Startseite » Fachbeiträge » Archiv SB » Die rich­tige PSA rich­tig auswäh­len

Grundlagenwissen für Sicherheitsbeauftragte

Die rich­tige PSA rich­tig auswäh­len

Anzeige
Bei vielen Arbeits­vor­gän­gen sind die Beschäf­tig­ten Unfall- oder Gesund­heits­ge­fah­ren ausge­setzt. Diese muss der Unter­neh­mer ermit­teln und bewer­ten, um tech­ni­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche oder persön­li­che Schutz­maß­nah­men fest­zu­le­gen. Sehr oft blei­ben auch nach den betriebs­tech­nisch mögli­chen Maßnah­men noch Rest­ri­si­ken. In diesen Fällen müssen geeig­nete Persön­li­che Schutz­maß­nah­men (PSA) gegen z. B. physi­ka­li­sche, chemi­sche oder biolo­gi­sche Gefähr­dun­gen zur Verfü­gung gestellt werden.

Dr. Clau­dia Waldin­ger

Der Gesetz­ge­ber hat die Vorge­hens­weise dazu fest­ge­legt und verlangt, dass der Unter­neh­mer eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch­füh­ren muss. Darun­ter versteht man die Abschät­zung der Risi­ken, die während der Arbeit für den Arbeit­neh­mer an seinem Arbeits­platz bestehen. Dazu muss der Arbeits­platz betrach­tet werden und jede einzelne Tätig­keit hinsicht­lich der chemi­schen, mecha­ni­schen, biolo­gi­schen Einwir­kun­gen auf den Körper voraus­schau­end unter­sucht werden.
Zu den chemi­schen Einwir­kun­gen gehö­ren der Umgang mit Gefahr­stof­fen z. B. in Reinigungs- oder Löse­mit­teln, aber auch durch Tätig­kei­ten eines Arbeit­neh­mers an einem benach­bar­ten Arbeits­platz frei­ge­setzte Gefahr­stoffe. Zu den physi­ka­li­schen Einwir­kun­gen gehört z. B. Lärm, die Möglich­keit einge­klemmt zu werden oder zu stol­pern, oder auch eine Absturz­ge­fahr.
Mit biolo­gi­schen Einwir­kun­gen ist zu rech­nen, wenn z. B. Schim­mel­pilze entfernt werden, Kanü­len einge­sam­melt werden müssen, bei Gebäu­de­sa­nie­run­gen oder bei einer Flächen­des­in­fek­tion einer verkeim­ten Fläche im Kran­ken­haus.
Die Berufs­ge­nos­sen­schaft der Bauwirt­schaft hat Hilfe­stel­lun­gen hierzu entwi­ckelt, in denen an ausge­wähl­ten Arbeits­plät­zen typi­sche Gefähr­dun­gen zusam­men­ge­stellt sind und Hand­lungs­hil­fen zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für die Gewerke der Bauwirt­schaft auf CD-ROM (Hoch- und Tief­bau­ge­werke, Ausbau­ge­werke und Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men) zugäng­lich gemacht. Diese Check­lis­ten kann der Unter­neh­mer bei Arbeits­platz­be­ge­hun­gen einset­zen, er muss sie aber um die spezi­el­len Gefähr­dun­gen an dem gerade betrach­te­ten Arbeits­platz ergän­zen. Dann kann er sie für weitere Ermitt­lun­gen oder Kontrol­len wieder verwen­den.
Auf diese Weise lassen sich auch Ände­run­gen am Arbeits­platz, tech­ni­sche Verbes­se­run­gen oder auch geän­derte Arbeits­stoffe (z. B. Gefahr­stoffe) oder Arbeits­mit­tel doku­men­tie­ren.
Im zwei­ten Schritt muss er die vorge­fun­de­nen und mögli­cher­weise im Arbeits­ab­lauf auftre­ten­den Gefähr­dun­gen bewer­ten. Es sind dabei auch Gefähr­dun­gen durch die in der Umge­bung arbei­ten­den Perso­nen oder durch nicht zwangs­läu­fig eintre­tende Ereig­nisse, wie Unfälle, zu beden­ken. Damit Schutz­maß­nah­men in ange­mes­se­ner Form fest­ge­legt werden, müssen die Risi­ken für jede einzelne Tätig­keit bewer­tet werden.
Bevor Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung zum Einsatz kommt, um Rest­ri­si­ken zu mini­mie­ren, sind tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Schutz­maß­nah­men auszu­schöp­fen. Beim Umgang mit Gefahr­stof­fen ist vor allem ande­ren noch eine Ersatz­stoff­prü­fung durch­zu­füh­ren.
Sind die Rest­ri­si­ken bekannt und die vorran­gi­gen Schutz­maß­nah­men ausge­schöpft, dann muss der Unter­neh­mer Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung fest­le­gen. Letzt­end­lich können aber alle Arten von PSA, die den Arbeit­neh­mer von Kopf bis Fuß schüt­zen sollen, notwen­dig sein und müssen dann auf einan­der abge­stimmt werden.
PSA muss der Arbeit­ge­ber zur Verfü­gung stel­len und auch bezah­len. Rege­lun­gen sind hierzu unter ande­rem im Arbeits­schutz­ge­setz, in der Gefahr­stoff­ver­ord­nung und z. B. in der BGV A1 fest­ge­legt.

Was zeich­net PSA aus?

Die Arbeit­neh­mer wiederum müssen die zur Verfü­gung gestellte PSA benut­zen, bestim­mungs­ge­mäß einset­zen und Ersatz anfor­dern, wenn die PSA nicht mehr einsetz­bar ist. Das bedeu­tet auch, dass die Arbeit­neh­mer die PSA vor jeder Benut­zung auf ordnungs­ge­mä­ßen Zustand zu prüfen haben.
Zu Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung zählt man Klei­dung, die gegen­über Gefah­ren bzw. Risi­ken einen Schutz bietet. Beispiele für Schutz­klei­dung sind ein Chemi­ka­li­en­schutz­an­zug, ein Schwei­ß­er­schutz­an­zug, Warn­klei­dung oder auch Schutz­hand­schuhe, Fußschutz, Kopf­schutz und Atem­schutz.
Bei Schutz­klei­dung ist es notwen­dig, dass ein geeig­ne­tes und dafür zuge­las­se­nes Prüf­la­bor die Klei­dungs­stü­cke hinsicht­lich verschie­de­ner Eigen­schaf­ten norm­ge­recht prüft und dass sie anschlie­ßend ein Zerti­fi­kat erhal­ten. In Etiket­ten und in der Herstel­ler­in­for­ma­tion zur Schutz­klei­dung sind diese zerti­fi­zier­ten Eigen­schaf­ten und Fähig­kei­ten der Schutz­klei­dung beschrie­ben.

Kate­go­rien von Schutz­klei­dung

Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung wird entspre­chend der einschlä­gi­gen EU-Richtlinien gene­rell in die Kate­go­rien I, II und III einge­ord­net. Schutz­aus­rüs­tun­gen müssen grund­sätz­lich mit dem CE-Zeichen gekenn­zeich­net sein, sonst dürfen sie nicht als PSA in den Verkehr gebracht werden. Mit der CE-Kennzeichnung beschei­nigt der Herstel­ler, dass die Schutz­aus­rüs­tung mit den fest­ge­leg­ten „grund­sätz­li­chen Sicherheits- und Gesund­heits­an­for­de­run­gen“ der entspre­chen­den EU-Richtlinien konform ist. Kate­go­rie I gilt für einfa­che PSA, Kate­go­rie II gilt für PSA gegen mitt­lere Risi­ken, die ernste Verlet­zun­gen zur Folge haben können, Kate­go­rie III gilt für PSA, die gegen tödli­che Gefah­ren oder ernste und irrever­si­ble Gesund­heits­schä­den wirken soll. Zu dieser höchs­ten Kate­go­rie zählen Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe und Chemi­ka­li­en­schutz­klei­dung.

Beispiel: Gefähr­dungs­er­mitt­lung – Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung – PSA

In einer Maschi­nen­halle soll eine Indus­trie­rei­ni­gung durch­ge­führt werden. Indus­trie­rei­ni­gun­gen nehmen beispiels­weise Fremd­fir­men mit Fremd­per­so­nal in Maschi­nen­hal­len des Auftrag­ge­bers vor. Gefähr­dun­gen bestehen zum Beispiel durch den Umgang mit ätzen­den Reini­gungs­mit­teln, die Gefahr des Ausrut­schens, die Gefahr elek­tro­sta­ti­scher Entla­dung, durch die mögli­cher­weise in Betrieb befind­li­chen Maschi­nen oder durch Gegen­stände sowie durch weitere in dem Arbeits­be­reich tätige Perso­nen.
Je nach­dem, um welche Art von Betrieb es sich handelt, kommen zu den Anfor­de­run­gen aus der eige­nen Tätig­keit die Sicher­heits­be­stim­mun­gen dieses Betrie­bes hinzu, so dass in solchen Arbeits­be­rei­chen weitere PSA-Arten gefor­dert sein können.
Vom Auftrag­neh­mer direkt zu klären ist, welche Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung in diesem Fall durch den Umgang mit ätzen­den Reini­gungs­mit­teln, die stark sauer oder auch stark alka­lisch sein können, notwen­dig sind. Dies können Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe und mögli­cher­weise Chemi­ka­li­en­schutz­klei­dung sein.

Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe

Geeig­nete Schutz­hand­schuhe müssen undurch­läs­sig für den Arbeits­stoff sein und dürfen bei der norma­len Arbeits­be­las­tung nicht reißen. Sie müssen so elas­tisch und dünn sein, dass sie das Tast­ge­fühl nicht beein­träch­ti­gen und den persön­li­chen Ansprü­chen des Trägers nach Größe und Pass­form genü­gen.
Schutz­hand­schuhe werden heute aus den verschie­dens­ten Mate­ria­lien ange­bo­ten wie z. B. Natur­la­tex, Poly­vi­nyl­chlo­rid, Chlo­ro­pren, Nitril‑, Butyl- oder Fluor­kau­tschuk. Diese Hand­schuhe können als Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe Kat. III oder als teil­be­schich­tete Schutz­hand­schuhe der Kat. II vorlie­gen. Bei der Auswahl der Hand­schuhe ist daher auch zu beach­ten, wie es zu einem Kontakt mit Gefahr­stof­fen kommen kann.
Geeig­nete Schutz­hand­schuhe können in der Daten­bank von GISBAU (www.Gisbau.de, Stich­wort Hand­schuh­da­ten­bank) oder geeig­nete Schutz­hand­schuh­ma­te­ria­lien in der Daten­bank GESTIS (www.gestis.de) nach­ge­schla­gen werden. In der Herstel­ler­in­for­ma­tion zu den jewei­li­gen Schutz­hand­schu­hen befin­det sich eine Auflis­tung der Chemi­ka­lien mit den Anga­ben zur Durch­bruchs­zeit. Die Durch­bruchs­zeit ist die Zeit, die eine meist konzen­trierte Chemi­ka­lie nach dem ersten Kontakt zum Hand­schuh­ma­te­rial benö­tigt, um auf der Innen­seite des Hand­schuhs in einer Menge von 1 µg pro cm2 nach­ge­wie­sen zu werden. Das bedeu­tet, dass diese Anga­ben nur ein Anhalts­punkt für die tatsäch­li­che Trage­dauer sind, denn die Bestim­mung der Durch­bruchs­zeit erfolgt unter Labor­be­din­gun­gen bei 23 Grad Celsius, und nicht unter den Arbeits­be­din­gun­gen wo z. B. neben der chemi­schen Belas­tung für den Hand­schuh durch die Tätig­keit noch eine mecha­ni­sche Belas­tung hinzu­kommt und wo eine gut 10 Grad höhere Betriebs­tem­pe­ra­tur herr­schen kann.
Schutz­hand­schuhe werden nach verschie­de­nen Normen geprüft.
Die Grund­la­gen wie z. B. Hand­schuh­größe und Finger­fer­tig­keit werden entspre­chend DIN EN 420 geprüft, in der auch fest­ge­legt ist, welche Anga­ben in einer Herstel­ler­in­for­ma­tion zur Verfü­gung gestellt werden müssen. Die mecha­ni­schen Eigen­schaf­ten prüft man nach der DIN EN 388 (Abrieb‑, Weiterreiß‑, Stich- und Schnitt­fes­tig­keit), Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe nach den Normen DIN EN 374 Teil 1 bis Teil 3. Hier sind u. a. die zwölf Prüf­che­mi­ka­lien aufge­lis­tet, von denen bei mindes­tens drei Chemi­ka­lien ein Leis­tungs­le­vel von 2 erreicht werden muss, damit der Schutz­hand­schuh ein Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuh sein kann und mit dem Pikto­gramm des Erlen­mey­er­kol­bens gekenn­zeich­net werden darf. Werden die mini­ma­len Leis­tungs­le­vels nicht erreicht, kann noch das Pikto­gramm mit dem Becher­glas in Verbin­dung mit Zusatz­in­for­ma­tio­nen verge­ben werden.
Je nach Prüf­ergeb­nis erhal­ten die Schutz­hand­schuhe Leis­tungs­stu­fen für mecha­ni­sche, physi­ka­li­sche, chemi­sche Bestän­dig­kei­ten. Diese Leis­tungs­stu­fen sollte man bei der Auswahl von Schutz­hand­schu­hen für eine Tätig­keit aber nicht für bare Münze nehmen. Die Leis­tungs­stu­fen helfen zwar beim Vergleich der Produkte unter­ein­an­der, da die Leis­tungs­stu­fen jedoch unter Labor­be­din­gun­gen ermit­telt wurden, kann man diese oft nicht mit den Bedin­gun­gen an Arbeits­plät­zen verglei­chen. Es ist viel­mehr wich­tig alle Risi­ken, die für eine Tätig­keit ermit­telt wurden, gemein­sam zu betrach­ten und dann Schutz­hand­schuhe auszu­wäh­len, die möglichst viele Risi­ken abde­cken und mit denen die Perso­nen, die sie tragen, gut arbei­ten können.
Bei Indus­trie­rei­ni­gun­gen werden die Reini­gungs­mit­tel häufig in hoher Konzen­tra­tion einge­setzt, so dass Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe unum­gäng­lich sind. Mögli­cher­weise sind auch noch Löse­mit­tel­hal­tige Reini­gungs­mit­tel im Einsatz, so dass ein Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuh gegen alle diese chemi­schen Einwir­kun­gen gefun­den werden muss. Dies ist meist nicht möglich, denn gegen je mehr Stoffe ein Schutz­hand­schuh einen wirk­sa­men Schutz bieten soll, desto dicker und auch teurer wird das Mate­rial, so dass am Ende eine feine Tätig­keit nicht mehr möglich ist. In einem solchen Fall muss man sich für verschie­dene Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe entschei­den, die sich sinn­vol­ler Weise durch verschie­dene Farben leicht zu den erkann­ten Gefähr­dun­gen zuord­nen lassen, damit im Arbeits­be­reich keine Verwechs­lun­gen vorkom­men können.
Die in Frage kommen­den Hand­schuhe soll­ten außer­dem innen beflockt sein oder ein Feuch­tig­keit aufneh­men­des Futter besit­zen. Es gibt auch die Möglich­keit, Unter­zieh­hand­schuhe aus Baum­wolle zu tragen. Der Trage­kom­fort wird dadurch deut­lich verbes­sert und star­kes Schwit­zen vermin­dert. Beschäf­tigte soll­ten Hand­schuhe deshalb nur dann tragen, wenn ein Haut­kon­takt nicht sicher ausge­schlos­sen werden kann.
Bei der Auswahl der Schutz­hand­schuhe ist es sinn­voll, die Arbeit­neh­mer durch Trage­ver­su­che zu betei­li­gen. Wenn sie mitwir­ken, akzep­tie­ren sie den ausge­such­ten Hand­schuh besser und tragen ihn später auch.
Rege­lun­gen und Hilfen zur Auswahl spezi­ell von Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen bietet die BGI 868. Weitere Hilfe­stel­lun­gen von der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung bis hin zu prak­ti­schen Hinwei­sen bietet die TRGS 401 (Gefähr­dung durch Haut­kon­takt – Ermitt­lung, Beur­tei­lung, Maßnah­men).

Chemi­ka­li­en­schutz­klei­dung

Chemi­ka­li­en­schutz­klei­dung (CS-Kleidung), d. h. Chemi­ka­li­en­schutz­an­züge (CS-Anzüge), Schür­zen, Über­schuhe und vergleich­ba­res, welches den Körper ganz oder parti­ell schützt, wird bei Tätig­kei­ten mit Gefahr­stof­fen und biolo­gi­schen Arbeits­stof­fen getra­gen, die den Menschen durch ihre gefähr­li­che Eigen­schaf­ten schä­di­gen können, durch die Haut aufge­nom­men werden können, oder vom Arbeits­platz in andere Berei­che verschleppt werden und dort Dritte schä­di­gen können.
Bei der Gefähr­dungs­er­mitt­lung ist zunächst an Gefahr­stoffe zu denken, die als Produkte gekauft und am Arbeits­platz einge­setzt werden. Darüber hinaus ist auch an Gefahr­stoffe zu denken, die bei der Bear­bei­tung eines zunächst unge­fähr­li­chen Mate­ri­als entste­hen oder frei­ge­setzt werden können, oder die bei Arbei­ten in konta­mi­nier­ten Berei­chen (insbe­son­dere Altlasten- und Gebäu­de­schad­stoff­sa­nie­rung) auftre­ten können. Bei der Auswahl der CS-Kleidung sind folgende Anfor­de­run­gen zu berück­sich­ti­gen, die neben der Schutz­wir­kung auch die Gebrauchs- und Trage­ei­gen­schaf­ten betref­fen:
Die Schutz­wir­kung der CS-Kleidung muss unter Berück­sich­ti­gung der Durch­drin­gung (Permea­tion) gegen­über den einge­setz­ten Produk­ten / Gefahr­stof­fen / biolo­gi­schen Arbeits­stof­fen ausge­wählt werden. Es muss eine möglichst große Schutz­wir­kung gegen die auftre­ten­den Gefähr­dun­gen (chemi­sche, physi­ka­li­sche, biolo­gi­sche, ther­mi­sche, etc.) erreicht werden. Von der Durch­drin­gungs­zeit hängt die Zeit ab, wie lange die Beschäf­tig­ten die Chemi­ka­li­en­schutz­klei­dung verwen­den können.
Falls die Notwen­dig­keit besteht, muss sich die Klei­dung leicht reini­gen und desin­fi­zie­ren (auch dekon­ta­mi­nie­ren) lassen.
Die Arbeits­platz­be­din­gun­gen (Wech­sel­wir­kung von Chemi­ka­lien, Hitze, Kälte, Staub, Schwere der Tätig­keit, Zeit­raum, in dem die PSA getra­gen werden muss) sind bei der Auswahl der CS-Kleidung zu beach­ten.
Weitere Gefähr­dun­gen, die am Arbeits­platz auftre­ten können, wie elektro- stati­sche Aufla­dung, Sprit­zer von heißem Metall, offene Flam­men, Maschi­nen mit beweg­li­chen Teilen, in denen sich CS-Kleidung verfan­gen könnte, können hinsicht­lich der Mate­ria­lien der CS-Kleidung, deren Bestän­dig­keit oder deren Einsatz­be­reich ausschlag­ge­bend sein.
Wich­tig ist in jedem Fall, die CS-Kleidung so auszu­wäh­len, dass beson­ders bei mehre­ren zeit­gleich oder zeit­nah nach­ein­an­der auftre­ten­den Gefähr­dun­gen die CS-Kleidung einen umfas­sen­den Schutz gegen alle Gefähr­dun­gen bietet.
Grund­sätz­lich wird CS-Kleidung nach der Norm EN 340 mit einem Pikto­gramm gekenn­zeich­net, das einen Erlen­mey­er­kol­ben zeigt. Das „aufge­schla­gene Buch“ weist auf die Herstel­ler­in­for­ma­tion hin.
Die Kenn­zeich­nung besteht aus Name des Herstel­lers, Produkt­be­zeich­nung, Größen­be­zeich­nung, Nummer der gülti­gen euro­päi­schen Norm, aus Pikto­gram­men mit Leis­tungs­stu­fen, einer Pfle­ge­kenn­zeich­nung und der CE-Kennzeichnung mit Angabe der vier­stel­li­gen Ziffer des Prüf­in­sti­tu­tes. Ist die PSA für den Einmal-Gebrauch gedacht, ist sie mit einem entspre­chen­den Warn­hin­weis zu verse­hen.
Die CS-Kleidung (z.B. CS-Anzüge und parti­elle CS-Kleidung) wird je nach den Prüfan­for­de­run­gen aus den einschlä­gi­gen euro­päi­schen Normen als Typ 1 bis Typ 6 bezeich­net. Die für CS-Anzüge geltende DIN 943 unter­schei­det ledig­lich zwischen dem „gasdich­ten“ und dem „nicht gasdich­ten“ Anzug. Beim „gasdich­ten“ Typ 1 wird noch unter­schie­den in die drei Typen 1a, 1b und 1c, die sich in der an den Anzug ange­schlos­se­nen Atem­luft­ver­sor­gung unter­schei­den. Der „nicht gasdichte“ Chemi­ka­li­en­schutz­an­zug wird als Typ 2 bezeich­net und verfügt immer über eine externe Atem­luft­ver­sor­gung mit Über­druck (Über­druck­sys­teme).
Darüber hinaus gibt es CS-Anzüge, die gemäß der verschie­de­nen Prüf­nor­men als Typ 3, Typ 4, Typ 5 oder Typ 6 bezeich­net und mit spezi­el­len Herstel­ler­pik­to­gram­men gekenn­zeich­net werden. Die Typen erge­ben sich aus den unter­schied­li­chen Prüfun­gen, die die Anzüge zu durch­lau­fen haben, so dass ein einzel­ner Anzug mehrere Typen­be­zeich­nun­gen tragen kann. Diese Bezeich­nun­gen sagen jedoch noch nichts über die Quali­tät der Anzüge aus, sondern ledig­lich über die bei den Prüfun­gen fest­ge­stell­ten Eigen­schaf­ten (z. B. staub­dicht) und damit über die mögli­chen Einsatz­be­rei­che.
Nach den Ergeb­nis­sen der Prüfun­gen wird also eine Typen­be­zeich­nung verge­ben, wenn die Mindest­an­for­de­run­gen an Leis­tungs­stufe 1 erreicht wurden. Wurden höher­wer­tige Ergeb­nisse erzielt, wird eine höhere Leis­tungs­stufe bis maxi­mal 6 verge­ben.
Wich­tig für die Auswahl ist das Wissen, in welchem Aggre­gat­zu­stand (fest, flüs­sig, gasför­mig) bzw. in welcher Erschei­nungs­form (Aero­sol, massi­ver Fest­stoff, Flüs­sig­keits­sprit­zer, Ober­flä­chen­kon­ta­mi­na­tion) die Gefähr­dung vorliegt. Danach sind die Typen hinsicht­lich Staub­schutz, Spritz­schutz, Gasschutz fest­zu­le­gen.
Ein weite­res Krite­rium zur Auswahl der CS-Kleidung bzw. des notwen­di­gen Leis­tungs­ver­mö­gens ist die Art und der Umfang des Kontak­tes zum Arbeits­stoff. Wenn im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung fest­ge­stellt wird, dass in einem opti­mier­ten Arbeits­ab­lauf sicher nur mit Flüs­sig­keits­sprit­zern und nicht mit Voll­kon­takt („Schwall“) zu rech­nen ist, ist das Leis­tungs­ver­mö­gen (Leis­tungs­stu­fen) der CS-Kleidung auch darauf abzu­stim­men, denn Schutz­klei­dung sollte nicht belas­ten­der als notwen­dig sein.
Für den Beschäf­tig­ten, der die Indus­trie­rei­ni­gung durch­führt, muss dann ein Chemi­ka­li­en­schutz­an­zug zur Verfü­gung gestellt werden, wenn die Gefahr besteht, dass er Kontakt zu den Reini­gungs­che­mi­ka­lien, den in der Maschi­nen­halle sonst vorkom­men­den Gefahr­stof­fen oder einem weite­ren der o.g. Fakto­ren hat. Da die Arbei­ten in der Regel mit großem Tempo durch­ge­führt werden und es zu Sprit­zern kommen kann, könnte daher ein CS-Anzug oder zumin­dest ein parti­el­ler Schutz in Form einer Hose als Spritz­schutz sinn­voll sein.
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 9
Ausgabe
9.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 9
Ausgabe
9.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de