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Einfach wie nie – sinnvoller denn je!

Frühdefibrillation im Betrieb
Einfach wie nie – sinnvoller denn je!

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Allein in Deutsch­land ster­ben jedes Jahr über 100.000 Men­schen am plöt­zlichen Herz­tod, zumeist ohne vorherige Warnze­ichen. Sta­tis­tisch gese­hen ist das jed­er fünfhun­dert­ste Erwach­sene. Der plöt­zliche Herz­tod ist außer­halb von Kranken­häusern die häu­fig­ste Todesur­sache und daher auch für den zeit­gemäßen betrieblichen Arbeitss­chutz eine Her­aus­forderung.

Dr. David G. Clausen

Der Tod wird in der Regel durch „Herzrasen“, das soge­nan­nte Kam­mer­flim­mern ein­geleit­et, das einen sofor­ti­gen Herz-Kreis­lauf-Still­stand bedeutet. Jede Minute ohne Defib­ril­la­tion ver­ringert die Über­lebenswahrschein­lichkeit um 7–10 %. Nur mit einem Laien­de­fib­ril­la­tor kann in solch ein­er Sit­u­a­tion jed­er Hil­fe leis­ten und Leben ret­ten – der Notarzt würde prinzip­iell das Gle­iche tun, wenn er nur schon vor Ort wäre. Verge­hen mehr als 10 Minuten ohne eine Defib­ril­la­tion, beste­hen kaum noch reelle Chan­cen, den Betrof­fe­nen zu ret­ten.
Auch für Laien leicht anzuwen­den
Ein Laien­de­fib­ril­la­tor ist ein kleines kom­pak­tes Gerät, das mit­tels ein­er Soft­ware den Herzrhyth­mus analysiert und entschei­det, ob eine Impulsab­gabe notwendig ist. Die meis­ten Geräte führen den Anwen­der mit­tels Sprachan­weisun­gen durch die gesamte Anwen­dung. Nur bei einem pos­i­tiv­en Ergeb­nis wird die Funk­tion des Gerätes über­haupt erst freigeschal­tet und der Anwen­der mit­tels Sprachan­weisung aufge­fordert, den Impuls per Knopf­druck auszulösen. Die Anwen­dung ist deshalb auch für Laien abso­lut sich­er.
In eini­gen Län­dern der Welt gehören heute Defib­ril­la­toren bere­its zur Stan­dar­d­ausstat­tung von öffentlichen Ein­rich­tun­gen, Fir­men und Sport­stät­ten, zum Teil bere­its auf zwin­gen­der geset­zlich­er Grund­lage. Auch in Deutsch­land lässt sich dieser pos­i­tive Trend zunehmend beobacht­en.
Zusatzaus­bil­dung Defib­ril­la­tion
Seit dem 1.1.2011 ist die Vorstel­lung eines Defib­ril­la­tors in allen Erste-Hil­fe-Kursen in Deutsch­land verpflich­t­en­der Bestandteil. Im Rah­men der betrieblichen Erste-Hil­fe-Aus­bil­dung kann eine Zusatzaus­bil­dung Defib­ril­la­tion zudem nun an den gle­ichen Aus­bil­dungsta­gen absolviert wer­den. Eine sin­nvolle Änderung, die die Inte­gra­tion der Defib­ril­la­tion in die leben­sret­ten­den Sofort­maß­nah­men ermöglicht, und die Hür­den für eine betriebliche Ein­führung weit­er abge­senkt hat. Auch die aktuellen tech­nis­chen Richtlin­ien für Arbeitsstät­ten (ASR 4.3, Dezem­ber 2010), als Konkretisierung der Anforderun­gen der Verord­nung über Arbeitsstät­ten, beschreiben den Defib­ril­la­tor nun auch als geeignetes Mit­tel für die betriebliche Erste-Hil­fe.
Das Euro­pean Resus­ci­ta­tion Coun­cil betont in den im Jahr 2010 neu veröf­fentlicht­en Richtlin­ien für Europa erneut die Sinnhaftigkeit der Frühde­fib­ril­la­tion in Unternehmen.
Objek­tive Entschei­dungskri­te­rien
Nach der grund­sät­zlichen betrieblichen Entschei­dung für die Ein­führung eines Frühde­fib­ril­la­tion­spro­jek­tes müssen vom Unternehmen ver­schiedene Fes­tle­gun­gen getrof­fen wer­den:
  • Wie viele Defib­ril­la­toren wer­den benötigt?
  • Wo sind die ide­alen Auf­be­wahrung­sorte?
  • Wie wäh­le ich den richti­gen Defib­ril­la­tor?
  • Wie regele ich Betrieb, Wartung und Ein­bindung in die betriebliche Erste Hil­fe?
1. Pro­jek­t­größe ermit­teln
Beim plöt­zlichen Herz­tod ist eine Defib­ril­la­tion inner­halb von ca. 5 Minuten anzus­treben. In diesem Zeit­fen­ster muss u.a. der Vor­fall erkan­nt, der Defib­ril­la­tor zum Betrof­fe­nen gebracht und die Elek­tro­den aufgek­lebt wer­den. Im Ide­al­fall verbleiben so ca. 2,5 Minuten zum Her­bei­holen des Defib­ril­la­tors. Zumeist müssen in diesem Zeit­fen­ster Hin- und Rück­weg zurück­gelegt wer­den. Stock­w­erke und abgeschlossene Bere­iche (zum Beispiel ein­seit­ige Flucht­türen) bilden aus diesem Grund eigene Pla­nungs­bere­iche. In vie­len Unternehmen ist daher auch der Ein­satz mehrerer Defib­ril­la­toren notwendig und sin­nvoll.
2. Auf­be­wahrung­sort wählen
Die Auf­be­wahrung­sorte soll­ten so gewählt wer­den, dass durch sys­tem­a­tis­che Anbringung eine gute Auffind­barkeit gegeben ist (immer am gle­ichen Ort in den Gebäu­den je Stock­w­erk, am Zugang zu Trep­pen­häusern, Eingän­gen etc.). Die Defib­ril­la­toren soll­ten zudem gut zugänglich sein und je nach Mod­ell für die Betrieb­s­fähigkeit vor Frost geschützt wer­den. Der Zugang sollte möglichst frei gewählt wer­den, um im Not­fall keine kost­bare Zeit für die durch Schlöss­er, etc. erschw­erte Ent­nahme zu ver­schenken. Ein Dieb­stahls- oder Van­dal­is­mus­risiko ste­ht dieser Forderung häu­fig diame­tral gegenüber. Eine Lösung bieten beispiel­sweise spezielle Auf­be­wahrungss­chränke mit Not­fal­löff­nung mit­tels Bruch­glass­cheibe (ähn­lich den bewährten Feuer­melder­sys­te­men).
3. Wahl des richti­gen Defib­ril­la­tors
Die Wahl des passenden Defib­ril­la­tors erweist sich häu­fig selb­st für Medi­zin­er als dif­fizil und die Ange­bote am Markt sind durch die Anbi­eter lei­der zumeist wenig trans­par­ent gehal­ten, was eine Ver­gle­ich­barkeit auf den ersten Blick ein­schränkt.
Generell sollte die Analyse des Defib­ril­la­tor sowie die ange­wandte Schock-Wellen­form auf klin­is­chen Stu­di­en basieren. Dies ist in der Regel bei großen Medi­z­in­pro­duk­te­herstellern gegeben. Die aktuellen Empfehlun­gen des Euro­pean Resus­ci­ta­tion Coun­cil (2010) geben zudem Hin­weise auf die fol­gen­den leicht ver­gle­ich­baren Qual­ität­sun­ter­schiede:
a) Möglichst geringe Energieab­gabe
Jede Defib­ril­la­tion schädigt den Herz­muskel, weswe­gen die aktuelle Forderung des Euro­pean Resus­ci­ta­tion Coun­cil nachvol­lziehbar­erweise lautet, dass bei nachgewiesen­er Effizienz eine möglichst geringe Energie genutzt wer­den soll, um das Flim­mern des Herzens zu been­den und dabei möglichst geringe myokar­diale Schädi­gun­gen zu verur­sachen.
b) Möglichst kurze Unter­brechung der Herz­druck­mas­sage (Min­imierung der Präschock­pause)
Die aktuellen Leitlin­ien fordern zudem eine Min­imierung der Präschock­pause, d.h. die Zeit nach Beendi­gung der Herz­druck­mas­sage für Analyse und Aufladung zusam­men, auf max­i­mal 5 Sekun­den. Der Grund: Je länger die Herz­druck­mas­sage unter­brochen wird, desto geringer ist die Chance für eine erfol­gre­iche Defib­ril­la­tion. Aktuell entsprechen noch keine Geräte auf dem Welt­markt dieser Forderung des ERC. Die Mark­t­führer liegen für Analyse und Aufladung bei ein­er Zeit von 8 Sekun­den. Die Abnahme der Effizienz ist hier­bei mit jed­er Sekunde enorm, wie der Abbil­dung oben zu ent­nehmen ist. Hier lohnt ein Ver­gle­ich.
Beson­ders schlecht schnei­den hier im Ver­gle­ich die soge­nan­nten Vol­lau­to­mat­en ab. Dies sind Geräte, die eine Defib­ril­la­tion ohne Zutun des Anwen­ders durch­führen. Aus Sicher­heits­grün­den müssen diese Geräte in der Regel mehrere Warn­hin­weise aus­geben, bevor eine Defib­ril­la­tion erfol­gt. So erk­lären sich Zeit­en für Analyse und Aufladung in Summe von über 20 Sekun­den und mehr.
Sin­nvoll und hil­fre­ich für die Herz-Lun­gen-Wieder­bele­bung im Bere­ich medi­zinis­ch­er Laien ist es zudem, wenn der Defib­ril­la­tor ein soge­nan­ntes Metronom enthält, das den Ers­thelfer bei der Herz­druck­mas­sage unter­stützt, indem es den Takt für die Kom­pres­sion des Brustko­rbes angibt.
Betrieb und Wartung
Die meis­ten Defib­ril­la­toren sind wartungsarm und ver­fü­gen über automa­tis­che Selb­sttest­funk­tio­nen. Daher wer­den sie auch durch die Her­steller von den regelmäßi­gen sicher­heit­stech­nis­chen Kon­trollen ent­bun­den. Für diese soge­nan­nte STK-Frei­heit ist jedoch die regelmäßige (z.B. tägliche) Prü­fung und Doku­men­ta­tion der Sta­tu­sanzeige notwendig. Wichtig ist es an dieser Stelle darauf zu acht­en, dass v.a. die Elek­tro­den­pads durch den Defib­ril­la­tor regelmäßig kon­trol­liert wer­den, da hier eine primäre Fehlerquelle liegt.
Nur wenige Bauteile müssen im Rah­men der Bere­i­thal­tung zur Leben­sret­tung peri­odisch getauscht wer­den. Hierzu gehören in erster Lin­ie die Elek­tro­den­pads und die Spezial­bat­terie. Des Weit­eren kön­nen unregelmäßig Soft­ware-Updates anfall­en, um den Defib­ril­la­tor auf dem aktuellen Stand von Tech­nik und Wis­senschaft zu hal­ten bzw. verän­derten Anforderun­gen (z.B. Richtlin­ien) anzu­passen.
Einige Fir­men bieten Mietkonzepte an, in denen neben dem stets ein­satzbere­it­en Laien­de­fib­ril­la­tor alle notwendi­gen Wartun­gen und Updates bere­its enthal­ten sind. Die Monatsmi­et­preise hier­für begin­nen bei ca. 35 Euro inklu­sive dem voll­ständi­gen Ser­vice und machen eine Pla­nung ein­fach.
Neue Ten­den­zen vere­in­fachen weit­er die Vorhal­tung
Zunehmend mehr Behör­den, Unternehmen und sog­ar Pri­vathaushalte entschei­den sich heutzu­tage für die Anschaf­fung von Laien­de­fib­ril­la­toren. Die Qual­ität der am Markt ange­bote­nen Geräte ist hier­bei jedoch genau so unter­schiedlich, wie in den meis­ten anderen Pro­duk­t­bere­ichen auch. Objek­tive Unter­schei­dungsmerk­male wur­den vorherge­hend aufgezeigt.
Trotz der Eig­nung für den außerklin­is­chen Bere­ich, sog­ar für Per­so­n­en, die niemals zuvor ein solch­es Gerät in der Hand gehal­ten haben, sind Laien­de­fib­ril­la­toren durch eine geset­zliche Klas­si­fizierung Medi­z­in­pro­duk­te, deren Betrieb der Medi­z­in­pro­duk­te­be­treiberverord­nung unter­liegt und kleinere Pflicht­en für den Betreiber mit sich bringt. Neue Full-Ser­vice-Ange­bote, wie die bere­its erwäh­n­ten Mietkonzepte, ver­suchen die Vorhal­tung eines Defib­ril­la­tors immer ein­fach­er zu gestal­ten und dem Betreiber sämtliche Pflicht­en abzunehmen. So sind in Form von Mietlö­sun­gen bere­its heute alle notwendi­gen Ein­führun­gen und Wartun­gen für den Kun­den als Betreiber abgedeckt.
Neuerd­ings wer­den nun auch ver­net­zte Sys­teme ange­boten, die weit­ere Vorteile für den Nutzer bieten: Die bish­er noch notwendi­ge tägliche Sta­tus­prü­fung durch eine Sichtkon­trolle eines hierzu beauf­tragten Ver­ant­wortlichen vor Ort ent­fällt, wird elek­tro­n­isch durchge­führt und über eine Fun­klö­sung in einem zen­tralen Sys­tem automa­tisch doku­men­tiert und aus­gew­ertet. Im Alarm­fall kön­nen entsprechende Ret­tungs­ket­ten ges­tartet und sog­ar Freis­prechverbindun­gen zu spezial­isierten Leit­stellen hergestellt wer­den. Diese helfen, die so lebenswichtige Soforthil­fe durch tele­fonis­che Unter­stützung mit hohem medi­zinis­chen Niveau noch erfol­gre­ich­er als bish­er zu gestal­ten: Sie alarmieren nicht nur den Ret­tungs­di­enst, son­dern assistieren dem Ers­thelfer bei Bedarf während der gesamten Basis­re­an­i­ma­tion­s­maß­nahme bis zum Ein­tr­e­f­fen des Ret­tungs­di­en­stes. Diese Neuerun­gen führen zu ein­er deut­lichen Ent­las­tung des oper­a­tiv­en Bere­ichs und im Not­fall zu ein­er effizien­teren Ret­tungs­kette sowie zu ein­er Her­ab­set­zung der Hemm­schwelle des Anwen­ders.
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