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Azubis werden fit gemacht

Gesundheitsförderung
Azubis werden fit gemacht

Viele Beruf­se­in­steiger kla­gen bere­its über Rück­en­schmerzen und ähn­liche Beschw­er­den. Deshalb inte­gri­eren immer mehr Betriebe in ihre Aus­bil­dung­spro­gramme Gesund­heits­för­der­maß­nah­men. Rück­en­schule oder Fit­ness-Kurse beu­gen ern­sthaften Erkrankun­gen vor.

Bern­hard Kuntz Bern­hard Kuntz Büro für Bil­dung & Kom­mu­nika­tion Eich­bergstraße 1 64285 Darmstadt

„Mit weit aufgeris­senem Mund gäh­nen, um wieder hellwach zu wer­den, das mache ich im Büro lieber nicht“, sagt Beat­rice Walz. Doch die anderen im Pro­gramm „Azu­bi-Fit“ der Baus­parkasse Schwäbisch Hall vorgestell­ten Übun­gen will die ange­hende Bankkauf­frau „auf alle Fälle ausprobieren“.
„Gut so“, lobt Liane Pöhlmann, Koor­di­na­torin betrieblich­es Gesund­heits­man­age­ment bei der AOK Heil­bronn-Franken, die 21-jährige. Pöhlmann hat die Train­ingsrei­he „Azu­bi-Fit“ mitkonzip­iert. Ihr Ziel: Die 250 Azu­bis von Schwäbisch Hall sollen möglichst früh ler­nen, sich kör­per­lich und geistig fit zu hal­ten – noch bevor sie die ersten Zip­per­lein pla­gen. „Denn dann lassen sich die meis­ten Zivil­i­sa­tion­skrankheit­en nicht mehr ver­mei­den.“ Zum Beispiel viele Herz-Kreis­lauf-Erkrankun­gen. Oder Erkrankun­gen des Bewe­gungsap­pa­rats, zu denen auch Rück­enbeschw­er­den zählen.
Um diesen Prozess zu ver­mei­den, haben inzwis­chen einige Unternehmen Gesund­heits­för­der­maß­nah­men in ihre Aus­bil­dun­gen inte­gri­ert – neben Schwäbisch Hall zum Beispiel die Konz­erne Bosch und Daim­ler­Chrysler. Auch beim Edel­met­all- und Tech­nolo­giekonz­ern Her­aeus, Hanau, und beim Autozulief­er­er BPW Ber­gis­che Achsen, Wiehl, gibt es spezielle Azu­bi- Fit­ness-Pro­gramme – eben­so beim Maschi­nen­bauer Kocher-Plas­tik aus dem schwäbis­chen Sulzbach-Laufen.
Azu­bis sind häu­figer krank
Diese Unternehmen zählen zu den Vor­re­it­ern in Deutsch­land. Denn viele Per­son­alleit­er kla­gen zwar, die Azu­bis wür­den immer dick­er und seien vielfach nicht nur geistig, son­dern auch kör­per­lich unbe­weglich. „Aber wenige Betriebe tun etwas dage­gen“, kri­tisiert Michael Treixler, Geschäfts­führer des Präven­tion­sspezial­is­ten Sko­lamed in Königswin­ter (bei Bonn).
Dabei wäre dies sin­nvoll. Denn Azu­bis fehlen im Schnitt häu­figer krankheits­be­d­ingt als ihre älteren Kol­le­gen. Viele pla­gen zudem schon Rück­enbeschw­er­den. Eine Unter­suchung bei Her­aeus ergab: Fast jed­er dritte Azu­bi hat bere­its zu Beginn der Aus­bil­dung regelmäßig Rück­en­schmerzen. „Wie wird das erst sein, wenn die Azu­bis von heute erst ein­mal 40 oder 60 Jahre alt sind?“, fragt sich deshalb Liane Pöhlmann von der AOK. Diese Frage stellen sich auch immer mehr Unternehmen – unter anderem weil auf­grund des demografis­chen Wan­dels junge Fachkräfte zunehmend rar werden.
Diese wertvollen Mitar­beit­er „frühzeit­ig aufs richtige Gleis set­zen“ – das möcht­en die Unternehmen mit ihren Gesund­heit­spro­gram­men für Azu­bis. Denn: „Die meis­ten jun­gen Men­schen sind zwar gesund. Sie ver­hal­ten sich aber nicht so, dass sie gesund bleiben“, weiß Raimund Reik. Er ist bei Her­aeus für die Gesund­heits­förderung zuständig und hat eine Azu­bi-Studie ver­fasst. Sie kam zum Ergeb­nis: Es gibt zwei Grup­pen von Jugendlichen. Die einen sind in ihrer Freizeit sportlich sehr aktiv. Die anderen hinge­gen bewe­gen sich viel zu wenig. Sie ver­brin­gen weit mehr Zeit vorm Fernse­her und Com­put­er, als mit Sport. Und dass viele Jugendliche lieber Pommes als Salat essen, ist kein Geheim­nis. Diesem gesund­heitss­chädi­gen­den Ver­hal­ten ver­suchen die Betriebe gemäß dem Mot­to „Was Hän­schen nicht lernt, lernt Hans nim­mer­mehr“ mit ihren Förder­pro­gram­men ent­ge­gen zu wirken.
Gesund­heits­förderung lohnt sich
„Möglichst früh mit der Gesund­heits- förderung zu begin­nen, ist auch betrieb­swirtschaftlich sin­nvoll“, betont Dr. Mar­tin Braun, Experte für men­schen­gerechte Arbeits­gestal­tung beim Fraun­hofer Insti­tut für Arbeitswirtschaft und Organ­i­sa­tion, Stuttgart. „Wenn Mitar­beit­er häu­fig erkranken oder wegen Kopf­schmerzen unkonzen­tri­ert sind, kostet das die Unter-nehmen mit­tel­fristig mehr als wenn sie Entspan­nungskurse oder Rück­engym-nas­tik anbi­eten.“ Das bestäti­gen Kosten-Nutzen-Berech­nun­gen von Schwäbisch Hall. Die Baus­parkasse spart durch ihre frei­willi­gen För­der­maß­nah­men, die von Fit­nesskursen bis hin zu indi­vidu­ellen Gesund­heitscoach­ings reichen, einen sechsstel­li­gen Betrag pro Jahr, weil die Mitar­beit­er sel­tener und kürz­er erkranken.
Ob sich die Azu­bi-Pro­gramme eben­so gut rech­nen, weiß das Unternehmen noch nicht. „Aber wir erwarten ähn­liche Ergeb­nisse – oder sog­ar bessere“, ist Jür­gen Ley, der für das Gesund­heits­man­age­ment bei Schwäbisch Hall ver­ant­wortlich ist, überzeugt. Denn die Teil­nahme an „Azu­bi-Fit“ ist Pflicht – also machen auch die größten Sport­muf­fel und Fast-Food-Fans mit. Bei den meis­ten betrieblichen Gesund­heits­för­der­maß­nah­men ist dies anders. Sie set­zen notge­drun­gen auf Frei­willigkeit. „Denn kein Betrieb kann seinen Mitar-beit­ern vorschreiben, was diese in ihrer Freizeit zu tun. Deshalb erre­ichen die Maß­nah­men oft nur die Mitar­beit­er, die ohne­hin gesund­heits­be­wusst leben“, weiß Michael Treixler von Skolamed.
Bei den Azu­bi-Gesund­heits­förder­pro­gram­men set­zen die Unternehmen unter­schiedliche Schw­er­punk­te. Der Achsen­her­steller BPW möchte unter anderem die Rück­en­musku­latur sein­er jun­gen Mitar­beit­er stärken, denn die Azu­bis in der Pro­duk­tion müssen viel ste­hen, heben und tra­gen. Beim Finanz­di­en­stleis­ter Schwäbisch Hall hinge­gen, bei dem die Mitar­beit­er fast auss­chließlich an Schreibtisch und Bild­schirm arbeit­en, spie­len auch Konzen­tra­tions- und Entspan­nungsübun­gen eine wichtige Rolle.
Geistig und kör­per­lich fit bleiben
Gemein­sam ist den Pro­gram­men jedoch: Neben der kör­per­lichen soll die geistige Fit­ness gefördert wer­den. „Das ist wichtig“, erk­lärt Arbeit­sex­perte Braun, „denn bei den meis­ten Erkrankun­gen spielt der Fak­tor Stress beziehungsweise Umgang mit Stress eine wichtige Rolle. Was eine Per­son als Stress erlebt und wann sie gestresst reagiert, ist jedoch sehr subjektiv.“
Die meis­ten Azu­bis sind für Entspan­nungstipps offen. „Beson­ders gut kom­men bei Jugendlichen und jun­gen Erwach­se­nen För­der­maß­nah­men an, die aus ihrer Sicht eine pos­i­tive ‚Lifestyle-Kom­po­nente’ enthal­ten – zum Beispiel Kurse in der Klet­ter­halle oder Schnup­per­stun­den in Fit­nessstu­dios“, weiß AOK-Exper­tin Pöhlmann. „Für die klas­sis­che Betrieb­ss­port­gruppe hinge­gen fühlen sich die Auszu­bilden­den meist zu jung.“ Also gilt es spezielle Ange­bote für sie zu schneidern.
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