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Beste Voraussetzungen für schnelle Hilfe

Die ASR A4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“
Beste Voraussetzungen für schnelle Hilfe

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Ende 2010 wurde die (neue) Tech­nis­che Regel für Arbeitsstät­ten ASR A4.3 veröf­fentlicht. Unter anderem geht es hier um Mit­tel und Ein­rich­tun­gen zur Ersten Hil­fe, wie Ver­band­skästen, Defib­ril­la­toren und Ret­tungs­geräte, und auch um Erste-Hil­fe-Räume. Der Arbeit­ge­ber muss die Vor­gaben zwar nicht genau befol­gen, aber das gle­iche Schutzniveau erre­ichen wie in der Regel beschrieben.

Ste­fan Butz

Die Arbeitsstät­ten­verord­nung (Arb­StättV) ver­fol­gt das Ziel, Beschäftigte in Arbeitsstät­ten zu schützen und zur Ver­hü­tung von Arbeit­sun­fällen und Beruf­skrankheit­en beizu­tra­gen. Des Weit­eren dient die Arb­StättV der men­schen­gerecht­en Gestal­tung der Arbeit. Dies sind vor allem die Forderun­gen nach gesund­heitlich zuträglichen Luft‑, Kli­ma- und Beleuch­tungsver­hält­nis­sen sowie nach ein­wand­freien sozialen Ein­rich­tun­gen, ins­beson­dere San­itär- und Erhol­ungsräu­men. Um dieses Ziel zu erre­ichen enthält die Arbeitsstät­ten­verord­nung aber nur Min­destvorschriften, das heißt, es wer­den nur all­ge­meine Schutzziele anstatt konkreter Maßzahlen und Detailan­forderun­gen vorgegeben. Dies bedeutet für den Arbeit­ge­ber mehr Frei­heit bei seinen Entschei­dun­gen, aber auch mehr Ver­ant­wor­tung. Als Hil­festel­lung bei der Entschei­dungs­find­ung kann der Arbeit­ge­ber die „Tech­nis­chen Regeln für Arbeitsstät­ten“ (kurz: Arbeitsstät­ten­regeln – ASR) her­anziehen. Die ASR beschreiben Maß­nah­men und prak­tis­che Durch­führung­shil­fen. Sie leg­en dar, wie die in der Arbeitsstät­ten­verord­nung gestell­ten Schutzziele und Anforderun­gen erre­icht wer­den kön­nen. Eine Verpflich­tung zur Anwen­dung der ASR beste­ht nicht. Der Arbeit­ge­ber kann eigen­ständig von den Vor­gaben abwe­ichen. In diesem Fall muss er die vorhan­de­nen Gefährdun­gen aber auf andere Weise beseit­i­gen oder ver­ringern. Er muss dabei aber das gle­iche Schutzniveau wie in der ASR beschrieben, erreichen.
Kurz vor Jahre­sende wurde nun die neue Tech­nis­che Regel für Arbeitsstät­ten ASR A4.3 veröf­fentlicht. Unter anderem geht es hier um Mit­tel und Ein­rich­tun­gen zur Ersten Hil­fe und auch um Erste-Hil­fe-Räume und ver­gle­ich­bare Ein­rich­tun­gen. Damit gel­ten die alten Arbeitsstät­ten-Richtlin­ien ASR 38/2 „San­ität­sräume“ sowie die ASR 39/1, 3 „Mit­tel und Ein­rich­tun­gen zur Ersten Hil­fe“ nicht weit­er fort. Der Aspekt Baustellen wurde in dieser ersten Fas­sung noch nicht berück­sichtigt und soll zu einem späteren Zeit­punkt eingear­beit­et werden.
Um eine Vorschrift richtig zu ver­ste­hen, sollte man immer wis­sen, was hin­ter den einzel­nen Begrif­f­en steckt. Rat find­et man dann immer in der soge­nan­nten „Begriffs­bes­tim­mung“. Sofern dann noch Fra­gen offen sind, find­et man im Fall der ASR A 4.3 zahlre­iche Infor­ma­tio­nen beim „Fachauss­chuss Erste Hil­fe“, der bei der DGUV (Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung) ange­siedelt ist. Unter den „Mit­teln zur Ersten Hil­fe“ ver­ste­ht man unter anderem das Erste-Hil­fe-Mate­r­i­al (beispiel­sweise das Ver­band­ma­te­r­i­al oder die Ret­tungs­decke) sowie eventuell medi­zinis­che Geräte wie zum Beispiel einen AED (Automa­tisiert­er Extern­er Defibrillator).
Mit den „Ein­rich­tun­gen zur Ersten Hil­fe“ sind tech­nis­che Hil­f­s­mit­tel gemeint. Hier­bei han­delt es sich ins­beson­dere um Meldeein­rich­tun­gen (z. B. Tele­fon mit Angabe der Notrufnum­mern), Ret­tungstrans­port­mit­tel und Ret­tungs­geräte. Nach Aus­sagen des Fachauss­chuss­es Erste Hil­fe führt der öffentliche Ret­tungs­di­enst in der Regel die für die Ret­tung Ver­let­zter erforder­lichen Geräte und Hil­f­s­mit­tel mit. Nur an Stellen, an denen der Ret­tungs­di­enst Ver­let­zte nicht direkt übernehmen kann, wie z. B. bei der Ret­tung aus großen Höhen oder Schächt­en, müssen speziell geeignete Ret­tungstrans­port­mit­tel zusät­zlich bere­it gehal­ten wer­den. Ret­tungs­geräte kom­men auch zum Ein­satz, wenn bei beson­deren Gefahren tech­nis­che Maß­nah­men erforder­lich sind. Dazu gehören z. B. Not­duschen, Augen­duschen, Schnei­dgeräte oder Sprungtüch­er. Bei den „Erste-Hil­fe-Räu­men“ han­delt es sich um speziell vorge­se­hene Räume, in denen beispiel­sweise bei einem Unfall Erste Hil­fe geleis­tet oder die ärztliche Erstver­sorgung durchge­führt wer­den kann.

Mittel zur Ersten Hilfe

Erste-Hil­fe-Mate­r­i­al ist in Ver­band­kästen oder anderen geeigneten Behält­nis­sen (z. B. Ruck­säcke, Taschen, Schränke), vorzuhal­ten. Die Min­destanzahl der bere­itzuhal­tenden Ver­band­kästen ergibt sich aus Tabelle 1 der ASR A4.3.
Bei der Bes­tim­mung der Anzahl der Ver­band­kästen müssen Sie vor­sichtig sein. Wie der Unter­ti­tel der Tabelle schon aus­sagt, han­delt es sich um die Min­destanzahl. Die Ver­band­kästen sind näm­lich so auf die Arbeitsstätte zu verteilen, dass sie von ständi­gen Arbeit­splätzen höch­stens 100 m Wegstrecke oder höch­stens eine Geschosshöhe ent­fer­nt sind. Die Anzahl der Ver­band­kästen bes­timmt sich also nicht nur nach Beschäftigten­zahlen, son­dern auch beispiel­sweise nach der Aus­dehnung und Struk­tur des Betriebes. Hierzu sollte man noch wis­sen, dass es der Geset­zge­ber zulässt, statt eines großen Ver­band­kas­tens zwei kleine Ver­band­kästen zu ver­wen­den. Für Tätigkeit­en, zum Beispiel im Außen­di­enst, kann auch der Kraft­wa­gen-Ver­band­kas­ten als klein­er Ver­band­kas­ten ver­wen­det werden.
Bei der Platzierung des Erste-Hil­fe-Mate­ri­als im Betrieb soll­ten Sie immer daran denken, dass es vor schädi­gen­den Ein­flüssen (z. B. Verun­reini­gun­gen, Nässe, hohe Tem­per­a­turen) geschützt ist. Gle­ichzeit­ig muss es aber jed­erzeit leicht erre­ich­bar sein. Den notwendi­gen Inhalt der Ver­band­kästen kön­nen Sie der Tabelle 2 der ASR A4.3 ent­nehmen. Sie kön­nen sich bei der Beschaf­fung aber auch an den DIN-Nor­men orientieren.
Geeignetes Erste-Hil­fe-Mate­r­i­al enthal­ten z. B.:
  • der kleine Ver­band­kas­ten nach DIN 13157
  • der große Ver­band­kas­ten nach DIN 13169
Vergessen Sie nicht, das Erste-Hil­fe-Mate­r­i­al nach Ver­brauch, bei Unbrauch­barkeit oder nach Ablauf des Ver­falls­da­tums zu ergänzen bzw. zu ersetzen.

Erste-Hilfe-Räume

In größeren Betrieben sind soge­nan­nte „Erste-Hil­fe-Räume“ notwendig. Sie sind erforderlich:
  • in Betrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten und
  • in Betrieben mit mehr als 100 Beschäftigten, wenn beson­dere Unfall- oder Gesund­heits­ge­fahren bestehen.
Beacht­en Sie auch, dass bei beson­deren Unfall- oder Gesund­heits­ge­fahren zusät­zliche Maß­nah­men erforder­lich sein kön­nen (z. B. weit­ere Räum­lichkeit­en, ergänzende Ausstat­tun­gen). Hin­weise zur Ausstat­tung solch­er Räume find­en sich unter Zif­fer 6.2 der ASR A4.3 sowie im Anhang der BG-Infor­ma­tion „Erste Hil­fe im Betrieb“ (BGI 509). Anzumerken ist noch, dass für vorüberge­hend ein­gerichtete Arbeitsstät­ten auch ver­gle­ich­bare Ein­rich­tun­gen wie zum Beispiel Erste-Hil­fe-Con­tain­er genutzt wer­den können.

Bei Neubauten beachten

Ins­beson­dere bei Neubaut­en sollte beachtet wer­den, dass die neue ASR A 4.3 unter Zif­fer 6.1 ver­schiedene bauliche Anforderun­gen an Erste-Hil­fe-Räume stellt.
Unter anderem wird vorgegeben, dass:
  • Erste-Hil­fe-Räume im Erdgeschoss liegen sollen und mit ein­er Kranken­trage leicht zu erre­ichen sein müssen,
  • die Lage von Erste-Hil­fe-Räu­men so zu wählen ist, dass Beein­träch­ti­gun­gen durch z. B. Lärm oder Staub soweit wie möglich aus­geschlossen sind,
  • sich in unmit­tel­bar­er Nähe eine Toi­lette befindet,
  • Erste-Hil­fe-Räume eine aus­re­ichende Größe (Grund­fläche) aufweisen (20 m²),
  • im Zugangs­bere­ich von Erste-Hil­fe-Räu­men keine Stufen vorhan­den sind,
  • der Zugang eine aus­re­ichende Bre­ite hat,
  • Fußbö­den und Wände leicht zu reini­gen und erforder­lichen­falls zu desin­fizieren sind,
  • eine aus­re­ichende Beleuch­tung und Belüf­tung vorhan­den ist,
  • die Raumtem­per­atur den Anforderun­gen der ASR A3.5 „Raumtem­per­atur“ entsprechen muss,
  • ein Waschbeck­en mit fließend Kalt- und Warmwass­er sowie Tele­fon vorhan­den sein muss und
  • ein Sichtschutz gegen Ein­blick von außen gewährleis­tet ist.

Kennzeichnung

Im Not­fall muss es schnell gehen. Daher ist es wichtig, dass alle Erste-Hil­fe-Ein­rich­tun­gen, Mate­ri­alien usw. schnell zu find­en sind. Erken­nungsmerk­mal der Beschilderung aller Erste-Hil­fe-Ein­rich­tun­gen sind die weißen Sym­bole auf grünem Grund. Die Regeln zur Kennze­ich­nung find­en Sie in der ASR A1.3 „Sicher­heits- und Gesund­heitss­chutzkennze­ich­nung“. Beispiel­sweise sind Erste-Hil­fe-Räume mit dem Ret­tungsze­ichen E003 „Erste Hil­fe“ zu kennzeichnen.
Beruf­sgenossen­schaft Han­del und Warendis­tri­b­u­tion, BGHW

Zum Weiterlesen
Weit­ere Hin­weise zum The­ma find­en Sie in den Regeln und Infor­ma­tio­nen der Unfal­lver­sicherungsträger, wie zum Beispiel in der BGI 503 „Anleitung zur Ersten Hil­fe“ oder der BGI 509 „Erste Hil­fe im Betrieb“. Nüt­zliche Infor­ma­tio­nen find­en Sie auch beim „Fachauss­chuss Erste Hil­fe“ der DGUV ( www.dguv.de/erstehilfe).
Den Text der ASR A3.4 erhal­ten Sie z.B. über die Home­page der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin ( www.baua.de).
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