssen) im Jahr Kosten in Höhe von mehr als 300 Mil­lio­nen Euro für die medi­zinis­che Behand­lung und Renten­zahlun­gen für asbest­be­d­ingte Beruf­skrankheit­en. Umso wichtiger ist die Vor­sorge von asbest­be­d­ingten Erkrankun­gen. Ansprech­part­ner für die Beschäftigten sind beispiel­sweise der Sicher­heits­beauf­tragte, der Betrieb­sarzt und die zuständi­ge Beruf­sgenossen­schaft oder Unfal­lka­sse. Ein Asbestkon­takt am Arbeit­splatz sollte dem zuständi­gen Unfal­lver­sicherungsträger gemeldet wer­den. Diejeni­gen, die mit Asbest in Berührung gekom­men sind, erhal­ten dann regelmäßig ein Unter­suchungsange­bot der Gesund­heitsvor­sorge (GVZ). Hier wer­den alle in der Asbest­sanierung Beschäftigten reg­istri­ert und ihnen wer­den ärztliche Ansprech­part­ner am Wohnort genan­nt. Es fol­gt eine lebenslange Überwachung der Betrof­fe­nen. Dazu gehören dann die regelmäßige Befra­gung nach dem Gesund­heit­szu­s­tand, die kör­per­liche Unter­suchung, eine Lun­gen­funk­tion­sprü­fung und Rönt­ge­nauf­nah­men des Brustko­rbs. Die Unter­suchun­gen müssen in Abhängigkeit vom Alter des Betrof­fe­nen mit einem Abstand von höch­stens drei Jahren wieder­holt werden.
Autorin: Antje Did­laukat 
[1] Das Faser­jahr wird definiert als Pro­dukt aus der Konzen­tra­tion ein­er ein­jähri­gen arbeit­stäglich acht­stündi­gen Ein­wirkung von ein­er Mil­lion Asbest­fasern kri­tis­ch­er Abmes­sun­gen (d. h. Asbest­fasern mit einem Durchmess­er klein­er 3 µm und ein­er Länge von mehr als 5 µm; WHO-Fas­er) pro Kubik­me­ter Luft am Arbeit­splatz bei 240 Arbeitstagen.
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