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Die im toten Winkel sieht man nicht

Baumaschinen und ihre Tücken
Die im toten Winkel sieht man nicht

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Die Aktion „Sehen und gese­hen wer­den“ der BG BAU verdeut­licht, wo Gefahren beim Ein­satz von Bau­maschi­nen lauern und wie sich schwere oder tödliche Unfälle mit ein­fachen Maß­nah­men ver­hin­dern lassen.

Jedes Jahr passieren in der Bauwirtschaft über 12.000 oft schwere Unfälle, bei denen Bau­maschi­nen und Geräte für Erd­be­we­gun­gen und Straßen­bau sowie Kraft­fahrzeuge beteiligt sind.
Die Gefahr lauert im toten Winkel. Denn der Maschi­nen- oder Geräte­führer kann auf Per­so­n­en im Gefahren­bere­ich nur dann reagieren, wenn er sie von seinem Fahrerplatz aus auch sehen kann. Doch häu­fig haben Bau­maschi­nen kon­struk­tions­be­d­ingt Bere­iche, die vom Fahrerplatz aus nicht einge­se­hen wer­den kön­nen. Dabei kön­nten viele dieser Unfälle mit ein­fachen tech­nis­chen Maß­nah­men und umsichtigem Ver­hal­ten ver­hin­dert werden.
Nach der ISO 5006 „Erd­bau­maschi­nen-Sicht­feld-Testver­fahren und Anforderungskri­te­rien“ muss der Fahrer auch einen leicht gebück­ten Men­schen, der im Abstand von 1,0 Meter zur Bau­mas­chine arbeit­et, sehen kön­nen. Ist das nicht möglich, sind für diese Maschi­nen beson­dere Schutz­maß­nah­men zu ergreifen oder die Mas­chine ist entsprechend nachzurüsten. Deshalb soll­ten Unternehmer bere­its beim Kauf ein­er Mas­chine darauf acht­en, dass sie die Norm ISO 5006 erfüllt.
Ein ein­fach­es akustis­ches Warnsignal, beispiel­sweise beim Rück­wärts­fahren, reicht nicht aus. Weitaus wichtiger ist die Sicht. Nachteil akustis­ch­er Warnsignale: Wenn mehrere Bau­maschi­nen auf ein­er Baustelle sind und jede piept in kurzen Abstän­den, wer­den diese Geräusche von den Kol­le­gen bald nicht mehr wahrgenom­men oder nur noch als störend emp­fun­den. Der Maschi­nen­fahrer hinge­gen glaubt, dass er wegen dieser Warnsignale seine Umsicht ein­schränken kann, und wiegt sich in trügerisch­er Sicherheit.
Durch Kam­era-Mon­i­torsys­teme etwa am Bag­ger oder durch Drehsitze auf ein­er Walze lassen sich Sichtein­schränkun­gen reduzieren. Die Kam­era am Heck eines Bag­gers zeigt den anson­sten nicht ein­se­hbaren Bere­ich über einen Mon­i­tor in der Fahrerk­abine. Um bis zu 360 Grad drehbare Sitze in Walzen ermöglichen dem Walzen­fahrer auch beim Rück­wärts­fahren den Blick in die Fahrtrich­tung. Zudem wird durch bei­de tech­nis­chen Ein­rich­tun­gen die Arbeit für den Maschi­nen­führer erle­ichtert und ergonomis­ch­er gestal­tet. Denn ein Walzen­fahrer fährt im täglichen Arbeitsablauf genau­so viel rück­wärts wie vor­wärts. Drehbare Sitze ers­paren ihm das unbe­queme und nicht immer aus­re­ichende Umdrehen und verbessern die Sicht.
Der Maschi­nen­führer soll seine Arbeit fach­lich richtig und zügig aus­führen. Das allein erfordert schon beina­he seine volle Konzen­tra­tion. Dann muss er noch darauf acht­en, ob sich Per­so­n­en im Gefahren­bere­ich befind­en oder sich der Bau­mas­chine näh­ern. Dazu kom­men der tote Winkel und die begren­zte men­schliche Aufmerk­samkeit. Deshalb müssen Beschäftigte vor dem Betreten des Gefahren­bere­ich­es sich­er sein, dass der Maschi­nen­führer sie wahrgenom­men hat. Das geschieht am besten über Blick­kon­takt mit dem Fahrer: Dann sieht er sie auch. Darüber soll­ten sich die Beschäftigten auf der Baustelle im Klaren sein.
Warn­klei­dung sorgt dafür, dass Beschäftigte auch bei schlechter Sicht nicht überse­hen wer­den. Auf Baustellen hat sich orange-rote Warn­klei­dung bewährt, die sich bei ver­schiede­nen Umge­bun­gen mit unter­schiedlichen Licht- und Kon­trastver­hält­nis­sen bess­er abhebt als gelbe. Zudem ist diese Farbe dem Aut­o­fahrer ein ver­trauter Hin­weis auf Bauar­beit­en, die ihn zur Umsicht mahnen.
Präven­tion
Fachauss­chuss Bauwesen

BG fördert Nachrüstung
Die BG BAU unter­stützt Unternehmer finanziell bei der Nachrüs­tung von Alt­maschi­nen mit Kamera-Monitorsystemen.
Antrags­for­mu­lar gibt es unter:
Dort kön­nen auch fol­gende Medi­en zur Aktion kosten­los bestellt werden:
    • Fly­er „10 Tipps zur Unfallverhütung“
    • Plakate
    • Kurz­film

Freie Sicht nach hinten

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Inter­view mit Horst Leis­er­ing, Auf­sichtsper­son der BG BAU

Jährlich reg­istri­ert die BG BAU über 4000 meldepflichtige Unfälle im Zusam­men­hang mit Maschi­nen und Geräten für die Erd­be­we­gung. Im Inter­view mit der SB-Redak­tion gibt Horst Leis­er­ing, Auf­sichtsper­son der BG BAU, Hin­weise, wie solche Unfälle ver­mieden wer­den können.
Für die Kam­pagne „Risiko raus!“ hat die BG BAU ein recht blutiges Plakat ent­wor­fen. Wieso ist die Wahl darauf gefallen?
Leis­er­ing: Wer­den Per­so­n­en von Erd­bau­maschi­nen an- oder über­fahren, sind häu­fig schw­er­ste oder tödliche Ver­let­zun­gen die Folge. Um dies ohne viel Text deut­lich zu machen, haben wir uns für die ein­dringliche Art der Darstel­lung entsch­ieden. Die Reak­tio­nen darauf sind unter­schiedlich. Wer sich über­wiegend the­o­retisch mit dem Arbeits- und Gesund­heitss­chutz beschäftigt oder in Bere­ichen arbeit­et, in denen die erwäh­n­ten Unfall­fol­gen eher die Aus­nahme sind, reagiert auf die Plakate mitunter geschockt. Wer aber mit dem The­ma unser­er Aktion durch seine tägliche Arbeit direkt in Verbindung ste­ht, reagiert über­wiegend positiv.
Jährlich ereignen sich zahlre­iche schwere Unfälle, an denen Bau­maschi­nen beteiligt sind. Wie sind die Aus­maße und was tut die BG BAU für die Unfallopfer?
Leis­er­ing: Im Jahr 2008 reg­istri­erte die BG BAU über 4000 meldepflichtige Arbeit­sun­fälle im Zusam­men­hang mit Maschi­nen und Geräten für die Erd­be­we­gung, Rüt­tlern, Maschi­nen für Straßen­bau und Unter­halt Last­wa­gen. 147 dieser Arbeit­sun­fälle waren Schw­er­stun­fälle, 19 davon mit tödlichem Aus­gang. Zahlre­iche weit­ere Unfälle gescha­hen im Zusam­men­hang mit Leicht­fahrzeu­gen. Der größte Teil der schw­eren Ver­let­zun­gen sind Reißwun­den, Knochen­brüche, Quetschun­gen und Prel­lun­gen. Bei Arbeit­sun­fällen kommt die BG BAU in dem geset­zlich fest­gelegten Rah­men für die finanzielle Unter­stützung der Hin­terbliebe­nen zum Beispiel durch Zahlung von Witwen- und Waisen­renten auf. Die Kosten für einen einzel­nen Reha-Fall belaufen sich schnell auf mehrere Hun­dert­tausende Euro.
Ist ein Nachrüsten der Erd­bau­maschi­nen nach ISO 5006 vorgeschrieben?
Leis­er­ing: Die ISO 5006:2006 ist seit dem 30. Novem­ber 2008 für die Her­steller von Erd­bau­maschi­nen verbindlich. Her­steller, die ihre Maschi­nen ab diesem Datum erst­mals in Europa in den Verkehr brin­gen und die in dieser Norm beschriebe­nen Sich­tan­forderun­gen erfüllen, kön­nen davon aus­ge­hen, dass die Forderun­gen der Maschi­nen­richtlin­ie bezüglich der Sicht einge­hal­ten sind. Eine konkrete und all­ge­me­ingültige Nachrüstverpflich­tung für Maschi­nen, die vor diesem Datum erst­mals in den Verkehr gebracht wur­den, beste­ht nicht. Vielmehr sind die Unternehmer beziehungsweise Betreiber auf Grund der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung und der BG-Regel „Betreiben von Erd­bau­maschi­nen“ (BGR 500, Kap. 2.12) verpflichtet, Schutz­maß­nah­men festzule­gen, wenn vorherse­hbar ist, dass sich Per­so­n­en im Gefahrbere­ich aufhal­ten werden.
Wie sehen diese Schutz­maß­nah­men aus?
Leis­er­ing: Solche Maß­nah­men kön­nen zusät­zliche Ein­rich­tun­gen zur Verbesserung der Sicht sein, der Ein­satz von Ein­weis­ern oder Sicherungsposten sowie das Tra­gen von Warn­west­en. Zudem hat der Fachauss­chuss Tief­bau eine im April 2009 veröf­fentlichte Empfehlung aus­ge­sprochen. Danach sollen Erd­bau­maschi­nen im Rah­men der näch­sten Prü­fung durch eine „Befähigte Per­son“ hin­sichtlich der Sichtver­hält­nisse im Nah­bere­ich über­prüft wer­den. Wird dabei fest­gestellt, dass eine hin­ter der Mas­chine ste­hende Per­son vom Fahrer nicht gese­hen wer­den kann, müssen Maß­nah­men ergrif­f­en wer­den. Tech­nis­che Maß­nah­men, etwa Nachrüs­tung mit einem Kam­era- oder Mon­i­torsys­tem, soll­ten bald­möglichst umge­set­zt wer­den. Andern­falls muss die Gefährdung durch die Sichtein­schränkung durch baustel­len­spez­i­fis­che Maß­nah­men ver­hin­dert wer­den. Möglich ist die Sicherung beziehungsweise die Absper­rung des Fahr- und Arbeits­bere­ich­es sowie der Ein­satz von Ein­weis­ern und Sicherungsposten.
Welche ist Ihrer Mei­n­ung nach die geeignet­ste Lösung zur Verbesserung der Sicht nach hinten?
Leis­er­ing: Kam­era-Mon­i­tore sind in der Regel die bessere Lösung. Sie erhöhen die Sicher­heit und auch die Pro­duk­tion beim Maschinenein­satz. Denn dem Maschi­nen­führer wird die Arbeit erle­ichtert. Unternehmer, Bauleit­er und Schacht­meis­ter wer­den ent­lastet, da der Aufwand für Ein­weis­er, Sicherungsposten und Absper­run­gen reduziert wird.
Wer trägt die Ver­ant­wor­tung, wenn es durch man­gel­haft aus­ges­tat­tete Fahrzeuge zu Unfällen kommt?
Leis­er­ing: Ver­stoßen Her­steller oder Unternehmer gegen geset­zliche Sorgfalt­spflicht­en und ist ein solch­er Ver­stoß ursäch­lich für den Unfall, dann sind diese dafür verantwortlich.
Gibt es ein Fahrzeugsicher­heit­strain­ing für Erdbaumaschinen?
Leis­er­ing: Seit dem 7. Jan­u­ar 2009 gibt es den anerkan­nten Qual­i­fika­tion­snach­weis zum „Geprüften Bag­ger- und Lader­fahrer“. Die Spitzen­ver­bände der Bauwirtschaft und die BG BAU empfehlen, diese Möglichkeit zur Verbesserung der Rechtssicher­heit zu nutzen. Es soll­ten also Maschi­nen­führer einge­set­zt wer­den, die diese prak­tis­che und the­o­retis­che Qual­i­fika­tion zum „Geprüften Bag­ger- und Lader­fahrer“ absolviert haben. Zuge­lassene Prü­fungsstät­ten betreiben der Hauptver­band der Deutschen Bauin­dus­trie und der Zen­tralver­band des Deutschen Baugewerbes.
Wie oft find­en Unter­weisun­gen statt und was muss dort ange­sprochen werden?
Leis­er­ing: Zum einen müssen Maschi­nen­führer und „Boden­per­son­al“ min­destens ein­mal jährlich über die Gefährdun­gen beim Betrieb von Erd­bau­maschi­nen und die erforder­lichen Schutz­maß­nah­men zur Ver­mei­dung dieser Gefährdun­gen unter­wiesen wer­den. Zum anderen müssen hier­bei die für den Betrieb von Erd­bau­maschi­nen rel­e­van­ten Inhalte der gel­tenden Unfal­lver­hü­tungsvorschriften und BG-Regeln sowie des ein­schlägi­gen staatlichen Vorschriften- und Regel­w­erkes in ver­ständlich­er Weise ver­mit­telt wer­den. Außer­dem muss die Unter­weisung doku­men­tiert werden.
Welche Kri­te­rien müssen die Unternehmen erfüllen, damit die BG BAU eine Nachrüs­tung von Erd­bau­maschi­nen unterstützt?
Leis­er­ing: Die Fir­ma des Antrag­stellers muss Mit­glied bei der BG BAU sein. Nähere Infor­ma­tio­nen sowie das Antrags­for­mu­lar sind im Inter­net unter www.sehen-und-gesehen-werden.de zu finden.
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