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D‑Arzt (Durchgangs-Arzt)

Lexikon der Unfallversicherung
D‑Arzt (Durchgangs-Arzt)

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Sehr früh, das heißt schon in den 90er Jahren des 19. Jahr­hun­derts, bestan­den bei den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten erste Vorstel­lun­gen über die Inan­spruch­nahme von Spezi­al­ärz­ten anstelle allge­mein zustän­di­ger, nicht spezia­li­sier­ter Ärzte. Das Durch­gangs­arzt­ver­fah­ren wurde einheit­lich bereits im Jahr 1936 einge­führt und wird seit­dem prak­ti­ziert.

S. 24 Antje Didlau­kat Kügel­gen­str. 15 06493 Ballen­s­tedt

Die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger (Unfall­kas­sen und Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten) haben dabei die guten Erfah­run­gen, die sie mit den ersten Unfall­kran­ken­häu­sern gemacht haben, beein­flusst. Man erkannte, dass nur mit der Hilfe von Spezia­lis­ten eine recht­zei­tige und quali­fi­zierte Behand­lung von Unfall­ver­letz­ten zu reali­sie­ren war. In Deutsch­land gibt es mitt­ler­weile ca. 3.500 zuge­las­sene Durch­gangs­ärzte. Über drei Millio­nen Versi­cherte werden jähr­lich im Durch­gangs­arzt­ver­fah­ren behan­delt.
Ablauf des Durch­gangs­arzt­ver­fah­rens
Der erste Ansprech­part­ner bei einem Arbeits­un­fall ist zunächst immer der nächst­ge­le­gene Durch­gangs­arzt (D‑Arzt). Unter mehre­ren D‑Ärzten an einem Ort hat der Verletzte die freie Wahl. Auch der Haus­arzt ist ange­hal­ten, bei Arbeits­un­fäl­len eine Über­wei­sung zu einem D‑Arzt zu veran­las­sen. Durch den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger kann die Vorstel­lung bei einem D‑Arzt eben­falls in die Wege gelei­tet werden. Der Unfall­ver­letzte muss sich beim D‑Arzt vorstel­len, wenn die Unfall­ver­let­zung über den Unfall­tag hinaus zur Arbeits­un­fä­hig­keit führt oder die Behand­lung voraus­sicht­lich länger als eine Woche dauert. Auch dann, wenn nach dem Abschluss der ärzt­li­chen Heil­be­hand­lung erneut Erkran­kun­gen infolge eines Arbeits­un­falls auftre­ten, ist eine Vorstel­lung beim D‑Arzt notwen­dig. Ausnah­men von der Pflicht zur Vorstel­lung bestehen dann, wenn der Verletzte eine isolierte Augen- oder Hals-Nasen-Ohren-Verletzung hat. In diesem Fall erfolgt gleich die Konsul­ta­tion des Augen- oder HNO-Arztes.
Auch bei sehr schwe­ren Verlet­zun­gen kann der Versi­cherte natür­lich direkt in eine Berufs­ge­nos­sen­schaft­li­che Unfall­kli­nik einge­lie­fert werden. Die Kosten für das Heil­ver­fah­ren gehen zu Lasten des Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers. Sie werden von den Ärzten unmit­tel­bar mit diesem abge­rech­net. Bei Dienst­un­fäl­len von Beam­ten ist das D‑Arztverfahren nicht vorge­se­hen.
Praxis­ge­bühr
Wenn jemand nach einem Arbeits­un­fall bei einem Arzt behan­delt wird, braucht er die 10 Euro Praxis­ge­bühr nicht zu zahlen! Der behan­delnde Arzt rech­net direkt mit der Berufs­ge­nos­sen­schaft oder Unfall­kasse ab. Es muss auch keine Versi­che­rungs­karte vorge­legt werden. Sollte ein Arzt doch die Gebühr erho­ben haben, kann diese dem Versi­cher­ten durch die Berufsgenossenschaft/ Unfall­kasse erstat­tet werden. Dabei sollte dann die Origi­nal­quit­tung vorge­legt werden. Auch von Zuzah­lun­gen für Arznei- und Heil­mit­tel sind Unfall­ver­letzte befreit.
Wer wird D‑Arzt?
Der D‑Arzt ist als Fach­arzt für Chir­ur­gie oder Ortho­pä­die nieder­ge­las­sen oder als solcher in einem Kran­ken­haus oder in einer Klinik tätig. Er verfügt über umfas­sen­des unfall­me­di­zi­ni­sches Wissen und hat beson­dere Kennt­nisse auf dem Gebiet der Behand­lung und Begut­ach­tung Unfall-verletzter, z.B. durch Arbeits­er­fah­rung auf einer Unfall­sta­tion. Auch hinsicht­lich der perso­nel­len, appa­ra­ti­ven und einrich­tungs­mä­ßi­gen Ausstat­tung muss der D‑Arzt spezi­elle Anfor­de­run­gen erfül­len. Er entschei­det und beur­teilt unter Berück­sich­ti­gung von Art und Schwere der Verlet­zung, ob eine allge­meine oder eine beson­dere Heil­be­hand­lung erfor­der­lich ist.
Ist aufgrund des erho­be­nen Befun­des eine allge­meine Heil­be­hand­lung ausrei­chend, been­det er mit der Erst­ver­sor­gung seine Behand­lungs­tä­tig­keit. Der Versi­cherte wird an seinen Haus­arzt über­wie­sen. Ist eine beson­dere Heil­be­hand­lung erfor­der­lich, um bessere Heil­erfolge zu erzie­len, kann der D‑Arzt diese durch­füh­ren. Der D‑Arzt muss sich im Rahmen der Unter­su­chung auch mit der Frage befas­sen, ob über­haupt ein Arbeits­un­fall vorliegt und die hierzu fest­ge­stell­ten Fakten doku­men­tie­ren. Dazu gehört auch die Befra­gung des Unfall­ver­letz­ten nach dem Hergang des Ereig­nis­ses, dem Verhal­ten nach dem Ereig­nis, dem Zeit­punkt der Arbeits­ein­stel­lung und nach frühe­ren Krank­hei­ten und Gebre­chen. Das Ergeb­nis der Unter­su­chung hält er in einem Bericht fest. Dieser wird an den zustän­di­gen Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger über­sandt.
Wo Durch­gangs­ärzte in der Nähe sind, kann man beispiels­weise über die zustän­dige Berufs­ge­nos­sen­schaft oder Unfall­kasse in Erfah­rung brin­gen. Auch in den Unter­neh­men liegt ein Verzeich­nis dazu vor.
Der D‑Arzt kann natür­lich auch bei priva­ten Unfäl­len aufge­sucht werden. Aller­dings über­nimmt dann die Kran­ken­kasse die Kosten für die Heil­be­hand­lung.
Wann wird der H‑Arzt betei­ligt?
Der H‑Arzt ist ein an der beson­de­ren Heil­be­hand­lung betei­lig­ter Arzt, der fach­lich befä­higt, und entspre­chend ausge­stat­tet ist. Er darf ohne eine Vorstel­lung beim D‑Arzt eine beson­dere Heil­be­hand­lung durch­füh­ren. Die beson­dere Heil­be­hand­lung ist eine fach­ärzt­li­che Behand­lung, die wegen Art und Schwere der Verlet­zung eine beson­dere unfall­me­di­zi­ni­sche Quali­fi­ka­tion verlangt. Dazu gehö­ren auch hier u. a. die Einlei­tung aller erfor­der­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men sowie die Beur­tei­lung der kausa­len Zusam­men­hänge zwischen Arbeits­un­fall und Verlet­zung sowie die Steue­rung und Über­wa­chung des Heil­ver­fah­rens. Der H‑Arzt darf die beson­dere Heil­be­hand­lung jedoch nur bei bestimm­ten Verlet­zun­gen, beispiels­weise schwe­ren Prel­lun­gen, Stau­chun­gen oder bei Knochen­brü­chen ohne Gelenk­be­tei­li­gung durch­füh­ren.
Wann kann ich wieder zu meinem Haus­arzt?
Die allge­meine Heil­be­hand­lung bedarf keines beson­de­ren perso­nel­len oder apparativ-technischen Aufwan­des oder einer spezi­el­len unfall­me­di­zi­ni­schen Quali­fi­ka­tion. Sie kann von jedem Haus­arzt durch­ge­führt werden, wenn der D‑Arzt oder H‑Arzt den Verletz­ten an den Haus­arzt zur allge­mei­nen Heil­be­hand­lung über­wie­sen hat.
Noch­mals das Wich­tigste in Kürze: Zweck des D‑Arztverfahrens ist es, den Unfall­ver­letz­ten eine schnelle und sach­ge­rechte Heil­be­hand­lung durch unfall­me­di­zi­nisch beson­ders erfah­rene Ärzte zukom­men zu lassen. Deshalb sollte derje­nige, der einen Unfall während der Arbeit erlei­det, sofort den nächst­ge­le­ge­nen D‑Arzt aufsu­chen. Infor­ma­tio­nen und Adres­sen zu D- oder auch H‑Ärzten in der Nähe sind beim Arbeit­ge­ber oder bei der zustän­di­gen Unfall­kasse oder Berufs­ge­nos­sen­schaft erhält­lich. Den Arbeit­ge­bern obliegt die Verpflich­tung die Beschäf­tig­ten beispiels­weise in Dienst­be­spre­chun­gen regel­mä­ßig auf die Vorstel­lungs­pflicht beim D‑Arzt nach Eintritt eines Arbeits­un­falls zu unter­rich­ten.
Antje Didlau­kat
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