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Fahrradfahrer

Bloß auffal­len im Stra­ßen­ver­kehr!

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Fahr­rad fahren ist gesund und schont den Geld­beu­tel. Aber: Radfah­rer gehö­ren zu den schwä­che­ren Verkehrs­teil­neh­mern. Sie werden leicht von Autos über­se­hen und erlei­den bei Unfäl­len fast immer körper­li­che Verlet­zun­gen. „Sicher­heits­be­auf­trag­ter“ fragte Welf Stan­ko­witz, Refe­rats­lei­ter Fahr­zeug­tech­nik beim Deut­schen Verkehrs­si­cher­heits­rat (DVR), wie Radfah­rer Unfälle vermei­den können.

Wie entwi­ckelt sich die Zahl der Fahr­rad­un­fälle in den letz­ten Jahren?
Welf Stan­ko­witz: Einer­seits sind wir froh, dass sich die Anzahl der getö­te­ten Radfah­rer in den letz­ten 20 Jahren auf circa ein Drit­tel redu­ziert hat. Im letz­ten Jahr star­ben 384 Radfah­rer im Stra­ßen­ver­kehr. Das sind unge­fähr zehn Prozent aller Verkehrs­to­ten in Deutsch­land. Größere Sorge berei­ten uns aber die verun­glück­ten Radfah­rer, denn deren Anzahl hat in den letz­ten 20 Jahren um knapp die Hälfte zuge­nom­men. Betrach­tet man nur die schwer­ver­letz­ten Verkehrs­teil­neh­mer, so stel­len die Radfah­rer hier einen Anteil von über zwan­zig Prozent. Insge­samt hat sich die Unfall­ent­wick­lung bei den Radfah­rern nicht so posi­tiv entwi­ckelt, wie bei den Pkw. Wir müssen also hier mit unse­ren Anstren­gun­gen gewal­tig nach­le­gen.
Welche Folgen erlei­den die Unfall­op­fer?
Welf Stan­ko­witz: Auto­fah­rer haben mitt­ler­weile kein Blech­kleid, sondern eine High­tech­hülle um sich herum, die sie vor Unfall­fol­gen schützt. Der einzige passive Schutz, den Radfah­rer haben, ist der Fahr­rad­helm. Jeder Fahr­rad­un­fall, auch wenn er bei nied­ri­gen Geschwin­dig­kei­ten abläuft, führt zu körper­li­chen Verlet­zun­gen. Die Vermei­dung eines Unfalls oder Stur­zes steht also im Vorder­grund. Der Helm, aber auch eine gute schüt­zende Klei­dung, sind wich­tig, sie helfen aber nur die Unfall­fol­gen zu mindern.
Welche Verkehrs­si­tua­tio­nen sind für Fahr­rad­fah­rer beson­ders gefähr­lich?
Welf Stan­ko­witz: Gefähr­lich ist es immer dort, wo sich die Wege der unter­schied­li­chen Verkehrs­teil­neh­mer kreu­zen, das heißt, bei norma­len Stra­ßen­kreu­zun­gen, aber beson­ders auch bei Einmün­dun­gen und Grund­stücks­ein­fahr­ten. In etwa zwei Drit­tel der Unfälle zwischen Rad- und Auto­fah­rer ist zwar der Auto­fah­rer schuld, aber es gibt auch typi­sche gefähr­li­che Sünden der Radfah­rer, so z. B. das Nicht­be­ach­ten einer roten Ampel oder das Fahren in Gegen­rich­tung.
Wie soll­ten sich Radfah­rer hier verhal­ten?
Welf Stan­ko­witz: Die meis­ten Auto­fah­rer, so eine Unter­su­chung der Bundes­an­stalt für Stra­ßen­we­sen (BASt), geben bei Unfäl­len mit Fahr­rad­fah­rern an, dass sie den Radfah­rer gar nicht oder erst zu spät gese­hen haben. Ein ande­res Auto ist aufgrund seiner Silhou­ette wesent­lich auffäl­li­ger für einen Pkw-Fahrer als ein Radfah­rer, der aber viel­leicht genauso schnell ist. Deshalb gilt für Radfah­rer zum eige­nen Schutz: immer damit rech­nen, dass ein Auto­fah­rer einen selbst über­sieht. Das gilt vor allem, wenn man rechts neben einem Auto fährt, das abbie­gen will. Eine Hilfe dabei ist, sich möglichst auffäl­lig zu klei­den, mit fluo­res­zie­ren­den oder für die Nacht retro­re­flek­tie­ren­den Stof­fen.
Wie sieht ein siche­res Fahr­rad aus? Was sollte man gege­be­nen­falls über­prü­fen?
Welf Stan­ko­witz: Das Wich­tigste am Fahr­rad zur Unfall­ver­hü­tung sind gute Brem­sen. Das Zweit­wich­tigste ist ein gutes Licht, nicht nur, um gese­hen zu werden, sondern auch um selbst Schlag­lö­cher auf oftmals maro­den Fahr­rad­we­gen zu erken­nen. Darüber hinaus müssen alle Schrau­ben fest ange­zo­gen sein. Die Quali­tät der Kompo­nen­ten spielt auch beim Fahr­rad eine große Rolle, deshalb besser die Finger weglas­sen von Schnäpp­chen­an­ge­bo­ten, denn ein Rahmen- oder Gabel­bruch kann verhee­rende Folgen haben.
Noch immer fährt die Mehr­heit der Radfah­rer ohne Helm. Was sind die über­zeu­gends­ten Argu­mente für das Tragen eines Helms?
Welf Stan­ko­witz: Sehr viele tödli­che Verlet­zun­gen der Radfah­rer rühren daher, dass sie mit dem Kopf auf das Fahr­zeug oder den harten Asphalt­bo­den der Straße aufpral­len. Ein Helm verhin­dert zwar nicht den Unfall, jedoch schützt er vor den schlim­men Unfall­fol­gen. Am beein­dru­ckends­ten sind Bilder von zertrüm­mer­ten Helmen, die den Radfah­rern das Leben geret­tet haben.
Ist der Berufs­ver­kehr auch für Radfah­rer beson­ders gefähr­lich? Was soll­ten sie hier berück­sich­ti­gen?
Welf Stan­ko­witz: Man kann Radfah­rer grob in zwei Klas­sen eintei­len. Zum einen dieje­ni­gen, die mehr zum Frei­zeit­spaß am Wochen­ende unter­wegs sind und zum ande­ren dieje­ni­gen, die viel fahren, das heißt, auch ihren Arbeits­weg mit dem Fahr­rad zurück­le­gen. Für die zweite Gruppe fällt auf, dass sie sich wesent­lich profes­sio­nel­ler verhal­ten, also eher die Verkehrs­re­geln einhal­ten, einen Helm und auffäl­lige Klei­dung tragen und peni­bel auf die Tech­nik ihres Fahr­ra­des achten. Trotz­dem ist die Gruppe deshalb gefähr­det, weil sie meis­tens in der Rush Hour unter­wegs ist mit viel sons­ti­gem Verkehr.
Haben Sie einen Wunsch an die Verkehrs­pla­ner, wie Stra­ßen für Fahr­rad­fah­rer siche­rer werden könn­ten?
Welf Stan­ko­witz: Grund­sätz­lich nimmt in Städ­ten der Radver­kehr zu, aber es gibt nicht genü­gend Radver­kehrs­an­la­gen. Auch die Wartung wird häufig vernach­läs­sigt. Schlechte Radwege sind oftmals ein Ärger­nis, aber nicht die haupt­säch­li­che Gefähr­dungs­quelle. Viel wich­ti­ger ist es, dass sich die Verkehrs­pla­ner die Verkehrs­füh­run­gen in Kreu­zungs­be­rei­chen vorneh­men und mit entspre­chen­den bauli­chen Verän­de­run­gen oder kosten­güns­ti­gen markier­ten Radfahr­strei­fen auf der Fahr­bahn dem Radver­kehr Schutz­räume bieten.
Das Inter­view führte Verena Manek.

Weitere Infos

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Die Broschüre „Das sichere Fahr­rad“ gibt Hinweise zur siche­ren Ausstat­tung von Rad und Fahrer. 24 Seiten, DIN A5 Format, Down­load oder kosten­los zu bezie­hen über www.dguv.de (Publi­ka­tio­nen, Weitere DGUV Medien, Bestell-Nr. 10728)
„Nicht den Kopf riskie­ren – sicher Fahr­rad fahren“ ist der Titel eines zwei­sei­ti­gen Flyers der Unfall­kasse Berlin. Er gibt kurze Tipps zum siche­ren Fahr­rad, nennt Stra­ßen­ver­kehrs­re­geln für Radfah­rer und den besten Schutz bei typi­schen Gefah­ren­si­tua­tio­nen. Down­load unter www.unfallkasse-berlin.de
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