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Brand­ri­si­ken erken­nen und ausschal­ten

Im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter
Brand­ri­si­ken erken­nen und ausschal­ten

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Je mehr Mitar­bei­ter in einem Betrieb zusam­men­ar­bei­ten und umso komple­xer die Arbeits­ab­läufe sind, desto höher ist auch das Brand­ri­siko. Maschi­nen und elek­tri­sche Anla­gen zählen dabei ebenso wie brenn­bare oder explo­sive Stoffe noch zu den kalku­lier­ba­ren Risi­ken, die sich mit entspre­chen­dem tech­ni­schen Aufwand beherr­schen lassen.

Dr. Schulz Busi­ness Consul­ting Volker Schulz Berren­ra­ther Str. 190 50937 Köln

Unbe­re­chen­bar hinge­gen ist und bleibt der Mensch: Acht­los wegge­wor­fene Ziga­ret­ten, Unacht­sam­kei­ten bei Schweiß­ar­bei­ten, bren­nende Kerzen­ge­ste­cke auf dem verlas­se­nen Schreib­tisch oder private Elek­tro­ge­räte sind immer wieder Auslö­ser von Brän­den in einem ansons­ten vorbild­lich geschütz­ten Betrieb – ganz abge­se­hen vom völlig unkal­ku­lier­ba­ren Risiko vorsätz­li­cher Brand­stif­tung.
Aber selbst unter widrigs­ten Umstän­den darf – und muss – niemand einem Brand wehr­los ausge­lie­fert sein. „Insbe­son­dere bei geän­der­ten Betriebs­ab­läu­fen oder während einer gefah­ren­träch­ti­gen Umbau­phase“, so Cars­ten Wege, Geschäfts­füh­rer des bvbf Bundes­ver­band Brandschutz-Fachbetriebe e.V. mit Sitz in Kassel, „ist eine erhöhte Aufmerk­sam­keit der Unter­neh­mens­lei­tung wie der Mitar­bei­ter gefragt. Vorbeu­gen­der und abweh­ren­der Brand­schutz müssen in solchen Zeiten perfekt inein­an­der grei­fen, um das Risiko in einem vertret­ba­ren Rahmen zu halten.“
Vorbeu­gen­der und abweh­ren­der Brand­schutz soll­ten sich ergän­zen
Zum vorbeu­gen­den Brand­schutz zählen sowohl bauli­che als auch anla­gen­tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men: Ange­fan­gen beim Einbau von Brand­schutz­tü­ren und der Erstel­lung von Flucht- und Rettungs­plä­nen über die Bereit­hal­tung von Feuer­lö­schern, die Instal­la­tion von Wand­hy­dran­ten, Lösch­an­la­gen, Brand­mel­dern und Rauch­ab­zugs­ein­rich­tun­gen bis hin zu Brand­schutz­übun­gen und der Bestel­lung eines Brand­schutz­be­auf­trag­ten – die Liste ist lang. Jede Einzel­maß­nahme wiederum ist Teil eines über­grei­fen­den Brand­schutz­kon­zep­tes, bei dessen Ausar­bei­tung ein quali­fi­zier­ter Brandschutz-Fachbetrieb hinzu­ge­zo­gen werden kann.
Falls es in einem Betrieb zu einem schwe­ren Brand kommen sollte, macht dies unwei­ger­lich eine Evaku­ie­rung notwen­dig – eine Evaku­ie­rung der eige­nen Mitar­bei­ter ebenso wie weite­rer Perso­nen, die sich zu dieser Zeit in den Gebäu­den oder auf dem Firmen­ge­lände aufhal­ten. Hierzu zählen sowohl Kunden und Besu­cher als auch Liefe­ran­ten und Service­kräfte ande­rer Unter­neh­mer, beispiels­weise im Reini­gungs­dienst.
Nach der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung ist es Pflicht des Unter­neh­mers, im Falle eines Bran­des oder einer Explo­sion für eine geord­nete Evaku­ie­rung der Arbeits­stätte zu sorgen, dazu im Vorfeld einen Flucht- und Rettungs­plan aufzu­stel­len und die darin beschrie­be­nen Flucht- und Rettungs­wege für jeden ersicht­lich zu kenn­zeich­nen.
Die Viel­zahl der Bestim­mun­gen, die zum Beispiel in den Muster­bau­ord­nun­gen fest­ge­legt sind, und neben maxi­ma­ler Länge und Breite sowie Ausge­stal­tung der Flucht- und Rettungs­wege eine Viel­zahl weite­rer Fakto­ren wie Bauweise, Nutzungs­art oder Perso­nen­zahl berück­sich­ti­gen, macht es nicht leicht, sich im Dschun­gel der Vorschrif­ten zurecht­zu­fin­den.
Ob Produk­ti­ons­be­trieb, Verwal­tung, Hoch­haus, Garage, Verkaufs- oder Versamm­lungs­stätte – in jedem Einzel­fall sind beson­dere Maßnah­men zu ergrei­fen, um der Fürsor­ge­pflicht gerecht zu werden und als Unter­neh­mer nicht persön­lich in die Haftung zu kommen. Nicht zuletzt aus wirt­schaft­li­chen Grün­den ist zudem eine Abstim­mung der bauli­chen mit anla­gen­tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Brand­schutz­vor­keh­run­gen zu tref­fen. Auch hier­bei können die Fach­be­triebe wert­volle Hilfe­stel­lun­gen leis­ten.
Ketten­re­ak­tio­nen führen immer wieder zu Kata­stro­phen
Immer wieder kommt es zu Brand­schä­den, die durch eine wahre Ketten­re­ak­tion von Ereig­nis­sen ausge­löst werden. Wer sich in seinem Betrieb mit mögli­chen Risi­ken ausein­an­der­setzt, sollte daher verschie­dene Szena­rien durch­spie­len – und stets vom schlimms­ten Fall ausge­hen. Dies ist die Erkennt­nis einer Auswer­tung spek­ta­ku­lä­rer Groß­brände, die der bvbf durch­ge­führt hat.
Ein mögli­ches Szena­rio könnte so ausse­hen: Bei Monta­ge­ar­bei­ten sollen einzelne Bleche mit einem Schneid­bren­ner heraus­ge­trennt werden. Dabei fallen von der Arbeits­bühne glühende Teile oder Funken auf eine darun­ter stehende Maschine und brin­gen Plas­tik­teile zum Schmel­zen. Die Schmelz­pro­dukte entzün­den sich und setzen das Gummi eines Förder­ban­des in Brand. Verur­sacht durch die große Hitze explo­diert zudem eine Gasfla­sche. Stich­flam­men lodern auf. Gleich­zei­tig entwi­ckelt sich star­ker Rauch, der für alle Anwe­sen­den die größte Gefahr darstellt, da sie in kurzer Zeit die Orien­tie­rung verlie­ren und durch das Einat­men der gifti­gen Rauch­gase ersti­cken können. Die Feuer­wehr braucht dann Stun­den oder sogar Tage, um den Brand unter Kontrolle zu brin­gen. „Hier stellt sich die Frage, ob es eine Verket­tung unglück­li­cher Umstände war oder ob es an Problem­be­wusst­sein mangelte“, kommen­tiert Cars­ten Wege den fikti­ven Vorfall. „Man hätte den Brand vermut­lich schon alleine dadurch verhin­dern können, wenn auf der Arbeits­bühne Feuer­lö­scher zur Hand gewe­sen wären. So jedoch verge­hen wert­volle Minu­ten, in denen sich Feuer und Rauch unge­hin­dert ausbrei­ten können und das Leben der Arbei­ter bedro­hen. Beim Umgang mit Schweiß­ge­rä­ten und Schneid­bren­nern müssen deshalb nach den Unfallverhütungs-Vorschriften der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten beson­dere Vorkeh­run­gen getrof­fen werden, wozu eine räum­li­che Abtren­nung der Baustelle sowie das Aufstel­len von Brand­pos­ten und Brand­wa­chen gehört. Und in jedem Fall ist es hier empfeh­lens­wert, bereits im Vorfeld den Brand­schutz­be­auf­trag­ten hinzu­zu­zie­hen.“
Der Brand­schutz­be­auf­tragte
Die Aufga­ben eines Brand­schutz­be­auf­trag­ten bestehen zunächst in der Ermitt­lung und Bewer­tung von Risi­ken und Gefah­ren­quel­len, der das Aufstel­len einer Brand­schutz­ord­nung und die Erar­bei­tung von Alarm- und Rettungs­plä­nen folgen. Darüber hinaus obliegt ihm die Entwick­lung und Über­wa­chung orga­ni­sa­to­ri­scher Brand­schutz­maß­nah­men, eine regel­mä­ßige Kontrolle und Koor­di­na­tion der Instand­hal­tung bestehen­der tech­ni­scher Brand­schutz­ein­rich­tun­gen sowie die Koope­ra­tion mit den Brand­schutz­be­hör­den und der Feuer­wehr. Außer­dem wird er regel­mä­ßige Schu­lun­gen und Brand­schutz­übun­gen orga­ni­sie­ren.
Eine Brand­schutz­aus­bil­dung, die ihren Zweck erfül­len soll und ihren Namen verdient, muss alle Mitar­bei­ter des Unter­neh­mens mit einbe­zie­hen. Wich­tig ist es, dass Unter­wei­sun­gen und Brand­schutz­übun­gen regel­mä­ßig – in beson­ders feuer­ge­fähr­de­ten Betriebs­be­rei­chen am besten einmal jähr­lich – wieder­holt werden, um das Erlernte aufzu­fri­schen und inzwi­schen neu einge­stellte Mitar­bei­ter eben­falls einzu­bin­den. Denn nur wenn diese wissen, wo sich die Flucht- und Rettungs­wege befin­den, können sie sich und andere bei Feuer und Rauch in Sicher­heit brin­gen. Und nur wenn ihnen bekannt ist, wie ein Feuer­lö­scher zu bedie­nen ist, können sie als betrieb­li­che Selbst­hil­fe­lösch­kräfte die Geräte im Falle eines entste­hen­den Bran­des auch zur Bekämp­fung der Flam­men einset­zen. Glei­ches gilt für den Umgang mit brenn­ba­ren, explo­si­ven oder in ande­rer Hinsicht gefähr­li­chen Stof­fen.
In einer typi­schen Schu­lungs­maß­nahme wird nicht nur theo­re­ti­sches Wissen vermit­telt, sondern auch die prak­ti­sche Hand­ha­bung moder­ner Feuer­lösch­tech­nik trai­niert. Sinn­voll und notwen­dig sind solche Übun­gen nicht nur dann, wenn leicht brenn­bare Stoffe zum Einsatz kommen oder feuer­ge­fähr­li­che Arbei­ten ausge­führt werden. Auch dort, wo viele Menschen zusam­men arbei­ten, besteht ein erhöh­tes Brand­ri­siko. Aus diesem Grunde sollte jeder Einzelne genau wissen, was im Falle eines Bran­des zu tun ist – und wie er sich und andere am besten schützt.
Die beson­dere Verant­wor­tung des Unter­neh­mers
Jeder, der ein Unter­neh­men leitet, trägt eine hohe Verant­wor­tung – nicht nur für den geschäft­li­chen Erfolg, sondern auch für die Sicher­heit und Unver­sehrt­heit seiner Mitar­bei­ter. Aus diesem Grunde ist er beispiels­weise dazu verpflich­tet, die aktu­el­len Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zu kennen. Leider ist dieses Bewusst­sein nicht über­all hinrei­chend ausge­prägt.
Sollte im Betrieb ein Feuer ausbre­chen und Menschen zu Scha­den oder gar zu Tode kommen, haftet der Unter­neh­mer persön­lich, falls ihm grob fahr­läs­si­ges Verhal­ten oder mangelnde Aufsichts­pflicht nach­ge­wie­sen werden können. Neben der betrieb­li­chen Kata­stro­phe kann dann auch noch der private Ruin die Folge sein.
„Was sich auf den ersten Blick einfach anhö­ren mag, ist in der Umset­zung oft ein sehr komple­xes Terrain – mit zahl­rei­chen juris­ti­schen und tech­ni­schen Fall­stri­cken. Wer meint, ein paar Hinweis­schil­der für Notaus­gänge und Feuer­lö­scher würden ausrei­chen, der irrt“, bringt Cars­ten Wege, Geschäfts­füh­rer des bvbf, die reale Lage auf den Punkt. Es empfiehlt sich daher, bei der Ausar­bei­tung eines umfas­sen­den Brandschutz-Konzeptes einen quali­fi­zier­ten Brandschutz-Fachbetrieb zu konsul­tie­ren, der den notwen­di­gen Über­blick besitzt und über konkrete Erfah­run­gen bei der Umset­zung der einzel­nen Maßnah­men verfügt.
Adres­sen loka­ler Brandschutz-Fachbe-triebe und weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen finden Sie beim:
bvbf – Bundes­ver­band
Brandschutz-Fachbetriebe e.V.
Fried­rich­str. 18
34117 Kassel
Tel.: 05 61 / 2 88 64–0
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